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18.11. / 19.11. - Olympia und die Kabinencrew
Abreisetag - die schönsten Zeiten gehen einfach immer zu schnell vorbei. Aber da es nun schon soweit ist, freue ich mich auf mein Zuhause und die Zurückgebliebenen.
Ich bin schon vor dem Weckerklingeln fertig mit den Restaurationsarbeiten an mir und habe die Spuren der letzten Nacht ausgebügelt. Es war nicht viel zu tun - alle mussten relativ früh wieder raus und dementsprechend waren wir schon gegen Mitternacht wieder im Hotelzimmer. Stefan lümmelt noch im Bett rum, während ich schon meine Sachen packe. Wir treffen uns heute nach dem Frühstück nochmal mit Sascha. Dieses Mal in der Schule seiner Kinder. Anlass ist die große, zeremonielle Eröffnung der Schulsportsaison, die jedes Jahr stattfindet.
Um 9:00 Uhr sind wir am Plaza Argentina verabredet. Britt kommt mit den Kindern dorthin, Sascha kommt später, da er in der Frühe noch eine Vorlesung geben muss. Wir sind mit dem Taxi gefahren und um 8:59 Uhr da (ja, ich weiß, wie spießig und naiv) - Britt kommt mit den Kindern um 9:20 Uhr an und entschuldigt sich sofort für die Verspätung (sie ist eben mit einem Deutschen verheiratet). Mir macht das nichts aus - Südamerika hat mich infiziert.
Am Schuleingang müssen wir 3$ Eintritt bezahlen und laufen dann auf den höhergelegenen Sportplatz. Dort haben schon unzählige Eltern, Verwandte, Bekannte und Freunde auf der Tribüne die besten Plätze gesichert, um das Spektakel hautnah mitzuerleben. Die Kinder der Schulsportgruppen präsentieren sich und ihre Sportart. Umrahmt wird das ganze mit einem kurzen olympischen Fackellauf, einer Entzündung des olympischen Schulsportfeuers und dem Singen der Nationalhymne. Da spotte einer noch über deutsche Schulveranstaltungen - hier ist das ganze noch Normaler im Quadrat.
Gegen 12:15 Uhr verabschieden wir uns von Britt. Sascha und Stefan begleiten mich zum Hotel und anschließend auch noch zum Flughafen. Wir trinken dort noch ein Abschiedsbier, Kaffee und Ingwertee. Der Abschied fällt fachMÄNNISCH aus - kurz und schmerzlos aber nicht minder herzlich und voller Wehmut. Ich gehe zum Sicherheitsbereich und anschließend zum Flieger. Die Maschine aus Europa ist schon da und steht zum Weiterflug nach Guayaquil bereit. Erst von dort geht es wieder zurück nach Hause. Nach 90 Minuten Aufenthalt in Guayaquil beginne ich um 20:10 die 10-stündige Heimreise über den Atlantik. Ich bin beim Einsteigen schon todmüde und hoffe auf viel Schlaf. Allerdings beginnen bereits zwei Stunden nach dem Abheben und kurz nach dem Abendessen die Turbulenzen. Anschnallpflicht. Ich habe keine Reisetablette genommen, im Flieger ist das Licht gedämmt und draußen ist es dunkel, so dass ich keinen Horizont sehen kann. Herumlaufen darf man auch nicht. Na das wird was werden.
Ich halte bis 3 Stunden vor der Landung durch. Ab da beschäftige ich dann nur noch die Kabinencrew und schenke ihnen fünf Tüten - im Austausch gegen neue Tüten, Feuchttücher, Tee, Wasser und einer Dose Cola. Soll helfen, so die Chefstewardess. Ich bin wieder die Ausnahme.
In Amsterdam angekommen, freue ich mich über fast 3 Stunden Aufenthalt. Tee, Vitamindrink, Salzbrezeln und Reisetabletten (meine sind logischerweise im Koffer) gekauft. Den Anschlussflug von Amsterdam nach Berlin vertrage ich dann wieder ohne Zwischenfälle.
Berlin zeigt sich am Sonntag, den 19.11., gegen 17:30 Uhr von seiner besten Seite: 5 Grad, Regen und stürmisch. Der Busfahrer lässt uns wegen 2 Metern, die er noch näher an das Terminal ranfahren muss (Vorschrift) aber wegen eines anderen Busses nicht kann, nicht aussteigen. Dafür bremste er dann heftig - das wiederum war sehr südamerikanisch.
Sandra und Annine sind das Empfangskomitee und wir drei freuen uns wahnsinnig, endlich wieder zusammen zu sein. Auf der Rückfahrt tauschen wir die wichtigsten Neuigkeiten aus. Zu Hause angekommen verteilen wir die Geschenke (Annine eine Begrüßungskarte und ein Bild für mich - ich wiederum die zahlreichen Mitbringsel) und setzen uns noch gemütlich kurz vor die Glotze.
Um 23 Uhr falle ich am Sonntag, nach 38 Stunden wach, ins Bett. Ich benötige 2,5 handgestoppte Sekunden zum Einschlafen - neuer persönlicher Rekord! Ich träume von der wuseligen Stadt, von der Höhenerfahrung am Berg, von den pazifischen Wellen, den abertausenden Tieren, den freundlichen Menschen und dem angenehmen Klima - und von Stefan, Derk und Olaf, die jetzt schon im Dschungel sein müssen. Ecuador - Du bist immer eine Reise wert!
Vielen Dank an meine Frau und meine Tochter, die mir die Reise ermöglicht haben. Vielen Dank an alle Blogleser*innen und das zahlreiche positive Feedback. Passt auf Euch auf und reist viel. Wie Stefan sagte: "Reisen müsste verpflichtend sein - dann würden die Leute nicht solche Vorurteile haben!" Richtig, sage ich.
17.11. - Panamericana, Polizeireport und Passkopie
Heute heißt es wieder früh raus. Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker. Der heutige Ausflug geht nach Otavalo - dem bekannten Markt für indigene Handwerkskunst. Vorher gebe ich der Rezeption Bescheid, dass wir am Nachmittag noch ein Gespräch mit der Hotelmanagerin führen wollen. Da war noch was mit dem verschwundenen Geld …
Pünktlich um 8:00 holt uns Silvana ab, die sich als Fremdenführerin, wie sie selbst sagt, von der englischsprachigen Masse abheben wollte und deshalb Deutsch gelernt hat. Deutsche reisen viel und gern. Ich hörte davon.
Wir steigen in ihr Auto und quälen uns zunächst durch die morgendliche Rush Hour von Quito. Die Wolken hängen tief und geben die Abgase der Stadt nicht frei, so dass die Luft heute furchtbar nach verbleitem Benzin und Diesel stinkt. Zusammen mit der Höhe von 2.800 m macht sich das beim Atmen wirklich bemerkbar.
