22, männlich, deutscher, weiĂ. Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht oder Herkunft habe ich nicht erlebt, werde ich nicht erleben, kann ich nicht erleben. Ich bin privilegiert und das ist nicht gut so. Es gibt viele Stellschrauben, an denen gedreht werden muss, damit immer mehr Menschen einen Privilegierten-Status erreichen und dieser irgendwann in der Masse verschwimmt. Eine dieser Schrauben befasst dem respektvollen Umgang unterschiedlicher Geschlechteridentitäten in Sprache und Schrift: das Gendern.Â
Schriftsteller, Bäcker, Arzt, Journalist. Seit jeher ist das generische Maskulinum der heiĂe ScheiĂ in der deutschen Sprache. Alle seien gemeint, nur Männer werden tatsächlich angesprochen. Doch dann stiegen eine Armada an Retter:innen empor:Â
das Gendersternchen: Leser*innen
der Doppelpunkt: Leser:innen
der Unterstrich: Leser_innen
der Mediopunkt: Leser¡innen
Während das Gendersternchen wohl aktuell die meistverbreitete Variante darstellt, ist der Doppelpunkt der Favorit unter Expert:innen, da dieser auch von Computerprogrammen am einfachsten zu lesen ist.Â
Warum ist Gendersprache Ăźberhaupt wichtig?
Die Sprache war schon immer ein unfassbar wichtiges Tool. Sie kann erheitern, sie kann traurig machen. Sie kann Fakten erzählen und lßgen. Sie kann Respekt zollen und despektierlich sein. Genau da setzten wir an.
Sexismus in Deutschland ist noch lange nicht besiegt. Männer sie Ăźberrepräsentiert, Ăźberbezahlt und dominieren die Elite. Medizin wird auf Männer zugeschnitten und Jobs werden von Männer an Männer vergeben.Â
Und eben auch die Sprache ist auf die männliche BevÜlkerung zugeschnitten.
Kann ein Doppelpunkt all diese Probleme lĂśsen?
Nein, natßrlich nicht. Aber wenn wir erreichen, dass nicht nur Männer, sondern immer alle Menschen gleichwertig angesprochen werden, wird es - davon bin ich ßberzeugt - auf Dauer automatisch dazu fßhren, dass ein Umdenken in KÜpfen stattfindet. Der verdiente Respekt wird automatisch wachsen und das kann, wird und muss einer der Schritte in eine Gesellschaft sein, in der Menschen als das behandelt werden, was sie sind: Menschen.