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Sometimes "rarepair" means "you are literally the only person who posts about this on tumblr dot com" and you have to learn to be okay with that.
Not trying to victim blame or anything but you’d think with all the times necromancers have tried/succeeded in raising undead armies the people of Tamriel would’ve stopped burying their dead fully armed and equipped for battle.
Like, I know your great grandpa’s sword was A Part Of Him and all but maybe you could bury SuperDeathblade somewhere not right next to SuperDeathbladeMan. Just in case.
oh, what, so he can get his ass kicked when he inevitably gets raised from the dead?? you want to make great grandpa into a loser? a chump?? if his corpse is going to be puppeteered into battle by a sick and twisted sorcerer then by the nine he is going to do it well
Friend movie night + Family portrait
Star Trek won't show me enough queer rebellious counter culture on Cardassia so I will do it myself
The anarchist lesbian collective of East Torr salutes you and your style.
Thank you omg, I just know in my heart that the underground Cardassian industrial/goth clubs are a sight to behold and I KNOW you know this too 😭
I’ve seen your vision now and I believe it completely. Sensational. All I can offer in return is this small tattoo.

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5 Mal fällt Schalavsky Wespes Kleidung auf.
Kapitel 1: Schrill
Kapitel 2: Sommerhitze
Die Millionenstadt ächzte unter der drückenden Hitze. Die Betriebsamkeit sank auf das absolute Minimum, die Eisverkäufer machten Rekordumsätze. Wer konnte, entledigte sich unnötigen Kleidungsschichten.
Die dürftige Klimaanlage im Präsidium war in den Monaten Juni bis August Alltagsgespräch in der Kaffeeküche und regelmässig erreichten den Polizeichef in diesen Zeiten Beschwerdebriefe zu diesem Thema. Deshalb hielten viele von Kommissar Schalavskys Kollegen bei fast vierzig Grad auch nicht mehr sonderlich viel von der Kleiderordnung.
Schalavsky hingegen wehrte sich vehement dagegen, selbst im Hochsommer von seinen üblichen Kleidergewohnheiten abzuweichen, weshalb er jetzt trotzdem mit langen Anzugshosen und weissem Hemd an seinem Schreibtisch sass und versuchte, die Hitze auszublenden. Das gelang ihm bestenfalls mässig und sein grösstenteils durchgeschwitztes Hemd half ihm dabei ganz und gar nicht. Eigentlich starrte er auch schon seit fünfzehn Minuten auf das gleiche Dokument, das langsam auf dem Bildschirm zu flimmern begann.
Eigentlich könnte man meinen, Kommissar Schalavsky käme gut mit der Hitze klar, da er eher hager geraten war. Tatsächlich aber schien ihn sein Körper in der warmen Jahreszeit mit Vorliebe daran zu erinnern, dass seine Vorfahren aus Sibirien kamen und er deshalb von Hitze nicht viel hielt. Und obwohl es schon mehr als ein Jahrhundert her war, dass jemand aus seiner Familie in Sibirien gewesen war - und Schalavsky stark bezweifelte, dass ihn das heute noch irgendwie beeinflusste - hatte er mit Hitze erhebliche Probleme. In einer sehr peinlichen Instanz vor ein paar Tagen hatte sogar sein Kreislauf schlapp gemacht und sein Hirn hatte während einer Besprechung in Glockners Büro beschlossen, es würde nach einer halben Stunde Stehen und bloss zwei Tassen Kaffee im Magen bei angenehmen 37 Grad jetzt gerne einen Neustart machen, Dankeschön.
Da klopfte es an der Tür und noch bevor Schalavsky hätte Herein sagen können, wurde die Tür geöffnet.
Schalavsky blickte missmutig von seinem Bildschirm weg, wollte den unhöflichen Besucher schon anschnauzen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken.
Inspektor Bienert stand im Büro. Das an sich war nichts überraschendes. Was viel überraschender war, waren nämlich seine Kleider. Oder beziehungsweise, die Absenz davon: Wespe trug nämlich ein Oberteil, das so dünn war, dass es beinahe durchsichtig schien.
Schalavsky starrte ihn für einen Moment einfach nur an. Dann erst realisierte er, dass Wespe mit ihm gesprochen hatte und bemühte sich verzweifelt, den Blick zu heben.
“Was?”
“Ob Sie mir den Bericht über die Jakobsstrasse haben”, sagte Wespe und er klang etwas ungeduldig. Verständlich, auch Wespe setzte die Hitze zu und leider war Schalavskys Büro südseitig gelegen, was es im Sommer noch unerträglicher machte. Wespe zog dementsprechend auch an dem Kragen seines - für Schalavskys Konzentrationsfähigkeit - viel zu dünnen Oberteils und Schalavsky musste sich beherrschen, ihm nur ins Gesicht zu sehen.
“Klar”, sagte Schalavsky und war froh darüber, wie neutral seine Stimme klang. Er stand auf, kramte kurz in seinem Aktenschrank und wollte sich schon wieder umdrehen.
Genau im falschen Moment, denn er sah, wie Wespe das Oberteil benutzte, um sich über die Stirn zu wischen und ihm damit sehr viel Haut präsentierte. Schalavsky fühlte irrsinnigerweise, wie seine Ohren rot wurden und er wusste eigentlich, dass er jetzt wegsehen sollte. Doch es war wie damals in Glockners Büro: Sein Hirn schien die entsprechende Information nicht senden zu wollen, weshalb er jetzt einfach für ein paar Sekunden auf die nackte Haut an Wespes Körpermitte sah und die Akte gegen seine Brust presste. Immerhin blieb er dieses Mal bei Bewusstsein. Obwohl, vielleicht wäre so eine kurze Ohnmacht jetzt besser gewesen.
“Boah, ist ja unerträglich diese Hitze”, stöhnte Wespe und richtete sich das Oberteil wieder. “Und Ihr Büro ist ja noch schlimmer als meins. Haben Sie nicht warm?”
Schalavsky räusperte sich, einfach nur um sicherzugehen, dass er seine Stimme wieder unter Kontrolle hatte. “Man muss halt auch mit körperlich herausfordernden Situationen umgehen können”, sagte er betont beiläufig und fixierte einen Punkt zwischen Wespes Augen.
“Ist Ihnen nicht gut?”
“Hm? Warum denn?”
“Sie sind recht rot. Alles okay?”
“Jaja”, beeilte sich Schalavsky zu sagen, doch mit einem Mal schien Wespe sehr besorgt.
“Glockner hat mit gesagt, Sie haben mit Hitze Mühe. Warum haben Sie denn noch das lange Hemd an?”
“Unsere Kleiderordnung ist keine Wundertüte. Auch wenn Sie das glauben.”
Wespe verdrehte die Augen. “Ich bin im Innendienst. In dem Aufzug sehen nur Sie und Glockner mich. Und das ist allemal besser, als in meinem Büro zu zerfliessen.”
“Aha”, machte Schalavsky. Irgendwie war ihm jetzt doch warm unter dem Kragen.
“Geht es Ihnen wirklich gut?”, fragte Wespe noch einmal und ja, jetzt war da auch etwas in seinem Gesicht, das Schalavsky noch mal etwas wärmer werden liess. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er an seinem Kragen genestelt hatte und liess ertappt die Hand sinken. Wespe folgte der Bewegung mit der Hand und seine Augenbrauen zogen sich entschlossen zusammen.
Schalavsky meinte, ihm würde das Herz stillstehen, als Wespe ihn an den Schultern packte und resolut nach hinten dirigierte. Kurz zuckte ein Bild durch Schalavskys Kopf, wie Wespe ihn gegen die Bürowand presste, da wurde er auch schon in seinen Schreibtischstuhl gedrückt.
“Sie warten hier!”, befahl Wespe und hob sogar etwas mahnend eine Zeigefinger. Schalavsky konnte ihn bloss verdutzt anstarren, da war der Kriminalinspektor auch schon aus dem Zimmer geflitzt. Schalavsky sah immer noch etwas benebelt auf die Tür, während seine Gedanken rasten, die Akte immer noch gegen seine Brust gedrückt.
Vielleicht war ja wirklich etwas in seinem Kopf überhitzt. Sein Gehirn hätte auf Normaltemperatur sicherlich nicht dieses Bild von Wespe ausgespuckt. Schalavsky versuchte verzweifelt, das Bild zu verdrängen, sich nicht mehr vorzustellen, wie ihn starke Hände am Hemd packten, doch seine Synapsen schienen sich zu weigern, davon wegzugehen. Stattdessen bildete er sich sogar noch ein, Wespes Deo zu riechen…
Schalavsky zuckte beinahe zusammen, so schnell kam Wespe zurück. In der linken Hand hielt er ein Tuch, in der rechten ein Glas Wasser.
“Da”, sagte er und drückte Schalavsky das Glas Wasser in die Hand. “Trinken!”
Schalavsky blinzelte verwirrt, dann noch einmal. “Sind Sie jetzt meine…” Mutter hätte er noch hintendran hängen wollen, doch da hatte Wespe ihm einen eiskalten Lappen in den Nacken gepatzt. Schalavsky schnappte erschrocken nach Luft, als ihm kaltes Wasser in den Kragen rang.
“Bienert! Was soll das?”
“Helfen”, sagte Wespe ungerührt und musterte Schalavsky immer noch auf eine seltsame Art, die der Kommissar nicht ganz erkannte. “Na los, trinken Sie! Oder soll ich einen Strohhalm holen?”
Schalavsky grummelte, nahm aber tatsächlich einen Schluck. Erst da merkte er, dass er wohl wirklich Durst gehabt hatte, denn er trank das Glas in einem Zug leer. Wespe stand immer noch viel zu nah neben ihm, wirkte aber zufrieden.
“Noch eins?”
“Nein danke.”
Wespe nickte, nahm das Glas entgegen und setzte sich dann auf den Rand von Schalavskys Schreibtisch.
“He, runter da!”, murrte Schalavsky, doch sein Protest fiel bestenfalls halbherzig aus. Wespe honorierte das dementsprechend auch bloss mit einem müden Heben der Augenbrauen.
“Ist alles okay?”
Schalavsky war über die Frage so verblüfft, dass er kurzzeitig nicht wusste, was er antworten sollte. “Was?”
Wespe sah ihn mit uncharakteristisch ernstem Blick an und Schalavsky fühlte sich fast wie ein Insekt unter der Lupe, so wie Wespe auf dem Rand des Tisches sass und auf ihn herabblickte. Das fast durchsichtige Top half absolut nichts und es kostete Schalavsky alle Selbstbeherrschung, den Blick nicht von Wespes Augen wegzunehmen.
“Ob alles okay ist?”
Schalavsky war über diese ernste, aufrichtige Stimme überrascht, die jetzt aus Wespes Mund kam. Denn sonst waren es Sticheleien, Witze, Foppereien, die ihren Weg über Wespes Lippen fanden. Nicht diese Fragen, aufrichtig gestellt, mit einer Sorge, die Schalavsky so gar nicht von Wespe kannte. Er musterte ihn auch dementsprechend, als würde er ihn das erste Mal sehen. Schliesslich räusperte er sich.
“Natürlich.”
Wespe blickte noch etwas ernster. “Glockner hat mir gesagt, dass Sie zusammengeklappt sind.”
Schalavsky spürte, wie er erneut rot wurde, dieses Mal durch ein Gemisch aus Zorn und Scham. “Das war nichts”, brachte er hervor. Verdammt, natürlich hatte Glockner Wespe davon erzählt! Er hatte den Hauptkommissar fast anflehen müssen, damit der nicht den Dienstarzt rief, doch sein Gesicht war noch Stunden nachher auf eine grässliche Art besorgt gewesen, bei der es Schalavsky kalt den Rücken heruntergelaufen war. Und wenn Schalavsky eines hasste in seinem Leben, dann war es diese Art von Blick. Dieses Mitleid.
Wespes Gesicht verfinsterte sich.
“Mann, warum tun Sie das immer?”
“Was?”
“Nicht zu sich selbst schauen? Verdammt, haben Sie heute überhaupt schon etwas gegessen?”
Schalavsky presste die Lippen aufeinander und funkelte Wespe aus schmalen Augen an. “Was interessiert Sie das?”
“Darf ich mich etwa jetzt nicht mehr um Sie sorgen?”
“Oh, Sie sorgen sich um mich”, äffte Schalavsky Wespe schon fast giftig nach. “Das können Sie schön bleiben lassen, ich brauche ihre Fürsorge nicht!”
“Da! Da ist es schon wieder”, sagte Wespe und stiess Schalavsky anklagend den Zeigefinger in die Brust. Schalavsky zuckte zusammen und bevor er die Hand hätte wegwischen können, richtete Wespe seinen Zeigefinger auf Schalavskys Gesicht.
“Sobald man zu Ihnen schaut, igeln Sie sich ein! Dann werden Sie patzig und schnauzen die andere Person an! Kein Wunder, schaut niemand mehr hin, wenn es Ihnen Scheisse geht, man wird dafür ja bloss angemotzt.”
Schalavsky starrte Wespe an, als hätte dieser ihm gerade einen zweiten eiskalten Lappen in den Nacken gedrückt.
