Wenn Tote zur politischen Manövriermasse werden: Die unerträgliche Doppelmoral der AfD
In den Kommentarspalten dieses Landes tobt ein Kampf der Narrative. Und was mir dabei am heftigsten aufstößt, ist nicht nur der Hass, sondern die eiskalte, taktische Doppelmoral, mit der hier jongliert wird. Die AfD liefert dazu gerade wieder eine Meisterleistung ab.
Gehen wir einmal auf einen sehr dünnen, sehr schmerzhaften Grat. Ich möchte eines vorweg absolut unmissverständlich klarstellen: Jede Form von politischer Gewalt, jeder Anschlag, egal aus welcher Motivation, ist abscheulich, unentschuldbar und muss mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden. Es gibt keine "gute" Gewalt. Punkt.
Was aber die AfD und ihre Anhänger tun, wenn Anschläge passieren, hat mit echtem Mitgefühl oder Sorge um die Sicherheit wenig zu tun. Es ist die pure, strategische Instrumentalisierung von Opfern. Es wird nicht getrauert, es wird gehetzt. Ein schreckliches Ereignis wird sofort zur Bestätigung des eigenen Weltbildes umfunktioniert, um Angst zu schüren, den Hass auf Minderheiten oder politische Gegner anzuheizen und daraus politisches Kapital zu schlagen. Aus Opfern werden Waffen im Meinungskampf.
Und genau hier kommt die Doppelmoral ins Spiel, die mir den Atem raubt.
Es sind oft exakt dieselben Personen und Netzwerke, die im Angesicht eines Anschlags "Schutz" und "Härte" fordern, die an anderer Stelle eiskalt über Leichen gehen – im wahrsten Sinne des Wortes.
Wir haben es alle gelesen. In der Debatte um ein Tempolimit oder andere Sicherheitsmaßnahmen im Verkehr heißt es dann, dass die Zahl der Toten doch nur eine „marginale Nachkommastelle“ sei. Es wird vorgerechnet, dass im Verhältnis zur Gesamtzahl der Autofahrer die Zahl der Verunglückten verschwindend gering sei. Ein Menschenleben wird zur vernachlässigbaren Größe degradiert, sobald es den eigenen Komfort oder die vermeintliche "Freiheit" beim Rasen einschränkt. Da ist ein Toter auf der Autobahn plötzlich nur noch eine Zahl in einer Statistik.
Diese Menschen messen mit zweierlei Maß, dass es nur so kracht.
Es ist dieselbe eiskalte Logik der Entmenschlichung:
Bei Anschlägen: Die Zahl der Opfer ist egal, jedes einzelne wird lautstark instrumentalisiert, um Hass zu säen und das eigene politische Süppchen zu kochen. Die Sicherheit wird über alles gestellt, egal was es kostet.
Beim Tempolimit: Die Zahl der Opfer ist plötzlich "marginal", ein "vernachlässigbares Risiko". Die eigene Freiheit, rücksichtslos Gas zu geben, ist wichtiger als das Leben eines anderen.
Beide Haltungen sind zutiefst unmenschlich. Es ist unmenschlich, Tote für Hetze zu benutzen. Und es ist unmenschlich, Tote als unwichtigen Restwert kleinrechnen zu wollen, wenn es um den eigenen Egoismus geht.
Diese kalkulierte Doppelmoral der AfD und ihrer Gefolgschaft zeigt die Fratze einer Ideologie, der es nicht um Menschen geht, sondern um Macht und den eigenen Vorteil. Ein Menschenleben hat für sie nur dann Wert, wenn es sich politisch ausschlachten lässt oder den eigenen Komfort nicht stört. Das ist verkommen, das ist zynisch, und das hat in einer zivilisierten Debatte nichts zu suchen.
Wir müssen aufhören, uns von dieser perfiden Taktik manipulieren zu lassen. Wir müssen jeden Toten als ein Schicksal sehen, unabhänig davon, wie oder warum er gestorben ist. Und wir müssen die Doppelmoral derer entlarven, die Menschenleben je nach politischem Wetterbericht entweder aufblasen oder kleinrechnen.
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