YOU'LL NEVER WALK ALONE (431)
Dann ist er weg. Treppenstufen knarren, irgendwann fällt die Haustüre ins Schloss. Mit dem Rücken an der Wand lehnen, minutenlang - macht man sonst auch nicht. Mit hängenden Armen umschauen, umhören. Tatsächlich. Keiner mehr da.
Irre, was auf einmal alles nicht geht: Lesen. Musikhören. Fernsehen. Essen. Trinken geht so gerade. Saubermachen geht super. Sie putzt jetzt, trinkend, die ganze Wohnung. Unterm Bett, hinter den Bücherregalen. Bettwäsche abziehen, Kosmetiktücher vom Nachttisch räumen, Sachen wegwerfen. Sie hat keine Lust darüber nachzudenken, dass vergessene Zahnbürsten die vorwurfsvollsten Gegenstände der Welt sein können. Sie rückt lieber Schränke zur Seite, verschiebt das Sofa, putzt. Findet nichts.
Was er ihr hinterlassen hat: Die Erkältung und Roths 200D.
Tage vergehen. Mittags trinkt sie Tee, abends geht sie früh schlafen. Es ist schon okay, denkt sie. Bis ihr am Morgen ein Freund eine sms schickt, zusammenhangslos. „You’ll never walk alone.“ Und dann heult sie eben doch.