Zielgruppen verschwimmen
Werbespots besser nicht mit halbem Ohr durchrieseln lassen: Es ging gar nicht um Lust und Milch auf Getreidebasis – die Schlagworte lauteten vielmehr ‚Haarverlust‘ und ‚Hafermilch‘ …
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Zielgruppen verschwimmen
Werbespots besser nicht mit halbem Ohr durchrieseln lassen: Es ging gar nicht um Lust und Milch auf Getreidebasis – die Schlagworte lauteten vielmehr ‚Haarverlust‘ und ‚Hafermilch‘ …
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Fundamental anders
„ … fahlstes restlicht ohne sichtbare quelle, ich fege stoisch den sehr verdreckten boden des riesigen hohen raums, der wirkt wie das leergeräumte innere einer dieser evangelischen betonkirchen, es ist tiefe nacht, durch das riesige dachfenster dringt nur vakuumgleiche schwärze, als sich die kleine tür hinten in der ecke öffnet und Pauli gebückt hereinschleicht, ich bin sehr erstaunt, denn er ist schließlich längst tot – ‚haaallo – du hier?!‘ bleiches lächeln vom herzen …
und plötzlich schimmert dieses pink-lila wabern herein! erst nur wie eine flüchtige ahnung, dabei schon unterlegt vom vibrierenden brummen einer hochspannungsleitung, ich schaue instinktiv hoch richtung fenster, und da steht diese formation am firmament direkt vor uns, pink, blau und gelb changierend, die assoziation von tannhaeusers gate schießt ein und fühlt sich an wie eine berauschende übereinkunft, der blick auf sie ist plötzlich komplett unverstellt, ich bin im raum schwebende grenzenlosigkeit und fühle kalte trockenheit im mund, weil ich ihn nicht zukriege, das ist so unfassbar faszinierend, ich will Pauli fragen, ob er das auch sieht, aber er ist verschwunden.
‚MIR WIRD KEINER GLAUBEN!‘ – unfähig zu mehr konkreten gedanken bleibt mir nur die gewissheit, dass da grad interstellar etwas ganz fundamentales passiert mit unserem planeten mittendrin …“
Dr. Jung: “Schrammels Schwebe-Impressionen aus der Unendlichkeit scheinen regelmäßig wiederkehrendes Sujet zu sein – wollen tiefere Schichten aus der Sicherheit gebenden Enge ausbrechen? Wir bleiben dran!“
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Schrammels Foto
Eric Jaquier: Gino’s Coffee. Leeds, 1969
Schrammel fährt dieses Bild immer wieder tief unter die Haut. Anfangs bildete er sich lediglich ein, sich in den Jungen hineinversetzen zu können. Mit der Zeit wich dieser Eindruck dem tiefen Gefühl, dass es den kleinen Schrammel zeigen könnte, nicht im Sinne von 'derselbe', sondern eine Art Symboldarstellung seiner selbst und seines Lebens. Diese kleine, augenscheinlich brave, unschuldige Person wirkt auf den ersten Blick so verloren im abgebildeten Setting, dass es Schrammels verborgenste Beschützerinstinkte weckt, die – und das zu schreiben fällt ihm noch immer schwer – dem kleinen Jungen in sich selbst gelten, den er längst vergessen zu haben wähnte.
Doch dann auch Hoffnung: Sein Äußeres mit diesem Haarschnitt, der Brille, der Kleidung, der Haltung von Körper und Besteck – all das strahlt einen Hauch von trotzigem Selbstbewusstsein aus, lässt Schrammel positiv gestimmt hoffen, dass der kleine Mann seinen Weg auf seine ganz eigene Art und Weise schon gehen wird. Tiefe, verloren geglaubte Gefühlsschichten offenbaren sich, und Schrammel ist der Kunst einmal mehr sehr dankbar dafür.
Die zwischenmenschliche Ebene des Fotos ist für Schrammel trotz ihrer formalen Abbildung seltsamerweise so gut wie nicht existent: Für ihn zeigt das Bild keine innigere Interaktion oder Beziehung, sondern eher die Konfrontation mit dem oft drohend zitierten ‚Ernst des Lebens‘ bzw. der ungemütlichen Welt da draußen – der Müll und die Kippe unter dem Tisch sind für Schrammel Detail-Stützen dieser These. Dicke Herausforderung das alles …
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Elementarste Lösungen auch ohne Rechenzentren
Seine von ihm neuerdings so genannten Strom-Hände wummern pulsierend weiter und sind eventuell zu Höherem befähigt, zumindest der Energiefluss ist objektiv da. Schrammel testet das am eigenem Körper und dem von Vertrauenspersonen weiter, und bis jetzt spricht vieles für mehr als einen Plazebo-Effekt. Das Beste: Laut Schrammel muss man nichts Großartiges tun für den Unterhalt dieser Gabe, denn die Natur und/oder die Metaphysik verweigern sich konsequent dem westlich-muttermilchlichen ‚erst-leisten-dann-Belohnung‘-Prinzip – ein Umstand, der die aktuelle Welt mit einem Hoffnungs-Nachbrenner anschieben dürfte: Bedingungslosigkeit ist real, was für eine schöne Perspektive!
