... und seinem Vorreiter CSU Innenminister Dobrindt - fordert eine Kampagne von Campact, die wir sehr gern unterstützen. Bis zu 800.000 Menschen will der Bundeskanzler nach Syrien zurückschicken - in einen Alltag, der für viele von ihnen lebensgefährlich wäre. Gewalt, Unterdrückung und eine kritische humanitäre Lage prägen das Land noch immer. Mit seiner Forderung sorgt er für Angst unter syrischen Familien in Deutschland, di sich hier ein neues Leben aufgebaut haben. Viele von ihnen sind auch Dank ihrer guten Ausbildung hier gut integriert.
Anlässlich des Staatsempfangs für den derzeitigen syrischen Machthaber Ahmad al-Sharaa vor 2 Wochen sprach sich Bundeskanzler Merz dafür aus, dass 80% der in Deutschland lebenden syrischen Staatsangehörigen Deutschland verlassen sollten. Da hat der Bundeskanzler als Staatsgast jemanden empfangen, der noch vor einem Jahr als islamistischer Terrorist auf den Fahndungslisten stand. Nur weil er mit türkischer Hilfe die Assad-Regierung stürzen konnte, ist er nun willkommen, obwohl in Syrien weiterhin Massaker an Alawitinnen, Drusinnen, Christinnen und Kurdinnen verübt werden.
Das erscheint uns ähnlich den derzeitigen Ereignissen im afghanischen Konsulat in Bonn, wo "Diplomaten" des Taliban-Regimes - gegen das die Bundesrepublik mit über 37 Milliarden Euro Steuergeld einen 20 Jahre langen Krieg geführt hat - nun abzuschiebene Afghanen verhören darf, um sie mit den notwendigen Ausreisepapiere auszustaffieren. Ist das die neue "wertebasierte Politik" der Bundesrepublik?
Auf jeden Fall sorgt der Bundeskanzler mit seiner Forderung nach Ausreise für Angst unter syrischen Familien in Deutschland. Merz’ Forderungen gefährden Menschenleben, schüren Rassismus und verschärfen Angst unter Schutzsuchenden. Unter den rund 900.000 syrischen Staatsangehörigen in Deutschland befinden sich viele Menschen mit Fachkräfte-, Studien- oder Sprachkursaufenthalten, Menschen mit Niederlassungserlaubnissen und Menschen im Einbürgerungsverfahren. Bundeskanzler Friedrich Merz spielt mit dem rhetorischen Feuer und bedient rassistische Abschiebediskurse, die Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit vor allem das Gefühl geben sollen: Ihr seid hier nicht willkommen.
Der Flüchtlingsrat Berlin fordert deshalb auf WeAct, der Petitionsplattform von Campact: Keine Abschiebungen nach Syrien! Schließe Dich an.
Mehr dazu bei https://weact.campact.de/petitions/keine-abschiebungen-nach-syrien
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Drei Wochen stand Syrien im Januar am Abgrund. Im Nordosten des Landes eskalierte der Konflikt zwischen Zentralregierung und kurdisch geführ
Rojava: Ende eines Traums?
Analyse Blätter für deutsche und internationale Politik März 2026
Drei Wochen stand Syrien im Januar am Abgrund. Im Nordosten des Landes eskalierte der Konflikt zwischen Zentralregierung und kurdisch geführter Selbstverwaltung – Kämpfe, Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen drohten zu einem offenen Krieg auszuarten. Mehr als ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 war das strategisch wichtige Gebiet, das fast ein Drittel des Landes umfasst und Erdöl, Erdgas und große landwirtschaftliche Nutzflächen beinhaltet, noch immer nicht Teil des neuen syrischen Staates geworden. Ein am 10. März 2025 unterzeichnetes Grundsatzabkommen zwischen Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa und Mazlum Abdi, dem Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), war zehn Monate lang nicht umgesetzt worden, die Integration drohte mit Gewalt, statt am Verhandlungstisch vollzogen zu werden.
