Wer bremst den Aufbruch zu grünem Wasserstoff – und wer profitiert?
Grüner Wasserstoff gilt offiziell als Schlüsseltechnologie der Energiewende in Deutschland – vor allem für Industrie, Stahl, Chemie und saisonale Speicher, wo direkte Elektrifizierung schwer ist.
Doch trotz Milliardenförderung bleibt der Hochlauf weit hinter den politischen Zielen zurück. Angebot, Nachfrage und Importpläne sind nicht im Gleichgewicht, die Klimaneutralität bis 2045 rückt in immer weitere Ferne.
Der Bundesrechnungshof spricht von einem Wasserstoff-Hochlauf „nicht im Plan“:
Es wird zu wenig grüner Wasserstoff produziert, Importmengen sind unrealistisch, die industrielle Nachfrage bleibt schwach, und staatliche Maßnahmen greifen unzureichend.
Dieses Vakuum nutzt die fossile Lobby. Unter dem Etikett „Wasserstoff“ wird versucht, Gasinfrastruktur, LNG-Terminals, Gasspeicher und fossile Geschäftsmodelle möglichst lange zu sichern – oft als angeblich „H2-ready“.
Politische Bremser: Gas statt echter Transformation
Analysen der aktuellen Energiepolitik zeigen einen Kurswechsel:
Weg vom konsequenten Ausbau der Erneuerbaren – hin zu einer Renaissance der Gaskraftwerke.
Die neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche treibt den Bau zahlreicher neuer Gaskraftwerke voran, während frühere Wasserstoff- und Solarförderziele gekürzt oder verwässert werden. Fachleute und Umweltorganisationen sprechen von einem fossilen Rollback mit grünem Anstrich.
Auch Friedrich Merz sendet Signale, die als politische Rückendeckung für neue und länger laufende Gaskraftwerke interpretiert werden. Gleichzeitig forciert die schwarz-rote Linie EU-Kriterien, die fossile Abhängigkeiten bis in die 2030er- und 2040er-Jahre verlängern könnten.
Gas- und Wasserstofflobby: Brückentechnologie als Dauerlösung
Ein zentraler Akteur ist der Verband „Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft e. V.“ (früher „Zukunft Gas“).
Sein Kernnarrativ: Erdgas sei die „unverzichtbare Brückentechnologie“.
Lobbypedia und LobbyControl dokumentieren enge Verflechtungen mit der Gasindustrie, Nord-Stream-Netzwerken, Stadtwerken und politischen Akteur:innen. Wasserstoff – auch in „blauen“ oder „türkisen“ Varianten – wird genutzt, um die fossile Wertschöpfungskette zu verlängern.
So entsteht ein System, das Importabhängigkeiten (LNG, Wasserstoff) verstetigt, statt echte Energie-Souveränität zu fördern.
Netze und Speicher: Alte Gasakteure sichern sich die H₂-Zukunft
Auf EU-Ebene dürfen bestehende Gasnetzbetreiber künftig auch Wasserstoffnetze betreiben. Forderungen nach einer eigentumsrechtlichen Trennung wurden abgewehrt.
Gasunternehmen positionieren bestehende Gasspeicher als künftige Wasserstoffspeicher und bewerben ihre Infrastruktur als kostengünstige „H2-ready“-Lösung.
Faktisch verlängert dies die Lebensdauer fossiler Assets und erhält Machtstrukturen großer Konzerne.
Statt dezentraler, flexibler Speicherlösungen entsteht erneut ein zentralisiertes Pipeline- und Großspeicher-System – mit Abhängigkeit von Importen und Großakteuren.
Bundesrechnungshof: Ziele verfehlt, Kurs unscharf
Der Bundesrechnungshof kritisiert erhebliche Risiken in der Wasserstoffstrategie:
Ziele werden verfehlt, Maßnahmen sind unzureichend, Gaskraftwerke werden nicht verbindlich zur Umrüstung auf grünen Wasserstoff verpflichtet.
