Ich glaube, das Schlimmste an uns ist, dass wir beide wussten, dass Distanz wahrscheinlich das Richtige ist.
Und trotzdem fühlt es sich an, als würde etwas in mir daran zerbrechen.
Vielleicht gerade deswegen.
Weil es einfacher wäre, dich zu hassen. Weil es einfacher wäre, wenn du mich verletzt hättest oder alles toxisch gewesen wäre oder wir uns gegenseitig zerstört hätten. Aber stattdessen waren wir einfach… zwei Menschen, die Gefühle entwickelt haben, obwohl sie wussten, dass es keine Zukunft gibt.
Und ich wünschte, Gefühle würden Vernunft verstehen. Ich wünschte, mein Herz wäre genauso rational wie mein Kopf.
Denn mein Kopf weiß es ja.
Er weiß, dass wir uns wahrscheinlich nur noch mehr verletzt hätten, wenn wir dem Ganzen wirklich nachgegeben hätten. Dass irgendwann der Punkt gekommen wäre, an dem alles kompliziert geworden wäre. Dass Nähe manchmal wunderschön beginnt und am Ende trotzdem alles kaputt macht.
Mein Kopf versteht das alles. Aber mein Herz? Mein Herz interessiert sich nicht für Logik. Es interessiert sich nur dafür, dass ich dich vermisse.
Dass ich manchmal mitten am Tag plötzlich an dich denken muss und alles in mir schwer wird. Dass ich mich frage, wie es dir geht. Ob du genug schläfst. Ob du lachst. Ob irgendetwas Schlimmes passiert ist. Ob du manchmal auch einfach nur aufs Handy schaust und kurz an mich denkst.
Und das Verrückte ist, wir reden ja noch nicht mal mehr richtig miteinander.
Nicht mehr so wie vorher.
Nicht mehr mit dieser Tiefe.
Nicht mehr mit diesem Gefühl von „ich will dir alles erzählen“.
Und ich tue so, als wäre das okay.
Als würde mich das nicht treffen.
Aber ehrlich? Es zerreißt mich mehr, als ich zugeben möchte.
Mir fehlen deine dummen Sprüche. Dein Humor. Deine Art.
Diese kleinen Momente, die wahrscheinlich für niemand anderen besonders gewesen wären, aber für mich plötzlich alles waren.
Und ich hasse es, dass ich das überhaupt so empfinde. Weil ich weiß, dass ich es gar nicht sollte.
Weil ein Teil von mir denkt, dass ich zu viel bin. Zu emotional. Zu anhänglich. Zu intensiv. Dass ich dich nerve, wenn ich schreibe. Dass ich klammere, wenn ich frage, wie es dir geht. Also halte ich mich zurück. Jeden einzelnen Tag halte ich mich zurück.
Du hast keine Ahnung, wie oft ich dir schreiben wollte. Wie oft ich irgendeine Nachricht angefangen und wieder gelöscht habe.
Wie oft ich einfach nur sagen wollte hey Ich vermisse dich...
Aber ich hatte Angst. Angst, dass ich damit alles unangenehm mache. Angst, dass du Abstand willst und ich ihn dir nicht geben kann. Angst, dass meine Gefühle größer geworden sind als deine.
Angst, dass ich am Ende diejenige bin, die festhängt, während du längst lernst loszulassen.
Und vielleicht ist genau das das Schlimmste, dieses stille Loslassen. Nicht streiten.
Nicht explodieren. Kein großer Knall, sondern sich langsam fremd werden.
Langsam weniger voneinander wissen. Weniger schreiben.
Bis man irgendwann nur noch eine Person ist, die man mal kannte.
Und verdammt, dieser Gedanke macht mich fertig. Weil ich nicht will, dass du irgendwann einfach nur „jemand von früher“ wirst.
Du meintest mal, dass man sich ja trotzdem noch sehen könnte. Vielleicht einmal im Monat oder so. Aber sind wir ehrlich…
Und selbst wenn ich fragen wollen würde, hätte ich Angst, zu viel zu sein. Zu aufdringlich. Zu offensichtlich. Ich würde wahrscheinlich hundertmal überlegen, bevor ich überhaupt eine Nachricht abschicke.
Und vielleicht würdest du gar nicht merken, wie viel Überwindung darin steckt. Ich glaube, du verstehst nicht, wie sehr ich gegen mich selbst kämpfe.
Weil ein Teil von mir erwachsen sein will. Reflektiert.Verständig.
Weil ich weiß, dass Distanz die bessere Wahl ist...
Der andere Teil wollte einfach nur noch ein bisschen länger deine Nähe genießen. Noch ein bisschen länger nicht an die Zukunft denken. Noch ein bisschen länger in deiner Gegenwart vergessen, wie kompliziert alles ist.
Ich hätte mir gewünscht, einfach im Moment bleiben zu dürfen. Ohne Angst davor, was später passiert. Ohne ständig vernünftig sein zu müssen. Ohne dieses Gefühl, dass etwas Schönes beendet werden muss, bevor es überhaupt richtig anfangen durfte.
Und vielleicht trauere ich nicht nur um dich. Vielleicht trauere ich auch um all die Dinge, die niemals passieren werden.
All die Gespräche. All die Berührungen. All die Momente, die wir nie erleben werden.Und das klingt wahrscheinlich alles viel zu emotional. Viel zu tief.
Viel zu kompliziert. Aber genau das ist das Problem....Du bist für mich eben nicht unkompliziert.
Du bist ein Gedanke geworden, der mich nachts wach hält. Ein Gefühl, das ich nicht abschalten kann. Eine Person, die ich loslassen soll, obwohl irgendetwas in mir immer noch festhält.
Ich weiß nicht, ob du manchmal auch an mich denkst oder ob du einfach stärker bist als ich.
Ich weiß nicht, ob du Abstand hältst, weil es dir egal ist oder gerade weil es dir eben nicht egal ist.
Aber ich weiß, dass ich dich vermisse. Mehr, als ich sollte.
Mehr, als gut für mich ist.
Mehr, als ich zeigen darf.
Und vielleicht werde ich dir diesen Brief niemals geben. Vielleicht bleibt das alles einfach nur zwischen diesen Zeilen bestehen.
Aber wenigstens existiert die Wahrheit dann irgendwo. Die Wahrheit, dass du mir wichtig geworden bist. Dass etwas in mir kaputt gegangen ist, als wir Abstand geschaffen haben.
Und dass ich manchmal immer noch hoffe, dass du mich vielleicht ein kleines bisschen genauso vermisst wie ich dich.