Nach dem militärisch erzwungenen Abzug kurdischer Einheiten aus Aleppo Anfang Januar eroberten die Truppen der Übergangsregierung innerhalb weniger Tage die Provinzen Raqqa und Deir al-Zor sowie Teile der Provinz Hasaka. Arabische Bewohner feierten das Ende der kurdisch dominierten Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyrien (AANES) als Befreiung, Kurd:innen fürchteten sich vor Repressionen und Massakern durch extremistisch auftretende Sicherheitskräfte der Übergangsregierung.
In den sozialen Medien kursierende Videos befeuerten Ängste und Hass auf beiden Seiten: Der Leichnam einer kurdischen Kämpferin wurde unter dem Jubel von Regierungstruppen von einem Gebäude in Aleppo geworfen, gefangen genommene Kurden wurden als „Schweine“ und „Verräter“ beschimpft und erniedrigt. Zugleich wurden Kinder und Jugendliche aus den Gefängnissen der Selbstverwaltung befreit, deren Inhaftierung mindestens Fragen aufwirft, Berichte über Zwangsrekrutierungen und außergerichtliche Hinrichtungen nährten das Bild der SDF als PKK- gesteuerte Truppe, die die eigenen Machtinteressen über das Wohl der syrischen Bevölkerung stellt – sowohl der arabischen als auch der kurdischen.
Über Jahrzehnte verinnerlichte Narrative und Propaganda steigerten sich zu einem Lagerdenken, das auch die Debatten im Ausland vergiftete: Die einen mobilisierten für die Rettung der Kurd:innen in einem „basisdemokratischen Rojava“ vor den herannahenden „Dschihadisten“ des „Terroristen al-Golani“ (alias Ahmad al-Sharaa), die anderen forderten die Rückgabe der von „ausländischen PKK-Terroristen besetzten“ syrischen Gebiete und Ressourcen an die „rechtmäßige Zentralregierung“ in Damaskus und ein Ende des „kurdischen Separatismus“. Die derart befeuerte Polarisierung führte zu Diffamierung und Hetze im Internet sowie zu Zusammenstößen auf Deutschlands Straßen.
Mitte Januar steuerte alles auf eine offene Konfrontation hin, Gräueltaten schienen nach den Massakern an alawitischen Zivilist:innen im März 2025 an der Küste und an der drusischen Bevölkerung im Juli 2025 in Sweida vorprogrammiert. Dann siegte in letzter Minute der Pragmatismus aller Beteiligten. Nach intensiver Shuttle-Diplomatie zwischen Damaskus, SDF, der Autonomen Region Kurdistan im Irak, der Türkei, den USA und Frankreich konnte eine militärische Eskalation abgewendet werden. Am 30. Januar bestätigten al-Sharaa und Abdi ein weiteres Abkommen. Es besiegelte das Ende kurdischer Autonomie und die Wiederherstellung zentralstaatlicher Souveränität im Nordosten, lokale Strukturen werden schrittweise eingebunden statt aufgelöst.
Das neue Syrien vollzieht damit einen wichtigen Schritt in Richtung nationale Einheit. Damaskus übernimmt die Grenzübergänge in den Irak und die Türkei, den Flughafen von Qamishli, die Erdöl- und Erdgasfelder. Lokale Angestellte behalten ihren Job und werden ab sofort von Damaskus bezahlt, Ziel ist eine einheitliche Verwaltung statt paralleler Strukturen. Neuer Gouverneur der Provinz Hasaka ist erstmals ein Kurde: Nour al-Din Ahmad, ein enger Vertrauter Abdis, langjähriger Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der SDF und zuletzt Mitglied des Generalstabs.
Die örtlichen Polizeikräfte Asayish werden dem Innenministerium unterstellt. Bei der Integration der SDF in die nationale Armee einigte man sich auf einen Kompromiss. Statt kurdische Kämpfer – wie von Damaskus gewünscht – nur einzeln zu rekrutieren, werden diese in drei Brigaden aufgenommen, die Teil einer neu zusammengestellten Division für Hasaka sind. In Kobane wird eine SDF-Brigade in eine Armeedivision der Provinz Aleppo eingegliedert.
Angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage werden die meisten SDF-Soldaten und Asayish froh sein, auch in Zukunft in ihren Heimatregionen arbeiten zu können und einen festen Sold aus Damaskus zu erhalten. Für al-Sharaa ist es wiederum strategisch klüger, die erfahrenen kurdischen Kämpferinnen und Kämpfer an die Übergangsregierung zu binden, statt sie sich zu Feinden zu machen und mittelfristig einen Aufstand zu riskieren. Das Gewaltmonopol ist wiederhergestellt, die Befehlsstruktur klar, gleichzeitig kümmern sich kurdische Kräfte um die Sicherheit in den überwiegend von Kurd:innen bewohnten Gebieten, in denen die Angst vor islamistischen Kämpfern der Übergangsregierung groß ist.
Manche Punkte waren schon zuvor bestätigt worden, etwa dass die Kurden ein integraler Bestandteil des syrischen Volkes mit gleichen staatsbürgerlichen Rechten und Pflichten sind. Auch die Anerkennung von Kurdisch als Nationalsprache und des kurdischen Newroz-Fests am 21. März als nationalen Feiertag hatte al-Sharaa bereits in einem Präsidialdekret vom 16. Januar zugesagt. Aus kurdischer Sicht müssen diese Regelungen jedoch in der Verfassung verankert werden. Daneben wurde die Rückkehr aller Vertriebenen in ihre Heimatorte Afrin, Sheikh Maqsoud in Aleppo und Ras al-Ayn / Sere Kaniye garantiert. Sämtliche in Nordostsyrien arbeitende Organisationen und Medien – mehr als 200 NGOs und Initiativen – sollen außerdem von den zuständigen Ministerien in Damaskus lizenziert werden.
Zwei für die Kurd:innen im Nordosten wichtige Themen sind noch nicht abschließend geklärt: Frauenrechte und Bildung. Unter der AANES wurde das Personenstandsrecht in der Provinz Hasaka (nicht in Raqqa und Deir al-Zor) zugunsten von Frauen reformiert, die Vielehe wurde abgeschafft. Außerdem hat die Selbstverwaltung viel in den Aufbau eines kurdischsprachigen Bildungssystems investiert, dessen Schulabschlüsse und Zertifikate jetzt in einem ersten Schritt anerkannt wurden. In den vergangenen Jahren hatte sich Kurmançi von einem im privaten Raum gesprochenen Dialekt zu einer Bildungssprache entwickelt, die in Schulen gelehrt und in Behörden praktiziert wird – eine wichtige Errungenschaft für ein Volk ohne Staat. Zugleich wurde in den kurdischsprachigen Schulen der arabische Sprachunterricht vernachlässigt, so dass viele Jugendliche in Qamishli nicht mehr gut genug Arabisch können, um in Aleppo, Latakia oder Damaskus zu studieren. Fragen von Bildung und Zweisprachigkeit spielen bei den weiteren Verhandlungen deshalb eine entscheidende Rolle.
Mit dem Abkommen vom 30. Januar hat Übergangspräsident al-Sharaa in Nordostsyrien bekommen, was er wollte: Souveränität, Institutionen und Ressourcen, ohne einer dezentralen staatlichen Ordnung zustimmen zu müssen. Was in monatelangen Gesprächen nicht gelungen war, erzwang er am Ende mit militärischer Eskalation. Aus kurdischer Sicht bedeutet die Einigung das Ende von Selbstbestimmung und Autonomie, aber eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu früheren Jahrzehnten – allerdings bisher nur auf dem Papier. Viele fürchten, eine arabisch-sunnitisch dominierte Regierung in Damaskus, die schon jetzt zentralistisch und autoritär agiert, könnte mittelfristig schlimmer werden als die frühere Baath-Herrschaft, weil unter al-Sharaa zum arabischen Nationalismus noch ein wie auch immer gearteter Islamismus kommt.
