Regentanz
Schwarze Schafe rannten, von schnellen, windigen Herdenschutzhunden getrieben, über den warmen Himmel und liessen vermuten, dass es heute noch ein Gewitter geben müsse. Doch zwischen ihrer Herde hindurch glühte immer wieder die Sonne ohne Erbarmen und die Windhunde trieben sie allzu schnell vorwärts, sodass die Hoffnung auf eine Abkühlung und etwas Wasser immer mehr schwand und schliesslich ganz erlosch.
Die Wiesen, welche vor einigen Tagen gerade wieder erst etwas an Farbe gewonnen hatten, verwandelten sich wieder in lebensfeindliche Steppen, die gespenstisch im Wind wogten. Was hatten sie denn auch für eine andere Wahl, als sich dem, was ihnen gegeben wurde, hinzugeben und in jenem Takt zu tanzen, den die Musikkapelle der Natur ihnen vorgab. So wiegten sie also in diesem Walzer des Todes hin und her, in der Hoffnung, mit ihrem Tanz die Gunst des Regengottes zu erlangen.
War der Gott des Regens denn in den Ferien? Ja, waren denn alle Götter in den Ferien? So richtig zu kümmern scheint sich ja keiner um die Welt – eigentlich auch schon seit Längerem. Den Einen haben wir schon vor langer Zeit verloren, denn wir Menschen brauchen keinen jähzornigen Vormund mehr, der uns erst sein Vertrauen vorgaukelt, nur um unseren Glauben dann wieder in einem Anfall aus Eifersucht auf die Probe zu stellen. Schlussendlich konnten wir mit der uns gegebenen Freiheit sowieso nichts richtig machen und nur verlieren.
Das Wetter aber, so oft wir es studierten und zu ändern versuchten, konnten wir nie beherrschen. So sind wir doch, auch wenn wir den neuen Gott schon zum Teufel gejagt haben, der alten Götter noch immer bedürftig. Ein Blick aufs Klima zeigt vielleicht sogar, dass wir sie mehr denn je gebrauchen könnten.
Also tanzt so viel ihr nur könnt, ihr lieben Gräser. Auch wir werden tanzen, sobald uns unsere Kurzstreckenflüge zum nächsten Tanzparkett gebracht haben. Mögen sich die Götter unser einer erbarmen und die Probleme lösen, die wir nicht zu lösen vermögen.












