Ich kann einfach nicht zum ersten mal in Griechenland sein und nicht auf einer Insel. Also besucht Agnes am letzten Athentag das archäologische Museum und ich flüchte die Kulturpflicht per Tragflügelschnellboot in Einerstundezwanzig nach Hydra.
Etwas unerwartet holte mich die Kultur aber wieder ein. Ich hatte zwar gelesen, dass ein sehr reicher Kunstsammler einen Aktionsraum namens Slaughterhouse dort betreibt und irgendwas auch mal mit Jeff Koons dort, aber eigentlich war s mir egal, schöne Insel, schöner Spaziergang und Leonard Cohen hat da auch gern gelebt, das war mir wichtiger.
Das Schlachthaus war tatsächlich mal ein selbiges kleines solches für die kleine Inselstadt ums Inseleck, mit 3 Gitterzellen für s Vieh vorne dran, einem Haken und dem ehemaligen Zerlegeraum. Obendrauf hat Koons sein Sonnenrad gebaut,, das machtvoll wie der Sonnengott Apollo persönlich mit seinem Gesicht auf jeder Seite dem Wind entgegenstarrt. Der Wind treibt auch den beweglichen Teil seines Sonnenrades an und erzeugt, wenn ich das richtig sehe, auch Strom, der vermutlich die Lichterkette 4 Strommasten entlang bis zum Schlachthaus erleuchtet. Wie auch immer, ein unerwartet starker Eindruck, den das ganze Ding macht.
Die Insel an sich liefert aber auch sonst alles was man sich für "ich hab funf Stunden auf einer griechischen Insel" erwarten darf: Revolutionsgeschichte, ein Kloster mit Marienwunder nach Piratenraub, dramatische Steilküste & Blicke auf andere Inseln & Küste, den Berg hinaufgewürfelte Labyrinthe aus weißblauen Häusern, und, angeblich, auch ein Denkmal für Leonard. Das hab ich aber nicht gefunden, ebensowenig wie sein Wohnhaus, das irgendwo weiter oben sein soll. War mir aber egal, war schön und Inselgefühl as fuck. Autoverbot und deswegen nur Esel zum Transport, in den menschenleeren weißen Gassen ein Königreich der Katzenreviere, Bäume die Kunstwerke sind aus Seewind und Felsbesiedlung, schönen Dank, gern mal wiedersehn.
Die Rückfahrt in Schnellboot über etwas stürmisch abendliches Meer bot dann noch bei jedem hochspringenden Wellenkamm ungeahnte Mini-Drops-Achterbahn -Airtimegefühle, manche mochten das, manche mussten auch von der Stewardess oder der zu hörenden Aufforderung nicht aufzustehen beruhigt werden. Ich hatte Spaß und wurde gegen Ende fast schon schläfrig. =)