Nach ca. einer halben Stunde sind wir dann endlich auf der berühmtesten Straße Gesamt-Amerikas - der Panamericana. Wir fahren zwar nur rund 85 der gesamten ca. 48.000 km in eine Richtung, aber auch diese sind schon beeindruckend. Auf dem Abschnitt von Quito nach Otavalo windet sich die Schnellstraße bergauf bergab durch die Sierra - das Hochland Ecuadors. Sahen wir eben noch eher karge Landschaft zu beiden Seiten der Straße, so begrüßt uns ein paar Kurven weiter das satte grün von Akazien, Zypressen, Eukalyptus- und Avocadobäumen. Als Hintergrundpanorama sind grün bewachsene Vulkane unsere permanenten Begleiter. Silvana steuert in Cayambe eine bekannte Bäckerei an, die das traditionelle Salzgebäck herstellt. Wir trinken einen guten Kaffee und kosten vom Gebäck. Geschmack gut, aber bumstrocken. Wir trinken mehr Kaffee. Am Tresen ersteigern wir noch einheimischen Bohnen hübsch im Säckel verpackt und ich gönne mir einen frisch gemachten Mozzarellastick. Die Kühe im Hochland, so Silvana, sind Holsteiner-Züchtung. Die vertragen wohl die Kälte besser.
In Otavalo angekommen steuern wir direkt den Markt an. Eine große Auswahl an Händlern bietet Ponchos, Schmuck, Schals, Taschen, Hemden, Shirts, Gemälde, Skulpturen und allerlei Zeugs zum Kauf an. Hier heißt es hart verhandeln und auf das Angebot des Händlers zunächst mit der Hälfte zu antworten. Stefan hat vielfach zugeschlagen - fast ausschließlich Geschenke für Freunde und Freundesfreunde. Auch ich werde fündig und bringe Kleinigkeiten mit in Silvanas Auto.
Bevor wir wieder nach Quito zurückfahren, schauen wir noch an einem Wasserfall vorbei. Sehr schön anzusehen und ein wichtiger Ort für die indigene Bevölkerung, die sich sehr mit den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde verbunden fühlen.
Zurück geht es über einen anderen Zweig der Panamericana. Im Hotel wartet schon die Chefin auf uns. Sie erläutert all die Maßnahmen, die sie jetzt eingeleitet haben, um Diebstähle demnächst zu verhindern. Ich mache es kurz: Am Ende bekommen wir ein Großteil unseres gestohlenen Geldes zurück. Natürlich nicht ohne Passkopie und eine offizielle Diebstahlmeldung über die Webseite der ecuadorianischen Polizei abgesetzt zu haben. Natürlich in spanisch. Der Google-Translator leistet großartiges!
Am Abend sind wir eingeladen: Saschas Schwägerin Katty feiert heute ihren Geburtstag nach. Dafür hat sie in einer angesagten Bar in Quitos Ausgehviertel Mariscal Plätze reserviert - dem Café Democratico. Was Sascha vergessen hat zu sagen: Man braucht Pass oder Passkopie für den Eintritt. Also stehen wir davor und ich habe natürlich nichts mit. Zurück zum Hotel? Was ein Aufwand! Ich erinnere mich an ein Handyfoto meines Passes, welches ich gemacht habe. Reicht dem Einlasser nicht. Er braucht eine Hardcopy. Er bietet mir an, das Foto an seine Mailadresse zu schicken, er macht dann einen Ausdruck. Genau - in Ecuador, welches auf dem Korruptionsindex CPI auf Platz 120 von 178 steht, schicke ich eine Passkopie per E-Mail an einen Türsteher. Ich glaube es hackt. Also zu einem Copyshop. Zwei Blocks entfernt. Der Verkäuferin kann ich auf die Finger schauen. Flugs für 2,95€ einen Tagespass mobiles Internet der Telekom gebucht und das Bild der Passkopie vom Handy an den Copyshop geschickt. Vor meinen Augen machen wir einen Ausdruck und die freundliche Bedienung löscht das Bild umgehend wieder. Inklusive Papierkorb. Am Eingang erhalten wir dann endlich Einlass - allerdings nicht ohne ausführliche Leibesvisitation. Was für ein Aufwand für einen Barbesuch! Aber was tut man nicht alles für die besten Freunde am letzten Abend in Ecuador …
16.11. - Back in town
Heute heißt es Abschied nehmen. Von der Entschleunigung. Von der beeindruckenden Naturwelt. Vom Paradies Galapagos.
Erst um 9:00 Uhr werden wir vom Fahrer abgeholt. Einige neuere Informationen zwingen uns zum erneuten shoppen von Souvenirs auf Galapagos. Also direkt nach dem Frühstück rennen wir um 8:00 Uhr nochmal in die Läden und ergattern vorletzte Mitbringsel.
Das Taxi bringt uns zum Boot, das Boot zum Bus und der Bus zum Flughafen. Dort treffen wir auf die diversen deutschen Bekanntschaften der letzten Ausflugstage. Im Urlaub will ich meine Ruhe haben, aber Derk und Stefan sind die kommunikativen unter uns und“schleppen alle an“. Also kurz Small-Talk zu den letzten Ereignissen mit dem männlichen Pärchen aus Hamburg, der Mutter mit Tochter aus sonstewo und dem Paar aus ehemals Rostock. Ich höre nicht so genau zu im Urlaub und bin zu sehr entschleunigt, als dass es mich interessieren würde. Ich rette mich in noch mehr shopping - wahrscheinlich kommt bald der Ordnungsgong aus Deutschland. Entweder vom Kreditinstitut oder von zu Hause. Beides gleich schlimm.
Auf dem Rückflug nach Quito schlafen alle die erste Strecke bis Guayaquil. Tonnenweise Eindrücke wollen verarbeitet werden. Die zweite Strecke bis Quito schmieden wir schon wieder Pläne für den Abend und den morgigen Ausflug.
Zurück in Quito suchen wir ein großes Taxi. Ich, mit den meisten Spanischkenntnissen, (1 von 10) kümmere mich um ein „Taxi grande por cuatro hombres con mucho bagaje“. Am Ende wird es eine normale Hyundai-Limousine. Mit viel Gefühl und Anlauf bugsiert der Fahrer die Koffer in den Kofferraum. Den 120-Liter-Rucksack von Stefan nehmen wir auf den Schoß. Gleich die erste Bodenwelle kontaktiert den Unterboden an Front und Heck. Der Fahrer schaut erschrocken - war aber seine Entscheidung, uns mitzunehmen.
Auf der Autobahn zeigt uns Fernando Alonso dann, warum ich den Spitznamen ausgewählt habe: Permanenter Spurwechsel mit Beinahekontakt am Vordermann. Rechts wie links gleichermaßen vorbei. Ich notiere: Noch ein Ort, der unabhängig vom Wetter einfach doof ist, ist in einem südamerikanischen Taxi sitzen.
