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All aboard for Britain's most scenic journey on the West Highland line
scotland, day two
Drone footage of the Jacobite Train at The Glenfinnan Viaduct last week captured on our roadtrip last week by my mate Iain
My goodness the highlands have my heart. Heading north again, away from these hills, this mist, and into the sea soaked Isles.

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Laird HasenbÀr in Schottland  - Tag 6
Hexen, Zauberer und Muggles!
Fort William ist die wichtigste Stadt Schottlands sĂŒdlich von Inverness, westlich von Stirling und nördlich von Glasgow. Und es ist ebenfalls die wichtigste Stadt im Harry Potter Universum. Man könnte sogar von einem Wallfahrtsort sprechen.
Fort William ist der Mittelpunkt der StraĂen- und Schienenverbindungen in der gesamten Region. Und genau wegen der Eisenbahn sind wir hier: denn in Fort William startet der Jacobite Train, der allen Harry Potter Fans als Hogwart Train besser bekannt ist.
Deswegen entschieden wir uns auch fĂŒr die nahe gelegene Unterkunft âPremiere Innâ, das gerade einmal 500 Meter von Bahnhof entfernt liegt. Diese Distanz ist gut zu bewĂ€ltigen und wir mĂŒssen uns nicht noch um einen Parkplatz kĂŒmmern.
Die Tickets fĂŒr den Zug haben wir - besser gesagt: mussten wir - bereits Mitte Januar möglichst zĂŒgig erwerben. Sonst hĂ€tte es mit der Fahrt nĂ€mlich nicht mehr geklappt, denn schon da mussten wir nehmen, was noch an Tickets zu bekommen war.
Die aus den Potter Filmen berĂŒhmten Compartments waren bis weit in den September hinein ausgebucht, ebenfalls die 2er Tische und alle Abfahrten am Morgen. So blieb uns nur der Termin am Nachmittag, an einem 4er Tisch (sharing) und natĂŒrlich ganz stilecht mit dazu gebuchtem Afternoon Tea.Â
Abfahrt ist am Bahnsteig 2 in Fort William. Der Jacobite Train ist als Sonderfahrt ausgewiesen. Ein paar NachzĂŒgler sprechen noch am Schalter wegen möglicher Resttickets vor. Die Schlange dort wird immer lĂ€nger.
Die Lokomotive pfeift kurz, dann rollt der Jacobite Steam Train los und verlĂ€sst super pĂŒnktlich den Bahnhof von Fort William. Sein Ziel: Der kleine Fischerort Mallaig im Westen.
In unserem Erste Klasse Abteil teilen wir uns den âsharing Tableâ mit einem hollĂ€ndisch-irischen Ehepaar. Die Beiden pendeln zwischen Holland und Irland wohnsitzmĂ€Ăig hin und her. Sie sind in etwa in unserem Alter.
Zuvor gab es eine kleine Aufregung, da der 4er Tisch von anderen Leuten belegt war, die sich im Waggon vertan hatten. Sie hatten schlicht ĂŒbersehen, dass man nach der Hinfahrt die PlĂ€tze wechselt.Â
Durch die Rotation kommt jeder Fahrgast in den Genuss - sofern er Hin und RĂŒckfahrt gebucht hat - beide Seiten der Strecke sehen zu können.
GegenĂŒber, an dem 2er Tisch sitzt ein deutlich Ă€lteres Ehepaar. Waschechte Schotten, die einen entsprechenden Dialekt sprechen. Er stilecht im Kilt mit Kiltnadel, Sporran, Stricksocken und natĂŒrlich dem darin steckendem Sgian dubh (Dolch).Â
Seine reizende Frau hat ihm diese Reise im Jacobite Train zum 80sten Geburtstag geschenkt. Stolz merkte er an, dass er hier als Einziger âpropper dressedâ wĂ€re. Da können (und wollen) wir nicht widersprechen.
Die Bahnstrecke ist zirka 70 Kilometer lang, die einfach Fahrt mit dem Steam Train dauert knapp zwei Stunden. Die Verbindung wurde 1901 eröffnet und sollte diesen abgelegenen Teil Schottlands besser anbinden und versorgen.
