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Es ist noch früh am Morgen, als Carlo Ljubek in der Kantine des Schauspielhauses sitzt. Die Corona-Krise ist in Hamburg noch nicht recht angekommen, ...
SCHAUSPIELER CARLO LJUBEK IM INTERVIEW 29.03.2020, 10:00 „Man muss selber lernen, auf Körper und Psyche zu hören“
Carlo Ljubek vor dem Hamburger Schauspielhaus, als das noch geöffnet hatte. Foto: Manfred Ertel
HAMBURG. Es ist noch früh am Morgen, als Carlo Ljubek in der Kantine des Schauspielhauses sitzt. Die Corona-Krise ist in Hamburg noch nicht recht angekommen, die Theater spielen gerade noch. Im Gespräch mit TAGEBLATT-Mitarbeiter Manfred Ertel plaudert er über seine ganz besonderen Lieben.
Von Manfred Ertel
Vorher hat er seine kleine Tochter zur Schule gebracht, danach mit Technikern und Technikerinnen des Theaters zusammen gefrühstückt. Er mag das. So kommt er auf Betriebstemperatur.
TAGEBLATT: Wachen Sie eigentlich morgens manchmal auf und wissen nicht auf Anhieb, was vor lauter Engagements gerade auf Ihrem persönlichen Spielplan steht – Theater, Filmdreh oder TV-Set?
Carlo Ljubek: Ich weiß schon, ob ich am Theater oder am Set arbeite. Das kriege ich noch mit (lacht). Aber es gibt in letzter Zeit schon so krude Träume. Wenn man wie ich vor Kafkas „ Schloss“ einfach wochenlang jeden Tag im Theater war, morgens und abends, dann ist man manchmal etwas verwirrt und findet ja auch kaum zu Hause statt. Dann träumt man auf einmal von einem Stück, wo ich aufgrund einer Erkrankung irgendeinen Text aufsagen soll, aber nur noch eine halbe Stunde Zeit zum Lernen habe, was einfach unmöglich ist. Die typischen Alpträume eines Schauspielers.
Eben noch im Fernsehkrimi „Über die Grenze“ vor Millionen von Zuschauern, zwei Tage später im Schauspielhaus eine große Kafka-Premiere – fühlt man sich da zerrissen?
Und parallel lief sogar noch ein Film von mir in Hamburg im Kino, wo ich auch kurz zum Zuschauergespräch war. Nein, man spaltet das ab. Am Ende war ich extremst fokussiert auf die Bühne und die Premiere. Das Schöne am Theater ist ja Zeit zu haben, in etwas ganz und gar einzutauchen, einen Stoff, einen Text. Und dass wir uns so gut kennen als Ensemble und man sich in den meisten Fällen auch auf die Kollegen freut und gegenseitig auffängt. Wir fangen jetzt grade mit den Arbeiten zu „Quai West“ von Bernhard-Marie Koltés an. Dann sitzt man intensiv zusammen und liest den Text miteinander. Ich empfinde das als ein Riesenprivileg.
Warum konzentrieren Sie sich nicht einfach auf Film und Fernsehen, das wird doch besser bezahlt und bietet mehr Freizeit?
Bei Film und Fernsehen hat man ja immer wieder mit Ungewissheiten zu tun und weiß nicht, welches Projekt als Nächstes ansteht. Und man hat nie ein richtiges Gefühl dafür, ob man jetzt drin ist im Geschäft und angesagt oder nicht. Außerdem bin ich dafür auch zu gerne am Theater. Das ist im übertragenen Sinne eine Art Familie für mich. Wie heute Morgen mit den Technikern und Technikerinnen zusammenzusitzen. Das empfinde ich einfach als etwas sehr Warmes. Dann freue ich mich über die vielen guten Stoffe am Theater. Bei Film und Fernsehen weiß man nicht immer, was dabei rauskommt. Ich kann nur drehen, dann muss ich das abgeben. Der Schnitt ist nicht mehr in meinen Händen, ich weiß nicht, was damit passiert. Die Möglichkeit, am Theater über einen Zeitraum etwas zu entwickeln, liebe ich unheimlich.
Ihre Vita mit den vielen Ortswechseln liest sich fast wie der Lebenslauf eines Fußballprofis. Haben Sie Angst davor, irgendwo „fest“ zu sein?
Bin ich wirklich so viel rumgereist? (lacht) Aber stimmt wohl, es gibt so was bei mir. Wenn ich das Gefühl habe irgendwo zu fest zu sein oder jemand verfügt über mich, dann gibt es bei mir so etwas wie einen Fluchtinstinkt, das ist ganz komisch. Es ist deshalb ein Geschenk, dass ich unsere Intendantin Karin Baier so lange kenne, sie alles von mir weiß und sie mir auch ermöglicht, diese Ausflüge zu machen. Vielleicht wäre ich ohne die an dem einen oder anderen Punkt schon ein Stück weiter in meiner Entwicklung. Aber ich bin zu gerne am Theater und drehe auch zu gerne, als dass ich auf was verzichten möchte.
