Wo ich herkomme, da gabs das nicht.
Wieso schreibst Du nicht ĂŒber Deine Erfahrung als nichtbinĂ€re Person in Deutschland? Der letzte Post dazu war ja mehr ein Werbeblock.
Warum erzÀhle ich nicht davon, wie mein Alltag so lÀuft, als trans Person?
Du könntest es auch als Geschichte verpacken. Oder Du machst ein Interview. Mit Dir selbst oder mit den anderen Leuten, die in Deiner Umgebung trans sind.
 Ich weiĂ, es gĂ€be so viele Methoden, Euch zu erklĂ€ren, wie es mir als trans Person geht. Die Sache ist, ich weiĂ nicht, ob ich das ĂŒberhaupt will.
Ich will natĂŒrlich meine Erfahrungen mit Euch teilen â dazu habe ich diese Seite schlieĂlich erstellt. Zum Thema TransidentitĂ€t und NichtbinĂ€rsein gibt es nur schon so viele, die so gute Dinge dazu gesagt haben und immer noch sagen. Auf Twitter, Tumblr und ĂŒberall im Internet. Habe ich ĂŒberhaupt so viel dazu beizutragen? Ăfter als nie ist meine Antwort darauf: Nein, ich habe nichts Neues zu sagen. Und dann fĂ€llt mir ein: Mehr als meine eigene Erfahrung kann ich nicht erzĂ€hlen, aber die kann niemand anders mitbringen.
Also erzĂ€hle ich Euch, wie es mir geht. Im Alltag, wenn es mal wirklich schlimm wird, wie es mir frĂŒher ging. Nicht alles wird heute passieren, manche Sachen werde ich eher in einen mental-health-Post schreiben. Aber ein Anfang kann ja mal gemacht werden!
 Am Anfang war ich nicht trans. Ganz einfach aus dem Grund, dass ich keine Ahnung hatte, was das Wort bedeutet. Ich hatte Sexualkunde-Unterricht in verschiedenen AusfĂŒhrungen, in unterschiedlichen Jahrgangsstufen und einmal sogar mit der Hilfe eines queeren Projekts, das meiner Klasse ein bisschen darĂŒber erzĂ€hlt hat, wie Menschen mit gleichem Intimbausatz Dinge tun (können). Das Konzept, dass medizinisches Fachpersonal sich irren kann, ist nie aufgekommen. Das wird den meisten so gegangen sein, aber vielleicht gab es wenigstens coole Familien oder Freundschaften, die zufĂ€llig alternative IdentitĂ€ten ins Bewusstsein bringen konnten. Well, die gab es bei mir nicht. Ich bin in einem groĂen Dorf aufgewachsen, es als Kleinstadt zu bezeichnen, wĂ€re ein Kompliment. Meine Eltern waren sehr engagiert in der katholischen Kirche, also war ich es auch. Meine Mutter hat in der örtlichen Bibliothek gearbeitet, und ich war schon immer introvertiert, also habe ich mich mit den BĂŒchern angefreundet. Meine LieblingsbĂŒcher? Allesamt Krimis, Fantasy und Historien-Romane. BloĂ nichts, was super mĂ€dchenhaft gestaltet war.
Meine Kindheit bestand, wenn ich mich auf die Seite der geschlechtlichen Erziehung bewege, daraus, dass ich eine ganze Weile lang das einzige âMĂ€dchenâ meiner familiĂ€ren Generation war. Meine Cousinen sind ausnahmslos jĂŒnger. In den bisherigen Generationen waren MĂ€dchen aber sehr verbreitet, sodass mir von Anfang an ein Bild vorgelebt wurde, wie âguteâ und âschlechteâ Frauen waren. Ich wollte immer mein Bestes geben. Und in vielen FĂ€llen hat das geklappt.
Bis ich ungefĂ€hr zwölf war und meine Eingeweide beschlossen, sich ab jetzt regelmĂ€Ăig zu Wort zu melden. Meine Familie hatte gleichzeitig groĂes Interesse daran, mir alles Nötige zu ermöglichen, und möglichst nichts mit meiner IntimsphĂ€re zu tun zu haben. So war ich mit mehr als genug Halbwissen wenigstens vorbereitet. Allerdings reichte das dann nicht, um mich auf meine sagenhaft schlechte Laune vorzubereiten. Inzwischen wĂŒrde ich behaupten, dass das an dem grundlegenden GefĂŒhl liegt, dass diese Blutung falsch ist. Ich sollte nicht bluten. In einer perfekten Welt hĂ€tte mein Körper dazu gar nicht die Gegebenheiten. Und anhand meiner Verwandtschaft konnte ich ja auch sehen: Kerle haben das Problem nicht. NatĂŒrlich kann ich da nicht mit Sicherheit sagen, dass ich frĂŒher so dachte. Es ist aber ziemlich wahrscheinlich.
Mit den Jahren habe ich mich dann daran gewöhnt, monatlich einmal unausstehlich zu sein. Das GefĂŒhl, dass es besser wird, irgendwann, war immer da. Und es ist immer noch da, bloĂ viel schwieriger zu ertragen â immerhin weiĂ ich inzwischen, wie es aufhören könnte, und trotzdem hab ich die Lösung noch nicht verfĂŒgbar. Das GefĂŒhl ist nicht so klasse.
Es ist aber ziemlich gut gewesen, dass ich irgendwann von selbst gemerkt habe, wieso ich mich so anders fĂŒhle. So konnte ich mir selbst ĂŒberlegen, was ich dazu tun muss, mich wohlzufĂŒhlen. Ich mache millimeterkleine Schritte, aber sie sind eigentlich immer Schritte nach vorn. Gegen meine monatlichen Probleme habe ich temporĂ€re Hilfsmittel gefunden, gegen die Oberweite hilft meistens, alles zu ignorieren, was damit zu tun haben könnte, und ins Fitnessstudio zu gehen, hat einen ziemlichen Selbstwertbonus. Vielleicht sollte ich darĂŒber bei meinem nĂ€chsten Post ein paar Worte verlieren.
 Das Thema, wie ich mich selbst gefunden habe und immer noch finde, wird jedenfalls im nÀchsten queeren Post im September weiter vertieft!