An einem nass-kalten Donnerstagnachmittag in Berlin-Kreuzberg. HELMUT ist mit dem wundervollen Indie-Pop-Duo Me and My Drummer in einem Café verabredet. Drummer Matze und Sängerin & Keyboarderin Charlotte stecken gerade in den letzten Vorbereitungen für die bevorstehende SHIMMERING, EVERYTHING-TOUR (hier alle Termine), die bis Ende Januar dauern wird. Außerdem haben die beiden in diesem Jahr ihr zweites Album “Love is a Fridge” veröffentlicht, das noch ein bisschen experimentierfreudiger und detailreicher als das Debüt. HELMUT ist schwer begeistert und neugierig, was sie zu erzählen haben und hat sich viele Fragen notiert. Ob die beiden sich für Fußball interessieren und was packen sie wohl alles in den Koffer, wenn sie auf Tour gehen? Da sind die beiden ja schon:
Hi Charlie, hi Matze! Wie schön, dass ihr die Zeit gefunden habt. Euer aktuelles Album heißt “Love is a Fridge”, was sind die wichtigsten Dinge in eurem Kühlschrank?
Charlotte: Also in meinem Kühlschrank bewahre ich Tomaten auf.Tomaten dürfen nie fehlen. Tomaten müssen nach Tomaten schmecken, das ist mein Anspruch an Tomaten. Dann liegen da noch Avocado und wahlweise Mandelmilch, H-Milch, Vollmilch oder fettarme Milch. Alle Sorten Milch, egal ob von Kühen oder von Pflanzen.
Matze: Ich hab eigentlich immer Gemüse Zuhause und auch im Kühlschrank. Gemüse darf nicht fehlen.
Wie geht es euch so kurz vor dem Tourstart?
C: Das Jahr neigt sich ja jetzt seinem Ende entgegen und ich finde man spürt das immer. Irgendwie liegen andere Sachen in der Luft. Und so kurz vor Tourstart am Ende des Jahres fühle ich mich ein bisschen abschiedsmäßig, ein bisschen wehmütig sogar. Das geht aber mit so einer Weihnachts-Sentimentalität einher. Und du Matze?
M: Naja, das ist vielleicht ein bisschen wie: Man ist urlaubsreif und freut sich voll auf den Urlaub danach, obwohl man seinen Job sehr gerne mag. So in etwa.
Was habt ihr auf eurem neuen Album - dem zweiten - anders gemacht als auf eurem Debütalbum The Hawk, the Beak, the Prey 2012?
C: Na, wir sind jetzt älter, etwas erfahrener und neugieriger auf die andere Seite der emotionalen Palette. Also neugieriger auf andere Emotionen, als nur schwermütige Themen. Neugieriger darauf, dass man filmisch schreibt und szenisch denkt. Und auch auf Themen, die sich vielleicht ein bisschen besser als Geschichte erzählen lassen und weniger introspektiv sind wie zum Beispiel Tagebucheinträge.
Außerdem habe ich nie Gitarre gespielt und mir das Spielen vor wenigen Jahren selbst beigebracht. Auch für die neue CD. Und das war schon eine sehr einschneidende Veränderung für mich und für Matze. Seitdem ich Gitarre spielen kann, können wir auch mit Drums und Gitarre ganze Konzerte bestreiten und brauchen die Keyboards nicht mehr. Die Band hat sich durch die Gitarre in vielen Dingen ganz schön verändert.
Die Gitarre auf dem aktuellen Album steht eurem Sound richtig gut. Hören wir mal bisschen Zukunftsmusik: Auf Facebook habt ihr bereits angekündigt, dass ihr nach der Tour erstmal Pause macht. Warum?
C: Ich werde eine Platte aufnehmen ohne Matze, um zu gucken was dann passiert. Ich habe gleichermaßen total Angst davor und total Lust darauf. Ich werde Matze auf jeden Fall vermissen. Weil Ich Matze auch schon vermisse, wenn wir uns mal eine Woche nicht sehen. Das ist ganz schön gruselig. Aber es ist jetzt wichtig für die Band Me and my Drummer nach sieben Jahren, dass wir mal kurz um den Block laufen und andere Sachen ausprobieren.
Verratet ihr Helmut, was euch glücklich macht?
C: Mein ganzes Leben in der Summe. Ich bin glücklich, dass ich am Leben bin und habe ganz, ganz viel Glück im Sinne von “lucky” und so. Meine Eltern machen mich glücklich. Meine Schwester. Musik und Musikmachen. Wenn ich etwas rauspicken müsste, was nicht alltäglich ist, dann wäre das mein Klavier. Ich habe mir ein Klavier gekauft. Ein schwarzes, schlankes, mystisches, altes, restauriertes Klavier. Jetzt bin ich wieder komplett. Ich bin mit einem Klavier im Haus aufgewachsen und habe mir darauf selbst das Klavierspielen als Kind beigebracht. Ich hatte ganz lange Zeit keines und jetzt habe ich wieder eins. Deswegen bin ich umso glücklicher.