Im bekannten Hotel angekommen begrüßt man uns wieder. Wir sortieren schnell die mitgebrachten und zurückgelassenen Sachen zusammen und gehen dann zu dritt etwas Essen. Olaf sind die Medikamente auf den Magen geschlagen.
Im Amüsierviertel Mariscal finden wir ein Restaurant mit traditioneller ecuadorianischer Küche. Ich bestelle irgendeine landestypische Hauptspeise, ohne zu wissen, was da kommt. Sascha wird es später als Kuhmagen anhand der Speisekarte identifizieren.
Zusammen mit Sascha verbringen wir einen tollen Abend mit sehr viel Lachen und noch mehr Mojitos. ¡Salud!
15.11. - Du hast ja wohl ‘nen Vogel!
Meine Frau fragt via Threema zurück, ob ich etwa schon wach bin. Ja, 5:30 Uhr ging der Wecker - wir haben mal wieder was vor. Ich habe überhaupt keinen Bock, lasse mir aber nichts anmerken. Wieder was mit Schiff auf Insel und Schnorcheln. Nach dem gestrigen Tag hält sich meine Begeisterung deshalb in Grenzen. Zumal ich weiß, dass wir nach den ganzen Tagen der Individualbetreuung heute mit einer größeren Gruppe reisen müssen. Was soll’s - wir sind schließlich nicht zum Spaß hier.
Das Büschen (Verniedlichung von Bus) ist pünktlich um 7:00 Uhr da - wir sind die ersten, die eingesammelt werden. Alsdann klappern wir die Hotels ab und sammeln Hamburger, Frankfurter, undefinierte Deutsche und Amerikaner ein. Insgesamt 12 Personen inkl. uns drei. Olaf hat Wasser- und Strandverbot mit dem Fuß.
Am Hafen angekommen bekommt jeder eine Schwimmweste in Unigröße und wird in das kleine Schlauchboot verfrachtet. Dieses bringt uns zum heutigen Ausflugsboot. Es ist größer und wesentlich besser ausgestattet, als das Schnellboot vom gestrigen Tag. Wir stechen in See mit Ziel Seymour Norte. Das kleine Eiland ist ein Lavaplateau, auf dem ganze Kolonien von Seevögeln, vor allem Fregattvögel, Tölpel und Gabelschwanzmöwen, brüten. Darüber hinaus sollen wir heute auch noch Landleguane sehen. Im Vergleich zu den Seeechsen, die allgegenwärtig rumlungern, eine echte Rarität. Mitten auf dem Weg dorthin taucht ein großer Schatten Backbord auf: Ein Mantarochen. Wie zum Gruße hebt er dicht unter der Wasseroberfläche gleitend einen Flügel über das Wasser an, so dass man die weiße Unterseite sehen kann. Ein majestätisches Tier!
Vor Seymour Norte muss das Schiff ankern. Just in dem Moment, als die erste Gruppe das Schlauchboot besteigt, nähern sich drei Haie dem kleinen Beiboot und umkreisen es. Die halbstarken, etwas zwei Meter langen Tiere sind nur kurz neugierig und schwimmen flott weiter. Mittels Trockenlandung vom Schlauchboot aus begeben wir uns auf einen Rundwanderweg. Es geht dicht an den Brutplätzen der verschiedenen Seevögel vorbei. Der Guide Filipe erläutert dabei sehr gut die charakteristischen Merkmale der einzelnen Spezies. Insbesondere die Blaufußtölpel haben es mir angetan. Nicht nur die blauen Füße machen mir den kleinen Kerl sympathisch - auch die beeindruckenden Fähigkeiten bei der Jagd sind aller Ehren wert.
Im Inselinneren angekommen können wir die ersten Landleguane sehen, die im Gegensatz zu ihren Seeverwandten eine regelrechte Farbenpracht aufweisen. Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert, wie entspannt alle Tiere hier sind und wie nah sie die Menschen an sich herankommen lassen. Alle Fotoapparate glühen, manch Akku macht schon schlapp, noch bevor wir die Insel verlassen haben.
Zurück auf dem Schiff wird zum Mittagessen im klimatisierten Innenraum gebeten. Es gibt leckeren Thunfisch mit Kartoffeln, Reis und Salat. Während dessen fahren wir zurück nach Santa Cruz zum Beach Las Bachas. Dort wollen wir nochmal schnorcheln.
Nach einer Nasslandung gehen wir zunächst geführt den traumhaften und menschenleeren Strand entlang. Auch hier gibt es Infos zur Flora und Fauna. Ein Hai schwimmt 3 Meter vom Ufer entfernt und parallel zu uns seine Bahnen im kitschig-türkisfarbenen Wasser. Er sucht nur kleine und leicht verdauliche Happen. Man muss wissen: Rund um Galapagos gibt es ein Überangebot an Futter für jede Tierart. Daher sind die meisten Haie nahezu immer und jederzeit satt und stellen keine wirkliche Gefahr dar. Zurück am Ausgangspunkt angekommen stürzen wir uns mit Schorchelausrüstung und Unterwasserkameras bewaffnet in die Bilderbuchfluten - stetig auf der Suche nach Fischen, Schildkröten und Haien. Letzteres findet niemand heute, ersteres dagegen hundertfach. Auch ein paar Meeresschildkröten verirren sich in unsere Bucht und bescheren dem einen oder anderen unvergessliche Momente.
Nach diesem herrlichen Tag geht es wieder via Schlauchboot, Ausflugsboot und Bus zum Hotel zurück. Den Rest des Tages gehen alle nochmal auf Souvenirjagd und schreiben die letzten Postkarten für die liebe Verwandtschaft. Aus meiner Sicht war das ein würdiger Anschluss für das atemberaubende Naturparadies Galapagos, welches ich hoffentlich nicht zum letzten Mal gesehen habe.

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14.11. - Quid pro quo
Ich habe noch einen Ort gefunden, an dem ein heraufziehendes Gewitter für besonderes Unbehagen sorgt: Die offene See. Aber der Reihe nach.
Frühstück wieder im schönsten mir bekannten Frühstücksraum der Welt. Wir sind schon kurz vor sieben da, weil wir um 8:00 auf eigene Faust mit den Fahrrädern starten wollen. Wir sind die Ersten und haben freie Platzwahl.
Nach dem Frühstück räumen wir die Zimmer und machen uns auf zum Fahrradverleih. Dort angekommen staunen wir zunächst über den wild blinkenden Weihnachtsbaum vor dem Eingang des Shops - scheint hier schon sehr früh loszugehen mit der Vorfreude. Drei intakte Räder nach hiesigem Standard besorgt (Olaf schont seinen Seeigelfuß und bleibt im Hotel), kurz die Sicherheitshinweise angehört („Immer in der Mitte fahren, rechts und links sind Dornen!“) und schon düsen wir los Richtung Muro de las Lagrimas. Dabei handelt es sich um eine Mauer, die von Gefangenen einer Strafkolonie vor 50 Jahren errichtet wurde.
