Schon komisch, wie es schmerzt für jemanden nicht genug zu sein, dem ich sowieso nicht zustehe.


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@unversendetebriefe
Schon komisch, wie es schmerzt für jemanden nicht genug zu sein, dem ich sowieso nicht zustehe.

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Ich wünscht, ich hätt Suizid vor Jahren ausgewählt als was auch immer ich probiert habe.
Es ist warm und ich hab immer noch nichts erreicht. Es ist warm, ich hab alles versucht, gemacht was mir gesagt wurde und ich steh mit immer noch leeren Händen. Es ist warm und ich applaudiere für jeden, der was schaffen konnte. Ich würd auch echt gerne mal was schaffen. Echt.
Ich wünscht, die Unmenge an Liebe in mir würde die Waage wenigstens gleich stellen, geschweige denn die andere Seite überwiegen. Hass ist es nicht, was mich sonst einnimmt. Eher Ignoranz und noch eher Wut. Sie wiegt über allem. Die Geburtstagsgeschenke, Überraschungen (viel zu materiell, ich weiß), Hilfe mit der Schule und die emotionale Unterstützung reichen nicht aus, um zu radieren, was für ein Schrecken einer Schwester ich bin. Allein nicht "war" zu schreiben, ist schon herzzerreißend.
"Verknotet" impliziert, dass es dazu nicht hätte kommen sollen. Sich an der Türklinke verheddern. Genau so fluch ich auch über uns.
Wünscht, ich würd uns in den Momenten des Alltags erwischen, in denen man es schätzt, es bis zu diesem Punkt geschafft zu haben.
Tut mir ehrlich leid, dass wir der ungeplante, ungeschickte, unüberdachte Schritt in ne Pfütze sind. Der Ärger über die durchnässte Socke. Wie unüblich kühl die Luft die Haut trifft, weil die von uns verursachte Scham von innen heizt. Ein Feuerzeug mit immer zu früh ausgehender Flamme für etwas, was nicht mehr brennen sollte.
Boah, brauch ich Entzug vom Mensch-in-Bindung-sein.

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Ich bin eine Umarmung entfernt davon, jemandem die Schulter nass zu heulen. Mein Körper bebend gegen absolute Stille. Nichts zu hören, außer mein peinlich, schamlos lautes Schluchzen.
Wann genau im Leben hab ich es geschafft, es dermaßen zu schrotten?
Sinn ist langweilig, also werde ich mich für den Moment ihm entfremden.
Alles verziehen. Halt wirklich alles. All die Male in denen ich ein "Ja" sagender Fickfetzen war und nichts mehr als das. Jeden Moment in dem ich mir erhoffte, er würde mich ernst nehmen. Auch damals wusst ich es schon. Ich könnt ihm ins Gesicht spucken, dass ich Gefühle hab, als Freundin respektiert werden sollte, er sich entschuldigen soll, wenn es ihm irgendwo itgendwie irgendwann leid tut. Er hätte mir ins Gesicht gelacht.
Aber ja, ich bin nicht mehr sauer. Ich fühl mich 16 wenn ich mit ihm rede, nur ist es dieses Mal okay. Er geht besser mit mir um. Alles ist besser geworden. Und ich lieg hier - während alles besser ist, natürlich, nicht vergessen - dermaßen müde vom heulen, weil 16 mit ihm gewesen zu sein ich immer mit mir tragen muss. Alles ist verziehen und es tut weh. Es tut weh, weil alles verziehen ist. Es tat auch weh, ohne ihm zu verzeihen. Alles vergänglich und verziehen und ach, Schnee von gestern. Soll sich die Freundschaft, wie sie jetzt ist, nie von dem Jetzt weichen. Es ist perfekt. Ich heule dennoch. Immer noch. Immer 16.
Bin so süchtig danach, mir alles Gute im Leben zu ruinieren. Von Natur aus verdorben.
Wie ging das mit der Sucht? Nicht direkt entziehen, sonst ist man eher rückfällig und es wird ins Muster gefallen. 10 Minuten am Tag. 10 lange Minuten in denen ich dem Verfallsdatum alles Gutem nur etwas näher komme. Diese Selbstsabotage sitzt mir auf der Haut, als wäre meine Eigentliche die eigentlich fremde. Es tut so gut, zu ruinieren. Ich ziehe alle mit mir in etwas, was sie gar nicht verdienen. Ich schon. Alles hat einen Preis.
Es ist fast schon entzückend, wie ahnungslos sie sind. Hingegen weiß ich seit der ersten Nachricht wohin es führt. Erneut und erneut werden sie sich wundern, wie es nur dazu kommen konnte. Wie etwas so süßes auf einmal so verrottet schmeckt.
Mein Entzug ist dem Glaube mal zu verfallen, es wird alles gut. Ich krieg es dieses Mal ganz bestimmt hin. Nur ich selbst sein und akzeptiert werden, jegliche Zuneigung auf mich nehmen und einfach nur das machen, was die Person will während sie nicht merkt, dass dies alles - all dieses sich wirklich schön anfühlende - nichts außer ein flüchtender Moment ist. Schön bin ich nur in Momenten.
Meinen High werd ich eh immer bekommen. Ich bin mein Muster.
Zwischen dem Loslassen und Analysieren meines Selbst. Wie lange bis ich besessen von mir selbst bin? Und genau wie lange bis ich mir egal bin?
Ist es schon zu kitschig, mich als Buch zu sehen? Aufschlagen kann ich es, aber die Seiten verraten mir nichts, zu dem ich fähig bin, es zu verstehen. Erzählt mir jemand etwas über mich, schau ich hinter mir, weil - Über wen reden die nochmal? Bin ich dran, etwas über mich jemandem zu zeigen, fühl ich mich so, als ob ich über die Person spreche, die hinter mir mal stand. Anscheinend steht sie immer da.
Gerade sollte "jemand anderem" aus "jemandem" werden, ehe ich mich dabei erwichte. Ja, mein Gott, ich rede noch immer mit einem rein hypothetischen Publikum über mich. Ich, ich, ich! Die Imaginären sind so interessiert an mir, wie ich es bin. Da steht dann keiner hinter mir.
Ich schäme mich nicht für mein Selbst, wenn ich das Bild kontrollieren kann, mit dem ich gekannt werde. Es besteht immer die Chance, mich jemand anderes anzutun und ich entstehe für sie als jemanden, den ich nicht wiedererkenne. So soll es eigentlich auch sein. Warum begrenze ich mich so?