Dass das kurdisch geführte Autonomieprojekt im Nordosten – von Unterstützern weltweit gerne zu einem demokratischen Modell Rojava verklärt – Geschichte ist, liegt auch an seiner Führung. Diese hatte sich verkalkuliert, Machtverschiebungen zu lange ignoriert, strategische Fehler gemacht.
Über Jahre hatten AANES und SDF das theoretische Versprechen des „Demokratischen Konföderalismus“, ein gleichberechtigtes und basisdemokratisches System lokaler Mitbestimmung nicht glaubwürdig umgesetzt. Zwar gab es dezentrale Strukturen, aber das letzte Wort hatten stets die Kader der regierenden Partei der demokratischen Union (PYD), die ideologisch und personell eng mit der PKK in den Kandil-Bergen verbunden ist. Die Bevölkerung in den überwiegend arabischen Provinzen Raqqa und Deir al-Zor empfand die Autonome Verwaltung deshalb als Fremdherrschaft, auch wenn sie diese anfangs als geringeres Übel im Vergleich zu Assad und dem so genannten Islamischen Staat (IS) in Kauf nahm.
Nach dem Sturz des Regimes wollten diese Menschen wieder zu einem geeinten Syrien gehören, auf entsprechende Loyalitätsbekundungen gegenüber der Übergangsregierung in Damaskus reagierten die SDF jedoch mit Repression und Gewalt. Das machte sie für die Bewohner von Raqqa und Deir al-Zor erst recht zu Besatzern und erklärt, warum arabische SDF-Mitglieder und verschiedene Stämme sofort die Seiten wechselten, als die Truppen der Übergangsregierung im Nordosten vorrückten.
Statt nach dem ersten Abkommen im März 2025 einer schrittweisen Machtübergabe zuzustimmen und damit den Menschen zu signalisieren, dass man zur Integration bereit war, bestand die SDF-Führung zehn Monate lang auf ein Gesamtpaket, mit dem sie eine dezentrale Ordnung für Syrien festschreiben und eigene Strukturen weitgehend bewahren wollte. Damit hatte sie zu hoch gepokert, die eigene Rolle überschätzt und die Geduld der anderen überstrapaziert – zumal sich die Machtverhältnisse zugunsten al-Sharaas verschoben hatten.
Der frühere Al Qaida-Führer hatte im Laufe seines ersten Jahres als Staatschef die Welt davon überzeugt, dass er der richtige Mann für Syriens schwierigen Übergangsprozess sei. US-Präsident Donald Trump hatte die Beziehungen nach Damaskus normalisiert, im November empfing er den frisch von der US-Terrorliste gestrichenen al-Sharaa im Weißen Haus. Trump kündigte an, sich für drei Dinge einsetzen zu wollen: die Aufhebung der amerikanischen Sekundärsanktionen gegenüber Syrien, ein Sicherheitsabkommen mit Israel und eine Lösung für den Nordosten. Am 17. Dezember hob der US-Senat die so genannten Caesar-Sanktionen auf, am 6. Januar vereinbarten israelische und syrische Vertreter in Paris einen gemeinsamen Kommunikationskanal, um unter Aufsicht der USA Sicherheitsfragen zu koordinieren. Damit hatte sich die Hoffnung manch kurdischer Politiker auf eine Unterstützung Israels im Machtkampf mit Damaskus zerschlagen. Kurz darauf folgte das grüne Licht aus Washington für den Vormarsch im Nordosten.
Die USA entzogen den SDF ihre Unterstützung, man bedankte sich für den gemeinsamen Kampf gegen den IS, den man ab sofort mit der Übergangsregierung führen möchte – im November war al-Sharaa der Internationalen Koalition gegen den IS beigetreten. Damit hatte sich die Rolle der SDF aus amerikanischer Sicht erledigt, sie waren trotz jahrelanger Zusammenarbeit nur militärischer Partner geblieben, nicht politischer Verbündeter geworden. In Zukunft wollen die USA in Syrien nicht mehr helfen, sondern Deals machen – und al-Sharaa ist dafür ihr Ansprechpartner.