“Ich…”, begann er, doch irgendwie wusste er nicht, was er sagen sollte. Es wäre jetzt einfach gewesen, Wespe anzuschnauzen, ihm zu sagen, dass das alles nicht stimmte, dass er doch für sich selbst schauen sollte, ihn endlich in Ruhe lassen! Vielleicht hätte er genau das auch bei jeder anderen Person gesagt. Aber ausgerechnet bei Bienert, bei Wespe, konnte er das heute nicht. Nicht, wenn dieser ihm ein Glas Wasser geholt hatte, nicht wenn dieser jetzt auf dem Schreibtisch sass und trotz Schalavskys Anpfiff immer noch dort sass. Weil dessen Blick zwar zornig funkelte, doch weil dieses Feuer erst durch Besorgnis entflammt worden war.
Und hatte Wespe nicht Recht? Eigentlich frage ja schon niemand nach, wie es Schalavsky ging. Glockner vielleicht noch ein paar Mal, doch auch er hakte nie nach, wenn Schalavsky ein Geht schon, geht schon murmelte. Aber Wespe? Der machte seinem Namen alle Ehre, liess nicht locker, bis er der Sache auf den Grund gegangen war. Und jetzt war Schalavsky zu seinem Ziel geworden. Geworden? Nein, vielleicht schon länger gewesen. Warum? Womit hatte Schalavsky verdient, dass Wespe seine Wärme auch auf ihn ausdehnte?
Schalavsky konnte den Augenkontakt nicht weiter aufrecht erhalten. Stattdessen sah er zur Seite, zu dem Bildschirm, auf dem die Akte vor sich hin flimmerte. Er spürte weiterhin Wespes Blick auf sich, wie der Kriminalinspektor ihn musterte.
“Haben Sie Mittagspause gemacht?”, überraschte Wespe ihn.
Schalavsky sah kurz wieder verdutzt zu ihm. “Ich? Nein.”
Wespe nickte, als würde sich damit ein Verdacht bestätigen. “Dann haben Sie ja eine halbe Stunde zu gute”, sagte er und ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. “Mitkommen.”
“Was?”, machte Schalavsky verdutzt, doch da war Wespe auch schon von seinem Schreibtisch gehüpft und zog Schalavsky auffordernd am Ärmel. Der Kommissar war darüber so verdutzt, dass er bloss schnell den Bildschirm per Tastenkombination sperrte - denn das war schliesslich Vorschrift! - sich aber dann von Wespe auf die Beine ziehen liess.
“Was haben Sie vor?”
“Einfach mitkommen!”
Der Stadtpark lag bloss fünf Minuten fussläufig vom Polizeipräsidium und Schalavsky kam eigentlich nach Dienstschluss gerne noch ein paar Minuten her, um sich an den Teich zu setzen und nachzudenken. Oder um sich zu beruhigen, wenn mal wieder vier besonders nervige Jugendliche im Polizeipräsidium aufgetaucht waren. Und das war in letzter Zeit so oft vorgekommen, dass er sich mittlerweile einbildete, die verschiedenen Enten auseinanderhalten zu können.
Dass die eine Bank im Schatten der grossen Eiche noch frei war, hatte sich als ausgesprochener Glückstreffer herausgestellt. Sonst war die nämlich besetzt, doch die hochsommerlichen Temperaturen hatten anscheinend den Park grösstenteils geleert. Kühler als im Polizeipräsidium war es jedoch trotzdem.
Wespe hatte Schalavsky auf die Bank gesetzt, ihm gesagt, er solle schön hier warten - Schalavsky hatte missmutig das Gesicht verzogen. Schliesslich war er ja kein Kind mehr - und war dann davongetrabt.
So viel zu, in dem Aufzug sehen nur Glockner und ich ihn, dachte Schalavsky und suchte mit den Augen den Teich nach den Enten ab. Doch die zeigten sich nicht. Vielleicht war ihnen auch zu warm und sie blieben lieber im hohen Schilf.
“So, da bin ich wieder”
Schalavsky zuckte zusammen. Er hatte Wespe gar nicht kommen gehört. Doch noch bevor er etwas hätte sagen können, drückte Wespe ihm schon etwas in die Hand.
Schalavsky sah verdutzt auf den Becher mit drei Kugeln hinab.
“Was ist das denn?”
“Das ist ein Eis”, erklärte Wespe, als würde er einem Kind etwas erklären und liess sich neben Schalavsky auf die Bank plumpsen, eine Waffel mit drei Kugeln in der Hand. “Das ist kalt und man kann es essen. Es wird hauptsächlich im Sommer konsumiert.”
“Ich weiss, was ein Eis ist”, gab Schalavsky patzig zurück. “Aber… warum?”
Wespe zuckte mit den Schultern und schleckte etwas von seinem Eis. “Ist doch das Wetter dafür.”
Schalavsky musste einen Kloss herunterschlucken, der sich sinnloserweise in seinem Hals gebildet hatte. Warum der da war, wusste er nicht ganz. Er sah wieder auf seinen Becher Eis herab. Ein warmes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus, das nichts mit der drückenden Hitze über der Millionenstadt zu tun hatte.
“Ich habe Ihnen Vanille, Erdbeere und Stracciatella geholt”, sagte Wespe gut gelaunt. “Wenn Sie was davon nicht mögen, kein Problem, ich ess es auch!”
Schalavsky wusste immer noch nicht ganz, was er sagen sollte. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er sich das letzte Mal ein Eis gekauft hatte. War das vor fünf Jahren gewesen? Länger her? Er wusste es beim besten Willen nicht mehr. Warum hatte er sich seit fünf Jahren kein Eis mehr geholt?
“Danke”, brachte er hervor und zuckte zusammen, denn seine Stimme brach. Wespe kommentierte das nicht, doch er hielt kurz in seinem Eis essen inne. Schalavsky betete innständig, dass Wespe nicht ahnte, was gerade in Schalavskys Kopf von sich ging. Bloss um etwas zu tun zu haben, begann er, das Eis zu löffeln. Unwillkürlich fühlte er sich in seine Kindheit zurückversetzt, an die langen Sommertage, an denen er und seine Geschwister sich von ihrem zusammengesparten Taschengeld ein paar Kugeln Eis geholt hatten. Schalavsky fühlte die Sehnsucht fast körperlich, als er sich an das Lachen zurückerinnerte, an die Nachmittage auf dem Fahrrad, am See, in den Wäldern. Damals war das Leben noch sorgloser gewesen.
“Was haben Sie sich geholt?”, fragte er Wespe, als er seiner Stimme wieder traute.
“Schlumpfeis, Pistazie und Kaffee… He, was verziehen Sie so das Gesicht?”
“Seltsame Kombi”, sagte Schalavsky ertappt und löffelte sein Eis weiter. Wespe folgte der Bewegung mit den Augen.
“Lag ich denn richtig?”
“Womit?”
“Mit den Eissorten. Oder was mögen Sie am liebsten?”
“Zitrone”, sagte Schalavsky, bevor er darüber nachdenken konnte. Das war damals sein Lieblingseis gewesen.
“Ah”, machte Wespe und plötzlich war da ein Lächeln auf seinem Gesicht, das strahlender war als es die Sommersonne je sein konnte. “Das merk ich mir für das nächste Mal.”
“Das nächste Mal?”
“Jemand muss doch schauen, dass Sie mal aus Ihrem Büro rauskommen”, meinte Wespe und zwinkerte Schalavsky gut gelaunt zu, der fühlte, wie ihm warm wurde. “Und der Park ist doch hübsch.”
“Hm”, machte Schalavsky. Erst da fiel ihm auf, dass sie eigentlich sehr nahe beinander sassen. Und von weitem hätte man sie wohl nicht für Arbeitskollegen gehalten. Eher für… Ach, das war jetzt ja nicht so wichtig. Wichtig war bloss, dass Wespe jetzt neben ihm sass.
Ich muss ihm das irgendwie zurückgeben, dachte Schalavsky, als er den ersten Löffel Erdbeereis ass. Er mag doch diesen Italiener. Kann man ja auch mal hingehen.
Kapitel 3: Uniformiert
Normalerweise trugen sie die Uniform nur bei feierlichen Anlässen. Der heutige war nur auf dem Papier so einer. Aber der Fall war so lange und grässlich gewesen, dass sich die Belobigung durch den zweiten Bürgermeister ganz und gar nicht wie eine Feier anfühlte, sondern mehr wie eine Abdankung.
Wespe, der rechts neben Schalavsky sass, sah für einmal nicht so aus, als wäre er durch einen Secondhandladen gerobbt und hätte alles auch nur ansatzweise anziehbare übergestreift. Nein, mit seiner dunklen, förmlichen Polizeiuniform und den zurückgebundenen Haaren wirkte er an diesem Abend ernst und würdevoll. Schalavsky hatte sogar zweimal hinsehen müssen, um Wespe zu erkennen. Und jedes Mal wenn er aus den Augenwinkeln einen Blick stahl, musste er sich eingestehen, dass Wespe in der Uniform doch sehr schmuck aussah.
Doch Wespe schien sich in dieser förmlichen Uniform nicht wohl zu fühlen, denn er rutschte seit Anfang der Zeremonie auf seinem Stuhl hin und her. Schalavsky, der ihm seit fünf Minuten immer wieder pikierte Blicke zuwarf, wurde es langsam aber sicher zu bunt.
“Können Sie nicht stillhalten?”, zischte er scharf aus den Mundwinkeln. Wespe zuckte ertappt zusammen und hielt inne. Schalavsky war verdutzt, dass sein Anpfiff gewirkt hatte und fühlte sich beinahe etwas schlecht. Auch Wespe hatte dieser Fall zugesetzt, das hatte Schalavsky gemerkt. Und jetzt diese Uniform, die an dem Kriminalinspektor so fremd aussah und sich für ihn wohl auch genauso anfühlte. Ein Beweis dafür, was passiert war?
“Sorry”, murmelte Wespe zurück. Sie sassen in der zweiten Reihe, ganz rechts aussen, verdeckt durch die Vorderreihe. Schalavsky hörte nicht mehr, was der zweite Bürgermeister sagte, welche Floskeln er in diese Halle sprach, die den Bewohnern der Stadt suggerieren sollte, dass sie jetzt wieder sicherer waren. Zu sehr war er durch Wespe abgelenkt worden und wie ein Magnet hatte er seinen Fokus nur auf sich gelenkt.
Wespe konnte jedoch nicht lange stillhalten, genausowenig, wie er dazu im Büro in der Lage zu sein schien. Immer schien er in Bewegung sein zu müssen, als würde zuviel Energie durch jede Faser seines Körpers jagen. Und so hielt er es auch nur ein paar Sekunden aus, bevor er anfing, mit den Fingern auf dem Stoff seiner Anzugshose zu trommeln.
“Psst”, machte Schalavsky, den das Gezappel langsam aber sicher selbst nervös machte. Entschlossen lehnte er sich etwas nach Rechts und wollte Wespe die Hand wegpatschen. Da er jedoch immer noch entschlossen nach vorne sah, verschätzte er sich und legte ihm stattdessen die Hand auf den Oberschenkel.
Augenblicklich verharrte Wespe, als wäre er eingefroren. Schalavskys Kopf zuckte zur Seite und er wollte sich schon leise murmelnd entschuldigen, die Hand hastig wegziehen, doch etwas in Wespes Blick liess ihn innehalten. Wespe war zwar rot geworden - ein seltener Anblick in dem frechen Gesicht des Kriminalinspektors, aber der sah an diesem Abend sowieso ganz anders aus, fast wie ein anderer Mann - dennoch war da etwas in seinem Blick, das Schalavsky nicht kannte. Etwas… fragendes. Wartendes. Einladendes.
Die Zeit schien stillzustehen, elastisch zu werden, sich zu dehnen. Ein Raum voller Menschen und dennoch wurde Schalavskys Welt kleiner und kleiner, bis sie nur noch sie beide beinhaltete. Wespe, ihn und seine Hand auf Wespes Oberschenkel. Die Wärme von dessen Haut, die er selbst durch den Stoff der förmlichen Uniform spürte.
Für einen Moment, einen einzigen, sehnsuchtsvollen, stellte Schalavsky sich vor, wie seine Hand höher rutschen könnte…
Da riss das aufbrausende Klatschen der Anwesenden Schalavsky jäh aus diesem benebelnden Moment. Hastig zog er seine Hand weg, als hätte er sich verbrannt, die Augen wieder starr nach vorne gerichtet.
Er spürte Wespes Blick auf sich, als sie aufstanden, doch er wagte es nicht, zur Seite zu sehen. Wespe anzusehen, das wäre wie ein Eingeständnis von… irgendetwas gewesen. Schalavsky biss die Zähne zusammen und zwang sich, weiter nach vorne zu sehen. Dumm, dumm, dumm!, schalt er sich selbst in Gedanken und bemühte sich, nicht an das zu denken, was gerade passiert war. Was er sich überlegt hatte zu tun. Er fühlte die Schuld und Scham wie einen heissen Klumpen im Magen. Sicherlich hatte er sich Wespes Blick bloss eingebildet, sicherlich war der einfach so überrascht gewesen, dass er gar nicht die Zeit gehabt hatte, sich zu wehren. Schalavskys Hand wegzuwischen, ihn anzublaffen. Dass er nicht von Schalavsky angefasst werden wollte.
