Den Film FALSCHE BEWEGUNG wieder angeschaut. Tristan. Danach saĂ er im KOMM, ganz oben. Ich war traurig. Ăberlegte, ob ich zu ihm hingehen solle, so lange, bis er weg war. Nein, ich hatte Angst, zu ihm hinzugehen, ich hĂ€tte wollen, ja, das war das, was ich wĂŒnschte. Ich wĂŒnschte mir, dass er auch in den Film geht. Es hat sogar geregnet. Habe zu ihm gesagt, dass er auch hingehen solle, in Gedanken. Vor dem Hotel Mozart sah ich ihn, er hat mich angelacht, aber ich habe ihn zuerst nicht erkannt. Im Kino habe ich ihn angelacht, aber er mich nicht mehr und als ich neben ihm saĂ, versetzt, durch ein paar Sessel getrennt, aber ohne Menschen dazwischen, an dem Platz in der Ecke, in der letzten Reihe, an den ich dann immer zurĂŒckgekehrt bin, so lange ich in Innsbruck wohnte und in den CINEMATOGRAPH ging. Habe meine Hand auf den Sessel gelegt, um ihn zu mir her zu bewegen. Er hat nur geschaut, nie gelacht oder gelĂ€chelt.
Heute habe ich mich sehr geĂ€rgert ĂŒber die lachenden Leute. Heute habe ich nie gelacht. Bei vielen Handke SĂ€tzen habe ich mir immer noch dasselbe gedacht, in Bezug auf Tristan: Es ekelt mich an, dass du dich von nichts berĂŒhren lĂ€sst. Die SĂ€tze ĂŒber das Schweigen. Die SĂ€tze ĂŒber die Einsamkeit. Den letzten Satz wollte ich mir unbedingt merken, weil er nicht im Buch steht: Es schien mir, als ob ich etwas versĂ€umt habe und immer noch versĂ€umte, mit jeder neuen Bewegung.
Habe immer geglaubt, dass Claudius im Kino ist, im FALTER heute etwas Schreckliches gelesen, bei den Kontaktanzeigen: Die BĂ€rlisĂ€tze sind weg! Und was da steht, trifft genau auf ihn zu. Aber ich will es nicht glauben. Warum spĂŒrt er nicht, dass ich ihn liebe, warum sucht er mich nicht, warum warum warum, wir mĂŒssen uns doch finden! Wenn meine Sehnsucht ausgelaugt sein wird, wenn unsere Liebe verschwunden sein wird, werden wir uns wieder finden. Es muss etwas geschehen, was soll ich tun. Ich hasse die ZufĂ€lle. Ich muss dich sehen, ich will dich sehen, ich will, aber ich kann nicht, aus vielen GrĂŒnden. Ich wollte bei der TĂŒre hinaus und konnte sie nicht öffnen. Du hĂ€ttest mich gesehen, wenn du hier gewesen wĂ€rest. Da ging ich alleine fort und hatte ein gutes GefĂŒhl, weil mich der Film ein bisschen erlöst hat. Als ich die GrĂŒnbergstraĂe zu meinem Haus hinaufging, war ich wieder traurig. Ich muss ihn unbedingt finden. Aber ich weiĂ, dass ich ihn erst dann finde, wenn ich ihn nicht mehr suche. Das will ich nicht, das will ich nicht. Wenn er doch einmal in einem vorbeifahrenden Auto sĂ€Ăe!
Bin traurig und zornig, weil ich weiĂ, dass wir uns brauchen, weil ich weiĂ, dass wir zusammen sein mĂŒssen, tun wir uns zusammen, hat er gesagt, gegen die Kategorien der Welt. Und vergiĂ deine Kategorien, alles, was ich schreibe ist ein Brief an ihn. Heute war ich wieder in der Buchhandlung Hermann, eine Frau, machtvoll allein. Die linkshĂ€ndige Frau. Brigitte Hermann ist eine grantige Frau, aber der Mann dort ist nett. Wir haben uns angelacht, als sie schimpfte, weil wir Gisela Dischners LUCINDE nicht gefunden haben. Der Mann hat gesagt: "Ach, du bist es!" als ich da stand und schaute.
