Erst 2003, dann 2019
Keine Zukunft (ohne neue Haarfrisur)
2003
Ich bin in der 8. Klasse und beschĂ€ftige mich intensiv mit dem Aufbau einer eigenen Musiksammlung und IdentitĂ€t. Von S. bekomme ich meine ersten Ărzte-mp3s: Meine Ex(plodierte Freundin), Schrei nach Liebe, Jag Ălskar Sverige. Ich höre die wenigen Lieder immer und immer wieder und habe groĂes Interesse daran, meine Sammlung zu erweitern.
Dazu gehe ich in die Stadtbibliothek und leihe mir die einzige Ărzte-CD, die dort verfĂŒgbar ist, um sie zuhause zu rippen. Es handelt sich um Le Frisur. Zuhause, nach dem Rippen, stelle ich fest, dass ich das Album nicht so gut finde oder irgendwie gerade nicht so viel damit anfangen kann. Ich speichere die mp3s trotzdem und ĂŒbertrage sie auch in den folgenden Jahren immer auf meinen jeweils neuen Computer, wenn ein altes GerĂ€t ausrangiert wird. Dabei höre ich mir niemals das Album an. Ich denke mir aber jedesmal: âDas sind die Ărzte, das kann so schlecht nicht sein. Vielleicht höre ich ja bald mal rein.â
2019
Mein Kollege steht bei mir im BĂŒro, spricht mit mir, zitiert dabei etwas und fĂ€ngt an, laut zu lachen. Da ich nicht mitlache, erklĂ€rt er mir schnell den Kontext, nĂ€mlich dass der zitierte Text vom Ărzte-Album Le Frisur stammt. Mit der ErklĂ€rung und im Zusammenhang mit unserem GesprĂ€ch ist das Zitat tatsĂ€chlich unfassbar witzig. Ich erinnere mich, dass ich Le Frisur seit 16 Jahren in meinem Dateisystem mit mir herumtrage.
Als der Kollege mein BĂŒro verlĂ€sst, starte ich einen Musik-Streaming-Dienst, bei dem ich einen Account habe, und spiele das Album ab. Die 2003 gerippten Dateien liegen warm und sicher bei mir zuhause auf einer Festplatte. Vermutlich werde ich sie nie verwenden. Das Album ist aber in der Tat sehr gut.
(Esther Seyffarth)















