Das war sie also, die letzte Show meiner Lieblingsband in Deutschland. Die unfassbare Stimmung kann man ja schnell auf dem kurzen Video nachvollziehen. Ich wurde zwar direkt nett empfangen und eingeladen, aber die Preise waren schon ein wenig gesalzen. 120 Euro für ein signiertes Poster oder 60 Euro für einen Kunstdruck. Dazu jedes Shirt 50 Euro. Die Geldmaschine läuft, aber der Merchstand blieb so voll, dass man vor der Show kaum sebst dorthin kam. Um 19:30 Uhr starteten Mammoth, die Band um Eddies Sohn Wolfgang Van Halen. 35 Minuten zwischen Alternative Rock, aber auch mal soliden Rockeinlagen und Soli, die er sicherlich vom Vater abgeguckt hat. Ein wenig peinlich war ein Chick neben mir, das offensichtlich bereit war, einiges für ein Plektron zu tun. Und das lediglich von dem anderen Gitarristen Jon Jourdan. Da zeigte sich auch mal wieder, wie billig Frauen gegenüber Musikern agieren, ohne sich über graue Haarpracht oder das Alter zu pikieren. Habe ich ja doch noch Chancen. Mir war es ein wenig zu modern, aber zumindest der letzte Song (Titeltrack des Albums) hat gut gerockt und die Band hat zumindest für Megadeth eingeheizt. Um 20:30 Uhr wurde die Menge bereits unruhig und schrie nach den Heroen, die dann zehn Minuten später gewaltig loslegten. Etwas eigenartig, das die Band sehr oft wortlos die Bühne verlies. Man bekam schon Schiss, dass, wie in frühen Jahren, die Diva einfach das Konzert abbrechen würde, aber Dave war sichtlich gerührt über die Fans und energetischen Schreie und Chöre brachten den Kessel zum Kochen. Nach einigen Songs sind auch die offensichtlichen Geldgeier, die sich hinter zwei Barrieren am Bühnenrand stellen durften, abgewandert, und der wahre Kern kämpfte an vorderster Front zu feinstem Thrash Metal. Neben den Evergreens wie "She Wolf" gab es auch zwei Metallica-Songs, die in einem übergingen, "Mechanix" und "Ride The Lightning". Es war eine Wahnsinnsshow und die Stimmung noch aufgekratzter, als ich es sonst beim Rock Hard Festival in dieser Venue erlebe. Auf der Bühne ließ sich auch mehrfach der Rattlehead blicken. Dave verpasste gesanglich allerdings einige Einsätze. Wirkte leicht angeschlagen. Aber das war leicht zu verzeihen für die gewaltige Energie, die Band und Zuschauer symbiotisch erzeugten. Mit "Holy Wars" ging's dann zuende und es fehlten u.a. "À Tout le Monde", aber alle waren nach 100 Minuten mehr als zufrieden und es wurde auch noch im Nachgang gesungen und gefeiert (zumindest im Bus). Am Ende bleiben uns die Alben mit großartiger Musik.