Mit wenigen Ausnahmen sind die 293 SilbermĂŒnzen vom selben Typ. (Bild: archeologie.bl.ch)
ArchĂ€ologen finden 293 keltische SilbermĂŒnzen
ArchĂ€ologen haben auf dem Gebiet der Gemeinde FĂŒllinsdorf einen sensationellen Fund gemacht: Nur wenige Zentimeter unter der OberflĂ€che stiessen sie auf 293 keltische SilbermĂŒnzen. Es handelt sich um den grössten Edelmetall-MĂŒnzenfund in der Schweiz.
293 keltische SilbermĂŒnzen sind in FĂŒllinsdorf gefunden worden. Es handle sich um den mit Abstand schweizweit grössten solchen Edelmetall-MĂŒnzenfund, hiess es am Donnerstag an einer Medienkonferenz der Baselbieter KantonsarchĂ€ologie. Die Auffindung des MĂŒnzschatzes sei ein absoluter GlĂŒcksfall
Die MĂŒnzen wurden auf etwa 50 Quadratmetern verstreut gefunden, waren vermutlich aber damals zusammen vergraben worden, wie KantonsarchĂ€ologe Reto Marti sagte. Mangels schriftlicher Aufzeichnungen der Kelten ist der Wert der MĂŒnzen schwer abschĂ€tzbar; damals verbreitete FĂ€lschungen sind jedoch keine darunter.
Diese MĂŒnze zeigt einen stilisierten Kopf. Sie ahmt einen römischen Denar nach, der den behelmten Kopf der personifizierten Stadt Rom zeigt. (Bild: archaeologie.bl.ch)
Wie die KantonsarchĂ€ologen schreiben, hĂ€tten am Fundort des MĂŒnzschatzes bislang keine Siedlungsspuren entdeckt werden können. Deshalb mĂŒsse die Frage, wieso die MĂŒnzen dort abgelegt wurden, offen bleiben. Weitere archĂ€ologische Funde sprĂ€chen aber dafĂŒr, dass der Platz ĂŒber lĂ€ngere Zeit begangen worden war und man den Hort nicht zufĂ€llig dort vergraben hatte.
Die einzelnen MĂŒnzen sind mit je gut einem Zentimeter Durchmesser und knapp zwei Gramm Gewicht eher klein. Deswegen sind sie wohl erst jetzt aufgetaucht, nur wenige Zentimeter unter der OberflĂ€che. Die 293 MĂŒnzen wiegen zusammen rund ein Pfund. Noch seien viele Fragen zum MĂŒnzschatz von FĂŒllinsdorf ungeklĂ€rt, so die ArchĂ€ologen.
Die SilbermĂŒnzen sind nun in einer Ausstellung im Museum.BL zu sehen, bevor die Forschung sie in Beschlag nimmt. Die Ausstellung dauert vom 31. MĂ€rz bis zum 23. September 2012.
Das Pferd auf der RĂŒckseite der keltischen MĂŒnzen besitzt kein direktes römisches Vorbild. (Bild: archaeologie.bl.ch)
Bei spĂ€teren Varianten der Kaletedou-Quinare, wie sie auch im FĂŒllinsdorfer Hort vorkommen, werden die Buchstaben in fĂŒr uns unlesbare Zeichen abgewandelt. (Bild: archaeologie.bl.ch)
Die keltischen SilbermĂŒnzen ahmen auf der Vorderseite einen römischen Denar nach, auch wenn sie vom Gewicht her nur halb so viel wert sind. (Bild: archaeologie.bl.ch)
ArchĂ€ologen finden 293 keltische SilbermĂŒnzen | NZZ
Mit wenigen Ausnahmen besteht der 2012 erfolgte MĂŒnzfund aus Varianten der so genannten Kaletedou-Quinare. Kaletedou-Quinare stammen ursprĂŒnglich aus Ostfrankreich, sind aber in der Schweiz auch zahlreich gefunden worden. Diese keltischen SilbermĂŒnzen ahmen auf der Vorderseite einen römischen Quinar nach, auch wenn sie vom Gewicht her nur halb so viel wert sind. Das Pferd auf der RĂŒckseite besitzt kein direktes römisches Vorbild. Bei frĂŒhen Varianten dieses MĂŒnztyps ist das Wort âKaletedouâ, ein keltischer Personenname in griechischen Buchstaben (KAÎETEÎOY) zu lesen. Nach ersten Erkenntnissen wurde der MĂŒnzschatz um 80/70 v. Chr. vergraben. Interessant sind die wenigen MĂŒnzen anderen Typs: Es sind Drachmen der Allobroger aus dem Rhonetal sowie Viertelquinare des Typs Manching aus dem heutigen Oberbayern. Verbunden mit der Tatsache eines zweiten Fundes in Manching von praktisch identischer Zusammensetzung zeigt das, wie weitrĂ€umig die Beziehungen der keltischen StĂ€mme waren. Immerhin stammt der Fund noch aus der Zeit vor der römischen Besetzung (58 v. Chr. Schlacht bei Bibracte, Bau von Augusta Raurica nicht vor 20 v. Chr.).[1]