Und als der Applaus verebbte, schulterte sich Schalavsky durch die anderen Anwesenden nach draussen.
Er brauchte jetzt einen Drink.
Zwanzig Minuten später fand ihn Glockner in einer Ecke auf dem Terrasse, hinter einer halb vertrockneten Pflanze und mit einer Zigarette in der rechten Hand.
“Wollten Sie nicht aufhören?”
Schalavsky zuckte zusammen, so intensiv hatte er in die Nacht gestarrt. Fast etwas ertappt liess er die Zigarette sinken. “Eigentlich schon”, murmelte etwas peinlich berührt.
Glockner lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Wand. Auch er trug Uniform und hatte in der ersten Reihe gesessen, hatte vom zweiten Bürgermeister die Hand geschüttelt bekommen. Jetzt musterte er Schalavsky aufmerksam.
“Sie wirken irgendwie bedrückt. Ist es der Fall?”
Schalavsky verzog leicht das Gesicht. Natürlich, vor Kommissar Glockner konnte man nichts verstecken.
“Nein”, sagte er wahrheitsgemäss. Und Glockner schien ihm das auch zu glauben. Dennoch wurde sein Blick nachdenklich.
“Was ist es dann?”
Schalavsky zog noch einmal an der Zigarette. Er hatte denn doppelten Whiskey viel zu schnell getrunken und merkte die Wirkung auf nüchternen Magen. Seine Gedanken kreisten und waren irgendwie… wattig.
“Haben Sie schon mal was richtig Dummes getan?”
Glockner entwirrte seine verschränkten Arme. Kurz sah er seinen Kollegen verdutzt an, dann setzte er sich neben Schalavsky auf den zweiten Stuhl.
“Was haben Sie denn getan?”, fragte er. Nicht anklagend, sondern verständnisvoll.
Schalavsky blies den Rauch in die Nacht. “Noch nichts. Aber… ich hätte gerne.”
“Was ist los?”, fragte Glockner in diesem leisen, fast väterlichen Tonfall.
Schalavsky lehnte den Kopf gegen die kühle Wand und schloss die Augen.
“Ich glaube, ich bin verliebt”, murmelte er und diese Worte stolperten blutend aus seinem Inneren, bevor Schalavsky seine Hände auf die Wunde hätte pressen können.
Es war das erste Mal, dass er es laut sagte, dass er sich diesen Gedanken eingestand. Dass seine Hand auf Wespes Bein vielleicht doch kein Versehen gewesen war. Dass sich der Kriminalinspektor schon längst einen Weg in Schalavskys Herz geschultert hatte, obwohl Schalavsky irgendwie von Anfang an versucht hatte, ihn dort rauszuhalten. Aber spätestens mit dem Eis im Park war Schalavskys Schicksal besiegelt gewesen. Und anscheinend war auch diese Version von Wespe hartnäckig und hatte sich, ganz ohne seine Zustimmung, in Schalavskys Herzen festgekrallt. Schalavsky wusste, dass er ihn nicht von sich würde lösen können, ohne zu bluten. Hatte Wespe es sich deshalb dort bequem gemacht, egal, wie sehr sich Schalavsky wünschte, er könnte seinen Kollegen aus seinem Herzen verbannen? Seine Gefühle weiterhin unterdrücken?
Denn alles andere war unmöglich, Schalavsky war zu alt für ihn, zu förmlich, zu… wie sagte Wespe immer? Pedantisch. Ja genau. Zu einem Freigeist wie Wespe, der so beneidenswert offen mit seiner Liebe war, der so viel Wärme und Zuneigung in sich trug, der berührte und lachte und der einfach so voller Leben war… Und selbst wenn, in dem unwahrscheinlichsten aller Fälle, sie waren Kollegen! Es war gegen die Dienstordnung, gegen die Vorschriften, überhaupt gegen den gesunden Menschenverstand!
Nein, es war undenkbar, dass jemand wie Wespe ihn mögen könnte. Komplett unlogisch. Egal wie oft er ihn heute Abend angesehen hatte, egal wie anders Wespe in dieser Uniform aussah. Es war halt am Ende doch Wespe.
Aber Schalavskys Herz interessierte sich sowieso nicht dafür, was der Kopf für logisch hielt. Sein Herz hatte wohl schon längst gesagt ihn und keinen anderen und Schalavsky verfluchte dieses dumme Organ für seine aussichtslose Wahl.
“Aber das ist doch schön”, sagte Glockner und Schalavsky konnte selbst mit geschlossenen Augen sein Lächeln hören.
“Ist es nicht”, gab Schalavsky bitter zurück. “Es ist nämlich unmöglich.”
“Oh”, gab Glockner zurück. “Verheiratet?”
Schalavsky schnaubte. Natürlich, Glockner, der Familienmensch. Der dachte, der Ehering sei eine unüberwindbare Barriere. Hatten sie in ihrem Beruf nicht genug Fälle auf dem Tisch, die das Gegenteil bewiesen?
“Nein”, antwortete er trotzdem und hasste, wie resigniert seine Stimme klang.
“Ach? Was ist denn sonst das Problem?”
“Es… ach es geht einfach nicht!”, behauptete Schalavsky, fast wie ein trotzendes Kind.
Glockner war sehr, sehr lange still und Schalavsky meinte schon, er sei aufgestanden und gegangen.
“Denkt er das denn auch?”
Er. Das Pronomen jagte wie ein Stromschlag durch Schalavskys Körper und er riss die Augen auf, fixierte Glockner, der jedoch sehr ruhig und mit freundlichem Gesicht zurücksah.
“Was?”
“Schalavsky”, sagte Glockner leise und ohne jeglichen Groll in der Stimme. “Ich kenne Sie. Lange genug, würde ich jetzt sagen. Und… irgendwie habe ich dafür ein Gespür… denke ich. Aber wenn ich falsch liege, wenn ich mich täusche, dann hoffe ich, dass Sie es mir nicht übel nehmen.”
Schalavsky starrte ihn immer noch an. Dann schluckte er leer. “Es… Sie täuschen sich nicht”, sagte er, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern und Verdammt, warum tat es so gut, das endlich laut zu sagen? Warum fühlte es sich an, als würde da ein Gewicht von seiner Brust verschwinden?
Und Glockner lächelte, ganz sanft. Doch dann wurde sein Gesicht ernst. “Interessiert er sich nicht für Männer?”
Schalavsky schluckte leer. “Doch, ich glaube schon.” Jedenfalls hatte Wespe mal etwas von einem Ex-Freund erzählt (und Schalavsky hasste sich dafür, wie sein Herz bei dieser Erwähnung einen sinnlosen Hüpfer getan hatte).
“Ah”, machte Glockner. Er legte den Kopf etwas schief und musterte Schalavsky auf eine Art, die seine Haut kribbeln liess. Als würde Glockner versuchen, die Gedanken hinter seiner Stirn zu erahnen. “Warum versuchen Sie es denn nicht einfach?”
Schalavsky gestattete sich ein freudloses Lächeln und zog noch einmal an seiner Zigarette. “Weil das sowieso nicht klappen würde.”
“Warum denn nicht?”
“Würde es einfach nicht!”, gab Schalavsky zurück, schroffer als er es beabsichtigt hatte, doch Glockner schien es ihm nicht übel zu nehmen.
“Warum so pessimistisch?”, konterte der Hauptkommissar. “Sie sind doch keine üble Partie. Guter Job, gewissenhaft und schlecht sehen Sie auch nicht aus.”
Schalavsky schnaubte ungläubig. Vielleicht war es der Alkohol, aber irgendwie weigerte er sich trotzig dagegen, aufgemuntert zu werden. Er wollte sich gerade einfach ein bisschen in seiner Misere suhlen. “Aber wir passen nicht zusammen, er ist viel zu… ach egal.”
“Viel zu was?”
“Egal. Vergessen sie es!”
Glockner hob bloss eine Augenbraue und Schalavsky fragte sich, ob er bereits zu viel gesagt hatte. Ob Glockner sich aus den Hinweisen zusammenreimen konnte, wer denn dieser mysteriöse Mister X war. Schalavsky betete, dass er es nicht tat, denn er glaubte nicht, dass er es ertragen könnte, wenn Glockner ihm ins Gewissen reden würde, dass eine Beziehung - Schalavsky spürte einen Kloss im Hals, denn so weit würde es nie kommen - mit einem Kollegen völlig unangebracht wäre.
“Kommen Sie”, sagte Glockner schliesslich. “Ich fahr Sie nach Hause.”
“Was? Warum?”
“Mit Verlaub, Herr Kollege, ich rieche den Whiskey. Und ich hab gesehen, dass Sie mit dem Auto gekommen sind.”
Scheisse, daran hatte Schalavsky gar nicht mehr gedacht. Er war einfach nur froh gewesen, kurz nicht über seine Hand auf Wespes Bein nachzudenken. Doch noch bevor die Spirale in seinem Kopf wieder hätte anfangen können, sich zu drehen, bot Glockner ihm die Hand an und Schalavsky liess sich auf die Beine ziehen.
“Ach übrigens”, sagte Glockner beiläufig, als sie in Richtung des Parkplatzes gingen. “Bienert hat nach Ihnen gefragt.”
Schalavsky blieb wie vom Blitz getroffen stehen und starrte Glockner entsetzt an. “Wie bitte? Was wollte er?”
Glockner zuckte mit den Schultern. “Keine Ahnung.” Wieder musterte er Schalavsky. “Alles in Ordnung?”
Schalavsky schluckte leer, um die Panik zu verdrängen. “Ja. Klar. Natürlich.”
“Ah”, machte Glockner. Wieder ein wissender Blick, der jedoch von Schalavsky abprallte. “Kommen Sie. Wir fahren.”
An die Fahrt erinnerte sich Schalavsky am nächsten Tag mit keinem Wort. Auch das gesamte Gespräch mit Glockner auf der Terrasse wirkte in seiner Erinnerung etwas verwaschenen und sein pochender Kopf war ein Mahnmal daran, dass er auf nüchternen Magen den Alkoholkonsum in Zukunft lassen sollte. Schliesslich war er schon längst keine zwanzig mehr.
So stand er am nächsten Tag in dem Pausenraum und spülte ein Aspirin mit Kaffee runter, damit er sich wenigstens endlich den Akten zuwenden konnte, die sich auf seinem Bürotisch anhäuften.
Er wollte sich schon wieder umdrehen, als Inspektor Bienert durch die Tür kam. Natürlich trug er heute nicht seine förmliche Uniform, in der er so anders ausgesehen hatte, sondern wieder grelle Klamotten, deren Farben nicht nur kontrahierten, sondern sich gegenseitig zu zerfleischen schienen.
Wespe blieb stehen und blinzelte, als könnte er gar nicht wirklich glauben, dass Schalavsky jetzt vor ihm stand.
“Oh. Guten Morgen.”
Schalavsky seinerseits brachte kein Wort heraus, zu trocken war seine Kehle. Deshalb räusperte er sich umständlich, die Scham und das schlechte Gewissen wie ein Stein in seiner Brust. “Bienert”, begann er ernst. “Es… es tut mir aufrichtig Leid. Ich wollte Sie gestern wirklich nicht anfassen, das war ein Versehen.”
Schalavsky sah gerade zu Boden und verpasste deshalb die Emotionen, die über Wespes Gesicht huschten. “Verstehe”, sagte Wespe schliesslich und irgendwie klang seine Stimme blechern, so ganz und gar nicht wie der Wespe, der Schalavsky am liebsten triezte und foppte. Nein, diese Stimme klang kühl und irgendwie auch… distanziert. “Entschuldigung akzeptiert.”
“Gut”, sagte Schalavsky und wusste nicht, was er sonst noch sagen sollte. Deshalb nickte er Wespe zu und ging dann aus dem Pausenraum hinaus.
Auf dem ganzen Weg in sein Büro hatte er das nagende Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben. Und das nicht nur gestern.
Kapitel 4: Undercover
Eigentlich klang es recht simpel: Der Besitzer eines Musiklabels stand im Verdacht, der Arm eines weitreichenden Drogenrings zu sein und seine Musiker mit dem Stoff zu versorgen. So weit so simpel und der Auftrag sah es vor, dass zwei Ermittler sich Undercover in dem Label umsehen sollten um mögliche Hinweise aufzustöbern.
Trotzdem war Schalavsky sich nicht ganz sicher, warum Glockner ausgerechnet ihn für die Mission ausgewählt hatte.
Okay, Schalavsky mochte Musik, sammelte Schallplatten und verstand vielleicht schon etwas davon. Aber ein Instrument spielen? Nein, das konnte er eigentlich nicht. Gitarre hatte er in seiner Jugend mal probiert, aber über knappe Mittelmässigkeit war er nie herausgekommen. Seine Gitarre hatte zwar aus Nostalgiegründen schon drei Umzüge mitgemacht, aber darauf gespielt hatte er schon seit Jahren nicht mehr.
