âUnd wegen dem ScheiĂdreck will er den anzeigen?â
Wir alle wissen, dass Soziale Medien ein Sammelbecken fĂŒr so ziemlich jede Form von Fanatismus sind. In Kommentarbereichen von Online-Zeitungen stöĂt man regelmĂ€Ăig auf âSchieĂt`s erm niederâ oder âDer gehört an a Wandâ. Ich habe unter dem Beitrag eines Privatsenders einen recht Ă€hnlichen Kommentar gesehen und nach einer kurzen Diskussion mit meinen Kollegen waren wir uns einig: Mit
â âŠbringts erm zu mir. Ich habe gerade von Ăl- auf Asylantenheizung umgestellt.â
ist man schon ziemlich weit im Strafrecht drin. Aus diesem Grund habe ich den Herren heute angezeigt.
Bei der Anzeige habe ich einen kleinen Teil meines Vertrauens in die Polizei verloren. Ich erklĂ€rte in einer Salzburger Polizeistation einer jungen Polizistin, dass ich den Herren gerne anzeigen möchte. Sie schaute auf das ausgedruckte Posting und zog die Augenbrauen hoch. Nach einem kurzen Zögern schaute sie mich wieder an und fragte: âUnd wegen dem wollens erm anzeigen?â âJa!â antwortete ich. Die junge Frau verschwand hinter einer TĂŒr, durch die ich sie mit ihren Kollegen sprechen hörte: âJoâŠ.wegen dem ScheiĂdreck will er den anzeigenâŠis eh nix!â hallte durch die GĂ€nge der Station. Nach âEr arbeitet halt selber fĂŒrs FernsehenâŠâ und âDonn moch ma das halt!â hat sie mich dann zur Vernehmung gebeten. Nach zehn Minuten war der Papierkram auch schon erledigt. Irgendwo verstehe ich, dass eine kleine Polizeistation vielleicht nicht die richtige Anlaufstelle fĂŒr Online-Hetze sein könnte. Und einer der Beamten bestĂ€tigte mir das auch âDafĂŒr haben wir Spezialisten bei der Landespolizei. An die leiten wir das weiter.â erklĂ€rte er mir nachdem ich die Anzeige aufgegeben hatte. Mag schon sein, dass es diese Experten gibt. Aber im Jahr 2016 muss es möglich sein, auch Online-Hetze ohne HĂ€me anzeigen zu können. Dass eine Todesdrohung fĂŒr eine Polizistin nur âScheiĂdreckâ ist, schockierte mich dann doch sehr. Beim Hinausgehen fragte mich dann einer der Beamten noch, warum ich genau diesen Mann anzeigen möchte.
Die Antwort ist recht einfach: Weil er mein persönliches Fass der Wurschtigkeit zum Ăberlaufen gebracht hat. Dieses Posting bedeutet nichts anderes als âbringt ihn zu mir, ich bring ihn umâ. Jede Stunde, Jeden Tag, einfach viel zu oft glauben Menschen, dass sie beim Ăffnen ihres Browsers ihre Vernunft gegen prĂ€historische Instinkte tauschen können. Nur weil der Mann sich in der vermeintlichen AnonymitĂ€t eines sozialen Netzwerks wĂ€lzt, glaubt er Todesdrohungen aussprechen zu können. Und dieser Gedankengang ist falsch. Was im realen Leben gilt, muss auch online gelten. Ich kann einfach nicht mehr ĂŒber Todesdrohungen drĂŒberlesen. Ich habe genug davon.
Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die Staatsanwaltschaft jetzt wegen âVerhetzungâ gegen diesen Mann ermitteln. Meine Anzeige ist eine von rund 640 in diesem Jahr. Immer öfter, nĂ€mlich rund 100 Mal, erhebt die Staatsanwaltschaft dann tatsĂ€chlich auch Anklage gegen die Poster. Weniger als ein Sechstel wird also tatsĂ€chlich angeklagt. Das liegt vor allem daran, dass man klar nachweisen muss, wer fĂŒr den Post verantwortlich ist. FĂŒr meine Anzeige stehen die Chancen also nicht allzu gut. Falls es doch zu einer Anklage kommt, drohen Geldstrafen oder in extremen FĂ€llen auch Haft. JĂ€hrlich nehmen die Zahlen von derartigen Anzeigen zu, weil immer mehr Menschen sich nicht mehr damit abfinden wollen, dass âStammtischgerede halt jetzt im Internetâ ist. Ich werde mich auch nicht mehr damit abfinden.