Der Weg dorthin führt wieder hinter den Dünen entlang, durch ein kurzes Stück Mangrovenwald, vorbei an einer Lavalandschaft mit Kakteen und Dornenbüschen gespickt. Am Ende dann die Mauer, die aus Berliner Sicht sehr überschaubar und wenig spektakulär wirkt. Nach einer kurzen Besichtigung treten wir in die Pedale und den Rückweg an. Auf halbem Wege laufen uns zwei Riesenschildkröten über den Weg - gut sichtbar stellen sie zum Glück kein Hindernis dar. Ein Paar hundert Meter weiter noch schnell rauf auf den Aussichtspunkt, der einen Rundumblick über die Insel ermöglicht.
Zurück im Hotel ruhen wir uns erstmal aus, besuchen ein Seelöwenjunges am Strand, füllen die Wasserflaschen auf und warten auf die Abreise in Richtung Puerto Ayora auf Santa Cruz zurück. Der Pick-up-Truck ist pünktlich und lädt uns alle auf. Am Hafen angekommen werden wieder zunächst die Koffer gefilzt. Alles sauber. Die Russen drängeln sich vor - meine Vorbehalte werden wieder nur bestätigt anstatt widerlegt.
Dann endlich geht es zum Wassertaxi, welches uns wieder zum Schnellboot bringt. Der Himmel ist grau. Und weiter hinten in Richtung Santa Cruz noch gräulicher. Wir legen mit ca. 40 min Verspätung ab und fahren aus der Bucht hinaus. Der Kapitän nimmt nicht volle Fahrt auf, denn es schaukelt schon ordentlich. Zwanzig Minuten später haben wir ca. 2 m Welle. Das Boot schrumpft im Verhältnis zum Ozean. Weitere 60 min später dunkelt sich der Horizont merklich ab. Die Wellenhöhe beträgt jetzt 3-4 Meter. Wir sitzen wieder hinten (wegen Luft und Horizont) und werden klitschnass. Das vormals große stolze Boot mit 500 PS ist jetzt zur Nussschale verkommen. Der Kapitän hat alle Hände voll zu tun, das Boot ruhig durch die Wellen zu bugsieren. Er macht in Anbetracht des Wetters einen großartigen Job. Langsam kommt Land in Sicht - welches von Wolken und Nebelschwaden aber sofort wieder verschluckt wird. Langsam wird mir kalt. Ich wäre jetzt bereit für den Hafen. Zum Glück wird es nicht noch schlimmer und 20 Minuten später stehen wir auf der Pier. Olaf wird von Veronica gleich ins Krankenhaus begleitet - wir kümmern uns um sein Gepäck und fahren direkt zum Hotel.
Am Abend fordern wir Tribut vom Meer für die drittklassige Überfahrt und essen Fisch: Thunfisch, Calamaris, Tintenfisch und den gefleckten Drachenkopffisch auf der Straße der Kioske. Für heute sind wir quitt mit dem Pazifik.
13.11. - Mangroven, Flamingos und Hawai
Eins vorab: Olaf geht es gut - der Fuß darf dranbleiben.
Am heutigen Tag wollen wir die Humidales (Fechtgebiete) besuchen. Um 7:00 Uhr sind wir beim Frühstück, ich habe allerdings kaum Augen für das Essen. Der Frühstücksraum ist im 2. Stock des Hotels mit einem atemberaubenden Blick auf den Strand. Auf Höhe der Kokosnüsse in den Palmen. Mir fehlen die Worte.
Pünktlich um 8:00 sind Guide Josue und Fahrer Luis da und nach kurzer Fahrtzeit laufen wir (ohne Olaf, der ist nochmal beim Arzt) an einem Friedhof direkt hinter den Dünen in die Nationalparknatur hinein. Die ausgedehnten Lavafelder sind inzwischen üppig bewachsen. Josue erläutert uns die beiden Arten von Lava: „Bahoi hoi“ ist die runde, wohlgeformte; „A a“ dagegen ist die scharfkantige, bizarr anmutende. Beide Begriffe haben ihren Ursprung im Mutterland der Lava - Hawai - und wurden direkt in den Wortschatz der Bewohner Galapagos‘ übernommen. Etwas weiter erneut ein Lavatunnel, der direkt im Meer unter Wasser mündet.
Wir gehen den Weg weiter und sehen zuerst nur wenige Mangrovenbäume (vier verschiedene Arten gibt es auf den Galapagos-Inseln), später werden es viel mehr. An einer Stelle wurde regelrecht ein Tunnel durch die Mangroven geschlagen und wir stehen direkt dahinter an einem badefähigen Mangrovensee. Sehr idyllisch. Josue erläutert uns hier auf einer Bank im Schatten der Bäume sitzend die Überlebensstrategien der Pflanzen und Tiere.
Wir gehen anschließend zum Auto zurück. Ich mache das, was ich schon immer mal machen wollte: Ich steige auf die Pritsche des Pick-up-Trucks und setze mich dort auf die wenig fachmännisch zusammengeschusterte Bank. Den Rundumblick über Strand, Lavalandschaft und Kakteen genießend ziehe ich die Kordel meines Hutes enger, um dem Fahrtwind zu trotzen. Wir stoppen kurz bei einer Schildkrötenaufzuchtstation und fahren dann weiter zu den Flamingolagunen. An mehreren Stellen stehen die Tiere ein- und zweibeinig in ihrem Element und ziehen die Schnäbel zur Futtersuche durch das Wasser. Ein paar Wildenten gesellen sich dazu.
Der Weg führt direkt am Luxushotel „Iguana Crossing“ vorbei - eine Horde schlecht gekleideter und zumeist übergewichtiger Klischee-Amerikaner steigt gerade aus dem Minibus aus. Mit dem Auto geht es die letzten Meter wieder zum Hotel - diesmal nimmt auch Stefan auf der Pritsche Platz und genießt die Aussicht.
Olaf ist gerade wieder von Arzt zurück: Es sind doch noch mehr als 10 Stacheln im Fuß, ein besonders dicker und großer sitzt mittig fest. Die Ärztin hatte hatte das Stachelziehen an die wenig talentierte Schwester abgegeben. Er beschließt heute Abend nochmal zum Notfallarzt zu gehen. Wir ruhen kurz aus. Derk und ich machen noch einen ausgiebigen Strandspaziergang und schlendern auf dem Rückweg durch das tiefenentspannte Städtchen mit den Sandstraßen. Meine Faszination für diesen Flecken Erde kulminiert in Puerto Villamil.