M: Wobei das ein großer Unterschied ist, ob man ein Stagepiano hat oder ein echtes Klavier.
C: Aber Hallo!
M:Ich habe gerade keine Wohnung, weil ich meine Zimmer untervermietet hab´ und muss deswegen immer auf Couches schlafen, bis jetzt die Tour weitergeht. Und da ist mir aufgefallen wie sehr mir diese Balance aus einen Rückzugsort, so eine Art Zuhause zu haben und der Umgang mit Freunden wichtig ist. Diese Balance macht mich glücklich.
C: Ha! Mir ist noch etwas eingefallen. Fünfe gerade sein lassen. Ganz klar. Also Großherzigkeit. Das macht glücklich.
Viele Menschen finden auch im Fussball ihren Seelenfrieden. Charlie, du kommst aus Dortmund und Matze, du aus Tübingen. Was haltet ihr eigentlich davon, dass Leipzig auf Platz 1 der Bundesliga steht?
M: Also ich fände es cooler, wenn der BVB auf Platz 1 in den Charts (grinst) wäre. Ich finde es auch gerade ein bisschen übertrieben, wie über RB Leipzig hergezogen wird, weil die eigentlich auch nicht groß etwas anders machen, als die anderen. Also diese ganze Thematik wie da finanziell gearbeitet wird und wer die Sponsoren sind und so. Da finde ich, muss man immer ein bisschen vorsichtig sein, wenn man sich da so weit aus dem Fenster lehnt und sagt, die sind blöd, die sind Red Bull oder so. Auch wenn das frustrierend ist, dass das Geschäft so abläuft. Und da ist das Fußballgeschäft irgendwie auch vergleichbar mit dem Kulturgeschäft, weil es immer darum geht, woher kommt die Kohle, was ist subventioniert und warum. Deswegen kann man das auf eine Art auch vergleichen, obwohl da natürlich mit ganz anderen Summen gehandelt wird. Aber Red Bull ist ja nicht nur bekannt dafür Fußballvereine zu besitzen, sondern betreibt unter anderem auch Tonstudios. Die finanzieren tatsächlich Kultur damit . Und ja, das ist ein ganz interessantes Thema.
Bier oder Wein?
C: Wein.
M: Bier
HELMUT ist eigentlich ständig auf der Suche nach tollen Locations und besonderen Orten. Ihr wohnt beide in Berlin, habt ihr einen Tipp wo man unbedingt mal gewesen sein sollte?
C: Es kommt immer auf die Jahreszeit an. Im Sommer kann man ja überall Spaß haben. Gerade im Sommer kann ich den Klunkerkranich empfehlen. Das ist eine wunderschöne Location fast direkt bei mir um die Ecke, auf dem Dach der Neukölln Arkaden. Da kann man über Neukölln gucken und da finden auch manchmal Konzerte statt. Außerdem gibt es unfassbar gute Pizza. Deswegen lohnt es sich auch mal Winter mit dem Fahrstuhl hoch zu fahren.
M: Es kommt immer darauf an, ob man jetzt aus Berlin kommt und dann eher Geheimtipps braucht oder für Leute aus anderen Städten. Jeder kennt zum Beispiel das Tempelhofer Feld. Was aber viele Leute nicht so kennen ist der Körnerpark, weil der so ein bisschen versteckt ist. Und total schön ist. Bei mir am Richardplatz, da gibt es gerade tausend neue nette Cafés. Man kann da inzwischen auch sehr lecker essen. Das war vor sechs Jahren noch ganz anders, da gab es da eigentlich gar nichts.
Ihr habt euren Song “Tie me Bananas” dem 2010 verstorbenen Künstler & Regisseur Christoph Schlingensief gewidmet. Was fasziniert und interessiert euch an Schlingensief?
C: Das was an Schlingensief am interessantesten ist, vermag ich gar nicht zu sagen. Auffallend fand ich den Umgang mit seiner horrorartigen Todesangst. Weißt du, wenn wir aus der Tür gehen und mich gleich ein Auto überfährt, dann ist Pech und Scheiße.
