Als Kottan im Dezernat neulich auch in Gegenwart Strebingers ĂŒber âIntuitionâ und peripherem Blick beim Auffinden von GegenstĂ€nden referierte, platzte der mit einer interessanten Begebenheit aus dem Postamt heraus:
Eins der Fahrzeuge, Typ eSprinter, wĂŒrde seit Inbetriebnahme durch seltsames Paketverhalten in den Tiefen seines Laderaums auffallen und im Postamt mittlerweile auf den Kosenamen ,Christineâ hören â Stichwort Stephen King.
Die drei Ermittler schauten Strebinger erst nur fragend an, dem erfahrenen Postler schien die Angelegenheit aus Versehen ĂŒber die Lippen gerutscht zu seinâŠ
âBittâschön wie bitte?â, setze Kottan nach.
Strebinger zierte sich, doch ganz langsam setzte sich die Lawine in Gang â das PhĂ€nomen rund um dieses Fahrzeug ist, dass einzelne Pakete im Laderaum selbstĂ€ndig ihren Lagerort wechseln, wie um den diensthabenden Zusteller erst zu irritieren und spĂ€ter in den Wahnsinn zu treiben.
Serviervorschlag mit der âechtenâ Christine, der ins Gesicht geschriebene Schreck dĂŒrfte in Wien jedoch ganz Ă€hnlich ausfallen!
Keiner der Kollegen gibt gern zu, dass er nach Ăffnen der SchiebetĂŒr zum Laderaum vor Ort beim Kunden lange und dazu noch vergeblich nach einem bestimmten Paket sucht, das am Stop zuvor noch an einem ganz exponierten Ort lag, fĂŒr den ein blinder Griff genĂŒgt hĂ€tte.
Alte Postler-Regel: Nicht lange vergeblich suchen, das vermisste Objekt taucht bei leerer werdendem Laderaum irgendwann von selbst wieder auf.
Das Seltsame an unserem Fall: Schon beim nÀchsten Stopp lag das Objekt wieder genau an dem Ort, an dem es zuvor vermutet und nicht vorgefunden wurde!
Durch Zufall kam ans Licht, dass das keine EinzelfĂ€lle auf Grund von Ăberarbeitung oder Missbrauch verbotener Substanzen gewesen sein konnten â einer der Kollegen erzĂ€hlte bei der Nacharbeit im Postamt vom beschriebenen Effekt, behauptete scherzhaft, dass es in diesem Ding spukt, und plötzlich trat betroffene Stille ein, wo gerade noch ausgelassenes Treiben kurz vor Feierabend tobte: Der betreffende Sprinter hat als Springerfahrzeug stĂ€ndig wechselnde Zusteller als Fahrer, und wie sich an diesem Nachmittag herausstellte, hatten sie ALLE schon dieses PhĂ€nomen erlebt. Bei jeder Tour. Nur mit diesem Fahrzeug.
âAn etwas Paranormales wie bei den Ghostbusters glaubst ja eh erstmal nichtâŠâ, sagte Strebinger, aber dieses Biest von Auto verhielt sich so, als hĂ€tte es von dieser jetzt gemeinsamen Ahnung auf dem Postamt erfahren. Tagelang völlig unauffĂ€lliges Verhalten. Die Postler zweifelten bereits an ihren Beobachtungen, der ĂŒbermĂ€Ăige Stress rĂŒckte als ErklĂ€rung doch wieder in den Mittelpunkt, als sich die VorfĂ€lle vor 14 Tagen erst langsam und unregelmĂ€Ăig wieder manifestierten. Neusprechlich wĂŒrde man dem eGleiter astreines Gaslighting vorwerfen, und die Kollegen bei der Post entwickelten Phantasie, um an Beweise fĂŒr das Treiben im Laderaum zu gelangen: Kreidekonturen um verdĂ€chtige Pakete und im Laderaum installierte Wildkameras erbrachten jedoch keine neuen Erkenntnisse â weil sich genau dann original null tat. Sobald sich der Transporter unbeobachtet fĂŒhlen konnte, setzte das PaketrĂŒcken wieder ein.
âWir wissen ehrlich gesagt nicht weiter, an wen wir uns wenden könnten, ruckzuck hocken wir alle beim Nervendoktor auf der Couch, das will ja keiner!â
Nach Strebingers AusfĂŒhrungen herrschte auch im SicherheitsbĂŒro unsicheres Schweigen, einen Fall mit leicht paranormalem Anstrich (Teil 1, Teil 2) hatten die Drei ja bereits aufgeklĂ€rt, doch das hier Beschriebene â zumal vom guten Freund Strebinger â schien doch darauf hinzuweisen, dass man es hier mit einer anderen Dimension zu tun hatte, allein schon wegen der Anzahl der betroffenen und wahrscheinlich seriösen Zeugen.
Doch Strebinger schien nicht erleichtert, die Sicherheitsbeamten merkten ihrem Freund an, dass er noch nicht alles erzÀhlt hatte.
âStrebinger â ist da noch was?â
Aber der deutete mit seinem gesenkten Kopf nur ein SchĂŒtteln an. Die drei Kriminalisten sahen sich ernst anâŠ
Was war da los im Wiener Postamt?