Am Abend finden wir das empfohlene Restaurant „Isabella Grill“ und essen Schwertfisch mit Yuca-Gemüse - ein Gedicht! Olaf hat sich zwischenzeitlich schnell noch den großen Stachel in der Notaufnahme ziehen lassen - die anderen kleineren Stachel in Ferse und Ballen wurden wieder mit einer Wachsschicht überzogen. Gerade sitzen wir auf der Terrasse und reden noch weniger, als Männer dies sonst gewöhnlich tun. Die Brandung des Pazifiks klingt einfach zu schön …
12.11. - Am Ende der Welt sticht die Natur zurück
Wenn ich zurück bin, mach ich erstmal Urlaub.
Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr, denn wir müssen 6:50 am Hafen sein. Heute geht es nach Isla Isabelle, der größten der Galapagosinseln, allerdings viel dünner besiedelt als Santa Cruz. Los geht es mit der Gepäckkontrolle mitten auf dem Pier bei leichtem Nieselregen. Mein Gepäck ist sauber, das von Stefan, Olaf und Derk auch. Heute morgen ist Ebbe, so dass wir mit dem Wassertaxi die 50 m zum größeren Schiff, welches in de Bucht ankert, übersetzen. Gepäck und weitere Passagiere kommen mit separatem Taxi. Ich setze mich ganz hinten an die Motoren - da bekommt man noch am meisten Wind ab und kann jederzeit den Horizont sehen. Trotzdem habe ich vorsichtshalber eine Reisetablette genommen - ich bin nicht seefest. Einer deutschen Touristin helfe ich ebenfalls mit einer Tablette aus, denn allein beim Anblick des Bootes wechselt sie mehrfach die Gesichtsfarbe.
Die beiden Motoren sind Außenborder mit jeweils 250 PS. Ich stecke mir prophylaktisch gleich Ohropax in die Ohren - und habe sie bis zum Ende der Überfahrt auch nicht wieder rausgenommen. Mit 45 km/h rauscht das Boot durch die bewegte See. Gischt an beiden Seiten bis zu 2 m hoch. Zum Glück bleiben alle Passagiere standhaft. Nach 2 Stunden haben wir es geschafft. Direkt auf dem Steg wird die „Hafengebühr“ von 10$ pro Person fällig. Nach kurzer Autofahrt sind wir auch schon am Hotel Casa de Marita - traumhaft an einer kleinen separaten Bucht gelegen mit direktem Zugang zum Strand. Absoluter Wahnsinn! Wir packen die Sachen für den Nachmittagsausflug und gehen schnell zum zentralen Platz der Stadt Port Villamil (3.000 Einwohner). Zum ersten mal denke ich: Noch viel weiter weg geht nicht. Die Straßen sind vornehmlich aus Sand, die wenigen Häuser sind mit einigem Abstand zueinander in überwiegend erbärmlichen Zustand. Alles wirkt mehr verlassen als bewohnt. Und trotzdem faszinierend schön anzuschauen, aber so ziemlich das Ende der Welt.
14:00 Uhr geht es mit dem Bus los zur Lavafelsenwanderung und zum Schnorcheln. Zum ersten Mal mit anderen Reisenden im Bus als Massenveranstaltung, darunter ein Pärchen aus Berlin-Müggelheim. Schnell noch einen Neoprenanzug besorgt und dann wieder rein in das Wassertaxi und rüber zu den Lavafelsen. Auf dem Weg dorthin sehen wir Rochen im Wasser, Blaufußtölpel und Pinguine an Land.
Auf dem winzigen Eiland angekommen erzählt der Guide eine Menge über die Meeresechsen (hunderte sind heute da), über die Seelöwen (nur einer ist da) und die Entstehung der unterschiedlichen Lavaformationen. In einer vom Meer mit Wasser versorgen Spalte dann die Überraschung: Dutzende Weißspitzen-Riffhaie tummeln sich im seichten Wasser. Alle heranwachsend und daher nur bis ca. 1 m groß.
Nachdem wir ausgiebig die Tiere bewundert haben, geht es jetzt wieder mit dem Boot rüber zum Schnorchelplatz. Der Guide geht ins Wasser und schwimmt auch schon vornweg - alle müssen umgehend folgen. Ich habe keinen Überblick, wo Stefan, Derk und Olaf sind. Das Wasser ist kalt, der Guide schnell, ich schnorchele zum zweiten Mal und verliere fast die Lust, da sehen wir zum ersten Mal Seeschildkröten. Groß wie eine Hundehütte aber elegant wie ein Vogel schweben sie im Wasser dahin. Wir kommen näher und die Tiere weichen nicht - sie schwimmen ein Stück mit. Auf eine folgen zwei, drei. Am Ende werden wir ca. 20 gesehen haben. Eine taucht inmitten unserer Gruppe auf, schaut und taucht dann auch gleich wieder ab. Die Tiere kennen keinerlei Scheu, sind aber auch nicht besonders neugierig, lassen uns eher links liegen und bekommen so nichts von unserer Aufregung ab.
Nach ca. 1 Stunde dann wieder zurück zum Boot. Olaf fehlt immer noch - komisch. Seine Sachen sind auch nicht mehr auf dem Boot. Zurück am Hotel kommt er ca. 1/2 h später angehumpelt. Direkt vom Arzt. Diagnose: Seeigel eingetreten. Sehr schmerzhaft und das Aus für ihn für den morgigen Ausflug. Passiert ist es ihm direkt am Anfang: Nach 10 m eine Flosse verloren, nur kurz auftreten, um die Flosse zu holen. Das war es dann. Die gute Nachricht: Kein Stachel ist abgebrochen dringeblieben. Wenn es gut geht, ist er in 2-3 Tagen wieder soweit fit, dass er den Fuß benutzen kann, sagt der Arzt. Bis dahin werden wir wohl sein Gepäck übernehmen.
P.S.: Fotos reiche ich nach - das Internet hat sich hier dem Ende der Welt angepasst.
11.11. - Endlich Urlaub
Am siebten Tag der Weltschöpfung hat Gott sich ausgeruht - soweit zumindest meine Kenntnis als Vollblutatheist. Wir taten es ihm gleich und hatten heute unseren ersten freien Tag im Urlaub. Klingt komisch - war aber so.
Erst um 8:00 Uhr gefrühstückt, anschließend Shopping. Die Daheimgebliebenen sollen schließlich für die Geduld belohnt werden. Was es gibt, wird natürlich hier nicht verraten. Zwischen dem Shopping immer wieder ausruhen - auf einer Terrasse mit Blick auf das Meer, vorbeifliegende Tölpel, Pelikane, Fregattvögel und springende Thunfische.
Daher gibt es heute über den Tag nicht viel zu berichten. Die einmalige Chance also, noch ein paar Fakten über das wunderbare Galapagos loszuwerden.