Seit 1984 fĂ€hrt hier der Dampfzug, um den Tourismus zu fördern. Seit 2011 ist die Nachfrage so hoch, dass an den langen Sommertagen sogar zwei DampfzĂŒge tĂ€glich fahren.
Der Name âJacobiteâ rĂŒhrt von den Jakobiten und ihrem in Glenfinnan gestarteten Aufstand unter Bonnie Prince Charlie her. Eine Geschichte, die wesentlich Ă€lter ist als Harry Potter und die 1746 tragisch, mit dem Verlust der schottischen UnabhĂ€ngigkeit, endete.
Schon auf den ersten Metern erhascht man einen Blick auf die Neptuneâs Staircase, das grandiose Schleusensystem am Eingang des Caledonian Canal. Dann taucht der Zug in die Landschaft der schottischen Highlands ein.
Die Zugcrew verteilt die bestellten Afternoon Tea Pakete. Das verlÀuft enttÀuschend lieblos. Alles gucken sich ratlos an und jeder hatte hier etwas mehr Stil erwartet.
Ein Tisch weiter vorne wurde von einem Herrn fĂŒr seine Liebste ein StrauĂ Blumen bestellt. Der wird auch einfach nur auf den Tisch geknallt.Â
Hinter uns wurde offensichtlich eine Flasche Champagner vorbestellt. Diese wird hemdsĂ€rmelig am Flaschenhals durchs Abteil getragen und ohne KĂŒhler und irgendwas auf den Tisch gestellt.
Der inkludierte Kaffee/Tee lĂ€sst auf sich warten und manch ein Gast kauft sich ein GetrĂ€nk im Boardbistro, denn es ist heiĂ und der historische Zug hat natĂŒrlich keine Klimaanlage.Â
Man fĂ€hrt vorbei an Lochs, passiert das berĂŒhmte Glenfinnan Viadukt und verliert sich in der Ferne des Loch Shiel mit dem Glenfinnan Monument im Vordergrund. Loch Shiel war ĂŒbrigens ebenfalls Kulisse aus den Harry Potter-Filmen. Dort heiĂt er allerdings Hogwarts-See.
Einen Stopp von etwa einer halben Stunde legt der Zug in der Glenfinnan Station ein, einem herzigen alten Bahnhof aus Holz, in dem ein kleines Museum eingebaut ist und auf dessen GelĂ€nde Waggons stehen, in denen Besucher sogar ĂŒbernachten können.
Jetzt, wo die Mehrzahl der GĂ€ste auf dem Bahnhof ist und das Museum oder die Toilette besucht oder einfach nur Fotos macht, da nutzt das Personal die Gelegenheit um den Kaffee/Tee auszuschenken. Die Sache ist schnell erledigt, da ja zu dem Zeitpunkt kaum jemand im Zug sitzt.Â
Ich konnte fĂŒr unseren Tisch aber noch die Damen abfangen und Kaffee erhaschen. Dazu sogar noch Milch und Zucker. Die zurĂŒck kehrenden FahrgĂ€ste staunten nicht schlecht, dass der Service schon durch war.Â
Ein wenig weiter werden Harry Potter Fans eine weitere Filmkulisse erkennen können: Im zauberhaften Loch Eilt gibt es eine kleine Insel mit BĂ€umen darauf. Ab der âKammer des Schreckensâ ist der See in allen Harry-Potter-Filmen zu sehen; besonders im âGefangenen von Askabanâ mit einigen vor Ort gefilmten Einstellungen.
Das pittoreske Inselchen mit dem gĂ€lischen Namen âEilean na Moineâ ist ein beliebtes Postkartenmotiv. Die Insel hat man leicht verfremdet am Anfang der âHeiligtĂŒmer des Todes - 2â in einen Hintergrund vom Loch Arkaig hineinkopiert. Sie ist dort als GrabstĂ€tte von Albus Dumbledore zu sehen.
