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Die Kontrollgesellschaft vollendet sich dort, wo ihr Subjekt sich nicht aus äußerem Zwang, sondern aus selbst generierten Bedürfnis heraus entblößt, wo also die Angst davor, seine Privat- und Intimsphäre aufgeben zu müssen, dem Bedürfnis weicht, sich schamlos zur Schau zu stellen.
Byung-Chul Han: “Transparenzgesellschaft”, S.76/77
Der Transparenzzwang vernichtet Spielräume der Lust.
Byung-Chul Han: “Transparenzgesellschaft”, S.27
Liebe ohne Sehlücke ist Pornographie. Und ohne Wissenslücke verkommt das Denken zum Rechnen.
Byung-Chul Han: “Transparenzgesellschaft”, S.11
Die Transparenzgesellschaft ist eine Hölle des Gleichen.
Byung-Chul Han: “Transparenzgesellschaft”, S.6

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Bartes zwei Elemente der Fotografie
"Barthes unterscheidet zwei Elemente der Fotografie. Das erste Element nennt er das »studium«. Es gilt dem ausgedehnten Feld aus Informationen, die es zu studieren gilt, und dem »Feld der unbekümmerten Wünsche, des ziellosen Interesses, der inkonsequenten Neigung: ich mag/ich mag nicht, I like/I don’t like«.⁵⁸ Es gehört zur Gattung des »to like« und nicht des »to love«. Es gefällt mir/gefällt mir nicht ist seine Urteilsform. Ihm fehlt jede Heftigkeit oder Leidenschaft. Das zweite Element »punctum« durchbricht das »studium«. Es verursacht kein Gefallen, sondern eine Verletzung, eine Ergriffenheit, eine Betroffenheit. Den einförmigen Fotografien fehlt das punctum. Sie sind nur Gegentand des studiums: »Reportagephotos sind sehr oft einförmige Photographien (das einförmige Photo ist nicht unbedingt friedlich). In diesen Bildern gibt es kein punctum: wohl den Schock — das Buchstäbliche kann traumatischeren —, doch keine Betroffenheit; das Photo kann ›schreiend‹ sein, doch es verletzt nicht. Diese Reportagephotos werden registriert (mit einem Blick), mehr nicht.«⁵⁹ Das punctum unterbricht das Kontinuum von Information. Es äußert sich als Riss, als ein Bruch. Es ist ein Ort höchster Intensität und Verdichtung, dem etwas Undefinierbares innewohnt. Ihm fehlt jede Transparenz, jede Evidenz, die das studium auszeichnet: »Die Unfähigkeit, etwas zu benennen, ist ein sicheres Zeichen für innere Unruhe. […] Die Wirkung ist da, doch läßt sie sich nicht orten, sue findet weder ihr Zeichen noch ihren Namen; sie ist durchdringend und lander dennoch in einer unbestimmten Zone meines Ichs […].«⁶⁰ [Byung-Chul Han, Transparenzgesellschaft, Matthes-Seitz Berlin, 2012, Kap. Pronogesellschaft, S. 44f]
⁵⁸ Barthes, Die Helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie, Frankfurt a.M. 1989, S.36 ⁵⁹ Ebd. S. 51 ⁶⁰ Ebd. S. 60f
Intimgesellschaft und Narzissmus
"Die Intimität vernichtet objektive Spielräume zugunsten affetiv-subjektiver Regungen. In dem rituell-zeremoniellen Raum zirkulieren objektive Zeichen. Er lässt sich nicht narzisstisch besetzen. Er ist in gewisser Hinsicht leer und abwesend. Der Narzissmus ist Ausdruck der distanzlosen Intimität zu sich, nämlich der fehlenden Selbst-Distanz. Die Intimgesellschaft wird von narzisstischen Intimsubjekten bewohnt, denen die Fähigkeit szenischer Distanzierung ganz fehlt. Sennett schreibt: »Der Narziß ist nicht auf Erfahrung aus, er will erleben — in allem, was ihm gegenübertritt, sich selbst erleben. So wertet er jede Interaktion und jede Szene ab [...].« ⁷⁵ Narzisstische Störungen nehmen Sennett zufolge deshalb zu, »weil die heutige Gesellschaft ihre innere Ausdrucksprozesse psychologisch organisiert und den Sinn für sinnvolle soziale Interaktion außerhalb der Grenzen des eigenen Selbst unterminiert.« Die Intimgesellschaft beseitigt rituelle, zeremonielle Zeichen, in denen man sich entkäme, sich verlöre. Bei Erlebnissen dagegen begegnet man überall sich selbst. Das narzisstische Subjekt kann sich selbst nicht abgrenzen. Die Grenzen seines Daseins verschwimmen. Dadurch entsteht auch kein stabiles Selbstbild. Das narzisstische Subjekt verschmilzt so sehr mit sich selbst, dass es nicht möglich ist, mit sich zu spielen. Der depressiv gewordene Narziss ertrinkt in seiner grenzenlosen Intimität zu sich. Keine Leere und Abwesenheit distanziert den Narziss von sich selbst." [Byung-Chul Han, Transparenzgesellschaft, Matthes-Seitz Berlin, 2012, Kap. Intimgesellschaft, S. 60ff]
⁷⁵ Richard Sennett, Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität, Berlin 2008, S. 563