Galapagos ist im Grunde ein Zusammenschluss einzelner Naturschutzgebiete, in dem der Mensch eigentlich nur stört. Um diese Störungen so gering wie möglich zu halten, gibt es eine ganze Reihe von Regeln. 97% der Land-Gesamtfläche (17 Inseln, davon nur 4 bewohnt) sind der Natur vorbehalten. 3 % darf der Mensch nutzen. Abzüglich der Infrastrukturen und Landfläche für die Einwohner bleibt lediglich < 1% für den Tourismus übrig. Auf eigene Faust irgendwie durch den Nationalpark zu wandern ist strengstens verboten. Jedwede Verschmutzung wird streng bestraft. Es dürfen keine Tiere, Pflanzen, Steine oder Sand eingeführt oder ausgeführt werden. Nichts. Selbst bei Überfahrten zu anderen Inseln gibt es strenge Gepäckkontrollen und Schuhreinigungen, die die Verbreitung der regionalen Flora und Fauna einer Insel auf eine andere Insel verhindern sollen. Meine hier erworbenen Müsliriegel muss ich also auch hier aufessen. Selfiesticks sind verboten, Ballspiele am Strand sind verboten, Mangroven berühren ist verboten. Essen am Strand ist verboten. Tiere füttern ist verboten. Tiere streicheln ist verboten. So ziemlich alles, was irgendwie stört, den Tieren unangenehm oder den Pflanzen irgendwie schaden könnte, ist verboten. Das klingt erstmal, als ob man mit meiner Mutter reist. Aber: Genau das rettet die Einzigartigkeit der Galapagos-Inseln. 99% der jährlich etwa 200.000 Touristen halten sich auch daran und so ist die gesamte Insel sehr sauber und intakt. Die Tiere danken es auf ihre Weise: Ständig erhält man „ungebetenen“ Besuch. Keines hat wirklich Angst - alle sind neugierig. Sitzt man nur etwas still, laufen Meeresechsen, Krabben oder Geckos direkt vor den eigenen Füßen lang oder eine der zahlreichen Finkenarten landet auf dem Essenstisch.
Wie fragil dieses Gleichgewicht ist, erlebt man im Hochland, wo sich seit Jahren der eingeschleppte Brombeerstrauch zur echten Plage ausweitet. Das Fehlen natürlicher Feinde oder Parasiten lassen ihn wuchern. Seit 5 Jahren forscht man nach dem richtigen Pilz, der dem Brombeerstrauch zu Leibe rückt. Damit der Pilz selbst dann nicht zur Plage wird, dauern die Forschungen noch an.
Die klimatischen Bedingungen für alle Lebewesen sind ideal. Im Vergleich zu anderen äquatorialen Inselgruppen, die immer feucht und tropisch heiß sind, weisen die Galapagos-Inseln ein eigenes Klima aus. In den küstennahen tiefen Regionen heiß und trocken, in den Bergen dagegen feucht und kühl.
Galapagos ist in vielen Dingen auch fortschrittlicher als das Festland Ecuadors: Regenerative Energien, Müllvermeidung, Mülltrennung, Elektromobilität, Sicherheit, Umwelt- und Naturschutz - hier ist man um Jahre voraus.
In Summe ist das der schönste Ort der Erde, den ich bisher kennengelernt habe. Verzeih mir daher den Skorpionfisch auf Knoblauch, den ich heute mitten auf der Straße der Restaurantkioske zum Abend verspeist habe.
10.11. - Santa Cruz an einem Tag
Für unsere Ausflüge sollen wir um 8:00 abfahrtbereit sein. Ich hatte gestern Abend noch die Idee, direkt nach dem Frühstück zum kleinen Fischerhafen zu gehen. Ab 7:00 soll dort das Treiben losgehen. Stefan stellt den Wecker auf 5:30 Uhr. Frühstück um 6:15 - dann sollte alles klappen.
Der Wecker klingelt, Stefan steht als erster auf und macht sich zuerst fertig. Als ich die Zähne putze, schaue ich nochmal auf meine Uhr: 4:58. Danke Stefan - die Zeitverschiebung hättest Du berücksichtigen sollen. Also nochmal hinlegen.
Am Hafen angekommen sind auch gerade die ersten Fischerboote eingetroffen mit ihrem Fang, vornehmlich Gelbflossenthunfisch. Die Pelikane liefern sich schon ein Rennen um die besten Plätze und weiter hinten kriecht ein einsamer Seeleguan über den Bürgersteig. Die Krabben nehmen die Steine entlang der Mole ein und so findet jeder seinen Platz.
Zurück im Hotel begrüßt uns unser Guide für den heutigen Vormittag, Matthias, schon von weitem. Seine Mutter war Deutsche, sein Vater Ecuadorianer aus Galapagos. Er weiß wirklich viel über die Anfänge von Galapagos zu berichten, denn immerhin ist er schon seit 1988 hier.
Wir laufen zu Fuß zur Darwin-Station, die einerseits sehr schön die zerbrechliche Schönheit von Galapagos beschreibt, sich andererseits um die gezielte Vermehrung und Rücksiedelung der verschiedenen Landschuldkröten kümmert.
Nach dem Rundgang geht es mit dem Fahrer und dem Guide ins Hochland der Insel zu einer ehemaligen Kuhfarm, wo sich heute die wildlebenden Riesenschildkröten bevorzugt tummeln. Auf dem Weg dorthin besichtigen wir noch kurz großflächige Einsturztrichter und den Scalesia-Wald. Alsdann streifen wir über die Felder der Farm und sehen dutzende der prähistorischen Tiere. Gleich angeschlossen kann ein erkalteter Lavatunnel unterirdisch begangen werden. Zwei Fliegen mit einer Klappe quasi.
Das Mittagessen nehmen wir auf der Terrasse der Farmlodge ein - mit Blick auf die gemächlich umherwandernden Tiere. Schönes Panorama!
Mit dem Auto wieder zurück nach Puerto Ayora. Valdemar, der Guide für den Nachmittagsausflug zur Tortuga Bay, steht bereit. Jetzt wieder umschalten auf Englisch. Wir wandern ca. 3 km durch einen Wald und gelangen direkt an einen wunderschönen und breiten, mit feinem weißen Sand geebnetem Pazifikstrand. Wieder wow! An diesem geht es nochmal 2 km entlang bis zu brandungsgeschützten Schnorchelbucht. Trotz trüben Wetters und nur ca. 20 Grad Wassertemperatur kann ich beim Schnorcheln diverse Fische sehen - darunter auch die von mir geliebten Kugelfische.
Nach ca. 1,5 Stunden treten wir den Heimweg an. Valdemar bringt uns noch zum Hotel. Man was sind wir kaputt.

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9.11. - „Strandurlaub“
Bitte scrollen Sie weiter - hier gibt es heute nichts aufregendes zu lesen!