Die zentrale Frage lautet:
Ist grüner Wasserstoff realistisch in ausreichender Menge verfügbar – oder wird er politisch genutzt, um fossile Infrastruktur zu legitimieren?
Warum wird gebremst? Macht, Interessen und „Stranded Assets“
Für Gas-, LNG- und Kraftwerkskonzerne stehen Milliardenwerte auf dem Spiel.
Ein schneller Umstieg auf Erneuerbare würde Pipelines, Speicher und Terminals entwerten.
Das Wasserstoff-Narrativ dient als Schutzschild:
Fossile Infrastruktur wird als „zukunftsfähig“ etikettiert, während Investitionen in dezentrale, elektrische und bürgernahe Lösungen ausgebremst werden.
Die Alternative: Speicher- und Energiewende ohne Gaslobby
Gegenmodelle existieren – dezentral, bürgergetragen, strom- statt gaszentriert.
Deutschland erlebt bereits einen starken Zubau von Batteriespeichern:
Millionen Heim-, Gewerbe- und Quartiersspeicher wachsen zu einem realen Gegentrend zur fossilen Großinfrastruktur.
Schwarmspeicher-Modelle vernetzen viele kleine Speicher zu virtuellen Großspeichern – ohne Dominanz von Gasnetzbetreibern.
Kommunale und genossenschaftliche Projekte kombinieren PV, Wind, Speicher, Wärmenetze und Bürgerbeteiligung – mit regionaler Wertschöpfung statt Konzernrendite.
Power-to-Gas kann lokal und kommunal organisiert werden, statt als Lobby-Instrument.
Saisonale Wärmespeicher und Solarthermie zeigen Wege zu erneuerbarer Wärme – ganz ohne LNG oder globale Wasserstoffimporte.
Praxisbeispiele: Bürgerenergie statt Gasmonopol
Bürgerenergie-Projekte belegen, dass Energiewende und Speicheraufbau ohne fossile Lobby funktionieren:
EnTranC – Energiewende in Bürgerhand (Starnberg/Fürstenfeldbruck):
Bürgergenossenschaften entwickeln Wind, PV, Speicher und Energy-Sharing.
Bürgersolarpark Reckertshausen (EGIS eG):
PV-Freiflächenpark mit Großspeicher, Bürgerbeteiligung und regionaler Versorgung.
Quartierskonzepte der Energiegenossenschaft Fünfseenland:
PV, Speicher, Wärme, Ladeinfrastruktur – lokal organisiert.
Großspeicher in Bürgerhand (Bündnis Bürgerenergie):
Batteriespeicher-Projekte ohne Verflechtung mit Gas- oder Fernleitungsnetzbetreibern.
Energie- und Speicherzukunft kann demokratisch, dezentral, resilient und fossilfrei sein.
Ein Bündnis aus Gas- und Wasserstoffwirtschaft, Energieverbänden und Teilen der Politik bremst den echten Aufbruch – um fossile Infrastruktur, Profite und Macht zu sichern.
Wasserstoff darf nicht zum Feigenblatt für Gas werden.
Die Zukunft liegt in Erneuerbaren, Speichern, Effizienz, Dezentralität und Bürgerenergie – nicht in verlängerten fossilen Abhängigkeiten.
Demokratische Wachsamkeit!
https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/wasserstoffstrategie.html
https://www.bundesrechnungshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Berichte/2025/wasserstoffstrategie-volltext.html
https://lobbypedia.de/wiki/Die_Gas-_und_Wasserstoffwirtschaft
https://www.lobbycontrol.de/lobbyismus-und-klima/gaslobby-wie-zukunft-gas-die-stadtwerke-einspannt-109387/
https://xn–energiegenossenschaft-fnfseenland-eqd.de/entranc-energie-in-buergerhand/
https://www.solarinitiativen.de/wp-content/uploads/ABSI2023_Pascal-Lang_EGISeG_Energiewende-in-Buergerhand.pdf
Text am 26.01.2026 von ©️®️CWG verfasst und von KI formatiert. Teilen, Folgen und Herzen verteilen sind willkommen – Spam & Bots werden blockiert.
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