Warnung: Polarisierung macht blind
Die SehstÀrke meiner Augen hat sich geÀndert, eine neue Brille muss her. Da auch gerade die mit SehstÀrkenglÀsern versehene Sonnenbrille auseinander gebrochen ist, soll auch diese einem neuen Modell weichen. Weil ich davon schon so viel Gutes gehört habe, möchte ich gerne mal eine Brille mit polarisierenden GlÀsern. Und damit nahm das Debakel seinen Lauf.
Ich bekomme eine SMS vom Optiker, dass meine neue Sonnenbrille zur Abholung bereitliegt. Am nĂ€chsten Tag bin ich in der Gegend und nehme das gute und vor allem auch teure StĂŒck in Empfang. Es ist zwar nicht besonders sonnig, aber natĂŒrlich laufe ich sofort mit Sonnenbrille im Gesicht los. Die SehstĂ€rken passen super. Die SchĂ€rfe könnte nicht besser sein. GroĂartig! Neben guten Kontrasten sagt man den polarisierenden GlĂ€sern auch nach, dass sie Reflexionen reduzieren, so dass man z. B. auch bei gleiĂendem Sonnenlicht in die Autos hineinschauen kann, sich also nicht die Umgebung spiegelt. Das ist nicht schlecht! Auch auf dem Wasser soll es Vorteile bringen, da der Blick ins Wasser, um z. B. Hindernisse beim Paddeln zu erkennen, ungestörter sein soll.
Ich setze mich dann selbst ins Auto. Was ist das? Ich schaue durch die Seitenscheiben und sehe eigenartige Schlieren und regelmĂ€Ăige Muster, die mir entfernt bekannt vorkommen. Es sind die Spannungen im Einscheibensicherheitsglas, die sich durch die polarisierenden GlĂ€ser zeigen. Ich denke mir weiter nicht viel dabei, stecke das Smartphone in die Halterung am Armaturenbrett und schalte es ein. âWarum ist das so dunkel?â, frage ich mich. Und auch die Farbdarstellung ist eigenartig. Ich setze die Brille ab: Alles normal. Mit Sonnenbrille: Dunkel und farbverfremdet. Dieser Effekt soll spĂ€ter beim Wechsel vom iPhone 5s zum 6s geringer werden. Immerhin. Dennoch sieht es unschön aus durch die Brille. Sehr blaustichig und immer noch etwas dunkler.
Am Wochenende ist schönes Wetter. Ich bin unterwegs und will mit der Olympus OM-D EM-1 ein paar Mitzieher an Modellflugzeugen ĂŒben. Was ist das? Der Sucher hat plötzlich Hell-Dunkel-Zonen, die sich irgendwie rautenförmig verteilen. Ich drehe die Kamera um 45°: Alles wieder gut zu erkennen, aber so kann ich nicht ordentlich fotografieren.
Sucher der Olympus OM-D EM-1 durch die Sonnenbrille fotografiert: Rautenförmig verlaufende Hell-Dunkel-Zonen
Mit um 45° gedrehter Sonnenbrille ist das Bild ganz normal.
Als nĂ€chstes nehme ich meine Leica M9-P zur Hand. Alles bestens! Der rein optische Messsucher hĂ€lt keine Ăberraschungen mit der neuen Sonnenbrille bereit. Alles sieht so aus, wie es soll. Hach, das gute StĂŒck!Â
Ich muss ein paar Einstellungen am MenĂŒ der Kamera vornehmen und betrachte das Display. Dabei drehe ich die Kamera unbewusst, und das Display wird dunkel. Ich drehe sie zurĂŒck: Wieder alles gut.Â
Verdunklung des Leica M9-P-Displays bei um 90° gedrehter SonnenbrilleÂ
Sogar im Urlaub fallen mir Schlieren auf dem Display des Kaffeeautomaten im Hotel auf. Praktisch alle möglichen Displays zeigen ihre Informationen so an, dass man mit polarisierenden GlĂ€sern erhebliche Schwierigkeiten beim Ablesen hat. Es nervt mich so sehr, dass ich ĂŒberlege, mir in das Brillengestell wieder normale getönte GlĂ€ser einbauen zu lassen.Â
HĂ€tte ich das mal vorher gewusst, dass Polarisierung in der modernen Display-Welt quasi blind macht.