Das MĂŒnzwesen etablierte sich am Oberrhein im 2. Jahrhundert v. Chr. Forschungen zeigen, dass sich die Geldwirtschaft auf Beziehungen zwischen den Stadtsiedlungen beschrĂ€nkte. Was man mit den Gold-, Silber- und BronzemĂŒnzen bezahlte ist unklar. In keltischer Zeit war es durchaus ĂŒblich, groĂe SchĂ€tze zu vergraben. Dies wird auch in FĂŒllinsdorf der Fall gewesen sein. Am Fundort wurden keine Siedlungsspuren entdeckt, archĂ€ologische Funde sprechen aber dafĂŒr, dass der Platz ĂŒber lĂ€ngere Zeit genutzt wurde und man den Hort dort nicht zufĂ€llig vergraben hat. Andere Funde aus spĂ€terer Zeit wie römische GoldmĂŒnzen, der Sockel einer kleinen Bronzestatue und römische SchuhnĂ€gel sprechen dafĂŒr, dass es sich hier um einen viel begangenen heiligen Bezirk gehandelt hat. Die Deponierung fĂ€llt auch in eine Zeit, in der sich in der Region ein tiefgreifender Wandel vollzog. Viele alte Siedlungen wurden aufgegeben und neue befestigte gegrĂŒndet. Der zuvor blĂŒhende Handel lieĂ nach.Â
Moneyer issues of Imperatorial Rome. L. Valerius Acisculus. 45 BC. AR Denarius (19.5mm, 3.73 g, 3h). Rome mint. Radiate head of Sol right; acisculus to left / Luna Lucifera driving galloping biga right, holding reins and whip. Crawford 474/5; CRI 94; Sydenham 1002; Valeria 20; Type as RBW 1662. EF, light iridescent toning, some light marks, struck slightly off center.
Der Denar (lateinisch denarius, von deni: je zehn) war ein antikes, mittelalterliches und neuzeitliches MĂŒnznominal, anfĂ€nglich feinsilbern und von mittlerem Wert, durch inflationĂ€re Prozesse immer geringwertiger werdend und schlieĂlich kupfern. Er galt ursprĂŒnglich als âZehnfachesâ eines Ganzen, nĂ€mlich als Zehnfaches der römischen Gewichts- und Geldeinheit, des Bronze-As. Der Denar war der antike VorlĂ€ufer des deutschen Pfennigs und des noch heute gebrĂ€uchlichen MĂŒnz- beziehungsweise WĂ€hrungsnamens Dinar.
FrĂŒhe römische Denarii trugen als Mehrfaches eines Ganzen darum â neben den As-MĂŒnzen und deren TeilstĂŒcken â ebenfalls eine Wertangabe im GeprĂ€ge, und zwar die Wertzahl X (fĂŒr 10 Asse). Einige spĂ€tere Denarii trugen die XVI in Bezug auf die nunmehr gewichtsmĂ€Ăig verringerten 16 Bronze-Asse, wobei es um etwa 130 v. Chr. zusĂ€tzlich zu einer Metallpreisverschiebung zwischen Silber und Bronze kam. Dementsprechend hatte der frĂŒhe Halbdenar (Quinarius nummus) die Wertzahl V sowie der frĂŒhe Silbersesterz als Vierteldenar die Wertzahl IIS (in Dokumenten oft auch als HS geschrieben) fĂŒr â2 œâ. Die Nominal-Wertangaben wurden ab etwa 100 v. Chr. wieder weggelassen. Erst bei einigen spĂ€ten römischen BronzeprĂ€gungen erscheinen wiederum römische Zahlenwerte auf Follis-MĂŒnzen, offenbar als Vielfache des Wertes von ZĂ€hlpfennigen (denar communes), die allerdings auch als Gewichtsangaben eines Bronze-MĂŒnzfuĂes interpretiert werden können.