Für Kurdinnen und Kurden weltweit fühlt sich das – wieder einmal – wie Verrat an. Tausende ihrer Landsleute sind im Kampf gegen den IS gestorben, 2019 galt die Terrororganisation als territorial besiegt. Seitdem hatten sich die SDF mit US-Unterstützung um mehrere Zehntausend Kämpfer und Angehörige gekümmert, während der Rest der Welt dieses Erbe des „Kalifatsstaates“ ignoriert und meist nicht mal Verantwortung für die eigenen Staatsbürger beim IS übernommen hat. Spätestens jetzt ist der Moment gekommen, diese ausländischen Dschihadisten zu repatriieren, auch die 30-40 deutschen IS-Mitglieder – erst recht, wenn man wie die Bundesregierung die Rückführung syrischer Straftäter anstrebt.
Die Ignoranz des Auslands gegenüber den Verdiensten der Kurden in Nordostsyrien schweißte kurdische Parteien und Organisationen über ideologische Gräben hinweg zusammen; selten zuvor traten die traditionell verfeindeten politischen Lager der Kurden im Irak, Iran, in der Türkei und in Syrien so geeint auf wie Anfang Januar. Die breite internationale Solidarisierung erhöhte den Druck in Europa und auf die US-Regierung, unter anderem durch ein von mehreren US-Senatoren unterstütztes „Save the Kurds“-Gesetz, das mit der Wiedereinführung von Sanktionen gegenüber der syrischen Übergangsregierung droht. Daraufhin kam diplomatische Bewegung in die verhärteten Fronten, die schließlich zur Einigung führte.
Wie geht es weiter? Das Abkommen vom 30. Januar ist mehr als Symbolik, aber keine Garantie dafür, dass die Integration Nordostsyriens gelingt. Dies wird davon abhängen, ob der Alltag für alle Menschen besser und sicherer wird – ob Preise stabil bleiben, der Strom fließt, Gehälter gezahlt werden und Sicherheitskräfte Vertrauen schaffen. Die meisten Behördenmitarbeiter, Lehrerinnen und Polizisten der AANES werden ihre Jobs behalten wollen, egal woher das Geld kommt. Von den dringend benötigten Investitionen in die Erdölindustrie und Landwirtschaft müssen auch die Region und ihre Bewohner profitieren, nicht wie unter Assad nur eine Machtelite in Damaskus. Unrecht sollte wie überall in Syrien aufgearbeitet werden ohne ganze Bevölkerungsgruppen in Mithaftung zu nehmen. Und al-Sharaa muss Wort halten und beweisen, dass Kurd:innen im neuen Syrien tatsächlich gleichberechtigt und sicher sind. Einheit entsteht nicht auf dem Papier, sie wächst von innen. Viele Drusen in Sweida und Alawiten an der Küste werden genau verfolgen, wie es in Hasaka weitergeht.
Die kurdisch dominierte Selbstverwaltung in Nordost-Syrien ist Geschichte, die Einheit des Landes weitgehend wiederhergestellt – zumindest f
Ende und Neuanfang zugleich
Analyse Qantara 5.2.2026
Die kurdisch dominierte Selbstverwaltung in Nordost-Syrien ist Geschichte, die Einheit des Landes weitgehend wiederhergestellt – zumindest formal. Aber kann gesellschaftlich zusammenwachsen, was mit militärischem Druck erzwungen worden ist?
„Bloß kein weiteres Blutvergießen“ – diese Formel hat am Ende alle zur Vernunft gebracht. Nach drei Wochen Eskalation in Nordostsyrien, nach militärischen Auseinandersetzungen, Menschenrechtsverletzungen, der Vertreibung zehntausender Zivilisten, nach gescheiterten Verhandlungen und Waffenruhen und angesichts eines Diskurses voller Hass und Hetze, bestätigten der syrische Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa und Mazlum Abdi, Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), eine weitere Einigung.
