Illustration: Absmeier, Darkmoon
Die Digitalisierung stellt Unternehmen vor groĂe strukturelle VerĂ€nderungen und lĂ€sst kaum einen Bereich unberĂŒhrt. Abteilungsgrenzen werden durchlĂ€ssiger, FlexibilitĂ€t und AgilitĂ€t sind Kennzeichen einer neuen Unternehmenskultur â IT wird zum selbstverstĂ€ndlichen Teil des Business. Diese grundlegenden VerĂ€nderungen erfordern neue AnsĂ€tze zur Verbesserung und Weiterentwicklung bestehender Arbeitsprozesse. DevOps beinhalten Regelkreise fĂŒr agile Prozessentwicklung, beginnend mit der Kundenanforderung bis hin zu Operations.
Die Anforderungen, die der Markt an Unternehmen stellt, werden kĂŒnftig mit klassischen Strukturen nicht mehr zu bewĂ€ltigen sein. Der KomplexitĂ€t und der Dynamik des Marktes kann nur mit neuen, agilen Konzepten begegnet werden. DevOps, eine Wortzusammensetzung aus den englischen Begriffen Development (Entwicklung) und Operations (Betrieb), bieten dafĂŒr einen systemischen Lösungsansatz, all jene Bereiche neu und zeitgemÀà zu erfassen, die Anreize, Mittel und Prozesse fĂŒr eine effizientere wie effektivere Zusammenarbeit im Unternehmen betreffen.
QualitĂ€tsansprĂŒche und Projektlast steigen
UrsprĂŒnglich stammt der Begriff aus dem Bereich Softwareentwicklung und Systemadministration. DevOps hat eine Automatisierung neuer Prozesse,etwa im Vertrieb und zur Anpassung der internen Arbeitsorganisation, zum Ziel. Dies ist im Angesicht von Digitalisierung und Industrie 4.0 zwingend notwendig, der Einsatzschwerpunkt von DevOps dĂŒrfte klar in den kundennahen Prozessen liegen.
Im Vordergrund steht dabei AgilitĂ€t als Grundhaltung. Es geht um nicht weniger als einen Kulturwandel fĂŒr interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit â nach innen wie auĂen. Virtualisierung und Cloud-Technologien bilden die technische Basis fĂŒr agile Prozessentwicklung, um dem Kunden eine möglichst einfache und flexible Interaktion anzubieten. Denn der Kunde ist immer nur einen Mausklick vom Konkurrenten entfernt.
AnschlussfÀhigkeit im Arbeitsprozess
NatĂŒrlich nimmt dadurch die Projektlast auf Unternehmensseite kontinuierlich zu. Sowohl Deployment-Geschwindigkeit als auch QualitĂ€tsansprĂŒche steigen gleichzeitig. Um diese bewĂ€ltigen zu können, mĂŒssen Abteilungsgrenzen und Hierarchien durchlĂ€ssiger werden.
Zentral ist die IntegrationsfÀhigkeit jedes einzelnen Bausteins im Arbeitsprozess an den jeweils vorhergegangenen und darauffolgenden Schritt. Der Wandel vom monolithischen System hin zu fraktalen Frameworks beinhaltet zwar den Preis der redundanten Datenhaltung, ermöglicht aber die notwendige KomplexitÀtsreduktion. Moderne Systeme sind plattformorientiert, beinhalten Docking-Systeme und Container, um die Fragmente miteinander zu verweben.
Transparenz als zentrales Element
Bevor ein Team die Anforderungen schĂ€tzen und fĂŒr die Umsetzung einplanen kann, muss sichergestellt sein, dass die Anforderungen verstĂ€ndlich, vollstĂ€ndig und detailliert genug beschrieben sind (Definition of Ready). Das Ergebnis hingegen wird an klaren, durch das Team definierten Kriterien (Definition of Done) gemessen. Der Auftraggeber, ob intern oder extern, prĂŒft danach, ob die Anforderungen gemÀà seinen Vorgaben abgebildet wurden.
In der Teamarbeit muss vor allem der Faktor Transparenz im Vordergrund stehen: Um schnell reagieren zu können, kann und muss jederzeit ermittelbar sein, wo, was in welchem Zustand ist. Immerhin geht es um die Etablierung eines agilen Systems, das Business, Development und Operations zusammenfĂŒhrt, um auf die Dynamik der MĂ€rkte optimal reagieren zu können.
QualitÀt bestimmt Deployment-Rate
Dabei ist es wichtig, dass die IT zum Teil des Business wird und als integraler Bestandteil des KerngeschĂ€fts eingebunden und akzeptiert wird. Der systemische DevOps-Ansatz fĂŒhrt IT und Business schlieĂlich ergebnisorientiert und progressiv zusammen. Dies erfordert von der IT wiederum, ebenfalls schneller und agiler zu werden. Marktriesen wie Amazon schaffen so schon heute mehrere tausend Deployments pro Tag, um User Experience und Customer Journey kontinuierlich zu verbessern und zu optimieren. Extrem verkĂŒrzte Umsetzungszeiten, bei denen der Kunde eingebunden sein will, werden zum Standard. Dabei hat QualitĂ€t oberste PrioritĂ€t. Fehlerquoten haben unmittelbaren Einfluss auf die Deployment-Rate.
Wandel der Unternehmenskultur
Ziel ist es, das Unternehmen so zu wandeln, dass in den hochdynamischen Bereichen Raum fĂŒr agile Teams geschaffen wird. Somit ist die Umsetzung von DevOps ein Ă€uĂerst weitgehendes und tiefgreifendes Projekt, das Komponenten wie Organisation und Technologie ebenso betrifft wie FĂŒhrungskultur und AblĂ€ufe. Im Zentrum steht das agile Team und eine klare Abstimmung aller AktivitĂ€ten, AblĂ€ufe und Ergebnisse ĂŒber Hierarchie- und Abteilungsgrenzen hinweg. Das gilt auch fĂŒr alle Bereiche der Kommunikation. Alle AblĂ€ufe mĂŒssen dabei technisch und organisatorisch klar definiert und standardisiert sein, um zu einer entsprechenden Anwendbarkeit und Iteration zu gelangen.
Jedoch ist Wandel erfahrungsgemÀà nicht jedem gleichermaĂen willkommen. ZunĂ€chst muss das Unternehmen eine Readiness fĂŒr die ersten Projekte herstellen. Der erforderliche Wandel muss konsequent begleitet werden. Die Projekte erfordern eine bewusste Skalierung in den Dimensionen Technik, Organisation, Prozess und FĂŒhrung. Das Topmanagement benötigt den Willen und den durchaus langen Atem, den Wandel zu begleiten.
Ausblick
AgilitĂ€t stellt dabei kein Chaos dar, sondern schafft die Beweglichkeit in der Organisation, die notwendig ist, im Zeitalter der Digitalisierung zu bestehen. Wie essenziell diese Schritte fĂŒr jedes Unternehmen sind, drĂŒckt sich bereits heute in der Wendung »Go digital or die« aus. »Werdet agil« ist nur die nĂ€chste, naheliegende Stufe einer unaufhaltbaren Reihe an Marktentwicklungen, denen sich jedes Unternehmen stellen muss, wenn es nicht untergehen will.
Ludger Vieth, IT Management CONSILIO GmbH
Gerd Kanzleiter, IT Management CONSILIO GmbH
www.consilio-gmbh.de
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