Von etwa 211 v. Chr. bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. war der Denarius die HauptsilbermĂŒnze Roms mit anfĂ€nglich mittlerer Kaufkraft. Die Kaufkraft eines Denars, gemessen an heutigen Waren und Dienstleistungen, lag bei Kaiser Augustus, um 13 v. Chr., noch bei etwa 15 bis 25 Euro und verfiel bis zum Ende des 2. Jh. n. Chr. auf wenige Euro, um im 3. Jh. n. Chr. mit dem weiter bis fast auf Null schwindenden Silbergehalt ganz zu verfallen. Der heutige reine Silberpreis im Jahr 2019 von ca. 2 Euro bei etwa 4 bis 4,5 g Raugewicht eines frĂŒhen Denars kann nicht mit der damaligen Kaufkraft verglichen werden. Der Aufwand bei der römischen Silbergewinnung und damit der damalige Silberpreis waren aufgrund der wesentlich geringeren ProduktivitĂ€t bei der Erzgewinnung und der weiteren Verarbeitung viel höher als heute.
Der spĂ€te, fast silberfreie Denar verschwand zusammen mit seinem kupfernen TeilstĂŒck As infolge inflationĂ€rer Prozesse im 3. Jh. n. Chr. praktisch ganz aus dem Umlauf, scheint aber als ZĂ€hl-Denar, dem denar communes, noch lĂ€ngere Zeit in Gebrauch geblieben zu sein, und zwar als âĂquivalentâ fĂŒr ca. 1/6000 bis 1/8500 eines Aureus beziehungsweise etwa 1/50.000 eines Pfundes Gold von 327,45 g. Bis um etwa 200 n. Chr. wurden GeldbetrĂ€ge in VertrĂ€gen, Löhnen, Preisen etc. fast immer nur in âgutenâ Vierteldenaren, den Sesterzen, angegeben. In spĂ€trömischen Preislisten, zum Beispiel bei Kaiser Diokletian um 301, hatten die groĂen BetrĂ€ge der bereits entwerteten ZĂ€hldenare keinen konkreten Bezug mehr zu den frĂŒhen, billigen Denar- und Sesterzpreisen.
Die erste PrĂ€gung eines Denars als KurantmĂŒnze erfolgte wĂ€hrend der römischen Republik ab etwa 211 v. Chr., wahrscheinlich wĂ€hrend des zweiten Punischen Krieges. Sein VorgĂ€nger war wahrscheinlich der in oder fĂŒr Rom nach etwa 241 v. Chr. im griechischen Stil geprĂ€gte silberne Quadrigatus mit der Aufschrift ROMA. Der Denar bildete zusammen mit dem As bis zur WĂ€hrungsreform unter Kaiser Augustus, ab etwa 27 v. Chr., ein Silber-Bronze-KurantwĂ€hrungssystem mit einem WertverhĂ€ltnis von etwa 1:120. Bis in die römische Kaiserzeit hinein, etwa bis 64 n. Chr., handelte es sich beim Denar fast immer um eine SilberprĂ€gung hoher Feinheit ohne absichtliche Kupferbeilegierung mit einem Raugewicht von etwa 4,55 g (1/72 römisches Pfund). SpĂ€ter sank das Raugewicht auf 3,89 g (1/84 Pfund). Zu Zeiten Neros wurde das Gewicht noch einmal auf 3,4 g (1/96 Pfund) herabgesetzt, was dem Raugewicht von drei Scripula oder etwa einer damaligen Drachme gleichkam.