[An die Liebe] glaubte er nicht. Mied sogar das Wort. Hielt es fĂŒr Kitsch. Es gebe diese drei Dinge, und nur sie, pflegte er zu sagen: Begierde, Wohlgefallen und Geborgenheit. Und alle seien sie vergĂ€nglich. Am flĂŒchtigsten sei die Begierde, dann komme das Wohlgefallen, und leider sei es so, dass die Geborgenheit, das GefĂŒhl, in jemandem aufgehoben zu sein, irgendwann auch zerbreche. Die Zumutungen des Lebens, all die Dinge, mit denen wir fertig werden mĂŒssten, seien einfach zu zahlreich und zu gewaltig, als dass unsere GefĂŒhle sie unbeschadet ĂŒberstehen könnten. Deshalb komme es auf LoyalitĂ€t an. Sie sei kein GefĂŒhl, meinte er, sondern ein Wille, ein Entschluss, eine Parteinahme der Seele. Etwas, das den Zufalle von Begegnung und die ZufĂ€lligkeit der GefĂŒhle in eine Notwendigkeit verwandle. Ein Hauch von Ewigkeit, sagte er, nur ein Hauch, aber immerhin.       Er hat sich getĂ€uscht. Wir haben uns beide getĂ€uscht. SpĂ€ter, als wir wieder in Lissabon waren, beschĂ€ftigte ihn oft die Frage, ob es auch so etwas gibt wie LoyalitĂ€t sich selbst gegenĂŒber. Die Verpflichtung, auch vor sich selbst nicht davonzulaufen. Weder in der Vorstellung noch in der Tat. Die Bereitschaft, zu sich zu stehen, auch wenn man sich nicht mehr mag. Er hĂ€tte sich umdichten mögen und dann dafĂŒr sorgen, dass aus der Dichtung Wahrheit wĂŒrde. Ich ertrage mich nur noch, wenn ich arbeite, sagte er.
Nachtzug nach Lissabon // Pascal Mercier

