Und ausgerechnet mit Inspektor Bienert sollte er diesen Auftrag durchführen. Bienert, zu dem Schalavsky in letzter Zeit irgendwie ein… angespanntes Verhältnis hatte. Seit der Zeremonie. Vorher war es so gut gewesen, wie schon lange nicht mehr.
Aber Schalavsky musste zugeben, dass Wespe für die Mission passte wie die Faust aufs Auge. Der Kriminalinspektor war musikalisch, spielte Bass und Schlagzeug und hatte eine sehr schöne Singstimme, die Schalavsky bei dem Karaoke, zu dem Salah und Bienert ihn vor einigen Monaten mitgeschleppt hatten, doch sehr positiv überrascht hatte.
Glockner hatte unschuldig gelächelt, als Schalavsky ihn auf die seltsame Kombination angesprochen hatte. “Dann haben Sie ein Auge auf ihn”, hatte der Hauptkommissar gut gelaunt auf Schalavskys fast schon anklagendes warum ich und Bienert? geantwortet. “Aber am besten tarnen Sie sich trotzdem ein bisschen. Denn mit Verlaub, Herr Kollege, es wäre besser wenn sie weniger wie… Sie aussehen würden.”
Schwierig, schwierig, denn Schalavsky hatte mit der Hakennase, den fast schon unpassend dunklen Augen und dem hageren Körperbau Wiedererkennungswert. Dann am besten von diesen Merkmalen ablenken, weshalb Schalavsky sich etwas widerwillig in den letzten drei Wochen nicht rasiert hatte und dementsprechend jetzt ein kurzer, schwarz-grauer Bart sein Gesicht schmückte. Eigentlich hatte er viel Bartwuchs und musste sich täglich rasieren, damit er nicht mit Bartschatten herumlief. Er mochte das Gestrüpp im Gesicht auch nicht und bevorzugte es, glatt rasiert zu sein (Dass er jemand anderem mit Bart viel zu ähnlich sah, ignorierte er verbissen bei jedem Blick in den Spiegel).
Er hatte Hemd und Anzugsjacke gegen ein schlabbriges rot-kariertes Hemd und graues T-Shirt getauscht, die Anzugshosen und Schuhe gegen alte Jeans und Trainerschuhe, die er schon seit Jahren nicht mehr getragen hatte. Missmutig betrachtete Schalavsky sich im Spiegel. Er fand, dass er albern aussah. Wie ein abgewrackter Kunstlehrer irgendwie. Oder halt der Manager eines mittelmässigen Musikers mit Starallüren.
Er fuhr zu dem vereinbarten Treffpunkt, an dem er Wespe aufgabeln sollte. Von dort ging es dann weiter zu dem Label, bei dem Wespe dem Chef eine Kostprobe seines Könnens geben sollte. An diesem Abend sollte zudem eine Labelparty steigen und wenn sie Glück hatten, würde der Chef sie zu dieser einladen.
Schalavsky trommelte etwas ungeduldig auf dem Lenkrad und blickte auf seine Uhr. Dass Wespe auch immer zu spät…
Da wurde die Beifahrertür aufgerissen und Schalavsky blieb beinahe das Herz stehen.
Wespes lange Haare schienen wilder als sonst zu sein, seine Fingernägel schwarz lackiert und an den Fingern trug er mehr Ringe als sonst. Ein silbernes Piercing im linken Ohr, das er sonst nicht trug, zwei Ohrringe mehr. Schwarzer Eyeliner an den Augen.
Doch das, was Schalavsky komplett aus der Fassung brachte, waren die Kleider.
Wespe trug nämlich eine enge, schwarze Lederhose sowie eine ärmellose, etwas zerfledderte Lederweste mit unzähligen Pins. Darunter trug er nichts.
Schalavsky starrte auf das Tattoo auf Wespes gut trainierter Brust, auf die dunkle Brustbehaarung, auf die… Er riss den Blick nach oben und wurde von Wespes Grinsen begrüsst.
“Wie sehen Sie denn aus?”, blaffte Schalavsky, bevor Wespe etwas hätte sagen können. Der Inspektor hob als Antwort bloss müde eine Augenbraue und lächelte immer noch.
“Ich soll ein aufstrebender Musiker sein. Schon vergessen? Und dazu gehört auch, dass man sich entsprechend kleidet.”
“Ah. Sind die Musiker heutzutage allergisch gegen Stoff?”
“Pff, Sie sind doch bloss neidisch.”
Schalavsky knurrte und war froh, dass das Geplänkel etwas von der Hitze zurückgedrängt hatte, die sich unter seinem Kragen gesammelt hatte. Als er anfuhr, spürte er Wespes Blick auf sich.
“Was ist los?”, fragte er, ohne den Blick von der Strasse zu nehmen. Wespe zuckte etwas ertappt zusammen.
“Sie sehen anders aus.”
“Das ist der Sinn einer Undercovermission.”
“Haha. Aber irgendwie sehen Sie… rauer aus.”
Schalavsky schnaubte. Was sollte das denn bedeuten?
“Ich habe Sie jedenfalls noch nie mit Bart gesehen”, fuhr Wespe fort. “Und eigentlich auch nicht ohne schickes Hemd. Das da könnten Sie mehr anziehen.”
“Schon gut, Bienert.”
“Ich meine es ernst!”
Schalavsky wusste immer noch nicht ganz, ob er Wespe das glauben sollte. Deshalb sagte er nichts mehr und starrte bloss verbissen auf die nächtliche Strasse. Er verpasste deswegen auch die Blicke, die Wespe ihm aus den Augenwinkeln zuwarf, wie der Inspektor ihn musterte, wie seine Augen über Schalavskys Körper huschten, bei den zurückgekrempelten Hemdsärmeln hängen blieben, wie Wespe mit angehaltenem Atem seine sehnigen Unterarme musterte, dann den Bart. Schalavsky verpasste die leichte Röte, die sich in Wespes Gesicht stahl, wie Wespe einmal leer schluckte, dann selbst wieder nach vorne sah.
Der Keller des Labels war geräumig und in diesem Moment voll mit Menschen. Es wurde getanzt, geschwatzt, connected und ordentlich Substanzen konsumiert. Schalavsky musste sich unter einem wild fuchtelnden Arm ducken, als er mit Wespe im Schlepptau in eine Ecke ging. Die Kostprobe war gut gelaufen, der Labelchef begeistert gewesen. Und Schalavsky musste zugeben, dass Wespe das wirklich gut gemacht hatte. Seine Stimme, seine Präsenz, seine musikalischen Fähigkeiten, das war ja alles an sich schon beeindruckend. Doch ausschlaggebend war wohl gewesen, dass Wespes in diesen Kleidern wirklich verdammt gut aussah und auch eine gewisse Selbstsicherheit ausstrahlte, die ihn ungemein attraktiv machte. Wäre er ein neues Sternchen am Musikhimmel, würden sich Teenager sein Bravoposter sicherlich an die Wand tackern (Nicht, dass Schalavsky je so etwas gemacht hätte. Aber davon gehört hatte er). Und Wespe hatte ihnen mit seinem Auftritt ein Ticket für die Afterparty besorgt.
“Das haben Sie gut gemacht”, flüsterte Schalavsky Wespe auch dementsprechend ins Ohr, als sie in der Ecke bei einem unbesetzten Sessel angekommen waren.
Wespe starrte Schalavsky gespielt entsetzt an und legte sich die Hand auf die nackte Brust. “Was, ein Lob aus Ihrem Mund? Ich werde mir diesen Tag im Kalender rot anstreichen!”
Schalavsky klopfte ihm mit einem Fingerknöchel sanft auf den Kopf. “Dummkopf”, schimpfte er leise. “Sie wissen, wie das gemeint war!”
“Tue ich auch”, gab Wespe zurück und richtete sich selbstgefällig die Haare. Schalavsky folgte gedankenverloren der Bewegung der Finger und verlor irgendwie gerade den mentalen Faden.
Da wurden Wespes Augen plötzlich gross.
“Shit”, fluchte der Kriminalinspektor panisch und zu Schalavskys grosser Überraschung packte Wespe ihn an den Schultern und drehte ihn resolut um. Schalavsky starrte ihn verdattert an, doch noch bevor er etwas hätte sagen können, drückte Wespe ihn auch schon in den Sessel. Jetzt wollte Schalavsky wirklich protestieren ob dieser unsanften Behandlung, da platzierte Wespe ein Knie neben ihm auf den Stuhl und setzte sich in seinen Schoss.
Schalavsky meinte, er würde jetzt wirklich einen Herzinfarkt erleiden.
“Bienert”, zischte er nach einer Schrecksekunde. “Was soll das?”
“Der Typ, der gerade mit dem Labelchef redet, kennt mich”, gab Wespe zurück, seine Lippen so nahe an Schalavskys Ohr, dass es dem Kommissar einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. “Ich war vor einem Jahr bei seiner Verhaftung dabei. Scheisse, wenn der mich erkennt…”
Das war wirklich schlecht. Nein, schlecht war gar kein Ausdruck, das wäre katastrophal. Dabei lief es ja bisher so gut... Schalavsky verzog unmutig das Gesicht und bemühte sich verbissen, zu verdrängen, dass Wespe ihm so verdammt nahe war.
Da spürte er eine Hand auf seinem Rücken und der Kommissar zuckte zusammen, als hätte er sich verbrannt. “Was tun Sie da?”
“Uns tarnen”, gab Wespe leise zurück, aber er klang abgelenkt. “Es ist zu auffällig, wenn wir einfach so da hocken.”
Schalavsky schluckte leer und musste Wespe innerlich zustimmen. Eine doch recht eindeutige Position in der Ecke eines dunklen Raums mit wummernder Musik und anderen Feiernden, die sich schon längst härteren Substanzen als Alkohol zugewandt hatten… Ein Paar wäre da nichts aussergewöhnliches, aber zwei Männer, die peinlich berührt in einer Ecke sassen würden zweifellos auffallen.
“Nehmen Sie ihre Hände hoch”, zischte Wespe auch dementsprechend. Schalavsky schloss kurz flehentlich die Augen und hob dann die Hände, ganz langsam und legte sie auf Wespes Rücken. Spürte das raue Leder der Weste unter seinen Fingern.
“Bin ich nicht Ihr Manager?”, fragte er in einem letzten Versuch, die Situation vielleicht auf eine andere Art zu lösen.
Wespe kommentierte die Frage bloss mit einem amüsierten Schnauben. “Denken Sie wirklich, Sie wären der erste Manager, der was mit einem Musiker anfängt? Das sind doch offene Geheimnisse.”
Bildete sich das Schalavsky nur ein, oder hätten Manager und Musiker auch für andere Worte stehen können? Kommissar und Kollege vielleicht? Oder war das bloss sein verzweifeltes Wunschdenken, das er schon seit längerer Zeit in Wespes Beisein nicht mehr vernünftig abstellen konnte?
“Beobachten Sie ihn”, murmelte Wespe, wieder viel zu nah an seinem Ohr.
Aber Schalavsky war abgelenkt. Zu benebelnd war der Geruch von Wespes Rasierwasser, zu warm war dessen Atem auf seiner Haut, zu drückend die Hitze, die von seinem Körper auszugehen schien. Schalavsky war, als fieberte er, so sehr kreisten seine Gedanken, so warm war ihm, so seltsam unwirklich schien ihm diese ganze Situation.
Er wollte nichts mehr, als seine Nase gegen Wespes Hals zu pressen, ihn zu sich zu ziehen und an sich zu drücken, mit seinen Händen jeden Quadratzentimeter Haut berühren, das Verlangen danach beinahe körperlich schmerzend. Er wollte sich von dem Geruch einlullen lassen, sich in dieser Wärme verlieren. Diesen Moment geniessen, denn der würde wohl nie wieder kommen. Wie würde es sich wohl anfühlen, seine Lippen gegen Wespes Hals zu pressen? Wie würde es sich anfühlen, ihn mit dem Bart zu…
Wespe schnappte erschrocken nach Luft und Schalavsky wurde eiskalt, als er realisierte, dass er gedankenverloren mit der Hand unter die Weste gefahren war, jetzt die nackte Haut am Rücken des Kriminalinspektors berührte.
“Tut mir…”, begann Schalavsky entsetzt und wollte die Hand schon zurückziehen, doch Wespe presste seine Stirn gegen die Schulter von Schalavsky.
“Schon gut”, murmelte er hastig. “Ihre Hand ist bloss kalt. Die sollten Sie aufwärmen.”