Der ständige Bühnenwechsel hat sie gesundheitlich schon mal zu einer Auszeit gezwungen. Gehört das zum Berufsrisiko?
Das glaube ich ganz stark. Wie das in vielen Berufen so ist, passt ja niemand auf einen auf. Man muss irgendwann selber lernen, auf seinen Körper und seine Psyche zu hören. Und wann man auf die Bremse treten muss. Erschöpfungssyndrome nehmen in unserer Gesellschaft überall zu, die betreffen nicht nur Schauspieler. Das hat was mit dem Tempo unserer Welt zu tun. Und wenn man wie ich, der aus dem Sportlichen kommt und immer denkt, der Körper funktioniert ja, dann funktioniert das genau nicht.
Welche Lehren haben Sie gezogen?
Ich habe zum Beispiel den ganzen letzten Sommer vier Monate lang alles abgesagt, nichts gedreht. Diese Auszeiten muss ich mir nehmen. Das möchte ich auch wegen meiner Familie. Ich möchte ja auch für die da sein. Das Leben geht ja wahnsinnig schnell. Und wenn man durch Schwächephasen geht, kann man nur von Glück reden, wenn man eine Familie hat, die einen darauf aufmerksam macht, dass man Gefahr läuft gerade etwas zu überdrehen.
Sind Sie ein Familienmensch?
Ja, ich suche die Familie immer wieder. Auch im übertragenen Sinne. Für mich sind Freunde ein starker Halt, die ich genauso zur Familie zähle. Und wenn man sich am Set wieder trifft oder am Theater, ist das für mich auch so eine Art Familie. Ich brauche den Zusammenhalt. Und ich muss die Möglichkeit haben, mich zurückzuziehen.
Sind Sie in Hamburg jetzt endlich angekommen?
Für mich ist Hamburg ein richtiges Zuhause geworden, ich habe lange gebraucht, um Fuß zu fassen und eine Nähe zu kriegen. Das ist in Köln sehr viel einfacher. In Nordrhein-Westfalen, wo ich herkomme, mag ich die Direktheit der Leute. In Hamburg braucht man da ein bisschen Anlauf. Vielleicht lag das aber auch an mir. Mittlerweile ist es so, dass ich mir nicht vorstellen kann und möchte, hier wegzugehen.
Was macht Hamburg für Sie aus?
Das sind natürlich Beziehungen, Menschen die hier leben, die ich gar nicht verlassen möchte. Und die Stadt natürlich auch. Ich mag den Hafen wahnsinnig gern, ich mag das Wasser, das mir immer ein Gefühl von Freiheit gibt. Ich war als Kind mit meinen Eltern jedes Jahr in Kroatien am Meer. Das ist für mich etwas sehr Vertrautes. Und schließlich natürlich die Familie.
Was haben Ihre Eltern gesagt, als Sie sich nach einer sogenannten vernünftigen Berufsausbildung nicht für eine bürgerliche Karriere, sondern für das Theater entschieden haben?
Das Vernünftige hatte ich ja schon gemacht, auch wenn ich nie in dem Beruf gearbeitet habe. Meine Eltern hatten Vertrauen in mich, ich weiß auch nicht warum. Aber egal, was ich angefangen habe, ich habe das immer zu Ende gebracht. Dadurch habe ich vielleicht Zeit verschenkt, aber dadurch waren die sich wohl auch sicher und haben gesagt: Mach das.
War das Abi auf dem zweiten Bildungsweg eine Konzession an die Eltern?
Nein, das wollte ich. Es ist vielleicht seltsam, aber ich hatte immer so ein inneres Gefühl, etwas beweisen zu müssen. Heute würde ich so nicht mehr denken. Aber als Jugendlicher, wenn man aus einem Elternhaus kommt, wo Deutsch nicht die Muttersprache ist, ist man schnell geneigt so zu fühlen.
Was hat Sie so relativ spät überhaupt zur Schauspielerei gebracht?
Während des Abis musste ich wegen meiner vielen Verletzungen meinen Kindheitstraum Fußballprofi ad acta legen und fragte mich, was eine ähnliche Leidenschaft für mich sein könnte. Ich weiß noch, dass ich als Kind manchmal vor dem Fernseher mit den schlechtesten Fernsehserien saß und dachte, was die machen kann ich auch. Dann hatte meine erste wirkliche Freundin eine Schwester, die mit einem Schauspieler zusammen war. Von dem wurde immer geschwärmt. Ich wollte einfach beweisen, dass ich genauso toll bin wie der. Dann habe ich das probiert und wurde gleich auf allen Schulen angenommen, bei denen ich mich beworben hatte.
Sind Sie ein Promi?
Das würde ich von mir selber nie behaupten. Aber man wird mittlerweile natürlich auf der Straße öfter angesprochen. Das finde ich nur unangenehm, wenn meine Tochter dabei ist, weil das für sie ganz komisch ist.
Fühlen Sie sich als Sohn einer Migrantenfamilie eigentlich als Prototyp dafür, dass Multikulturalität eine gesellschaftliche Bereicherung ist?