Gefällt mir, dass du Proteste liebst Dass du gar nicht trinkst und doch Bukowski liest … [ Like mich am Arsch, Deichkind ]
Dennoch ist Schrammel hin- und hergerissen zwischen althergebrachten Denk-Ansätzen auf der einen und Wokeness-Vorwürfen bezüglich des hiesigen Projekts aus den Reihen des Streifendienstes auf der anderen Seite. Ein unnötiger Konflikt, denn die Zeit sitzt alles aus, alte Grenzen weichen auf für eine neue Ergebnisorientiertheit.
Die Dezernats-Queue taktet also nachhaltig im eigenen Sinne weiter, eine als Selbstzweck daherkommende Konstante: ‚Es ist alles ein Endurance-Rennen – to finish first, you have to finish first!’, zitiert Kottan die alte Racer-Weisheit, und irgendwann stehen die verdienten Sieger am Stockerl und alles wird gut …
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„Denken sie zufrieden!“
„Mein Leben erschien mir kürzlich aus einer Laune heraus als sehr stabiler, mit festen Grenzen eingefriedeter zeitlicher Komplex, der keine allzu großen Entwicklungssprünge hervorgebracht hat, was ich in keinster Weise als nachteilig empfand. Wenn man die kleinen Momente zu schätzen weiß, wird der Film, der am Ende an einem vorüberläuft, nicht zu kurz oder zu wenig intensiv – man kann zufrieden sein!“
Schrammel übte sich im Kreise der Kollegen in Realitätseinordnung, nachdem es einmal mehr zu einer absicherndern Zwangshandlung gekommen war, die vor den Kollegen glücklicherweise nicht verborgen werden musste. Gemeinsam lachte man über all die Selbstoptimierungs-Hanserln da draußen und ihr trauriges Geschäftsmodell der Army of Alphas.
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„ … sowieso Quatsch!“
Verhörraum
„Hinter der kugelsicheren, nur von meiner Seite aus durchsehbaren Panzerglasscheibe sehe ich in den tristen Verhörraum, durch den die Eindrücke meines Lebens geschläust werden. Die, auf die ich keine Lust habe oder noch schlimmer, kommen direkt in U-Haft. Aus den Augen, aus dem Sinn! Alles andere kann dann in Ruhe und wohlwollend betrachtet werden. Insgesamt ein sehr gutes Gefühl.“
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Stadt, ...
Samstag Abend. Die Stadt bringt Schrammel an seine Grenzen, klar, das schöne Wetter, ein etwas kühlender, leichter Wind und das goldene Licht ließen viel Betrieb erwarten, aber lange nicht in diesem Ausmaß. Die Menschen drängen nach draußen, um das Leben aufzusaugen, leichte Kleidung, Haut, die bei vielen einen Bräunungsgrad zeigt, für den Mitte April schon eine gewissenhafte Vorbereitung nötig gewesen sein musste.
Sehen und gesehen werden, das alte Spiel der Erfahrenen, der Heimspieler, volle Kontrolle und wenns geht darüber hinaus, so lautet der Plan. Gemischt-gemeinsames Ausgehen mit Wege-Bier, an den Ausschank-Etablissements überquellendes Treiben, das Schrammel heute schon aus der Ferne stresst – sind alle anderen normal oder doch er? Er weiß es nicht, versucht bei sich zu bleiben im allgemeinen Trubel, immer wieder Touristen, denen das offensichtlich nicht gelingen will, ihre Blicke hektisch zwischen Smartphone und eigenem Umfeld hin und her wechselnd, Streit um die richtige Route, über allem wabert diese aggressive Unruhe, deren Pegel mit den sich durch die automobile Blechlawine schlängelnden Menschenströmen anschwillt und sich in fast handgreiflichen Konflikten an den Ampelrückstaus entlädt, wilde Hupereien zeugen von massenhaft verlorenen Nerven, Domino-Effekt, das geht alles gar nicht, selbst diese Stadt ist nur fürs und ums Auto gebaut, dreistes Gewohnheitsrecht. Schrammels Traum von der rückeroberten Stadt schwindet im gleichen Tempo wie seine Fassung. Und auch sonst: Greifbare Erwartungshaltung, nur bei den meisten halt anders gelagert. Ob sie erfüllt werden kann?
Für Schrammel sicherlich nicht, er wird zunehmend unrund, darf sich nicht reinsteigern, doch selbst die japanischen Touristen sehen ihm jetzt an, dass etwas nicht stimmt, es kann gar nicht anders sein.
"Ruhig, ruhig, ganz ruhig, bitte!", fleht er sich an, doch er ist kurz davor aufzugeben, er und dieses Massenphänomen scheinen an diesem Samstag nicht zusammenfinden. Kurze Zeit später strategischer Rückzug, die vibrierende Stadt hat bei Schrammel nicht für einen Energiegewinn gesorgt, sondern ihm ganz im Gegenteil völlig die Batterie abgeklemmt. Es gibt so Tage…
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