Bereits um 7:30 Uhr ist der Fahrer da, eine halbe Stunde zu früh - will Quito uns nach dem gestrigen Tage gnädig stimmen?
Für die Einreise nach Galapagos gilt es eine Reihe von ungewöhnlichen Ritualen hinter sich zu bringen:
Am Flughafen selbst muss man zunächst 20$ für die genannten Rituale berappen. Als dann geht es mit dem gesamten Gepäck zum scannen. Keine Nuss, kein Samen, kein Apfel und sonstiges Obst und Gemüse sowie gekochte Lebensmittel dürfen Flora und Fauna auf Galapagos stören oder gar das Gleichgewicht beeinträchtigen. Wie man auf dem Scanbild allerdings so kleine Dinge wie Mohnsamen auf einem Keks erkennen will, ist mir ein Rätsel. Als Belohnung für regelkonformes Verhalten gibt es eine grüne Gepäckplombe.
Nächste Station nach dem Check-In ist dann die Sicherheitskontrolle. Kennen wir. Soweit. Im Flieger allerdings dann folgende Szene im Landeanflug auf Galapagos (kurz nachdem ich mit einem Formular nochmal die Nussfreiheit meines Gepäckes versichert habe): Drei Mitglieder der Crew wetzen im Dauerlauf hintereinander durch das Flugzeug. Die 1. Person öffnet die Gepäckfächer, die 2. Person sprüht etwas in die Gepäckfächer und die dritte Person schließt die Gepäckfächer. Ein chemischer Geruch macht sich breit - adieu meine sechs- und achtbeinigen blinden Passagierfreunde.
Auf Galapagos angekommen (Insel Baltra) muss zunächst noch der Eintritt in den Nationalpark entrichtet werden. Sofort und in bar sind 100$ fällig. Wahnsinn. Mein Handgepäck wird nochmal gescannt - wo zur Hölle hätte ich zwischenzeitlich Vogelfutter kaufen sollen, welches jetzt gefunden werden könnte? Egal.
Ein Bus bringt uns zum Schiff, das Schiff zum Auto und dieses schließlich zum Hotel auf Santa Cruz (Puerto Ayora). Unterwegs brausen wir an einer hundegroßen Schildkröte vorbei, die am Straßenrand so vor sich hindackelt. Wow! Der Fahrer meint, die wäre _nur_ 50 Jahre alt gewesen.
Im Hotel wartet bereits Veronica aus Quito. Sie geht gleich mit uns das Programm der nächsten sieben Tage minutiös durch. Auf deutsch. Nochmal wow! Außerdem versichert sie uns, dies sei der wahrscheinlich sicherste Ort der Welt und wir können hier unbesorgt bis Mitternacht um die Häuser ziehen. Allein das verspricht eine neue Qualität gegenüber Quito.
Auf dem Weg zum Supermarkt (Glas Nutelle 8$) und zum Abendessen kommen wir am Fischmarkt vorbei. Normalerweise macht man einen Bogen drum herum. Hier aber schauen wir genauer hin: Auf und unter den Verkaufstischen stolzieren Pelikane entlang, während ein auf der Parkbank liegender Seelöwe das Treiben seiner gefiederten Freunde beobachtet.
Die Inseln scheinen spannend zu werden.
8.11. - Halb auf den Berg ist manchmal mehr
Pünktlich _gegen_ 9:00 Uhr holt uns der Guide Juan ab. Wir haben volle Ausrüstung angelegt. Ich alleine:
Thermotrekkinghose, ordentliche Wanderschuhe, drei Lagen atmungsaktive Oberteile, eine dicke Jacke, eine Regenjacke, 2 Liter Wasser in der Trinkblase im Rucksack, Handschuhe, Schal, 2 Mützen, Sonnencreme, 2 Wanderstöcke, Proviant, Handy mit GPS-Aufzeichnung des Weges. Vorweg: Ich habe alles gebraucht.
Mit der Seilbahn hoch auf 3.900 m. Die Luft ist wirklich dünne. Dafür brennt erstmal die Sonne.
Der Hinweg verläuft unspektakulär. Nach einem Kilometer gesellt sich Miriam aus Holland dazu - DER Bergsteigernation schlechthin. Eigentlich will sie umdrehen, aber Juan mag anscheinend nicht nur mit Männern laufen und überredet sie mitzukommen. Ich hab keinen Bock auf Begleitung - da muss man quatschen und ich will doch nur wandern. Ihre Ausrüstung: kleine Flasche Wasser, nichts zu Essen, T-Shirt und Pulli, einen Regenponcho, den es als Werbegeschenk gab, Leggings. Nur die Schuhe sind OK. Hat aber auch nix genutzt - warum, kommt später.
Stefan schafft es auf sensationelle ca. 4.200 m, Olaf ca. 50 Höhenmeter mehr. Klasse Leistung wie ich finde. Beide gehen zusammen runter. Juan, Derk, Miriam und ich gehen weiter.
An einer Kletterpassage (ist auch nicht so meins) hat Miriam Angst - schafft es aber trotzdem. Bei weiteren 50 Höhenmetern ist dann aber Schluss für Sie - nervlich und physisch. Im Hintergrund irgendetwas mit Flugzeug oder Donner - so genau war es nicht zu erkennen. Aber irgendwie seltsam. Meine Puste und meine Konzentration lassen merklich nach, die Beine werden schwer. Ich habe kein gutes Gefühl (manchmal ist es einfach nur ein Gefühl) und beschließe Miriam nach unten zu begleiten. Wir drehen bei 4.400 m um. Der Guide Juan und Derk laufen weiter, wollen hoch.
Auf dem Rückweg dann wird der Nebel (bzw. die Wolken) immer dichter. Miriam hat Kopfschmerzen und ihr ist etwas „dizzy“. Sichtweite inzwischen ca. 10 m. Mein Navi hilft, den richtigen Weg zurück zu finden (wer in Südamerika wandert, darf keinerlei Beschilderung erwarten). Zwei Minuten später setzt der Regen ein - und das Gewitter. Ja, Gewitter in den Bergen ist Scheiße! Auf 4.100 m noch beschissener. Anfangs sind Blitz und Donner noch 6 sek auseinander, dann nur noch 3 sek. Keine Sicht - voll in den Wolken. Also Kuhle suchen, hinhocken, Füße zusammen. Bei jedem Donner schreit Miriam - sie hat unglaubliche Angst. Wir schauen hoch - und sehen erst jetzt, dass wir voll unter der Hochspannungsleitung sitzen. Also rennen. Im Regen. Mit Blitz. Auf dem Berg. Auf 4.100 m. Alle Kommandos auf Englisch.
Neuer Blitz, die Oberleitungen brummen, ich spüre die Elektrizität als unangenehmes kribbeln und will nur weit weg.