Alle sind geschockt aber irgendwie ist es was anderes, wenn man weiß, dass einem nur noch Monate, maximal ein paar Jahre zu leben bleiben, wie bei Schlingensief. Man wird sterben, aber weiß nicht wann. Und leidet unter Schmerzen, wird schwach und schwächer. Dieser Horrorprozess den Schlingensief durchlaufen musste, der hat mich ganz tief berührt, weil er eine Sprache gefunden hat, die seine Ängste und Gefühle so erlebbar und nachvollziehbar gemacht hat, in einfacher Sprache.. Schlingensief hat aber nicht nur den Horror empfunden, sondern auch Kraft daraus gezogen. Das war keine “Lalaland-Gutenachtgeschichte”, von wegen, der Krebs gibt mir total viel Kraft und das Leben gibt mir total viel Kraft, sondern ich habe eine Scheißangst, ich will nicht sterben.
Ich habe ein Foto von ihm über meinem Schreibtisch aufgehängt, als Memento Mori. Auf dem Foto, das war aus einem Buch von und über ihn, da hatte er so einen aufgemalten Rock aus Bananen, sowie Josephine Baker früher. Und das fand ich so witzig und absurd, dass ich ihm mit dem Song irgendwie noch eine etwas warme und trostspendende Botschaft rüberschicken wollte..
Lasst uns eine Runde “Ich packe meinen Koffer…” spielen. Nennt fünf Dinge, die unbedingt mit auf Tour müssen.
M: Vitamin C Tabletten, frische Wäsche, Zahnbürste, mein schwarzer Koffer, weil in den muss das alles rein. Und mein ganzes Equipment. Das ist auch schon alles glaub ich…
C: Ganz viel Make Up, meine schwarzen Loafers, meine weißen Loafers, meine hohen Stiefel und auf jeden Fall ein kleine-Klinke-auf-kleine-Klinke-Kabel, damit man im Auto Handymusik hören kann.
Spätestens im Oktober flattern die ersten Silvester-Einladungen per Eulenpost ein. Wisst ihr schon was ihr Silvester macht?
M: Ja, ich feier mit Freunden schon am 30. Dezember, weil einige meiner Freunde nicht so Silvester-Fans sind. Und das trifft sich ganz gut, da wir am 1. Januar im XY spielen und da kann ich nicht so verkatert sein. Also machen wir die Party am 30. und dann ist auskatern am 31. Alles schön bei mir zuhause, ich koche etwas Leckeres und dann sind wir am 01.01. frisch für das Konzert in der Volksbühne und die Tour.
C: Krass, ich erinnere mich gar nicht mehr an letztes Silvester. Wo war ich da?
M: Frankfurt?
C: Ja, stimmt in Frankfurt. Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei mir mystischerweise so ist: Mit wem ich Silvester verbringe, mit dem hab ich auch im darauffolgenden Jahr irgendwie zu tun. Zumindest mehr, als in den anderen Jahren. Das war jetzt im letzten Jahr so, da habe ich in Darmstadt oder Frankfurt mit den Jungs von der Band Okta Logue gefeiert. Und dieses Jahr stand ich für ein Lied mit denen zusammen im Lido auf der Bühne, die haben “Grown Up Shape” von uns gecovert. Deswegen ist es gar nicht so schlecht, wenn ich mir jetzt sehr gut überlege, mit wem ich Silvester verbringe. Aber ich weiß es noch nicht.
Bitte vervollständigt diesen Satz: Frei nach Loriot: Ein Leben ohne ________ ist möglich aber sinnlos.
C: Drummer
HELMUT steht ja fast überall auf der Gästeliste und ihr ja bestimmt auch. Was war denn euer letztes Konzert bei dem ihr Eintritt gezahlt habt?
M: Da muss ich kurz nachdenken. Dieses Jahr waren wir ja selbst so viel unterwegs da war ich auf nicht so vielen Konzerten und wenn, dann hier in Berlin. War nicht PJ Harvey dieses Jahr?
C: Ja! Im August.
M: Ja, PJ Harvey in der Zitadelle. Das war ein wahnsinnig gutes Konzert. Ich finde nur die müssten da lauter machen dürfen.
C:Ich war noch bei Dings, ähm Dagobert. Das war allerdings Zeit- und Geldverschwendung.
Der Rock ´n´ Roll-Lifestyle macht HELMUT manchmal schon ein bisschen zu schaffen. Ihr seht so gesund aus. Was ist euer Geheimnis, macht ihr Sport?
M: Sehen wir gesund aus?
C: Tun wir überhaupt nicht.
M: Auf welchen Fotos? Ich habe aufgehört zu rauchen vor anderthalb Jahren und ich bin gesünder seit dem. Das kann ich sehr empfehlen.
C: Und ich hüpfe durch die Gegend.
Was für ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für eure Tournee!
Anya is live and ready to show you everything. Watch her strip, dance, and perform exclusive shows just for you. Interact in real-time and make your fantasies come true.
✓ Live Streaming✓ Interactive Chat✓ Private Shows✓ HD Quality
Anya is LIVE right now
FREE
Free to watch • No registration required • HD streaming