chasing highs
Hier noch ein alter Text, welchen ich in irgendeinem Nachtbus in Bolivien verfasst habe, nun endlich abschließend überarbeitet und über 5 Monate später als Erinnerung und inbetween travels text...have fun
Ich wach auf. 7:45 mittelbolivianische Wanderzeit, falls es sowas gibt. Eigentlich klingelt der Wecker erst in 18 Minuten, vielleicht hab’ ich schlecht getraeumt, wahrscheinlicher bin ich einfach aufgeregt. Ich nutze den Fauxpas mit dem Einleiten von Downloads von Podcasts, jetzt gibt es noch Niemandem im Wlan, Luxussituation im Hostel!...Ich steh tatsaechlich vor dem Wecker auf und schleich’ mich raus..Wer mal in einer 3er WG gewohnt hat kennt die Dusch-problematik: Wer im 12er Dorm schlaeft muss der fruehe Wurm sein. Anyway, Hostel Fruestuecke kann ich mitlerweile genauso gut ab wie Nachtbusse,... und trotzdem finde ich mich am derselbigen wieder. Spiegelei und Marmelade und Marmelade in flüssig zum trinken, die Aehnlichkeit ist beeindruckend.
Mein 'vor-9-ausm-Hostel' halte ich erwartungsgemaess nicht ein. Aber nur knapp. Beim Fußweg zum Bus kommt mein erstes Laecheln, 'geil, heute geht’s hoch hinaus.' Wandern steht auf meiner Tagesordnung und ich moechte meinen Hoehenrekord brechen.Alles was man nicht als Tour-komplett-Paket mit Mittag bei der Schwester vom Touranbieter und Fotospot am 'lokalen bolivianischen Museum' bucht, zieht erstmal ne ganze Menge busfahren, nachfragen, nochmal fragen und sich dann eine der Antworten aussuchen, nach sich. Part of the experience, nervig, kostenlose Spanischstunde, Kontakt mit den Locals- je nach meinen Gemuetzustand bewerte ich das verschieden. Zurueck im Bus, Drufti's heissen die hier und waehrend ich mich beim Umsteigen noch vollen Mutes zum Naechsten durchfrage, kann ich den leider nicht mehr bezahlen. Portmonee abhanden gekommen. Och nej, mist ey!
Ich versuche mein Wanderproviant gegen ein Rueckfahrticket oder Knete einzutauschen, wenig Erfolg, in Bolivien gibt es einfach zu viele die es noetiger haben als irgend ein Blonder mit Akzent. Irgendjmd laeuft mir nach und drueckt mir Geld fuer Rueckfahrt zum Hostel in die Hand, es gibt sie ueberall, die netten Menschen. Lange Odysee des Drufti’s bei dem jeder Stop nerviger wirkt als der Vorherige. Planschmieden ist angesagt, Kreditkarten hatte ich nur eine mit und die faehrt jetzt durch Bolivien ohne mich. Mein Bargeld ist zwar nicht erschoepft aber in der falschen Waehrung. Netterweise (dafuer finde ich unseren Freundeskreis einzigartig) habe ich Julius Kreditkarte dabei, er hatte irgendwas von ‘safty first’ gesabbelt damals und ich habe dankend angenommen. Ein bisschen schmollend, ein bisschen schulterklopfend dass man Portmonee Wertmaessig (15-20€) und nach Anzahl der Karten fuer einen Diebstahl gewappnet war (2-3 Debitkarten, weder Ausweis noch Führerschein), stehe ich wieder an der Umsteige- Busstation. Nachdem ich auf Anraten der Verkaeufer ne halbe Stunde brav warte, frag ich wie es ausschaut.
