Liebe …?
Trauer, Wut, Frust und Schuldgefühle für einzelne Momente des Glücks und der Freude? Ist es das, wonach wir streben?
Ich habe es so satt Deine Untätigkeit mitanzusehen. Ich habe es so satt Deine falschen Versprechungen zu hören und darauf zu warten, dass es endlich bei Dir im Kopf „klick“ macht. Ich habe es so satt mich alleine zu fühlen, während Du von all dem nichts mitbekommst. Für Dich ist ja alles in Ordnung. Für Dich ist ja alles so wie es sein soll. Du tust mir mit Deinem Verhalten so weh und ich weiß nicht mehr was ich noch zu Dir sagen soll. Mir fehlen die Worte, da ich schon alles gesagt habe, aber nichts hilft. Doch anstatt wütend zu sein, bin ich traurig. Anstatt Zorn zu verspüren, hinterfrage ich mich. Ich habe es satt meine Wut gegen mich selbst zu richten und mich weiter zu verunsichern. Ich bin keine gefühllose Puppe, die alles tut was Du sagst und von Deinem „nichts-tun“ nicht verletzt ist, sondern „Ja“ und „Amen“ sagt. Ich habe Gefühle und die sind verletzt. Mein Stolz ist verletzt. Und Du verstehst es nicht. Du sagst zwar, dass Du mich verstehst, aber ich denke nicht, dass dem so ist. Dein Gesicht verrät Dich. Du siehst mich an und ich sehe es in Deinen Augen. Dein Missverstehen, Deine Gedanken, wie sehr es nervt, dass wir schon wieder diskutieren und auch Deine Überlegungen, das Thema zu wechseln, was Du äußerst gut kannst. Du bist fast ein Meister vom Ablenken auf ein unverfänglicheres Themengebiet. Lieber redest Du über Belanglosigkeiten, als Dich weiterhin von schmerzgetränkten Worten bombardieren zu lassen. Ich weiß, dass ich sehr gut im Diskutieren bin. Ich weiß, dass ich diese Wortgefechte meistens „gewinne“. Aber ich bin eigentlich nicht unfair. Nur ehrlich. Und genau das ist vermutlich das Problem. Niemand stellt sich gerne seinen eigenen Fehlern. Niemand möchte sich gerne eingestehen, dass man nicht perfekt ist. Aber dann sollte man vielleicht auch keine Beziehungen eingehen, denn alles Zwischenmenschliche ist für mich ein Spiegel meiner Selbst. Dort findet das Sprichwort „Wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es zurück“ seinen Fuß. Wenn man sich jedoch keiner Kritik stellen oder sich charakterlich weiterentwickeln möchte, so sollte man das mit den sozialen Beziehungen lassen. Doch der Mensch ist an sich ein soziales Wesen, das ohne soziale Kontakte verkümmert. Doch Dir scheint das nicht unbedingt so zu gehen. Du bist vielleicht auch typisch Mann und ich typisch Frau. Doch nur weil Männer lieber Probleme mit ins Grab nehmen bzw. totschweigen, heißt das nicht, dass sie das in Beziehungen mit Frauen auch so beibehalten können. Wir vom weiblichen Geschlecht müssen über solche Themen reden, weil wir sonst platzen, zerbrechen oder verrückt werden, da sich die Gedanken immer weiter im Kreis drehen und drehen und drehen...
Ich bin verletzt und dieses Gefühl geht nicht einfach weg. Vielleicht bin ich auch wütend. Doch für mich ist es schwer nach meiner Wut zu suchen. Sie versteckt sich in mir. Folgt einem veralteten Mechanismus, den ich nicht vermag zu durchbrechen. Manchmal kommt sie hervor, aber das kann ich nicht steuern. Und sobald sie da ist, verschwindet sie auch gleich wieder und übrig bleiben die Leere und die Trauer, die Selbstzweifel und die Angst. Ich bin machtlos gegen diese Gefühle, obwohl mein Verstand mit aller Macht versucht dagegen anzureden - versucht konträre Beispiele zu nennen. Aber meine Gefühle sind stärker. Beweisen das Gegenteil. Versuchen mich zu kontrollieren und ich verliere meist den Kampf. Bin gefangen in diesem Chaos. Und übrig bleiben nur noch Tränen.
Aber ich möchte nicht mehr weinen. Ich habe genug geweint und es hat sich nichts verändert. Vielleicht öffnet Wut Dir die Augen? Vielleicht siehst Du mich dann endlich wieder?
Ich möchte nicht mehr Unsicherheit verspüren. Ich möchte mich endlich wieder wohl und geborgen in Deiner Nähe fühlen. Ich möchte wieder zu diesem Team gehören, das wir mal waren. Aber ist Dir das wichtig? Möchtest Du daran auch was ändern? Oder ist es Dir egal?
Ich werde nicht diesen Weg alleine gehen. Ich werde nicht diese Schritte für uns gehen, während Du dich keinen Meter bewegst. Diese Rechnung geht mir nicht auf. Du bist eigentlich dran. Aber ich bin bereit mich auf Dich zu zubewegen, doch nicht alleine. Entweder gehst Du mir auch entgegen oder wir gehen getrennt. Ist das nun die Wut? Oder ist es Verzweiflung?
Wer gibt Dir eigentlich das Recht so mit mir umzugehen? Ich weiß, an sich tust Du gerade eigentlich nichts - zumindest nichts gegen mich. Aber das ist es ja gerade, Du tust nichts. Du machst es Dir leicht. Du legst die Beine hoch, während ich versuche Dich zum Aufstehen zu bewegen. Doch wann bin ich mal dran mit Beine hochlegen? Wann ist meine Zeit da? Doch du hast für alles Ausreden. „Ich bin halt charakterlich nichts so, Du schon“ - wie oft habe ich das schon von Dir gehört? Wie oft habe ich hinterfragt, ob es denn wirklich stimmt, dass Aufmerksamkeit-Schenken ein Charakterzug ist. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen. Ich weiß es nicht. Ist es charakterlich bedingt, ob ich aufmerksam bei meinen Lieben bin? Ich bin mir sicher, dass diese „Fähigkeit“ etwas mit Egoismus zu tun hat, doch erschließt sich mir nicht, warum man andererseits bei eigenen Belanglosigkeiten und teilweise bei bestimmten Personen plötzlich total wach ist. Warum wachst Du bei mir nie auf?
Ich vermisse uns. Ich vermisse, wie glücklich wir sein können. Ich vermisse, wie schön sich Zeit mit dir anfühlt und wie schnell sie vergeht. Ich vermisse Dich.
Es fühlt sich mehr an wie eine Erinnerung, als wie etwas, das eigentlich noch da ist. Schließlich sind wir ja noch zusammen. Wir waren ein so gutes Team. Wir teilten alles. Und jetzt fühle ich mich dir fremd.
Merkst Du das nicht? Ich verstehe Dich nicht. Wie kann Dir das entgehen? Oder schlimmer, wenn es Dir nicht entgeht - Du sagst ja oft genug, dass Du mich verstehst - wie kannst Du daran nichts ändern wollen? Ich würde Dich am Liebsten schütteln, bis Deine Synapsen wieder an dem Ort ihre Brücken schlagen, wo sie sich an UNS erinnern. Doch ich weiß nicht wie. Und mittlerweile bin ich sprachlos und traurig - vielleicht auch wütend, weil ich uns vermisse und nichts mehr daran ändern kann.













