Telefonmänner und Telefonfrauen
Die Seiten wechseln. Es blättert im Wind von selbst
dem die Ameisen mit dem Laub gehen,
dem widmen sie auch den Eierstau.
Die Geschichte und Theorie der permanenten Reformation ist teilweise eine nordalpine und rechtsrheinische, preußische Geschichte und Theorie. Die ist nicht unbedingt falsch, sie ist unbedingt mimetisch und rekursiv. In ihr lebt Antike nach, wenn sie ihre Techniken des Distanzschaffens und Verleibens entfaltet. Dann lebt in ihr auch die Bildökonomie nach, einschließlich jener Ökonomie, die eine Wissen um leidenschaftliche Interessen, zum Beispiel an Akten und Passionen ist.
Wenn Thomas Vesting in seinem Buch über Computernetzwerke über den Homo Digitalis schreibt (er sagt, dass die Überhöhung des Bloggers zum Scheitern verurteilt sei), dann ist das nicht unbedingt falsch, es geht auch nicht unbedingt an mir vorbei. Wenn er schreibt, der totgesagte Autor scheine im Lesenschreiben des Blogs eine Art Wiederauferstehung zu feiern, dann ist auch das nicht unbedingt falsch,es geht nicht unbedingt an mir vorbei. Wenn er schreibt, da versuche ein Blogger eine Verschiebung und Veränderung von Sinn aufzuhalten, dann ist das nicht unbedingt falsch und es geht nicht unbedingt an mir vorbei.
Es trifft mich unbedingt, weil die Formation des Subjektes darauf angelegt sein soll, auf Reize und Anstösse zu reagieren. Anhaltend, durchhaltend. Die Formation des Subjektes kann einen diadigitalen Schreiber erscheinen lassen, der Tag und Nacht graphische Züge macht, die keine Linie ohne Wellen und keine Wellen ohne Falten wiederholen. Diese Formation kann bolisch sein, sie kann vague sein. Meta kann das, sie kann auf jeden Reiz so reagieren, als ob das Kommunikation sei. Vielleicht kann dann auch eine Metaphysik doch auch mit ihrem Scheitern weiter rechnen.
Der Staat, so Vesting, habe große Schwierigkeiten ein angemessenes 'kognitives Bild' der Netzwerkkultur zu entwickeln, was plausibel erscheint, weil es ja auch ebenso schwierig ist, ein angemessen kognitives Bild vom Staat zu entwickeln. Unsicher scheint mir, was die digitale Kommunikation beherrscht. Ich schlage vor, Vismann als Theoretikerin und Historikerin von Begehren zu lesen. Wenn es bei ihr um Macht und Beherrschung geht, dann um Begehren und Routinen, die mimetisch und rekursiv sind. Wer aus dem Schreiben Narzissmus liest, liest Narzissmus. Wer aus der Lektüre Nächstenliebe zieht, der zieht daraus Nächstenliebe. Don't trust your own personal vesting. Auf Diagnosen lässt sich nicht ausruhen.. Die Unterscheidung zwischen Form und Norm, auch die zwischen Kognition und Normativität, die werden dank und durch graphische Zügen gezeichnet. Diese Züge sind Signaturen und Kontrasignaturen in einem, also Kerben und Flecken (siehe dazu: Steinhauer, Der Patriot Act und der Autopen, in: Archiv für Mediengeschichte).
Subjekte sollen nicht unbedingt allgemein sein, es gibt ja amazonische, rheinische oder westfälische, indische und angolanische Subjekte. Die sind alle auch in sich nicht allgemein, ihre Qualifikation ist eine Diagnose, auf der sich nicht ausruhen lässt. Die Formation des Subjektes soll aber unbedingt wiederholt werden, so zumindest in der Perspektive einer Geschichte und Theorie juridischer Kulturtechniken. Wenn's hilft: palindromologisch!