Es klang so stichelnd, so sehr wie Wespe, dass etwas von der Anspannung und Nervosität aus Schalavskys Körper herausfloss. Eine Herausforderung hatte in der Stimme mitgeschwungen, vielleicht unbeabsichtigt, doch Schalavsky beschloss, Wespe für bare Münze zu nehmen. Er fuhr mit der Hand höher, spürte die Muskeln unter seinen Fingern. Wespe war kräftig und trainiert, boulderte und bikete in seiner Freizeit leidenschaftlich. Den Beweis dafür hatte Schalavsky schon ein paar Mal gesehen, wenn Wespe zum Beispiel im Rapport schräg vor ihm sass und sich streckte. Oder wenn er ein T-Shirt trug, das seine Oberarme zur Geltung brachte. Aber jetzt mit den Fingern über den Rücken des Inspektors zu fahren, zu spüren, was er sich bislang nur beschämt vorgestellt hatte…
Er hörte, wie Wespe seufzte und dieses Geräusch benebelte seine Sinne noch zusätzlich. Es war eines, sich in Fantasien zu verlieren. Es war ein anderes, seine kalte Hand von warmer Haut aufwärmen zu lassen. Schalavsky presste die Lippen aufeinander und versuchte sich zusammenzureissen. Zu ignorieren, dass da gerade ein Kollege in seinem Schoss sass, der ihm vielleicht dann doch schon seit einiger Zeit den Kopf verdrehte. Der jetzt gerade seine Hand in Schalavskys Nacken legte und ihm dort über die Haare fuhr, der seine Wange an die von Schalavsky legte, die an diesem Abend von dem Bart bedeckt war
“Den sollten sie lassen”, flüsterte Wespe und rieb seine Wange demonstrativ an der von Schalavsky. “Steht Ihnen.”
“Als ob”, gab Schalavsky zurück und war stolz darauf, dass er seine Stimme neutral halten konnte und nichts von dem Sturm mitschwang, der in seinem Inneren tobte. Wespe sagte das sicher nur so, der spielte die Rolle, die er in diesem Moment spielen musste, damit ihr Auftrag nicht gefährdet war. Schalavsky schüttelte innerlich den Kopf und zwang sich, Wespe so gut wie möglich auszublenden und sich auf eben diese Mission zu konzentrieren.
So spähte er über Wespes Schulter hinweg und sah tatsächlich, wie ein grossgewachsener, blonder Mann mit dem Labelchef sprach. Wenn Schalavsky sich nicht täuschte, dann stritten sie leise. Jedenfalls liess ihre Körpersprache darauf schliessen, dass es sich nicht um harmonisches Geplänkel handelte, aber verstehen konnte Schalavsky natürlich nichts. Dafür waren sie viel zu weit weg, die Musik zu laut und eigentlich auch Wespe viel zu nah bei ihm. Selbst wenn die zwei Männer direkt vor ihnen gestanden und sich angeschrien hätten, bezweifelte Schalavsky, dass er viel von dem Gespräch mitbekommen könnte. Doch jetzt zog der Labelchef gerade etwas aus seiner Anzugsjacke, einen kleinen, weissen Umschlag. Steckte ihn dem Blonden zu.
Schalavsky war so in seine Beobachtung versunken, dass er gar nicht gemerkt hatte, wie seine Hand tiefer und tiefer gerutscht war…
Da machte Wespe plötzlich ein Geräusch, eine Mischung aus Seufzen und Stöhnen, das Schalavsky wie einen Stromstoss in jeder Faser seines Körpers spürte. Und ganz besonders an einer bestimmten Körperstelle, die sich bislang zum Glück noch nicht gemeldet hatte.
Das Entsetzen darüber riss ihn aus dieser wattigen Unwirklichkeit und liess ihn hastig seine Hand zurückziehen. Scheisse, warum hatte er nicht besser aufgepasst, warum hatte er sich so treiben lassen, warum hatte er sich auch nur für einen Moment eingebildet, dass das okay war?
Zum Glück tat ihr Verdächtiger in diesem Moment einen Gefallen, zischte noch etwas zu dem Typ mit Sonnenbrille und ging dann mit forschem Schritt zu einer der Türen hinüber.
“Ich folge der Zielperson”, flüsterte er in Wespes Ohr und schob ihn unsanft zur Seite, damit er aufstehen konnte. Das war vielleicht unhöflich, aber Wespe sollte ja nicht mitbekommen, dass Schalavsky ein kleines Problem hatte. Denn Schalavsky wollte sich gar nicht ausmalen, welche Hölle dann los wäre… Wenn Wespe Glockner davon erzählen würde, dann könnte Schalavsky seine Sachen packen. Denn wer wollte schon einen Kollegen, der bei einer Undercovermission nicht sachlich bleiben konnte, der sich stattdessen von völlig absurden Gefühlen leiten liess? Der schon wiederholt einen anderen Kollegen völlig unangebracht angefasst hatte? Wespe hatte allen Grund, ihn mittlerweile bei der Dienstaufsicht zu melden. Schalavsky wurde schlecht bei diesem Gedanken und er biss die Zähne zusammen. Deshalb schob er diesen Gedanken auch hastig zur Seite. Später. Erstmal musste er die Mission zu Ende führen, später konnte er sich wieder selbst dafür hassen, dass er sich nicht gut genug unter Kontrolle hatte.
Und im Ignorieren von Gefühlen war er gut. Schliesslich hatte er ein Leben lang Übung darin.
Eine halbe Stunde hatte Schalavsky alle Informationen, die er brauchte und er war auch körperlich wieder dazu bereit, Wespe gegenüberzutreten. Diesen fand er schliesslich immer noch am gleichen Ort, wo er es sich auf dem Sessel bequem gemacht hatte und gerade mit einer jungen Frau plauderte.
“Ah”, sagte er, als Schalavsky näher trat. “Da kommt mein Manager. Jetzt geht es ums geschäftliche.”
Irgendwie klang geschäftliche so grässlich ironisch und zumindest die Frau lächelte auch etwas wissend.
“Na dann”, sagte sie und bildete sich Schalavsky das Zwinkern in dem schummrigen Licht nur ein? Jedenfalls verschwand sie kurz darauf und zurück blieben nur Wespe und Schalavsky.
“Auch wieder da?”
Jetzt klang Wespe aber wirklich etwas verstimmt. Schalavsky bemühte sich, seinen Unmut zu schlucken und um eine feste Stimme. “Ich habe gesehen, wie er einen Umschlag mit Geld versteckt hat”, flüsterte Schalavsky. “Draussen. Ich habe es gefilmt. Damit haben wir Beweise.”
Wespe wirkte kurz verdutzt, dann lächelte er. “Voller Erfolg”, sagte er. Doch dann verschwand sein Lächeln und er musterte Schalavsky viel zu ernst für das sonst so fröhliche Gesicht.
“Ist was?”, fragte Schalavsky schliesslich, als er dieses ernste Gesicht nicht mehr ertrug.
“Das sollte ich Sie fragen.”
Verdammt, hatte Wespe etwas bemerkt? Schalavsky wurde eiskalt und er bemühte sich um Fassung, verpasste seinem Gesicht eine kühle Maske.
“Wir haben getan, was getan werden musste, um den Auftrag zu erfüllen”, sagte er trocken. “Das war alles für die Mission.”
Eine seltsame Verwandlung ging über Wespes Gesicht. Unglauben, Schmerz, Enttäuschung und schliesslich Wut. Verdattert starrte Schalavsky ihn an, doch da war Wespe auch schon aufgestanden. “Verstanden. Na dann, Auftrag erfüllt”, zischte der Kriminalinspektor giftig und ohne ein weiteres Wort schulterte er sich an Schalavsky vorbei. Dieser blieb noch für einen Moment verdattert stehen. Dann rieb er sich mit beiden Händen über das Gesicht, über den so ungewohnten Bart, von dem Wespe früher am Abend behauptet hatte, er solle ihn doch lassen.
Das war definitiv das Falsche gewesen. Wespes Reaktion sprach doch Bände. Doch Schalavsky wusste beim besten Willen nicht, was denn Richtig gewesen wäre.
Als Kommissar Glockner zwei Tage später in den Pausenraum kam, stand Kommissar Schalavsky an der Kaffeemaschine und rührte gerade in seinem Kaffee, obwohl er den wie immer schwarz trank.
“Glückwunsch”, sagte Glockner zufrieden. “Kocher hat gestanden. Damit wäre zumindest dieser Arm des Syndikats abgehackt.”
“Toll”, sagte Schalavsky, doch er klang müde. Und irgendwie auch abgelenkt.
Glockner musterte ihn dementsprechend auch etwas verdutzt. “Sie haben den Bart aber schnell abrasiert”, sagte Glockner schliesslich gedehnt.
“Ich mag das Zeug nicht”, murmelte Schalavsky und trank noch einen Schluck. Wie zur Bestätigung fuhr er sich gedankenverloren mit der Hand über die Wange und dann über den Nacken.
“Wie war es denn mit Bienert?”
“In Ordnung.”
Glockner wartete noch eine Sekunde, dann hob er etwas skeptisch eine Augenbraue. “In Ordnung?”
“Ja, lief alles gut”, sagte Schalavsky knapp. Noch ein Schluck, doch er begegnete Glockners Blick nicht. Von Wespe hatte Glockner vor einer Stunde eine ähnlich knappe Antwort gekriegt. Man musste kein Genie sein, um zu verstehen, dass die beiden Kriminalisten gerade irgendwie schlecht aufeinander zu sprechen waren. Aber wenn sie nicht darüber sprechen wollten, dann würde man sie auch nicht dazu zwingen können. Da waren beide ausgesprochene Sturköpfe. Und leider in anderen Aspekten auch…
“Ich muss wieder an die Arbeit”, sagte Schalavsky kurz angebunden. “Der Bericht. Bis später dann.”
“Tschüss”, sagte Glockner verdutzt, da war Schalavsky auch schon an ihm vorbeigegangen, die Schultern uncharakteristisch gesenkt.
Glockner gestattete sich in dem leeren Pausenraum ein frustriertes Schnauben.
Was für zwei hoffnungslose Fälle!
Kapitel 5: Blutbefleckt
Manchmal kam man zu spät. Das gehörte zum Job dazu. Aber als Klaus Schalavsky am Tatort ankam, kniete Inspektor Bienert noch neben dem unbeweglichen Körper, fluchend und mit dieser verzweifelten Hoffnung ausgestattet, die Wespe hoffentlich niemals ganz verlieren würde.
Nur der Arzt konnte jemanden für tot erklären. Deshalb drückte man weiter, selbst wenn der Verstand wusste, dass es da nichts mehr zu retten gab.
Wespes Hemd war voller Blut. Vorher war es gelb-schwarz gestreift gewesen, ein älteres Stück, das der Inspektor gerne trug und zu seinem Spitznamen passte. Jetzt war es rot. Der Junge hatte im Todeskampf offensichtlich nach ihm gegriffen, hatte Wespe ein Hemd aus Blut verpasst.
„Ich übernehme“, sagte Schalavsky und streifte die Einmalhandschuhe über, denn das war das Einzige, was er tun konnte. Weiterdrücken, bis die Notärzte eintrafen. Bis sie sagten, dass es da nichts zurückzuholen gab.
Wespe schlang die Arme um den Oberkörper und beugte sich nach vorne. Er stiess einen erstickten Schrei aus und Schalavsky zog sich das Herz zusammen. Am liebsten hätte er über den stillen Körper gegriffen, hätte Wespe zu sich gezogen, doch jetzt musste noch weitergearbeitet werden, egal wie sehr er sich jetzt lieber um Wespe gekümmert hätte.
Die Notärzte trafen drei Minuten später ein. Und Schalavsky packte Wespe am Arm, zog ihn hoch und führte ihn weg.
Der Inspektor zitterte am ganzen Körper. Adrenalin pumpte ihm zweifellos noch durch jede Ader und Schalavsky spürte die Anspannung unter seiner Hand. Deshalb griff er noch beherzter zu und führte Wespe weiter, immer weiter. Weg von dem toten Jungen, nicht einmal so alt wie TKKG. Hatte Wespe zum ersten Mal realisiert, dass es eines Tages auch einer von ihnen sein könnte?
Eine weitere Notärztin kam angerannt. Schalavsky wollte Wespe schon loslassen, ihn ihr überlassen, doch Wespe griff nach seinem Handgelenk. Schalavsky sah verblüfft nach unten, dann in Wespes Gesicht.
Wespe sah ihn aus grossen, flehenden Augen an. Lass mich nicht allein, schrie dieser Blick, der eiserne Griff um das Handgelenkt. Schalavsky nickte überrumpelt und beschloss, stehen zu bleiben.
Wespe zog den Pullover und die Hosen aus, stopfte sie in einen der Müllsäcke. Er warf die Einmalhandschuhe weg, die er sich übergestreift hatte, Schalavsky seine auch. Wespe wusch sich das Gesicht mit dem mitgebrachten Wasser, dann die Arme und nahm schliesslich von der Notärztin mit einem knappen Nicken ein Set Wechselklamotten entgegen, zog die grauen Jogginghose und das graue Shirt an.
Fremd sahen diese Farben an Wespe aus. Aber genauso fremd war dieser apathische Gesichtsausdruck, diese starren Augen. Und Schalavsky verfluchte sich dafür, dass er auch nur für eine Sekunde überlegt hatte, Wespe allein zu lassen.
„Kommen Sie“, sagte er, nachdem die Notärztin mit ihrer Untersuchung fertig war und Wespe mit einem Nicken entlassen hatte.
Wespe liess sich auf die Beine ziehen und lehnte sich sogleich gegen Schalavsky. Dieser tätschelte ihm etwas unbeholfen die Schulter und führte ihn dann sanft weg. Zu seinem Polizeiauto, etwas abseits gelegen.