Ich für mich denke da nie drüber nach. Aber grundsätzlich glaube ich das total. Ich finde es erschreckend, in welche Richtung ein Teil unserer Gesellschaft grade läuft, wenn ich an den rechten Terrorismus denke; dass es in einem Land wie Deutschland wieder so weit geht, solche Ängste von rechts zu schüren; dass solch Denken in unserer Gesellschaft wieder Platz hat, wenn auch nicht immer in dieser Radikalität. Wenn Menschen glauben, selbst nach Aussagen eines Björn Höcke immer noch AfD wählen zu können, müssen wir das ernst nehmen. Wir dürfen diese Leute nicht einfach beiseiteschieben, sondern müssen den Diskurs führen. Und wach bleiben.
Bitte ergänzen Sie...
Wenn ich mal nicht auf der Bühne oder vor der Kamera stehe . . . gehe ich spazieren, an der Elbe vor allem, aber ich mag auch den Jenischpark sehr gern.
Immer schon mal machen wollte ich . . . wahnsinnig gern ein Spiel an der Anfield Road in Liverpool sehen oder mit dem Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, mal einen Wein trinken. Ich mag den unheimlich, als Menschen und wie er über Fußball denkt.
An Hamburg stört mich am meisten . . . das Wetter, ganz besonders im Winter. Bei allem Optimismus der Hamburger, die immer sagen, wir haben die meisten Sonnenstunden. Ich weiß nicht, wo die sind. Diese graue Suppe, die uns gefühlt seit Monaten begleitet, schlägt mir ganz schön aufs Gemüt.
Soziale Medien wie Instagram sind für mich . . . ein Rätsel, ich hab das alles nicht. Ich glaube, ich wäre damit überfordert. Allein die Frage, jemand will mit dir befreundet sein und wie sage ich das ab. Man kann das natürlich auch rein beruflich sehen, vielleicht wage ich mich da noch hin.
Privat ins Theater gehe ich . . . leider viel zu wenig, weil es meine Zeit so selten zulässt. Ich versuche dann immer, wenn ich frei habe, in zwei Wochen so viel wie möglich nachzuholen.
Rote Teppiche sind für mich . . . Beruf und nicht einfach. Es gehört dazu, aber ich mag lieber den grünen Rasen.
Zur Person Der Sohn kroatischer Migranten (43) war bereits 21 Jahre alt, als er das erste Mal mit dem Theater in Berührung kam – als Besucher. Vorher galt seine ganze Leidenschaft dem Fußball, als Jugendlicher bei TSV 1860 München, später dann bei Viktoria Köln und bis in höhere Spielklassen. Ljubek machte in seiner Geburtsstadt Bocholt seinen Realschulabschluss, bevor er nach München ging und dort eine Ausbildung als Industriekaufmann absolvierte. In Köln holte er das Abitur nach.
Zurück in München studierte er Schauspiel an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule. Der leidenschaftliche Fußballer spielte danach auf den großen Bühnen in München, Wiesbaden, Köln und Berlin, bevor ihn zur Spielzeit 2013/2014 die neue Intendantin des Deutschen Schauspielhauses, Karin Beier, mit nach Hamburg nahm. Er feierte gerade Premiere in „Das Schloss“ von Kafka. Parallel gehört er zu den aktuell viel besetzten deutschen Film- und Fernsehschauspielern, zum Beispiel im „Tatort“ oder zuletzt als Ermittler in der deutsch-französischen Polizeieinheit in der ARD-Krimiserie „Über die Grenze“.
An den Hamburger Kammerspielen führte er Regie im Stück „Westend“, das zuletzt im Januar wieder auf dem Spielplan stand. Ljubek lebt mit seiner Frau Maja Schöne (44), preisgekrönte Schauspielerin am Hamburger Thalia Theater und in vielen Filmrollen, und seiner Tochter in Hafennähe.
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Day 2 of my Internship. Today was a bit stressful for everyone. Except me. I was shown the program with which they work and I corrected a text (even though there were no mistakes to begin with). The text I did with the help of the journalists was printes in todays issue. It made me feel kind of proud? Even if they helped me a lot it, was my text to begin with. #internship #stage #tageblatt #article #proud #stress #program #culture #fighting #loveyourself #imtheoneishouldloveinthisworld https://www.instagram.com/p/Bwrw3TYl8QG/?utm_source=ig_tumblr_share&igshid=12r8uv7k53ndb
Second day Internship at Tageblatt. To be honnest? It was pretty awesome. Yeah sure I made mistakes but people were so nice while explaining everything to me so I didn’t feel dumb but rather interested in learning how to do it right. Really hope this continues like that. #internship #tageblatt #journalism #student #girl #blondehappy #learning #smile #rain #spn #loveyourself #imtheoneishouldloveinthisworld https://www.instagram.com/p/BwpMXtWFEk3/?utm_source=ig_tumblr_share&igshid=139cmqc3kosce
“Neue Buxtehuder” August 2017