Heute hat mir Marguerite geschrieben, dass sie mir gar nicht böse sei und dass sie mich auch liebe, dass sie kommen wolle. Einen sehr schönen Brief. Ich darf meinen PlĂŒschpelzmantel nicht anziehen, wenn ich in ein alternatives GeschĂ€ft gehe, werde anders angezogen wiederkommen, um die Reaktionen zu beobachten. In der KOSMOS Buchhandlung in der Wollzeile hat mir die BuchhĂ€ndlerin die TĂŒre aufgehalten wegen dem PlĂŒschpelzmantel, sonst sind die dort immer sehr unfreundlich. Ich kann etwas tun, um die Sicht der Menschen auf die Dinge zu verĂ€ndern. Wie mir das gefĂ€llt! Eine Fau, machtvoll allein.
Hab schon bald wieder kein Geld mehr, von Artaud kann ich mich einfach nicht trennen, von ĂŒberhaupt keinem meiner BĂŒcher kann ich mich trennen. Ich sollte ein Buch fĂŒr Marguerites Geburtstag finden. DANN WAR DA PLĂTZLICH EINE FORM. Dieser Handkesatz geht heute dauernd in meinem Kopf herum, obwohl ich ihn nicht verstehe. Das Lied You can get it if you really want but you must try hat mir Karin aufgenommen. Ich weiĂ nicht warum, das haben sie im KOMM hunderttausendmal aufgelegt, das war das Lieblingslied vom kleinen Reinhold und Tristan hat einmal mitgesungen, dry and dry, ich habe drei gesagt, dann hat er ganz deutlich TRY gesungen, aber er hat sich trotzdem nicht mit mir verstĂ€ndigt, mit keinem Blick.
Am liebsten ginge ich morgen ganz zerfetzt in alle GeschĂ€fte, in denen ich heute mit dem PlĂŒschpelzmantel war. Ein Mann heute in der Untergrundbahn hat zu mir gesagt, dass er Kriegsromane schreibe, hat mich gefragt, ob ich schreibe und was, ich sagte: alles Mögliche, das gefiel ihm nicht. Und quelle fourrure, pas de fourrure, er, abfĂ€llig: PlĂŒsch? Das hat ihn enttĂ€uscht. Was verbinden die Leute denn mit einem Pelzmantel? Die spinnen ja. Sind sie wirklich so dumm wie ich sie mir nie vorzustellen wagte?
Am Abend hat mich eine Frau in der Untergrundbahn von oben bis unten angeschaut, da hatte ich schon wieder meine alte, lange, violette Strickjacke an, die ist schon ganz verfusselt und nicht mehr schön. Da habe ich ihr fest in die Augen geblickt, bis sie weggeschaut hat, und als sie dann einstieg, kam es mir so vor, als ob sie sich vor mir fĂŒrchte und Ă€ngstlich darauf achtete, nicht in dasselbe Abteil einzusteigen wie ich. Dass sie vor mir Angst hĂ€tte, habe ich nicht gewollt, ich wollte ihr nur zeigen, dass die Kleidung sehr wenig ĂŒber einen Menschen aussagt. Aber die Leute verstehen alles falsch: Schau dir die Leute an! In diesem Fall ist der Tonfall am wichtigsten. Mit tiefer Stimme.
Morgen muss ich frĂŒh aufstehen, weil die Wohnungsvermesser kommen, eine Kafka-Situation wird das werden. Warum hat Marguerite zu kalt? Ich gehe jetzt schlafen, gute Nacht. Was machen wir jetzt, wo bist du ĂŒberhaupt? Irgendwann irgendwo mĂŒssen wir uns doch finden? Ich habe einen so groĂen Hunger, dass ich gar nichts mehr essen muss. Den Film DAS LETZTE LOCH von Achternbusch mĂŒssen wir zusammen sehen, zusammen. Tun wir uns zusammen, hast du mit sanfter Stimme gesagt, das ist schon bald ein Jahr her, ein kalter Februar war das, nach dem heiĂen VIRGIN PRUNES Konzert bin ich mit dir in die Kirschentalgasse gegangen und wir haben uns zusammen getan, um uns an unserem inneren Feuer zu wĂ€rmen. Ich bin zu frĂŒh weggegangen. Ich bin nicht mit dir chinesisch essen gegangen, nicht einmal zusammen gefrĂŒhstĂŒckt haben wir, weil ich die Stolze spielen musste und gegangen bin, nein, gehst du jetzt wirklich?