Einsatzleiter war Kommissar Wimmel, dem Schalavsky mit Handzeichen zu verstehen gab, dass er sich um Wespe kümmern würde. Wimmel bestätigte ihm das mit einem Daumen nach oben. Dann sah der Kommissar wieder zu dem Haus, wo gerade von den Notärzten auf einer Bahre ein schwarzer Leichensack herausgetragen wurde. Schalavsky beeilte sich, sich umzudrehen, damit er sicher gehen konnte, dass Wespe nicht zurückblickte. Doch der Inspektor sah auf seine Schuhe, die Schultern gesenkt, als würde ihn die letzten Stunden physisch niederdrücken.
„Alles in Ordnung?“, fragte Schalavsky und verzog sogleich das Gesicht. Wie dumm. Natürlich war es nicht in Ordnung.
Wespe würdigte die Frage auch mit einem freudlosen Lächeln, das mehr etwas von einer Grimasse hatte.
„Das meinen Sie aber jetzt nicht Ernst, oder?“, gab er matt zurück.
Schalavsky wusste nicht ganz, was er sagen sollte, weshalb er Wespe zu der Beifahrerseite führte. Doch noch bevor er die Tür hätte öffnen können, legte Wespe sich die Hände auf die Oberschenkel, lehnte sich nach vorne und machte ein würgendes Geräusch, als müsse er sich übergeben. Schalavsky zuckte zusammen und griff instinktiv nach Wespe, stützte ihn. Wespe ging in die Knie und Schalavsky folgte ihm, sein Herz wild pochend. Sollte er nach den Notärzten rufen?
Wespe nahm ihm die Entscheidung ab, indem er ihn umarmte. Schalavskys Atem stockte und das nicht nur, weil Wespe ihn mit seinen - doch recht starken - Armen so umschlang, als möchte er ihn zerdrücken. Er hob die Schultern etwas, damit er Wespes eisernen Griff lockern konnte, damit er sich mit dem Rücken gegen das Polizeiauto hocken konnte, Wespe mit sich ziehend.
Wespe presste sein Gesicht gegen Schalavskys Hemd und Schalavsky sah in dem Zucken seiner Schultern, dass er weinte. Schalavskys Herz zog sich bei diesem Anblick zusammen und er konnte nichts anderes tun, als seine Arme um Wespe zu legen und ihn festzuhalten.
Es war nichts Neues für ihn, er hatte das schon oft gesehen. Schock. Manchmal kam er sofort, manchmal verzögert, manchmal mit Tränen, manchmal mit Wut. Einige rissen sich die Haare aus, andere lachten, wieder andere zogen sich zurück, sprachen kein Wort. Ertränken ihre Sorgen Stunden später in Alkohol oder drückten das Gaspedal des Autos durch.
Er hatte nicht gewusst, wie Wespe reagieren würde. Noch nie hatte er Wespe blutbefleckt gesehen.
Schalavsky war nicht sonderlich gut darin, Menschen zu trösten. Die richtigen Worte fand er nur selten. Er stellte lieber sicher, dass andere gar nicht erst in diese Situationen kamen. Dann halt lieber selbst den Kopf herhalten, selbst einen Schlag kassieren, selbst die Verwesung und den Tod riechen.
Wespe verstärkte den Griff, drückte sich gegen Schalavsky, als ob er mit dessen Körper verschmelzen möchte. Als wären Schalavskys Arme irgendwie ein Schutzschild gegen das, was er gerade gesehen hatte. Deshalb griff Schalavsky noch fester zu, zog Wespe zu sich, so dass Wespe wieder fast in seinem Schoss sass, so wie er es damals während ihrer Undercovermission getan hatte.
Hinter ihnen, hinter dem Polizeiauto wuselten Kollegen herum, doch alles geschah ohne Hast. Mit Blaulicht war eine Ambulanz davongefahren, eine weitere langsamer gefolgt. Dennoch war Schalavsky, als wäre das alles meilenweit entfernt. Jetzt in diesem Moment existierte in Schalavskys Welt nur der weinende Wespe.
Schalavsky schloss die Augen und vergrub sein Gesicht in Wespes Haaren. Nahm eine Hand hoch und strich ihm beruhigend über den Kopf. Das schien richtig, denn langsam verebbten die Schluchzer, das Zucken der Schultern nahm ab, Wespes eiserner Griff wurde etwas sanfter.
“Geht’s?”, fragte Schalavsky leise und strich Wespe über den Hinterkopf.
“Besser”, krächzte Wespe matt. “Sorry, ich rotz Ihnen das Hemd voll.”
“Schon gut”, murmelte Schalavsky. Noch einmal strich er Wespe durch die Haare und der Inspektor drückte als Antwort seinen Kopf gegen Schalavskys Brust. Wie lange sie so sitzen blieben, wusste Schalavsky nicht, doch langsam beruhigte sich Wespes Atem.
Gerne wäre Schalavsky weiter so dagesessen, hätte Wespe noch ewig sanft durch die Haare gestrichen, um diese Dämonen fernzuhalten, doch sein rechtes Bein schlief langsam ein.
“Können Sie aufstehen?”, fragte er deshalb.
Wespe nickte. Dennoch schien er fast etwas widerwillig das eine Bein über Schalavsky zu schwingen. Schalavsky liess sich von Wespe auf die Beine ziehen und klopfte sich die Hosen sauber. Dann liess er Wespe in das Auto einsteigen und setzte sich selbst auf die Fahrerseite.
Sie waren gerade von dem Platz gefahren, als Wespe sich leise räusperte.
“Das war peinlich.”
“War es nicht!”, konterte Schalavsky, so vehement, dass Wespe verdutzt zu ihm hinübersah. “Es ist gut, dass Sie das rauslassen können”, sagte er schliesslich.
“Können Sie das nicht?”
“Es geht jetzt hier gerade nicht um mich”, sagte Schalavsky sachlich und warf Wespe einen bedeutungsschweren Blick zu. “Geht es Ihnen gut?”
“Den Umständen entsprechend”, antwortete Wespe, doch Schalavsky glaubte ihm das nicht ganz, zu forciert war sein Lächeln, zu leer dieser Blick.
“Möchten Sie mit der Psychologin sprechen?”
“Nein”, sagte Wespe, schärfer als beabsichtigt, denn er setzte ein leiseres “das muss ich nicht”, hinterher.
“Sind Sie sicher?”
“Sind Sie jetzt mein Vater?”
“Würde der Sie denn zum Psychologen schleifen?”
Jetzt lachte Wespe und Schalavsky war, als würde ihm bei diesem Geräusch ein Stein vom Herzen fallen. Jetzt lächelte Wespe und dieses Mal wirkte es schon fast ehrlich.
“Dann fahre ich Sie nach Hause”, bestimmte Schalavsky.
“Nicht ins Präsidium?”
“Nein”, antwortete Schalavsky. “Morgen können Sie auch noch Ihre Aussage machen. Ich informiere Glockner.”
Schalavsky tat dann auch genau das. Der Funkspruch war kurz, Glockner verständnisvoll.
“Dann bis Morgen, Bienert. Passen Sie auf ihn auf, Schalavsky. City 21 Ende.”
“City 7 verstanden. Ende.”
“Haben Sie das gehört? Sie sollen auf mich aufpassen. Also sind Sie wohl doch zu meinem Vater aufgestiegen”, wiederholte Wespe, fast schon etwas stichelnd.
Schalavsky hätte zu einem anderen Zeitpunkt wohl geseufzt, die Augen verdreht. Aber in diesem Moment war er einfach nur so erleichtert darüber, dass Wespe nicht mehr weinte, dass er einfach nur fein lächelte. “Befehl von oben”, sagte er. “Dem muss ich wohl Folge leisten.”
“Dann kutschieren Sie mich jetzt nach Hause? Auf Aufforderung von Glockner hin?”
“Für Sie würde ich das auch sonst tun”, murmelte Schalavsky abgelenkt, denn er hatte gerade einen Radfahrer im Blick, der sich nicht ganz sicher war, ob er jetzt links oder rechts abbiegen sollte.
Wespe musterte Schalavsky überrascht, dann lächelte er sanft. Beides bemerkte Schalavsky nicht, denn er sah konsequent auf die Strasse. Schliesslich sah Wespe aus dem Seitenfenster, legte die Stirn gegen das Glas und schloss die Augen.
Schalavsky wusste, wo Wespe wohnte. Er hatte ihn schon zweimal für einen Einsatz von dort abholen müssen. Aber während diesen Fahrten hatte Wespe die Stille immer mit Gesprächen und Witzen gefüllt, auch wenn Schalavsky sich damals gewünscht hatte, er würde doch bitte etwas weniger reden. Jetzt sehnte er sich nach dem redseligen und witzelnden Wespe, denn der ihm war tausendmal lieber als dieser nachdenkliche Wespe, der jetzt gerade neben ihm sass. Schalavsky wusste jedoch selbst auch nicht, was er denn sagen sollte, um diese Stille in dem Auto zu durchbrechen, weshalb er schwieg. Und wieder war er sich bewusst, dass das zweifellos falsch war.
Sie kamen bei Wespes Wohnung an. Wespe blinzelte und wandte Schalavsky dann langsam den Kopf zu. “Kommen Sie noch schnell mit rauf?”
Da war etwas seltsames in seiner Stimme, das Schalavsky aufhorchen liess, ihn in Alarmbereitschaft versetzte. Deshalb nickte er. Folgte Wespe in den zweiten Stock.
“Sind Ihre Mitbewohner nicht da?”, fragte Schalavsky, als Wespe die dunkle Wohnung aufschloss.
“Nein. Beide fürs Wochenende weggefahren.”
Schalavsky folgte Wespe in die Wohnung und kaum hatte er die Tür hinte sich geschlossen, als Wespe ihn auch schon packte, gegen die Tür drückte und küsste.
Schalavsky war darüber so verdutzt, dass er zunächst gar nicht reagierte. Dann schloss er die Augen und liess sich von der Sensation treiben, genoss das Gefühl von Wespes Lippen auf seinen, von den Händen in seinem Hemd. Eine Sekunde, nur eine Sekunde, liess er sich treiben. Doch dann holte ihn die Realität ein und er stiess Wespe von sich weg.
Der Inspektor stolperte rückwärts, fing sich wieder und starrte Schalavsky dann an.
„Das ist eine dumme Idee“, sagte Schalavsky schliesslich in die drückende Stille.
Die Verwirrung auf Wespes Gesicht machte einem Ausdruck Platz, den Schalavsky am besten als Welpe-der-gekickt-wurde beschrieben hätte.
„Wenn Sie nichts von mir wollen, ist das okay“, sagte Wespe und seine Stimme klang roh und blutend. „Aber hören Sie auf, mir solch verwirrende Signale zu senden.“
„Ich…“, begann Schalavsky, doch er wusste nicht weiter. Wespe ballte eine Faust an seiner Seite und seine Stimme klang belegt als er weitersprach.
„Sie legen mir die Hand auf den Oberschenkel und rennen dann weg, Sie umarmen mich, streichen mir über den Rücken, berühren mich, dann stossen Sie mich weg. Dann kümmern Sie sich um mich, halten mich, fahren mich nach Hause… Hören Sie auf, mir gottverdammt nochmal Hoffnung zu machen!“
Die letzten Worte hatte Wespe lauter gesagt als beabsichtigt und schien etwas überrascht über sich selbst zu sein. Schalavsky starrte ihn seinerseits an.
„Das ist das Trauma“, sagte er beschwichtigend. „Sie wollen nicht…“
„Herrgott!“, stiess Wespe genervt aus, was Schalavsky sogleich verstummen liess. Wespe raufte sich frustriert die halblangen Haare und machte sie damit noch wilder als sonst. „Hören Sie auf, mich zu bevormunden! Hören Sie auf, mir Worte in den Mund zu legen! Was, wenn ich Sie küssen will? Schon seit langem? Und ich dachte… dass Sie auch…“
Wespe sprach nicht weiter. Stattdessen sah er zur Seite, tat einen tiefen Atemzug. Schalavsky starrte ihn an, dieses so vertraute Gesicht, das jetzt ganz ungewohnte Emotionen präsentierte. Schmerz, Enttäuschung, Resignation.
Wespe wollte ihn also küssen. Schalavskys Herz tat einen Sprung bei diesem Gedanken.
„Ich bin zu alt für Sie“, wiegelte er trotzdem ab, sein Rücken immer noch gegen die Tür gelehnt. Gegen die Wespe ihn vor einigen Minuten noch gedrückt hatte. Was, wenn Schalavsky das zugelassen hätte, die nervige Stimme in seinem Inneren niedergerungen? Wären Sie dann schon in Wespes Schlafzimmer?
Wespe schnaubte missbilligend. „Da ist es schon wieder!“, beklagte er. „Keine klare Antwort. Drücken Sie sich nicht so umständlich aus, Herr Kollege! Das ist eine Ja Nein Frage, keine wissenschaftliche Abhandlung.“
Jetzt spürte auch Schalavsky, wie Wut in ihm aufstieg. Wespes Gefühlswelt mochte simpler sein als die von Schalavsky, wurde nicht von den gleichen Stürmen heimgesucht.