Schlecht, es gibt keine Passagiere. Manchmal sind Busstationen stationaere MFG- Hubs. Na toll, danke fuer die rechtzeitige Auskunft. Es ist mittlerweile ca. 13Uhr. Die Optionen jetzt sind: 1. Der Bus um 16Uhr. 2. Alleine Taxi fuer ca. 25€ 3. Weiter warten und mich vollquatschen lassen. Ich entscheide mich fuer Viertens: Moechte dichter an den Berg kommen, irgendwer wird da schon lang fahren, es gibt auf den Pass nur eine Strasse. Zu fuß, Drufti, kurz trempen was im Platten endet, zu Fuß und zwei weitere Druftis spaeter stehe ich an der letzten Kreuzung. Das erste Auto was vorbei faehrt erwidert meinen Daumen, ich darf mitfahren. Geil, eigentlich ist es viel zu spaet, aber ich hoffe die Zeit (v.A. Dunkelheit) ein wenig dehnen zu koennen. Die Fahrt ist zaeh. Zweimal Aussteigen inklusive wegen riesiger Pfuetzen, dennoch unzaehliges Mal aufsetzen, die Straße ist schlecht wegen des Regens sagt man mir, zwischendrin werden die Reifen aufgepumpt, serguridad primera. 10 vor Vier, endlich werde ich rausgelassen, die Wanderung ist nicht weit, ca. 4-7km eine Strecke wuerde ich schaetzen. Beginnend auf 4.300m reicht das aber zum Luft wegbleiben. Ich gehe schnellen Schrittes, die Touren, die ich nicht wollte, kommen mir bereits entgegen. Die Umgebung ist Lama gepraegt und wird schneeiger nach einiger Zeit. Es gibt zwei Routen hoch, kurz und lang. Jeder der denken kann, muesste wissen, dass sie sich in Steigung unterscheiden muessten. Mir, auf geschaetzen 4.700m, faellt das nicht mehr auf. Aus kurz und Schmerzlos wird rutschig und atemlos. Ich behaupte es geht noch gerade so, aber jeder Schritt muss sitzen und ueber jegliche erlernte Gleichgewichtsgefuehl bin ich mehr als gluecklich. Die Sonne hinterm Berg, die Zeit als Kehrwagen hinter mir, die Flucht nach vorn steht an. Die Wolken sind nah, eher neben als ueber mir, aber die Motivation kennt kein halten mehr.
Kurz nach Begegnung mit Ziege und Berghoernchen treffen sich die Wege wieder, Spuren im Schnee zur Bergspitze, sofern die noch erkennbar ist. 100m haben selten soviel Kraft und Konzentration gekostet, es ist ein wenig flacher, aber es ist auch bereits fast halb fuenf, mein letzte gesetzte 'must-Umkehr-time'. Die letzten Meter wie im Flug und auf einmal eine jaemmerliche Spitze, passend zu meinen Zustand. Die Spitze endet in einem steilem Abhang der nach einigen Metern von hochkletternden Wolken verschluckt wirkt. Fünftausend und dreiundzwanzig Meter bin ich ueber den Meeresboden, der gesamt Cerro Tunari liegt unter mir. Wahrscheinlich ist der Abstand zur naechsten Menschenseele noch größer.
Ich bekomme Angst. Erzaehlen ‘die’ nicht manchmal vom Wetterumbruch? Ein Schluck Wasser, drei nervoese Schritte von Links nach Links, drüber nachdenken was 5000m auf Spanisch heißt und abwaerts. Dafuer waere nen Schlitten gut, also Vorsicht. Kleiner Ausrutscher, Puls schießt jenseits gewöhnten Frequenzen, einiges am Schnee bereits im Schuh, aber Kaelte und Waerme sind nebensaechlich- das zirkulierende Blut hält mich warm und das Adrenalin überspielt jegliche Erschöpfung. Weniger Steigung wird mit mehr Geschwindigkeit kompensiert, die Zeit wandert heute gegen mich. Wer weiss wann unten der letzte Bus faehrt wenn es vorhin schon keinen gab. Halt stop, das wird interessant: Wenn es vorhin schon keine Busse gab, wieso hab ich mir eingeredet jetzt würde es noch welche geben? Klassisches Futureproblem. Ich bin froh wieder in sicheren Spaehren anzugelangen und komme nach Durchquerung eines eiskalten Flusses auch endlich wieder zur Strasse. Sofort kommt ein Pick Up in meine Richtung, aber nimmt mich nicht mit. 'Wir sind voll' wird angedeutet, was in Suedamerika eigentlich maximal bei Flugzeugen geltend gemacht werden darf. Nach einer Stunde Fußmarsch runter hat das naechste und einzige Auto bis dahin erbarmen und laesst mich auf die Lageflaeche springen. Puh. Die Dämmerung war bereits im vollen Gange.
Fast zwei stunden dauert die holprige Fahrt zwischen zwei Cross-Motor-Bikes und ab der Haelfte einen weiteren Tramper. In Laufnaehe meines Hostels werde ich rausgelassen. Was fuer ein Tag. Zum verarbeiten gibt es keine Zeit, Vanessa, Vici und Marc sitzen bereits im Flieger und morgen treffen wir uns in La Paz, hoffentlich haben die Kreditkarten dabei.
Anmerkung: Der Titel sowie Idee des Textes ist von Matze abgekupfert der mal einen viel zusammenhaengenden Text und Bilder ueber seine turbulente Zugspitzen-Besteigung festgehalten hat. Wer also noch nicht genug bekommen hat: http://chasingheigts.blogspot.com/