Da hier in Schottland seit Tagen Bilderbuchwetter, mit Temperaturen von bis zu 30 Grad, herrscht, nutzt das eine Filmcrew aus und begleitet den berĂŒhmten Zug mit einem Helicopter.Â
Immer wieder fliegt der, vorne mit einer dicken Kamera bestĂŒckte, Hubschrauber ĂŒber uns hinweg. Mal links, dann wieder rechts. Von vorne, von hinten und drumherum.
Es kommt wieder ein Ort mit handfester Historie: Loch nan Uamh â der See, an dem Bonnie Prince Charlie Schottland endgĂŒltig verlassen hat, um nach Frankreich zu fliehen. Loch Nahm Uamh ist bereits ein Meeresarm.
Und wieder kommen wir an einer Filmkulissen vorbei: der Jacobite Steam Train erreicht Morar mit seinem wunderschöner Sandstrand. Teile von âHighlanderâ mit Christopher Lambert und Sean Connery wurden hier gedreht; und etliche Szenen von Local Hero, einem sehenswerten Schottland-Klassiker mit Burt Lancaster.
Nach gut zwei Stunden Fahrt rollt der Dampfzug schlieĂlich in Mallaig ein. Hier endet die Strecke. Wer es nicht so eilig hat, bleibt am Bahnsteig und sieht der Lokomotive beim Wendemanöver zu.Â
Sie koppelt sich vom Zug ab, fĂ€hrt dann rĂŒckwĂ€rts ĂŒber ein Ausweichgleis und stöĂt dabei vorne Dampfschwaden aus. Die Lokomotive hĂ€ngt sich dann hinten wieder an den Zug an.
Mallaig ist so etwas, wie ein heimlicher Verkehrsknotenpunkt der Highlands: Hier enden der Jacobite Steam Train und die Road to the Isles, nur um dann mit FĂ€hrverbindungen zur Isle of Skye und vielen kleinen Inseln wie Mugg, Eigg oder RĂčm fortgesetzt zu werden.
Wie etwa auch der Ort Ullapool ist das Dorf Mallaig eine GrĂŒndung wĂ€hrend der Highland Clearances, Nachwehen der verlorenen Schlacht von Culloden im Jahre 1746 unter Bonnie Prince Charlie .
Im Jahr 1840 beschloss Thomas Fraser, 12. Lord Lovat seine LĂ€ndereien aufzuteilen. Damals lebten am Loch Morar und am Loch Nevis viele Bauern auf relativ fruchtbarem Land. Doch Lovat wollte oder musste seine LĂ€ndereien rentabler gestalten. Und so drĂ€ngte er die Bauern vom Land in eine Siedlung im Westen der Halbinsel Knoydart, wo sie sich kĂŒnftig um die Fischerei statt um Ackerbau kĂŒmmern sollten.
Nach nur zehn Jahren hatten sich 134 Menschen hier niedergelassen â wie geplant als Fischer. Und die Lovats kĂŒmmerten sich auch weiter um den kleinen Hafen. So wurde ein Pier gebaut, das heute noch als Lovat Pier bekannt ist.
Doch noch wichtiger fĂŒr die Entwicklung von Mallaig war die Eisenbahn. Lord Lovat kĂ€mpfte um die Strecke â hatte er doch gesehen, wie stark sich Oban durch die Anbindung verĂ€ndert hatte.
Lovat war erfolgreich: 1901 wurde die Strecke zwischen Fort William und Mallaig eingeweiht. Die ZĂŒge brachten ArbeitskrĂ€fte und bald auch Touristen. Und sie nahmen MeeresfrĂŒchte auf, um sie dann zu den MĂ€rkten im Inland zu transportieren. Dabei wurden sie oft schon im Ort gerĂ€uchert.
Auch die Boote Ă€nderten sich von Segelbooten zu Dampfschiffen. So konnten sie in entfernteren GewĂ€ssern weitere FischgrĂŒnde erschlieĂen. Mallaig boomte.1932 wurde die erste AutofĂ€hre in Betrieb genommen, die Mallaig (wie heute noch) mit dem gut 7 Kilometer entfernten Armadale auf Skye verband.