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So gerne das sein, was ich niemals sein werde. Ich könnt mich keinem Kind antun, aber der Wunsch bleibt bitter bestehen.
Ich vermisse es so sehr, irgendwas gefragt zu werden. Ich frage und frage und frage und versuche, dass sich die Gespräche bilden. Zu Wort komme ich natürlich nicht, immer warte ich auf die Stille und muss sie ergreifen, bevor sie in den nächsten paar Sekunden mir mit etwas entzogen wird, zu dem ich nichts sagen kann. Denn jeder macht was aus dem Leben und hat so vieles schon erreicht. Die Zeit ging für sie weiter und mich überholte sie schon längst, aber natürlich blieb ich ich hängen. Fast schon der Beweis für Zeitschleifen. Oder so.
Mir ging die Kraft aus. Der Wille, mit ihnen noch eine weitere Sekunde zu verbringen, verschwand sobald ich bemerkte, ich bin deren Interesse keine einzige Frage wert. Nicht eine Frage. Wie soll mir das jemand glauben? Wenn ich könnte, würd ich selbst es nicht wahrhaben.
Fremde waren viel lieber zu mir. Sind sie immer. Sie fragen wenigstens. Der perfekte Mensch ist die Fremde, die mich nach der Eissorte, die ich will fragt. Der perfekte Mensch ist der Fremde, der mir aus reiner Nettigkeit die Tür aufhält. Ich fühle mich so wohl mit Fremden, denn sie lassen mich so fühlen, als wäre ich es wert, gekannt zu werden. Für einen Moment. Einen Moment lang bin ich keine Fremde. Zumindest nicht so, wie mich meine eigenen Bekannten fühlen lassen. Ich liebe Fremde.
Wie lange noch bis ich wieder anfange, zu schummeln und die Art von Bilder so zu gestalten, sodass mein Körper der Realität wieder fern ist. Nur um ein bisschen mehr zu gefallen.
So angewidert von mir selbst.
Selbstzerstörung ist meine Gabe. Falls mir eines Tages das Pech widerfährt, dass ich mich frage, warum ich hier bin, bin ich arm an Antworten. Ich weiß nur, wie sehr ich in mein Muster falle.
Ich bin mir selbst Gefahr. Keiner löst in mir mein Muster aus, außer ich selbst. Und keiner wird mich aus dem Muster entwirren können, außer ich selbst. Mein Leid schleicht sich langsam durch die Ekstase. Der Rausch davon, mich selbst zu ruinieren, ist zu groß, um einen Entzug aushalten zu können. Mich selbst zu ruinieren, ist alles, was meine Sucht ausmacht.

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Mutter, die am wenigsten an mich glaubt und sich am ehesten freu, wenn ich etwas schaffe, für das sie Zweifel an mir hatte.
Versagerin. Ich verkörpere die Bezeichnung in jedem Aspekt meines Lebens. Nicht mal gescheit drucken, schaffe ich. Im Bus einer Feder gleich so angespannt gesessen, der Fremde muss sich anders unangenehm gefühlt haben. Natürlich, der Scham befüllt, krieg ich es nicht hin, auch einfach zu fragen, wie die Drucker funktionieren oder warum ich es nicht selbst hinbekomme. Ich sollte es. Ich sollte doch wissen, wie alltägliche Dinge funktionieren. Wie ich mit 20 noch immer unwissend bin, ist Grund genug, um alles einfach jetzt zu beenden. Ich schaffe rein gar nichts, außer die ganze Zeit nichts zu schaffen.