„Wir arbeiten zusammen, es gibt so etwas wie eine Dienstordnung“, konterte Schalavsky.
Wespe lachte bitter und verwarf die Hände. „Ja genau, die ach so heilige Dienstordnung! Ihr Schwert und Ihre Rüstung! Dahinter können Sie sich verstecken, denn was nicht sein darf, ist nicht, oder wie? Mann, ich will doch bloss eine Antwort von Ihnen, von Klaus Schalavsky, nicht von Kommissar Schalavsky!“
Aber diese beiden Männer waren untrennbar miteinander verbunden, einer der andere. Und momentan versuchten beide, den jeweils anderen zu ersticken, obwohl es ihr eigener Untergang bedeutete.
„Warum ich?“, brachten beide Schalavskys schliesslich hervor, eine Frage, die ihm schon seit Ewigkeiten auf der Zunge brannte. Eigentlich seit Wespe ihm das Wasser gebracht hatte. Das Eis gekauft.
Die Frage schien viel von der Wut zu verpuffen, die Wespe noch vor einigen Sekunden gespürt hatte. Stattdessen nistete sich jetzt ein verdutzter Ausdruck auf seinem Gesicht ein.
„Was?“
„Warum ich?“, wiederholte Schalavsky, immer noch das solide Gewicht der Tür im Rücken. „Sie könnten so viel Bessere haben. Warum jemand wie ich? Ich weiss doch, dass ich ernst bin, auf die Dienstordnung poche… Es gäbe tausende, ach was, Millionen, die besser für Sie wären. Sie haben jemand besseres verdient!“
Wespe starrte ihn an, als ob ihm ein zweiter Kopf gewachsen wäre. Und jetzt, da Schalavsky diesen Damm gebrochen hatte, konnte er die Worte nicht mehr zurückhalten. „Sie sind so clever, so jung, so… so voller Lebenslust. Sie lassen sich nicht vorschreiben, wie Sie zu sein haben. Einer wie ich würde Sie doch bloss runterziehen. Wie… wie könnte ich Ihnen das antun?“ Er sah zur Seite. „Egal, wie sehr ich es vielleicht möchte.“
Schalavsky sah aus den Augenwinkeln die Bewegung. Sah, wie Wespe einen Schritt auf ihn zumachte. Spürte, wie sein Gesicht in sanfte Hände genommen wurde, wie Wespe seinen Kopf drehte und ihn zwang, ihm ins Gesicht zu sehen.
Wespes Blick aus braunen Augen war sanft, verständnisvoll und irgendwie auch… traurig.
„Sie denken, Sie verdienen mich nicht?“, fragte er leise.
Schalavsky wusste darauf keine Antwort. Stattdessen starrte er bloss in Wespes Augen. Die Wärme der Hände benebelte seine Sinne. Trotzdem nickte er.
„Als ich es realisiert habe, dass ich mich in Sie verliebt habe (Schalavskys Atem stockte bei dem Wort verliebt), da dachte ich mir schon Nein, warum er?‘“, begann Wespe. Schalavsky schnaubte freudlos, doch Wespe verstärkte den Griff nur noch. „Vielleicht haben wir oberflächlich nicht viel gemeinsam. Aber… Sie sind treu. Gewissenhaft. Sie tun, was getan werden muss, vielleicht nicht ohne sich ordentlich auf dem Weg dorthin zu beschweren, aber Sie tun es! Sie bleiben Ihren Prinzipien treu und Sie sind so verdammt aufopferungsvoll!“ Jetzt griff Wespe zu, als möchte er Schalavsky nie wieder loslassen. Zwischen seinen warmen Händen behalten für den Rest der Zeit. „Sie stellen sich selbst an letzte Stelle, weil Sie denken, dass das Ihre Pflicht verlangt. Aber bitte, bitte, opfern Sie sich nicht selbst, nur weil Sie denken, es sei das Richtige. Verdammt, Sie sind doch nicht Atlas!“
Schalavsky war darüber so verdutzt, dass er Wespe einfach nur anstarrte. „Sie kennen den Mythos von Atlas?“
Jetzt lachte Wespe und das Geräusch wärmte Schalavskys Herz. Wespes Griff wurde sanfter, seine Daumen strichen über Schalavskys Wangen.
„Kommissar Schalavsky sagt, das sei gegen die Dienstordnung“, murmelte Wespe. „Aber was sagt Klaus?“
Klaus sagte gar nichts. Klaus lehnte sich nach vorne und küsste Wespe.
Wespe seufzte gegen seine Lippen, zog ihn mehr zu sich herunter, griff nach seinem Gesicht, als möchte er Schalavsky davon abhalten, wieder einmal davonzurennen.
Schalavsky dachte immer noch, dass das eine dumme Idee war. Dass er Wespe eigentlich nicht küssen sollte, dass er jetzt vorhin ein Machtwort hätte sprechen sollen. Ein besserer Mann hätte das wohl getan. Aber verdammt, Schalavsky wollte Wespe küssen. Wollte die warme Haut wieder unter seinen Fingern spüren, wollte ihm diese grässlichen Kleider, die nicht zu ihm passten, ausziehen und jeden Quadratzentimeter Haut kartographieren, bis er sie auswendig kannte.
Er zog an Wespes Pullover und Wespe unterbrach den Kuss nur widerwillig, damit Schalavsky ihm das Kleidungsstück hastig abstreifen konnte.
„Sie verlieren keine Zeit“, murmelte Wespe atemlos, aber er klang nicht unzufrieden. Im Gegenteil sogar. Schalavsky antwortete nicht. Eigentlich hatte er schon viel zu viel Zeit verloren. Hatte sich in seinem Leben schon so viele Dinge nicht gestattet. Hätte auch seine Gefühle für Wespe nicht zugelassen, wenn Wespe nicht so hartnäckig geblieben wäre. Deshalb presste er dankbar seine Lippen gegen Wespes Hals. So wie er es im Nachtclub am liebsten getan hätte. So wie er es in seinen viel zu vielen schwachen Momenten vorgestellt hatte, zu tun.
„Tiefer“, mahnte Wespe ihn und schob Schalavskys Kopf etwas weiter. „Sonst hat Glockner morgen Fragen.“
Schalavsky brummte bestätigend. Vielleicht hätte der Gedanke an Glockner ihn aus dieser Situation herausreissen sollen. Dieses Mal tat er es jedoch nicht, stattdessen küsste er Wespes Schulter, fuhr mit seinen Händen über Wespes Rücken, den er schon einmal so unter den Fingern gespürt hatte. Damals hatten sich die Berührungen gestohlen und hastig angefühlt. Jetzt waren sie langsam, bewusst.
Wespe wollte das, wollte ihn! Schalavsky beschloss, für einmal selbstsüchtig zu sein und dieses Geschenk anzunehmen, es gegen seine Brust zu drücken und wie ein trotziges Kind nicht wieder hergeben zu wollen. Wespe hätte einen anderen verdient, dennoch, dennoch, ausgerechnet ihn auserkoren. Und Schalavsky würde verdammt sein, wenn er zuliess, dass Wespe seine Wahl bereute.
Wespe zog ihm das Hemd aus der Hose, nestelte hastig an den Knöpfen, presste einen Kuss gegen Schalavskys Ohr, gegen die Wange.
„Ich hätte Sie im Club küssen sollen“, murmelte Wespe keuchend, Knopf um Knopf mehr Haut offenbarend. „Mit dem Bart. Ich frage mich immer noch, wie der sich anfühlt.“
„Ich kann mir wieder einen stehen lassen“, gab Schalavsky zurück, während er mit den Händen über Wespes Seite fuhr, was den Inspektor wohlig erschaudern liess. „Dann wissen Sie’s.“
Wespe brummte zufrieden. Dann zog er auffordernd an Schalavsky. Eindeutig. Hungrig. Schalavsky liess sich bereitwillig mit sich ziehen.
Als Wespe ihn auf das Bett schubste, auf ihn kletterte, da umschlang Schalavsky ihn. Drückte Wespe gegen sich, genoss die Wärme, die durch seine Haut zu dringen schien, sein Herz umschloss und seinen ganzen Körper fiebrig warm werden liess.
Wespe küsste ihn noch einmal, sanfter, als Schalavsky es in dieser Situation erwartet hätte.
“Ich werde mein bestes geben, damit du das nicht bereust”, murmelte Wespe. Schalavsky hätte beinahe gelacht. Hatte er nicht etwas ähnliches vor einigen Minuten gedacht? Deshalb griff er Wespes Gesicht und küsste ihn noch einmal. Versuchte die kleine, nagende Stimme in seinem Hinterkopf zu ersticken, die nie ganz Ruhe zu geben schien.
Und als Wespe seine Hand tiefer wandern liess, zugriff, da war es in Schalavskys Kopf endlich einmal still. Zurück blieb nur Wespe.
Epilog: Freund
Zwei Stunden später starrte Klaus Schalavsky an die Decke.
Der Lärm der nächtlichen Grossstadt drang durch die Fenster, die schlechter isolierter waren, als die in Schalavskys Wohnung. Doch nicht nur deshalb konnte er nicht schlafen. Nein, der Grund für seine Schlaflosigkeit lag neben ihn, hatte einen Arm über seine Brust geworfen und den Kopf in seine Armbeuge gekuschelt.
Normalerweise blieb Schalavsky nicht lange genug, um zu kuscheln. Aber normalerweise hatte er sich auch gut genug im Griff, um nicht mit einem Kollegen ins Bett zu steigen. Mit einem Kollegen, in den er - gottverdammt nochmal - sogar verliebt war.
Schalavsky war es sich gewohnt, dass seine Liebe unerwidert blieb. Die wenigen Schwärmereien in der Schule, der Kollege auf der Polizeischule, einer der Jungen aus dem Handballclub seiner Jugend. Dann noch sein Mentor in seiner zweiten Abteilung, der immer nur mit einem Mundwinkel gelächelt hatte und Schalavsky einmal einen ‘guten Mann’ genannt hatte. Und eigentlich auch für eine kurze Zeit Kommissar Glockner, der wohl der heimliche Schwarm und Traum schlafloser Nächte ihrer gesamten Abteilung war.
Gemein war diesen Männern, dass sie seine Gefühle nie erwidert hätten. Es war Schalavskys Sicherheitsnetz, diese Gewissheit. Zwar konnte sein Herz vor Sehnsucht hüpfen bei einem Wort, einem Blick, doch er musste niemals etwas tun. Er war geborgen in dieser Einsamkeit, dieser Distanz, denn wenn es von Anfang an aussichtslos war, dann musste er es gar nicht erst probieren. Lief nicht in Gefahr, sich zu offenbaren, verletzlich zu machen.
Und dann schulterte sich Wespe in sein Leben.
Wespe, der halt eben doch auf Männer stand. Aber doch sicherlich nicht auf Männer wie Schalavsky. Eingeredet hatte er das sich, bis er es selbst geglaubt hatte. Hätte sich auf ewig damit begnügt, auch hier wieder auf Distanz zu bleiben, bis dieses kleine, nervige Gefühl namens Liebe wie gewohnt ausbrannte.
Doch Wespe blieb. Nicht nur das, Wespe war auch hartnäckig. Je mehr er stichelte, triezte, foppte, desto mehr schien sich Schalavskys Herz an ihn zu klammern. Desto schwieriger wurde es von Mal zu Mal, Wespe wegzustossen.
Heute hatte er es getan. Physisch sogar. Doch selbst da war Wespe geblieben. Obwohl Schalavsky ihn ganz sicherlich nicht verdient hatte.
“Ich kann dich Denken hören”, murmelte Wespe unterbrach damit sein Gedankenkarussell. Sein Kopf kuschelte sich noch etwas mehr in Schalavskys Armbeuge und er legte Schalavsky die Hand auf die Brust. “Was ist los?”
“Normalerweise bleibe ich nicht”, flüsterte er wahrheitsgemäss.
Wespe hielt kurz inne. “Echt nicht?”
Schalavsky schüttelte den Kopf. Jetzt sah Wespe ihn von unten an, das spürte er, doch er nahm den Blick nicht von der Decke. Wespes nächste Worte waren vorsichtig.
“Hattest du denn schon einmal einen Freund?”
Schalavsky presste die Lippen aufeinander. Freund. Eine feste Beziehung. Das, was er sich nie gestattet (erträumt?) hatte.
“Nein”, sagte er schliesslich und das Wort war schwer auf seiner Zunge. Zu viel Geschichte, zu viel Wahrheit, zu viel Schmerz steckte hinter diesem Wort. Die tausend Gründe, warum es eben doch ein Nein war, untrennbar mit ihm verbunden.
“Oh”, machte Wespe und Schalavsky spürte, wie seine Ohren rot wurden. Wespe war ihm trotz seines jüngeren Alters in dieser Hinsicht meilenweit voraus. Weil er halt eben nicht Schalavsky war, nicht sein Leben gelebt hatte. Fühlte sich deshalb dieses Nein wie eine Beichte an? Weil es viel zu viel über ihn aussagte?
