Nichts ist so, wie es scheint
Ich war gelaufen, lange Zeit, hatte nicht gewagt, stehen zu bleiben. Befand ich mich immer noch in dieser fremden Welt der Adligen? Die Umgebung hatte sich wieder verändert, doch es war immer noch finstere Nacht. Ich erinnerte mich, dass ich zu einer Bank wollte, um Geld zu holen. Wie es schien, würde ich es auf meiner Reise noch brauchen.
Als ich auf einem Parkplatz angelangte, schaute ich mich um. Ich spürte, dass hier irgendwo ein Auto sein sollte, mit dem ich meinen Weg fortsetzen konnte. Doch in der Dunkelheit konnte ich nichts erkennen. Aus meiner Hosentasche holte ich ein Schlüsselbund, an dem eine kleine Taschenlampe befestigt war.
Der Lichtkegel meiner Taschenlampe wanderte über den Parkplatz. Im Dunkeln blitzte der Lack eines schwarzen Wagens und reflektierte den Lampenschein. Ohne zu zögern probierte ich, die Tür zu öffnen. Diese war erstaunlicherweise nur angelehnt und so konnte ich mühelos ins Auto schlüpfen. Ich legte die noch immer angeschaltete Taschenlampe auf den Beifahrersitz und fuhr los.
Als ich bei der Bank angekommen war, betrat ich das Gebäude und verlangte soviel Geld wie möglich. Dass ich bedrohlich wirken und man mein Tun für einen Überfall halten könnte, fiel mir erst auf, als ich die Bank wieder verließ. Ratlos, was ich nun tun sollte, blieb ich vor dem Gebäude stehen, zwei volle Geldsäcke fest umklammert.
Schon hörte sie die Sirenen der Polizei, die sich unaufhaltsam näherte und deren unruhig flackerndes Blaulicht bereits die Häuser und Straßen erleuchtete. Ich konnte mich nun doch aus meiner Starre lösen und sprang schnell ins Auto, doch ich kam nur einige Straßen weit, bevor ein Polizeiwagen vor mir stoppte. Während sich zwei Polizisten gemächlich dem schwarzen Auto näherten, konnte ich - ich hatte mich tief in den Sitz geduckt - einen Teil ihres Gesprächs belauschen.
Die Beamten unterhielten sich darüber, wie einfach sie mein Auto mit Hilfe ihrer Wärmebildkamera hatten verfolgen können. Verdammt! Ich hatte vergessen, meine Taschenlampe auszuschalten!
Schon waren die Polizisten an meinen Wagen angelangt und forderten mich seelenruhig auf, auszusteigen. Sofort begann ich zu erzählen, was passiert war und wie es zu dem vermeintlichen Bankraub kommen konnte. Erst nachdem ich meinen Bericht beendet hatte, fiel mir der erstaunte Blick der Beamten auf. Da stellte ich fest, dass ich wieder einmal geschrumpft sein musste, denn ich hatte nun tatsächlich die Größe eines kleinen Kindes.
Die Polizisten schauten voll Mitleid zu mir herab und empfahlen mir, ich solle mir nicht solche seltsamen Geschichten ausdenken. Einer der Beamten ging zurück zum Wagen, während der andere mich wegen meiner frechen Lügen tadelte.
Nach wenigen Minuten kehrte der andere Beamte mit einem großen Teddybären auf dem Arm zurück und erklärte mir, dass ich diesen Teddy bekäme, wenn ich nie mehr solche Lügengeschichten erfände. Er drückte mir den Teddy in die Hand und begleitete mich noch ein Stück des Weges.
Als wir an der Bank vorbei kamen, hielten die Polizisten alarmiert inne und zogen ihre Waffen. Auch ich bemerkte den maskierten Mann, der soeben mit einer Pistole bewaffnet in der Bank verschwand. Doch der kam zu spät. Ich lachte mir ins Fäustchen. Für mich war dies eine günstige Gelegenheit zur Flucht!
Während ich mit schnellen Schritten nach Hause lief, ertönten hinter mir Schüsse aus der Bank. Zu Hause angekommen, schlich ich ins Haus und legte mich ins Bett. Doch war ich tatsächlich zu Hause? Abermals glitt mein Bewusstsein in die Schwärze mit unbekanntem Ziel.