WIR-Stammanteile: âWertpapiereâ nur fĂŒr Schweizer
Am 11. Februar 2014 eröffne ich bei der WIR-Bank in Basel ein Sparkonto. Die Schweizer Nationalbank ist zwar die gröĂte Zockerbude des Planeten, trotzdem kann es nicht schaden, ein bisschen aus dem Euro hinauszudiversifizieren, denke ich mir. AuĂerdem wohne ich direkt an der Schweizer Grenze und will nicht dauernd Franken hin- und herwechseln. Bei der Gelegenheit lasse ich mir auch WIR-Stammanteile andrehen: Diese an der Berner Börser gehandelten âWertpapiereâ seien ein Investment in solide Schweizer Nebenwerte, sicher und wĂ€hrschaft, verlĂ€sslich, langfristig, tralalala...
Am 20. Februar 2015 kaufe ich noch einmal ein paar Stammanteile. Der MDAX lĂ€uft traditionell besser als der DAX, der S&P 500 besser als der Dow Jones - also scheint es mir eine vernĂŒnftige Erwartung zu sein, dass sich auch in der Schweiz kleine Unternehmen langfristig besser entwickeln als dubiose GroĂkonzerne.
Ende Mai 2016 lĂ€dt mich die WIR-Bank zur Kapitalerhöhung ein. Ich fĂŒhle mich gebenedeit und kaufe auch einen neuen Stammanteil. Stammanteile - das sind diese soliden Schweizer Nebenwerte, sicher und wĂ€hrschaft, verlĂ€sslich, langfristig, tralalala...
Am 16.09.2016 lĂ€dt mich die WIR-Bank zu ihren âHerbstgesprĂ€chenâ nach Luzern ein. âDie GrĂŒndergeneration [der WIR-Bank] war visionĂ€r, wir sind es auch!â verspricht das Finanzinstitut. Die Bank habe sich âintensiv mit der Zukunft auseinandergesetzt und Strategien entwickelt, um auch in dieser anspruchsvollen Zeit zu wachsen und gleichzeitig unseren Kunden einen Mehrwert zu bietenâ.
Was dieses GesĂŒlze auf Deutsch heiĂt, schreibt mir die WIR-Bank am 10.11.2016: Man konzentriere sich jetzt auf Schweizer Kunden. Da ich AuslĂ€nder sei, solle ich doch bitte mein Geld nehmen und mich umgehend zurĂŒck ĂŒber die Grenze verpissen, d.h. meinen Account âsaldierenâ. Betreffs Stammanteile habe ich drei Möglichkeiten: 1. Sofort verkaufen. NatĂŒrlich mit Verlust, denn die ĂŒbrigen AuslĂ€nder mĂŒssen ja auch gerade verkaufen. ZwangsverkĂ€ufe drĂŒcken halt gerne mal die Preise: WĂ€hrend Wertpapiere an den Börsen allgemein gerade in absurde Höhen getrumpt werden, sinken die WIR-Stammanteile von 470,- CHF im Mai 2016 auf 412,- CHF im Dezember 2016. 2. Ăbertragen in ein Wertpapierdepot bei einer anderen Bank. Sofern sich eine andere Bank dazu bereit erklĂ€rt (was nicht garantiert ist). Das wĂŒrde 100,- CHF pro StĂŒck kosten - wĂ€re also ein Sofortverlust von > 25% des eingesetzten Kapitals. Dazu kommen dann noch GebĂŒhren der aufnehmenden Bank, wie mir die WIR-Bank liebenswĂŒrdig mitteilt. Wobei es natĂŒrlich keinerlei Garantie dafĂŒr gibt, dass die Stammanteile diese Verluste jemals wieder aufholen. Oder dafĂŒr, dass die WIR-Bank sich nicht weitere Aktionen zur AuslĂ€nder-Verarschung ausdenkt. 3. Irgendeine Ombudswitzfigur kontaktieren und mich erkundigen, ob die WIR-Bank das in der Schweiz ĂŒberhaupt machen darf... (Ha, ha, ha - jetzt muss ich grad selber lachen.)
Vor die Wahl gestellt, ein paar Hundert oder ein paar Tausend Franken zu verlieren, entscheide ich mich fĂŒr Option 1 und verkaufe. Auf diese Weise komme ich mit einem blauen Auge davon und verliere nur einen halben durchschnittlichen Monatsverdienst. Und das muss es einem ja Wert sein, wenn die lieben Schweizer Nachbarn zu Weihnachten unter sich bleiben wollen.
Wir lernen:
1. Die Schweiz ist kein âsicherer Hafenâ. Auf Schweizer Banken kann man sich nicht einmal in relativ friedlichen Zeiten verlassen. (In Krisen- und Kriegszeiten werden âauslĂ€ndischeâ Vermögen dann sowieso einkassiert, das ist nicht nur in Jugostan so.)
2. Die Annahme, eine kleine, genossenschaftlich organisierte Bank sei irgendwie vertrauenswĂŒrdiger als anerkannt kriminelle GroĂbanken, ist naiv.
3. HĂ€nde weg von dubiosen Nebenwerten!