Es war eines, die Kleider auszuziehen. Es war ein anderes, sich sein Herz aus der Brust zu reissen und es einem anderen auf den Knien zu offenbaren.
“Möchtest du es denn versuchen?”, fragte Wespe mit einer Stimme, als möchte er die Worte nicht zu weit von seinem Mund weglassen. Jetzt blickte Schalavsky verdutzt zu Wespe, der ihn aus aufrichtigen, braunen Augen ansah. Augen, die Schalavsky nie ganz aus seinen Tagträumen hatte verbannen können.
Schalavsky schluckte einmal leer. Vor dieser Nacht hatte er sich tausend Gründe zusammengelegt, warum das eine dumme Idee sei, warum das sowieso nie etwas werden könnte, egal wie sehr er es sich wünschte. Doch Wespe hatte sein bestes getan, diese Einwände und Beanstandungen wegzuküssen. Einmal mutig sein. Über seinen eigenen Schatten springen.
“Gerne”, antwortete er, obwohl er vor diesem Wort Angst hatte wie vor keinem anderen.
Wespes Strahlen vertrieb einige der dunklen Wolken. Und um den Rest endgültig zu vertreiben, küsste Schalavsky ihn.
Glockner wusste, dass Schalavsky sich nicht an die Autofahrt erinnerte. Denn sonst hätte der sich am nächsten Tag um Glockner herum ganz anders verhalten. Nein, Schalavsky wusste sicher nicht mehr, dass ihm bei seinem Leidklagen einmal der Name Wespe herausgerutscht war.
Glockner würde behaupten, dass scharfes Beobachten bei ihm zur Berufskrankheit geworden war. Deshalb hatte er auch schon lange, wohl als Einziger, gesehen, wie Schalavskys Blick immer länger auf Wespe verweilte, wenn dieser meinte, er wäre unbeobachtet. Wie Schalavsky manchmal ein Lächeln ob Wespes Witzen verstecken musste, wie die Sticheleien zwischen ihnen schon längst eine routinierte Familiarität gewonnen hatten. Und dann auch, wie Wespe in einem grossen Raum immer häufiger zuerst nach Schalavsky sah, wie der Kriminalinspektor manchmal Schalavsky etwas ins Ohr flüsterte, für das er ein anklagendes Bienert oder einen kleinen Klaps kassierte, wie Wespe sich ganz besonders bemühte, wenn Schalavsky ihm einen Auftrag gab.
Glockner war der einzige, der die Puzzlestücke zusammensetzte, weil er der einzige war, der wusste, welches Motiv gesucht war. Schalavskys Beichte im Auto, genährt durch Alkohol und eine tiefe Resignation, waren da bloss noch das Sahnehäubchen gewesen. Glockner hatte schon längst gewusst, was Sache war.
Eigentlich wäre das ein Problem gewesen. Die beiden waren in der gleichen Abteilung und Schalavsky ranghöher als Bienert. Glockner hätte als Abteilungsleiter da eigentlich ein ernstes Gespräch mit Schalavsky führen müssen, selbst wenn Schalavskys wehmütige Worte verlauten liessen, dass noch nichts vorgefallen war.
Aber Glockner legte die Dienstordnung nicht so strikt aus wie Kollege Schalavsky. Sonst hätte er vier Jugendlichen schon vor langer Zeit Hausverbot erteilen müssen. Nein, wenn es um das Wohlergehen von Menschen ging, hielt Glockner sich auch mal nicht an die Regeln. Und jetzt ging es um zwei liebgewordene Kollegen, die umeinander herumschlichen. Glockner würde in diesem Fall gerne beide Augen zudrücken.
Glockner hatte vollstes Vertrauen in Schalavsky. Denn wenn einer professionell bleiben konnte, dann er. Und wenn einer hartnäckig bleiben konnte, dann Wespe.
Für die Idee, die beiden zusammen auf Undercovermission zu schicken, hatte er sich selbst metaphorisch auf die Schulter geklopft. Aber dann waren die beiden zurückgekommen und sich drei Wochen lang konsequent aus dem Weg gegangen. Wespe versuchte es nicht einmal mehr mit seinen üblichen Sticheleien und Schalavsky hatte sich in Arbeit vergraben, mehr noch als sonst. Glockner hatte bei ihm schliesslich sogar ein Machtwort sprechen müssen und ihn konsequent nach Hause geschickt, als er sich ziemlich sicher war, dass Schalavsky den Schlafmangel versuchte rein durch Koffein wettzumachen. Ob da noch anderes war, wollte er - noch - nicht erfragen, denn leider war er sich sehr sicher, dass Schalavsky ihn in diesem Fall angelogen hätte.
Er hatte Tamina gefragt, ob sie etwas wusste und seine junge Assistentin hatte verneint, ohne ihm in die Augen zu schauen. Spätestens da wusste Glockner, dass etwas passiert war. Höchstwahrscheinlich hatte Wespe sein Glück versucht und Schalavsky ihn zurückgewiesen, weil der halt - genau wie Glockner - wusste, dass das eigentlich gegen die Vorschriften war. Aber der Kommissar konnte nur schwer seinem Kollegen bei einem Bierchen oder zwei vermitteln, dass es vielleicht in diesem Fall ganz okay war, wenn sich Schalavsky halt mal nicht an die Dienstordnung hielt.
Aber wie so oft änderte sich die Beweislage.
Glockner wusste nicht ganz, was wirklich passiert war - Wimmel hatte ihm nur gesagt, dass die beiden irgendwie bei Schalavskys Auto geredet hatten oder so - aber nachher beruhigte sich das Verhältnis der beiden.
Und Glockner wusste erneut, dass etwas vorgefallen sein musste. Nur, dass es dieses Mal positiv war.
Die beiden redeten wieder miteinander, ganz in alter Manier. Wespe witzelte, Schalavsky mahnte, doch da war noch etwas in ihren Stimmen, dass vorher nicht dagewesen war. Etwas… warmes.
Immer häufiger sassen sie beieinander, diskutierten nicht mehr nur über Fälle, sondern auch über dieses und jenes. Wespe lungerte solange unruhig in Schalavskys Büro herum, bis dieser mit einem Augenrollen den PC herunterfuhr, sich die Jacke schnappte und mit Wespe zum Abendessen ging. Schalavsky brachte Wespe Kaffee und Frühstück, wenn Wespe Spätschicht und der Kommissar Frühschicht hatte. Und dann einmal, als die beiden sich gegenüber sassen und hitzig diskutierten, untermalte Wespe seinen Punkt dadurch, dass er sich nach vorne lehnte und Schalavsky dreimal energisch auf den Oberschenkel tippte.
Schalavsky, der generell ein kontaktscheuer Mensch war, hätte noch vor ein paar Monaten Wespes Hand weggewischt, ihn vielleicht sogar angeblafft. Doch jetzt hob er bloss skeptisch eine Augenbraue, als hätte er die Berührung gar nicht wahrgenommen und fuhr unbeirrt mit seinem Argument fort.
Vorher hatte Schalavsky manchmal sein Lächeln versteckt. Jetzt lachte er und schüttelte amüsiert den Kopf, wenn Wespe einen Scherz machte. Der Kriminalinspektor strahlte dann immer, als würde durch Schalavskys Lachen die Sonne aufgehen. Und als Wespe einmal für die Lösung eines Falls belobigt wurde, wirkte Schalavsky so verdammt stolz, dass Glockner sich ernsthaft fragte, ob er immer noch der Einzige war, der etwas gemerkt hatte.
Nach fünf Monaten duzten die sich bei der Arbeit. “War halt an der Zeit”, gähnte Schalavsky einmal beiläufig, als Glockner ihn bei einer Observation danach fragte. Glockner nickte und sah zur Seite, damit Schalavsky sein wissendes Lächeln nicht sah.
Das war es wirklich.
Wer hat die hässlichste Krawatte aller Zeiten? Wespe!
Fanart für @cappuccino-milchstrasse und die hervorragend Fanfiction Code Blau! Solltet ihr die noch nicht gelesen haben, bitte, los geht’s Leute! Die Interaktionen zwischen den Charakteren ist 11\10, es gibt fluff, whump, angst und alles was das Krimi-Liebhaberherz höher schlagen lässt. Ihr braucht nichts über TKKG wissen, die Fic ist komplett standalone und kann ohne Vorwissen genossen werden. Für TKKG Fans ist sie natürlich noch besser!
Link zur Fanfic hier: https://archiveofourown.org/works/46387219 - nur für eingeloggte User aber ich denke das sind wir eh alle
(Und direkt nen Rechtschreibfehler entdeckt … Alter Vater, die Legasthenikerin am Werk… VerbrecheN)
I think a lot of transmisogyny stems from this idea that people are really scared to see a dick. The reason bathrooms and locker rooms and hot springs keep being flash points is because these are all places where if a trans woman is using them, it's possible you might see her dick. A lot of transmisogynistic humor revolves around being traumatized because the subject saw a woman with a penis. And look, to a certain extent I sympathize. I'm not a fan of dick; I dont want this thing either. But if you want to be an ally to trans women, I think a big important step you can take personally is to examine your own reaction to the scenarios I described above, and recognize that a dick is just a body part a girl has sometimes. Seeing it as inherently sexual and/or traumatizing is a major wedge conservatives use to justify their rhetoric
even if bioessentialism was real and all trans women had some inherent advantage over cis women in sports you could not pay me to give a fuck because sports are made up. they are games people play for fun. even though we as a society invented careers around sport it is still boiled down to the fun made up game where you kick a ball. or dribble a ball. or swim in a pool. or show people how fast you can run. it’s for leisure. fun. not serious. who gives a fuck. fun. #mygame⚽️🏀🏈⚾️
roald dahl was antisemitic and misogynistic. george orwell was openly homophobic. edgar allan poe married his 13 year old cousin. dr seuss cheated on his wife (and was racist as well as antisemitic!). hp lovecraft was racist as fuck. anyways they’re fucking dead it’s not like you’re enabling their behaviors in the afterlife or something. then again I think they bleed into the books so uh keep an eye out for that
the difference between these old white guys and jk rowling is that the former group is all dead. jk rowling is alive and using your money to oppress trans people

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I'm watching 2003 tmnt and it PEAK? Hello??
i love explaining the etymology of the word "rickroll" because the story starts with "ok, so at one point 4chan applied a filter to everyone's posts that changed the word egg to duck"
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teeny
you don’t realize how important lunch is until you’re wandering around thinking about how unloveable and untalented and uniquely cursed you are and then it’s 4pm and you finally eat lunch and you go Oh. oh right.
We've all gotten just a bit too comfortable being jerks to strangers on the internet I think
So I've hidden this reply, both because it's obnoxious and because I don't want the person who wrote it being harassed for it, but I need you to understand: I don't know you. We are not friends. This is not fun or cute, we are not sharing a charming joke together. You are just being an asshole.
literally that is what the post is about, I am saying people should be less eager to jump on any chance to be snarky and rude to total strangers on the internet
DID THE JOURNAL FACTORY FUCKING EXPLODE???
you said it yourself: you're looking to vent it LITERALLY ANYWHERE
so vent it somewhere private. or at least not literally aimed AT another person, a total stranger at that
Like, this reblogger sounds so insanely self centered in their reblog. notice how both options focus on how being rude would affect THEM. "B has no consequences for me so it's perfectly fine to do"
(the only reason I didn't show their username in the screenshot is because, given how self victimizing they sound in their reblog, I believe that, if I did show their username, suddenly online stuff wouldn't seem so inconsequential to them and they'd accuse me of sending harrassment their way and putting them in danger)
You said it better than I could. Of all the inane and ridiculous things I've seen in my notes because of this post, "I NEED to say fuck you to strangers or I will literally die" is certainly one of them

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Also you kind of look FTM but usually they are cute and you really aren’t. I wish you were trans 😔 maybe u are idk but to me you aren’t
BITCH?
i deserve top surgery money for this alone
i genuinely can't fucking deal with the larger internet anymore holy shit what the fuck are you people TALKING about. i am at my limit with this stupid bullshit. who the fuck cares if a man is hired to draw medical diagrams for young girls jesus christ we're pearl clutching about medical illustrations now? next you're gonna tell me male pediatricians shouldn't advise parents on their kids' vulva issues? male surgeons shouldn't be in the room when performing a procedure where a woman's breasts or vulva might be exposed? male researchers shouldn't conduct gynecological medical research? sure. better for men to live in ignorance and NEVER ally themselves with us to expand access to sexual education and reproductive healthcare i fucking guess. Twenty thousand likes. i hate it here KILL ME
THIS is the post that got me my first ever anon hate. i'd like to thank the academy tbh
also not related but can ppl on this post being like "yeah STOP being mean to men!!" pls stop cuz that's not the point of what i was saying 💀 i'm not mad bc someone was mean to a man i'm mad bc feminism is being hijacked by bioessentialist conservative Christian moralist bullshit where the goal seems to be the complete and total segregation of women from men instead of like, the material improvement of women's lives. i don't care if some intsta commenter is mean to men i care that feminism is culturally turning into Nu Conservatism