September 2018
BenutzerfĂĽhrung fĂĽr Profis
Ich steige in einen Schweizer Postomnibus und möchte beim Fahrer ein Ticket nach St. Antönien kaufen. Über seine Schulter sehe ich ein Ticketing-System mit Touchscreen, dessen Benutzerführung für mich nicht zu unterscheiden ist von derjenigen der Fahrkartenautomaten an Schweizer Bahnhöfen.
Der Busfahrer hat damit dieselben Probleme, die in solchen Systemen wohlbekannt sind: Gibt man “St.” mit Punkt, ohne Punkt, zusammengeschrieben mit dem Ortsnamen, oder gar ausgeschrieben als “Sankt” ein? Er probiert herum, zusätzlich irritiert dadurch, dass das System aus “St.” und “Ant...” allerlei wenig hilfreiche Vorschläge bildet.
Nun hoffe ich ja, dass der junge Mann lernfähig ist und bald aus dem ff wissen wird, in welcher Form seine Ticketmaschine Ortsnamenspräfixe am besten versteht. Dennoch habe ich den Eindruck, dass zwischen Idiotensicherheit und Effizienz einer Benutzerführung auch heute noch ein Zielkonflikt besteht, der durch die Kunst der Programmierung zwar zu mildern, aber nicht ganz aufzulösen ist; und ich bin überrascht, dass ausgerechnet Schweizer Verkehrsbetriebe geizig genug sind, für Gelegenheitsnutzer und Profis auf anscheinend dieselbe Lösung zu setzen.
Ich treffe in den folgenden Tagen auch auf weniger tüddelige Busfahrer, und auch die müssen für mein Gefühl viel zu viele Klicks auf häufig renitenten Touchscreens ausführen, um einen Fahrschein zu erstellen.
Liebe Schweizer Post, kaufe oder entwickle doch ein schlankes System, auf dem deine Busfahrer rasch und leicht wie in alten Zeiten die wichtigsten Fahrscheine erstellen können. Ich wäre einige Tode weniger gestorben auf der Fahrt nach St. Antönien, als der Busfahrer im bereits wieder fahrenden Bus, auf engen und kurvigen Schweizer Bergstraßen, auf der Suche nach der richtigen Schreibweise meines Zielorts war.
(Tilman Otter)










