SolidaritÀts-Statement der Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) mit allen von Repression Betroffenen nach dem 31. Mai 2017.
Am 31. Mai 2017 sollte in NĂŒrnberg ein BerufsschĂŒler nach Afghanistan abgeschoben werden. Zu diesem Zweck wollte die Polizei ihn vor den Augen seiner MitschĂŒler*innen direkt aus dem Klassenraum heraus abfĂŒhren. Die wollten das jedoch nicht hinnehmen und reagierten mit hunderten anderen Menschen auf den Abschiebeversuch mit lautstarkem Protest und einer Blockade des Polizeiwagens, in dem der SchĂŒler weggebracht werden sollte. Bei dem gewaltvollen Vorgehen der Polizei gegen die insgesamt rund 300 Abschiebegegner*innen kam es zu mehreren Verletzten und Festnahmen.
Im Nachgang dieser Ereignisse hat mittlerweile eine kaum mehr zu ĂŒberblickende Anzahl von Menschen Post von der Polizei bekommen. Viele von ihnen mĂŒssen mit Anklagen und Prozessen rechnen; Leute aus anderen StĂ€dten haben bereits Strafbefehle im Zusammenhang mit dem 31.Mai bekommen. Und noch immer dauern die Ermittlungen an und die Liste der Beschuldigten, deren Engagement der Staat ganz offensichtlich hart abstrafen möchte, wird stetig lĂ€nger. Auch die Bleibeperspektive des BerufsschĂŒlers, der abgeschoben werden sollte, ist weiter unklar. Ihm soll schon bald der Prozess gemacht werden â weil er sich dagegen gewehrt haben soll, in ein BĂŒrgerkriegsland abgeschoben zu werden.
Ein Teilnehmer des Protests, der nach dem 31.Mai fĂŒnf Monate lang in Untersuchungshaft saĂ, wurde Ende Oktober in einem demĂŒtigenden Schauprozess zu einer zweijĂ€hrigen Haftstrafe auf BewĂ€hrung und 450 Sozialstunden verurteilt. Unter Zuhilfenahme des Strafgesetzesparagraphen 114 (âtĂ€tlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamt*innenâ), der ebenso wie der §113 StGB bezĂŒglich Widerstands unlĂ€ngst verschĂ€rft worden ist, versuchte das Gericht â wie die Politik zuvor â den Fokus auf die Kriminalisierung antirassistischen Protestes zu legen, anstatt sich mit den GrĂŒnden und HintergrĂŒnden fĂŒr das Handeln der Demonstrant*innen auseinanderzusetzen. Die Frage, warum ein solcher Protest angesichts der rassistischen Abschiebepraxis notwendig ist, sollte gar nicht erst aufkommen.
Darin offenbart sich einmal mehr der kaum verhohlene Versuch, Widerstand gegen die Unmenschlichkeit der herrschenden VerhÀltnisse zu delegitimieren.
Wir, die Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA), erklĂ€ren uns solidarisch mit allen GeflĂŒchteten, die ihr Leben auf der Flucht fĂŒr eine bessere und sicherere Zukunft riskieren. Dabei solidarisieren wir uns auch mit allen Menschen, die sich rassistischer Abschiebepraxis in den Weg stellen und sich behördlichen Anordnungen widersetzen.
Besonders in Anbetracht des erstarkenden Rechtspopulismus in Politik und Gesellschaft werden regelmĂ€Ăige Sammelabschiebungen in sogenannte âsichere HerkunftslĂ€nderâ vorgenommen, um eine âgute deutsche Ordnungâ wieder herzustellen. Dass dies fĂŒr die abgeschobenen Menschen Verfolgung, Folter und Tod bedeutet, scheint kein Hindernis fĂŒr die Behörden und Politik zu sein.
Hinzu kommt, dass die Gegner*innen deutscher Abschiebepolitik zunehmend Opfer von Kriminalisierung und Polizeigewalt werden. Gerade dieses positive Beispiel von solidarischem und wirksamem Protest, wenn er wie am 31.Mai derartige Resonanz und Solidarisierung hervorruft, darf aus Sicht des Staates nicht zum Vorbild fĂŒr zukĂŒnftige Protesthandlungen werden. Dass die Repression auch so viele Monate nach dem 31.Mai unvermindert stark ist, zeigt die Dringlichkeit auf, mit der der Staat effektiven Widerstand â wie die Verhinderung von Abschiebungen â als unrechtmĂ€Ăig darstellen will. Stattdessen soll Protest sich auf Kundgebungen oder Ă€hnlich unwirksame Aktionen beschrĂ€nken
Doch wir lassen legitimen, wichtigen Widerstand nicht in Repression untergehen. Daher rufen wir dazu auf, sich mit den Betroffenen nach dem 31. Mai 2017 zu solidarisieren. UnterstĂŒtzt sie und die Arbeit des BĂŒndnisses âWiderstand Mai31 â SolidaritĂ€t ist kein Verbrechenâ, egal ob finanziell oder in Form von eigenen Aktionen, SolidaritĂ€tsbekundungen oder vielfĂ€ltigen anderen öffentlichkeitswirksamen Handlungen, um der Wut ĂŒber die Versuche des Staates, unsere Mitstreiter*innen abzustrafen und zu unterdrĂŒcken, Ausdruck zu verleihen. Und lasst auch weiterhin nichts unversucht, um dem Rassismus in Staat und Gesellschaft auf allen Wegen entgegenzutreten!
SolidaritÀt ist eine Waffe!
Föderation deutschsprachiger Anarchist*innen (FdA) im Januar 2018
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Spenden fĂŒr die anfallenden Gerichtskosten sammelt das BĂŒndnis Widerstand Mai 31 â SolidaritĂ€t ist kein Verbrechen:
EmpfĂ€nger*in: Rote Hilfe OG NĂŒrnberg
GLS Bank
IBAN: DE85430609674007238359
BIC: GENODEM1GLS
Kennwort: 31.Mai