Blitz, 2 Sekunden, Donner. Wieder in einer Kuhle hocken. Noch in Sichtweite der Leitungen. Warten. Jetzt Hagel. Ich versuche die Richtung mit dem Navi zu bestimmen. Gelingt nur mäßig, alles ist durchweicht und der Hagel wechselt wieder zu Regen, der auf dem Handy die Touch-Bedienung unmöglich macht.
Wir warten weiter, Blitz, zählen, Donner. Mitten am Berg. Irgendwann wird der Abstand größer, der Regen lässt langsam nach. Es klärt langsam auf. Wir gehen wieder. Sehr zügig. Miriam sagt, das Adrenalin hat ihre Kopfschmerzen besiegt. Ich denke nur: Wenn das Adrenalin nachlässt, fall ich einfach um.
Wir erreichen als letzte die Bergstation der Seilbahn. Der Guide Juan ist völlig aufgelöst, denn er und Derk sind den direkten Weg gegangen, waren schneller da und haben uns nun vermisst. Sie sind auch pitschnass. Olaf und Stefan hatten sich verlaufen und waren nur ca. 30 min vor uns da.
Ich trinke ein Bier und denke: Strandurlaub ist auch ganz schön. Vielleicht Galapagos.
7.11. - UDLA und Mitad del Mundo
Dieses Mal steckt Sascha im Stau und kommt zu spät. Südamerikanische Straßen sind eben doch nur bedingt kompatibel mit deutschen Tugenden. Egal. Wir haben Zeit (nicht nur an die Höhe haben wir uns inzwischen angepasst).
Es geht, wie immer, mit dem Taxi zum brandneuen Campus der Universidad de las Americas (UDLA). Kurzvisite ist angesagt. Vorher noch schnell auswärts frühstücken. Auf der Fahrt berichten wir von Olaf, der heute morgen ebenfalls mehrere hundert Dollar vermisst. Ich seit Sonntagabend - aber bis heute früh habe ich noch an meinem Verstand gezweifelt, weil ich mir den Verlust im Zimmersafe nicht erklären konnte (das Geld vom Zimmergenossen Stefan war nämlich vollständig). Somit ist klar: Irgendjemand hat noch zusätzlich Zugang zum Zimmersafe und hat in zwei Zimmern Gebrauch davon gemacht. Wir beschließen das am Abend mit Frank zu gemeinsam im Hotel zu klären
Vom ersten Campus geht es zu Fuß zum Arbeitscampus von Sascha. Dort ausgiebiger Rundgang und eine Menge Kollegen die Hand schütteln. Anschließend in eine Vorlesung von Sascha. Heutiges Thema: Rund um die Europäische Union. Passt ja. Zwei Exemplare sitzen in der letzten Reihe.
Ab ins - richtig - Taxi. Mit dem Fahrer den Preis runtergehandelt und auf nach Mitad del Mundo - dem touristischen Äquatordörfchen. Pflicht für alle Quito-Touris wie uns.
Rückweg mit demselben Taxifahrer. Schade - die Hinfahrt war schon abenteuerlich.
Als Abschluss gehen wir mit Sascha und Frank zu sechst noch nach La Mariscal - der Simon-Dach-Straße von Quito. Nur ein Bier - morgen geht es auf den Berg.
6.11. - Quito City Tour
Heute das Stino-Touri-Programm: Stadtbesichtigung. Aber mit eigenem Guide.
Pablo holt uns pünktlich um 9 Uhr ab. Mit dem Auto geht es direkt zur Statue Virgin de Quito (hochlaufen soll man nicht - wegen der Bandidos).
Anschließend in die Altstadt. Heute ist zufällig Wachwechsel am Präsidentenpalast. Riesenauflauf und mit der Teleeinstellung der Kamera kann man sogar El Presidente sehen.
Danach direkt zur 1. Kirche La Compania. Danach zur 2. und 3. Kirche („Hurra“ für mich als Atheisten). Kurz Mittagessen (sehr lecker einheimisch). Als Kirchenabschluss dann noch zur Basilika del Voto Nacional. Nur 2 von 4 wagen die steile Freitreppe hoch zum Turm zu besteigen und werden mit einem grandiosen Rundumblick auf die Stadt belohnt.
Finaler Höhepunkt des kulturellen Tages: Besuch des Museums und (des eindrucksvollen) Wohnhauses des berühmtesten Malers Ecuadors - Oswaldo Guayasamin.
Am Abend haben wir noch eine kleine Brauerei gefunden, die internationale Biere (Pils, Weizen, Ale) selbst braut. Reicht für heute.
Ach ja: Alle 4 Stunden mit LSF50 eincremen - die Sonne brennt hier mörderisch.
5.11. - Erster Kontakt
Punkt 8:00 Uhr stand Sascha im Hotelzimmer (8:00 Uhr war vereinbart - deutsch bleibt eben deutsch) und holt uns zum Frühstück ab. Der Hotelwirt ist etwas irritiert, dass wir auswärts essen. Aus Höflichkeit schnell einen frisch gepressten Baumtomatensaft getrunken (sehr lecker) und ab ins Taxi.
Auf dem Weg zum Haus noch halbe Stadtrundfahrt (an Saschas Uni vorbei), Brötchenhalt und Blumenhalt (für die Dame des Hauses).
Lecker gefrühstückt. Dann mit Taxi ab ins Einkaufszentrum und anschließend direkt zum alten Flughafengelände. Ist heute, wie Tempelhof, ein Freizeitgelände. Einziger Unterschied: Bei gutem Wetter kann man hier auch schneebedeckte Fast-Sechstausender (Cotopaxi) sehen. Alle Mann (und Lia) ab auf die Räder und geradelt.
Anschließend wieder ins Taxi und ab zu Sascha. Da wartet schon Frank (der Organisator der Reise) und freut sich auf ausgedehnte Gespräche in deutscher Sprache.
Mit gegrilltem Fleisch und Gemüse sowie ein paar Gläsern einheimischen Wein lassen wir den Abend ausklingen.
Morgen steht die Stadtbesichtigung auf dem Programm. Hoffentlich dann mit mehr Schlaf.

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4.11. - Angekommen
Nach einem sehr langen Flug dann endlich angekommen.
Kurz ins Hotel, dann Nachtfahrt mit Sascha und seiner Schwägerin Katy direkt zum Restaurant. Dabei haben wir schon kurz die Altstadt gesehen - sehr schöne spanische Kolonialbauten. Keine Wunder, dass die UNESCO die Altstadtt zum Weltkulturerbe erklärt hat.
Nach 28h wach dann irgendwann totmüde ins Bett gefallen, aber durch die falsche innere Uhr kaum geschlafen. Egal. Morgen geht es zum Frühstück direkt zu Sascha nach Hause.
4.11. Start
Wir hatten bereits:
- Übergepäckumpackaction mit Gummistiefelhalbverlust
- verlorenes Portemonnaie für 30 sek
- eine vergessene Haarbürste