Ich denke, viel von der Reibung, die in letzter Zeit im Fandom sowie Teilen des Fandoms und den Powers-That-Be entstanden ist, kommt dadurch, dass viele neue Fans Erwartungen mitgebracht haben, die normalerweise nicht an den Tatort gestellt werden.
An vielen Stellen ist das auch gut und erstrebenswert. Ich finde es erschreckend, wie oft immer noch im Tatort beiläufig Vorurteile aller Art bestärkt werden, und es ist wichtig, dass so etwas laut und offen kritisiert wird. Ebenso kann und sollte man auch fragwürdige Drehbuchentscheidungen hinterfragen, und Kohärenz in der Charakterisierung fordern.
An anderer Stelle denke ich mir oft, dass viele den Spatort nicht als Teil des Gesamtwerks Tatort sehen. Der Tatort ist eine anthologische Sammlung von Krimis, in denen die wiederkehrenden Kommissare die Brücke zwischen Zuschauer und dem Fall bilden. Diese Brücke ist mal mehr oder mal weniger charakterstark (*hust hust Köln hust*), aber sie ist eigentlich nur selten Zentrum des Krimis.
Und klar, der Spatort ist in vielerlei Hinsicht die regelbestätigende Ausnahme, so zum Beispiel, wenn die Handlung fließend von einer Folge in die nächste übergeht, oder sich im Detail mit den Beziehungen der Kommissare beschäftigt, anstatt sie anekdotisch zu erzählen. Aber es ist und bleibt immer noch ein Tatort, der innerhalb von 90 Minuten gewisse Grundanforderungen erfüllen muss. Das führt dazu, dass bspw. die oben genannten Elemente, die Grundbausteine von TV-Serien mit wöchentlichen Sendeterminen und episodenübergreifenden Plotsträngen sind, nur eingeschränkt Platz darin finden können.
Worauf ich am Ende damit hinaus will: Ich denke es ist wichtig, den Spatort (auch) kritisch zu betrachten, und es sollte immer Raum sein für diese Kritik. Aber es ist nicht sinnvoll, vom Spatort Dinge zu erwarten, die durch die Einschränkungen, die auf dem Format liegen, schwer und selten möglich sind, und dann zu kritisieren, dass ein Tatort eben keine "normale" Serie ist.