Nicht ganz zwei Stunden Aufenthalt haben die Passagiere des Jacobite Steam Train. Derweil können sie durch den kleinen Fischerort bummeln und den Ausblick auf die Insel Skye gegenĂŒber genieĂen.
GroĂe SehenswĂŒrdigkeiten bietet Mallaig nicht. Und das Dorf ist auch keine alte Schönheit mit groĂartiger Architektur. Wir kaufen uns ein Eis, setzen uns an den Hafen.Â
Wir sinnieren darĂŒber, dass wir uns das alberne Afternoon Tea Paket lieber hĂ€tten sparen sollen und besser einen Tisch in einem der Fischlokale in Mallaig reservieren sollen. Das wĂ€re leckerer und wahrscheinlich auch preiswerter gewesen. Hinterher ist man immer schlauer!
Unsere Tischnachbarn kommen auch und setzen sich dazu. Alle sind sich einig, dass das Gebotene völlig ĂŒberteuert ist.Â
Auf dem RĂŒckweg zum Zug wollen wir noch einmal schnell die Toiletten im BahnhofsgebĂ€ude nutzen. Pustekuchen! Hier wird pĂŒnktlich um 16 Uhr Feierabend gemacht. Das passt ja wieder super ins Bild ...
Um 17 Uhr beginnt die RĂŒckfahrt nach Fort William. Alle haben ihre neuen PlĂ€tze gefunden und wir stellen erfreut fest, dass wir wieder mit unseren neuen Bekannten zusammen sitzen.Â
Plötzlich stoppt der Zug völlig unerwartet auf offener Strecke. Ratlosigkeit macht sich breit ... Der Zug fĂ€ngt an rĂŒckwĂ€rts zu rollen bis zur Bahnstation von Ărasaig, das wir zuvor bereits passiert hatten.
MÀnner mit Schaufeln bewaffnet und einem Eimer Wasser rennen an unserem Fenster vorbei. Dann kommt endlich eine aufklÀrende Durchsage: der Zug hat mit seinem Qualm und den sich darin befindenden Kohlepartikeln einen Brand verursacht.
Die Dame von Boardservice erklĂ€rt es uns genauer: durch das ungewöhnlich heiĂe Wetter ist die Heide derart trocken, dass halt ein Funke der Dampflok genĂŒgt, um ein Feuer auszulösen.
Der Zug darf erst weiter fahren, wenn der Brand gelöscht ist, so die nachfolgende Durchsage. Unruhe macht sich breit, denn einige GÀste haben den Caledonian Sleeper Train gebucht und der verlÀsst Fort William eigentlich um 19 Uhr. Andere GÀste wollen abgeholt werden oder haben ein Taxi bestellt. Wildes Telefonieren beginnt!
Unsere neuen, schottischen Freunde - mit dem Kilt - rufen ihre Kinder an. Die wollen die Story ĂŒberhaupt nicht glauben und halten es fĂŒr einen Scherz, den der Vater ihnen da auftischt. Aber der Papa ist nicht doof und schaltet das Smartphon auf Lautsprecher und wir dĂŒrfen alle den Kinder versichern, dass das stimmt.
Unser Ire am Tisch checkt derweil schon einmal die BBC News, ob bereits von einem Feuer in den schottischen Highlands berichtet wird. Alle zusammen denken wir uns spektakulĂ€re Schlagzeilen aus und ĂŒberlegen, ob wir eine Kompensation verlangen können.
Die Schotten wollen Alkohol als EntschĂ€digung, wir sind - typisch deutsch - fĂŒr einen Gutschein. Jedenfalls haben wir eine Menge SpaĂ! Irgendwann kommt auch das Zugpersonal wieder zurĂŒck. Die Gefahr ist offensichtlich gebannt und die Fahrt wird fortgesetzt.
Gegen 20 Uhr treffen wir wieder in Fort William ein. Wir sind echt erledigt - zum GlĂŒck haben wir es nicht weit bis zum Hotel.
Oidhche mhath!
Angie, Micha und Laird HasenbÀr
The Jacobite Train, Scotland - by Oriol PalacĂ
4/11/19
đLoch Shiel, Glenfinnan Viaduct Trail and Glenfinnan Monument, Inverness-shire