Das Abkommen vom 30. Januar bedeutet das Ende kurdischer Autonomie und die Wiederherstellung zentralstaatlicher Souveränität in Nordost-Syrien. Lokale Strukturen werden dabei eingebunden statt aufgelöst.
Die rechtliche und kulturelle Gleichstellung der syrischen Kurden – inklusive der Anerkennung von Kurdisch als Nationalsprache – war bereits in früheren Dokumenten bestätigt worden, sollte aus kurdischer Sicht jedoch noch verfassungsrechtlich garantiert werden.
Mehr als ein Jahr nach dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 vollzieht das neue Syrien damit einen wichtigen Schritt in Richtung nationale Einheit. Ein Drittel des Staatsgebietes, der ressourcenreiche Nordosten, der Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie große landwirtschaftliche Nutzflächen umfasst, stand bisher unter Kontrolle der kurdisch dominierten Autonomen Verwaltung Nord- und Ostsyrien (AANES), geschützt von ihrem Militär, den SDF, und ihrer Polizei, den Asayish.
Jetzt werden sowohl die Streitkräfte als auch die Verwaltung in den syrischen Zentralstaat integriert. Die SDF werden in Form von vier Brigaden (drei in Hasaka, eine in Aleppo) in die Armee eingegliedert und damit dem Verteidigungsministerium unterstellt. Die Asayish kommen unter die Kontrolle des Innenministeriums.
Damaskus übernimmt zudem die Grenzübergänge in den Irak und die Türkei, den Flughafen von Qamishli sowie Erdöl- und Erdgasfelder. Lokale Angestellte behalten ihren Job und werden ab sofort von Damaskus bezahlt, Ziel ist eine einheitliche Verwaltung statt paralleler Strukturen.
SDF reagierten mit Repression
Was in monatelangen Gesprächen nicht gelungen war, erzwang al-Sharaa mit militärischer Gewalt. Die SDF hatten sich verkalkuliert, Machtverschiebungen zu lange ignoriert, strategische Fehler gemacht, die Geduld der anderen überstrapaziert. Die Übergangsregierung konnte nicht länger auf ein Drittel des Landes verzichten, sie braucht das Öl für den Wiederaufbau, die formale Einheit und das Gewaltmonopol für den eigenen Machtanspruch.
Zudem wollen die USA in Syrien nicht mehr helfen, sondern Deals machen. Sie haben al-Sharaa zu ihrem Ansprechpartner erkoren, nach dessen Beitritt zur Internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat (IS) auch für den Kampf gegen den IS. Damit hatte sich die Rolle der SDF aus US-Sicht erledigt. Sie sind militärische Partner geblieben, nicht zu politischen Verbündeten geworden.
Der arabische Bevölkerungsteil in Nordost-Syrien wollte nach dem Ende Assads so schnell wie möglich zu einem geeinten Syrien gehören, auf entsprechende Loyalitätsbekundungen reagierten die SDF jedoch mit Repression und Gewalt. Das machte sie für die Bewohner von Raqqa und Deir al-Zor erst recht zu Besatzern und erklärt, warum arabische SDF-Mitglieder in Scharen die Seiten wechselten und arabische Stämme den Aufstand wagten, als die Truppen der Übergangsregierung im Nordosten vorrückten.
Kurdische Kinderbücher in zwei Sprachen · 29.11.2024
„Ich will Kindern vermitteln, dass ihre Sprache schön ist“„Als Kind schämte ich mich für meine Identität“, sagt der Linguist Marwan Sheikho, der 2015 nach Deutschland kam. Damit seine eigenen Kindern stolz auf ihre Sprache sind, veröffentlicht er nun zweisprachige kurdische Kinderbücher auf Deutsch, Englisch und Arabisch.
Derart in Bedrängnis – mit al-Sharaas islamistischen Kämpfern vor der Tür, ohne Rückendeckung der USA und angefeindet von vielen Menschen vor Ort – lenkte Mazlum Abdi am Ende ein und erreichte immerhin eine gesichtswahrende Übergabe ohne Blutvergießen in den kurdischen Bevölkerungszentren Hasaka, Qamishli und Kobanê.
