1996
Andere Länder, andere (Toiletten-)sitten
Von 1977 bis 2004 produziert der WDR monatlich eine 45minütige Sendung namens „Hobbythek“. Sie ist dem Do-it-yourself Gedanken verpflichtet und ich lerne im Laufe der Jahre viele Techniken, die ich zum Teil noch im Jahr 2021 anwende, um Dinge selbst zu machen: Speiseeis, Kaubonbons, Duschgel, Handcreme, Joghurt, Sauerkraut, Waschmittel, Aromatherapie. Es werden auch Technikthemen behandelt, die interessieren mich aber nicht so sehr.
1996 erklärt Moderator Jean Pütz in der Sendung „Darm und Po“, die Toilettengebräuche von Menschen in fernen Ländern. Im Begleitheft zur Sendung, dem „Hobbytip“, ist zu lesen:
„Für Orientalen ist es selbstverständlich, sich nach dem Gang zur Toilette mit Wasser zu reinigen. Die Moslems haben nach dem Koran strenge Waschvorschriften. Schon die Kinder lernen, daß die Analgegend nach dem Geschäft mit Wasser, und wenn das nicht vorhanden ist, mit Sand zu reinigen ist.“
Die technische Umsetzung wird so erklärt:
„Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Toilette umzubauen, indem noch ein zweiter Wasserhahn installiert wird. Das Wasser wird jetzt über eine kleine Brause aus der Schüssel gespendet. Diese Möglichkeit wird häufig von Orientalen, die in deutschen Wohnungen leben, angewandt. In Japan gibt es sogar ein elektrisches Klo, das per Knopfdruck einen Wasserstrahl aussprüht oder Heißluft als Fön für die Trocknung der Analgegend ausbläst.“
Mir ist das alles neu, zu diesem Zeitpunkt bin ich noch nicht sehr weit gereist. Ich kenne nur die europäische Porzellantoilette, die man sitzend benutzt und nach deren Benutzung man sich mit trockenem Toilettenpapier aus Zellstoff reinigt.
Anscheinend hinterlässt die Sendung tiefen Eindruck, denn 2017 baue ich in meinem Haus die Toilette um und installiere die erwähnte „kleine Brause“, die inzwischen Hygienedusche heißt.
(Marlene Etschmann)




