Während viele Araber diese Entwicklung als Ende der „PKK-Besatzung“ und Wiedervereinigung mit Damaskus feiern, blicken die kurdischen Bewohner im Nordosten mit Sorge in die Zukunft. Sie fürchten ein zentralistisch organisiertes, arabisch-sunnitisches Regime, das schlimmer werden könnte als die frühere Baath-Herrschaft, weil unter al-Sharaa zum arabischen Nationalismus noch ein wie auch immer gearteter Islamismus kommt.
Versprechen der Basisdemokratie blieb unerfüllt
Erste Voraussetzung dafür wäre, die verschiedenen Sichtweisen auf die Realität vor Ort anzuerkennen. Den gesamten Nordosten zu einem demokratischen Modell namens Rojava zu verklären, verkennt, was die AANES selbst betont hatte: Dass es sich nicht um ein kurdisches Projekt, sondern um eine Verwaltung für alle Bewohner handelte. Geographisch umfasst Rojava (Westkurdistan) auch lediglich die historischen Siedlungsgebiete der Kurden in Afrin, Kobanê und Cizîrê.
Die von der PKK-nahen Partei der Demokratischen Union (PYD) dominierte Selbstverwaltung hatte sich im Krieg mit dem Assad-Regime arrangiert, Proteste niedergeschlagen und politische Gegner verfolgt. Für oppositionelle Kurden war die AANES deshalb ein Ein-Parteienregime; wer anderswo in Syrien mit Fassbomben, Raketen und Chlorgas angegriffen wurde, empfand das Stillhalteabkommen der PYD mit Assad als Verrat; den Menschen in der Provinz Hasaka ersparte es wiederum Leid und Zerstörung.
Die PYD wollte in Nordostsyrien den „Demokratischen Konföderalismus“ in die Praxis umsetzen, eine von Abdallah Öcalan in türkischer Gefangenschaft entworfene Ordnung, die eine gleichberechtigte Koexistenz aller Gesellschaftsgruppen in den bestehenden Nationalstaaten Türkei, Irak, Iran und Syrien vorsieht. Die Idee eines kurdischen Staates hat der PKK-Gründer schon vor 20 Jahren verworfen; weder PYD noch SDF wollten den Nordosten von Syrien abspalten.
Im Vergleich zu anderen Teilen Syriens gewährte die AANES jahrelang mehr Freiheit, erlaubte ein gewisses Maß an zivilgesellschaftlichem Engagement und kritischen Medien. Trotzdem hat sie Verbrechen zu verantworten: Zu den Vorwürfen zählen Zwangsrekrutierung von Minderjährigen, Verfolgung und Ermordung Oppositioneller, unrechtmäßige Inhaftierung von Jugendlichen sowie Folter und Misshandlung in Gefängnissen.
Das Versprechen von basisdemokratischer Mitbestimmung hat die AANES nicht erfüllt. Zwar gab es dezentrale Strukturen, aber das letzte Wort hatten stets PYD-Parteikader. Die meisten arabischen Bewohner:innen empfanden die Selbstverwaltung deshalb als Fremdherrschaft, auch wenn sie diese anfangs als geringeres Übel im Vergleich zu Assad und dem IS in Kauf nahmen.
Für viele Kurd:innen war die AANES dagegen eine De-facto-Regierung, nicht perfekt, weil autoritär und korrupt, aber immerhin konnten sie sich zu ihrer kurdischen Identität bekennen. Kurmançi wurde von einem im privaten Raum gesprochenen Dialekt zur Bildungssprache, die in Schulen gelehrt und in Behörden praktiziert wird – eine wichtige Errungenschaft für ein Volk ohne Staat.
Zugleich wurde in den kurdischsprachigen Schulen der arabische Sprachunterricht vernachlässigt, so dass viele Jugendliche in Qamishli nicht mehr gut genug Arabisch können, um in Aleppo, Latakia oder Damaskus zu studieren. Das Thema Bildung und Zweisprachigkeit wird bei den weiteren Verhandlungen deshalb eine entscheidende Rolle spielen.
Hinzu kommt eine historische und internationale Dimension. Die SDF haben mit US-Unterstützung den IS territorial besiegt und sich seit 2019 um mehrere zehntausend Kämpfer und Angehörige gekümmert. Dass sie jetzt fallengelassen worden sind, fühlt sich für Kurd:innen weltweit – wieder mal – wie Verrat an. Das erklärt die Proteste der vergangenen Wochen über Landesgrenzen hinweg.
Kein Vertrauen in al-Sharaa
Ob die Integration Nordostsyriens gelingt, wird davon abhängen, ob der Alltag für alle besser wird, ob Preise stabil bleiben, Strom fließt und Gehälter gezahlt werden. Die meisten Behördenmitarbeiter, Lehrerinnen und Polizisten werden ihre Jobs behalten wollen, egal woher das Geld kommt.
Von den dringend benötigten Investitionen in die Erdölindustrie und Landwirtschaft müssen auch der Nordosten und seine Bewohner profitieren, nicht wie unter Assad nur eine Machtelite in Damaskus. Und Unrecht muss wie überall in Syrien aufgearbeitet werden, ohne ganze Bevölkerungsgruppen in Mithaftung zu nehmen.
Al-Sharaa hat in Nordostsyrien bekommen, was er wollte: Souveränität, Institutionen und Ressourcen, ohne einer dezentralen staatlichen Ordnung zustimmen zu müssen. Nach den konfessionell und ethnisch aufgeladenen Massakern im vergangenen Jahr hat die kurdische Bevölkerung kein Vertrauen in seine Truppen.
Al-Sharaa muss deshalb sein Wort halten und beweisen, dass Kurden im neuen Syrien tatsächlich gleichberechtigt und sicher sind. Einheit entsteht nicht per Dekret, sie wächst von innen. Viele Drusen in Suweida und Alawiten an der Küste werden genau verfolgen, wie es im Nordosten des Landes weitergeht.
Die Meldungen aus Syrien überschlagen sich schon wieder und
eigentlich sollte der amtierende Interimspräsident Ahmed
al-Scharaa bzw. al-Jolani auch Friedrich Merz einen Besuch
abstatten, wogegen sich Protest regte. Aufgrund der Vorfälle in
Syrien sagte al-Scharaa den Besuch kurzfristig ab.
Was genau grad in Syrien los ist, erläutert detailliert der
Nahostkenner Björn Stritzel. Wir sprechen über die kurdischen
Milizen, die Zentralregierung, Gefechte zwischen Milizen und
Regierungstruppen, IS-Anhänger in kurdischen Gefängnissen, über
Juden und Christen im Post-Assad-Syrien und was die Zukunft
bringen könnte. Skepsis ist weiterhin angebracht, aber man sollte
durchaus immer sehr genau hinschauen, was dort wirklich los, denn
die Lage ist komplex.
Björn im Weltnetz:
https://x.com/bjoernstritzel
https://euractiv.de/authors/bjorn-stritzel/
Die Meldungen aus Syrien überschlagen sich schon wieder und
eigentlich sollte der amtierende Interimspräsident Ahmed
al-Scharaa bzw. al-
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Aus Bequemlichkeitsgründen habe ich den ganz oben stehenden Druko mit gescreenshottet. Ihr könnt ihn stellvertretend für die anderen 400 nehmen. Die sind nur meist kürzer und haben Rechtschreibfehler.
Eindringliche Warnung eines israelischer Beamter nach Auftauchen erschreckender syrischer Militärgesänge
Der Gesandte der Administration Trump in Syrien sagt, Damaskus ist nicht an Aggression gegen Israel interessiert
Benjamin Weinthal, Fox News, 12. Dezember 2025
Eine Gruppe Soldaten der syrischen Armee wurde dokumentiert, wie sie während einer Militärparade in Damaskus am Dienstag eine jihadistische Kriegserklärung gegen Israel skandierten. Das veranlasste einen Minister des jüdischen Staates zu…