Mafia oder doch nur Langeweile
Das ist mal wieder klarer Fall von Blödsinn basierend auf einem Missverständnis im Gruppenchat.
So sitze ich nun hier. Die Cover sämtlicher unter meiner Herrschaft entstandenen Schülerzeitungen hinter mir an der Wand aufgehängt. Ihre teuren Goldrahmen reflektieren müde das gedämpfte Licht. Vor mir steht ein schwerer Schreibtisch aus alter Eiche. Dem blutverschmierten Geldstapel, den nicht mehr ganz so weißen Handschuhen oder dem beschmutzten Messer schenke ich keine Beachtung.
Ich lehne mich ein wenig zurück, um das gesamte Ausmaß der neusten Katastrophe völlig aufnehmen zu können. Der mit rotem Samt bezogene Sessel knarrt ein wenig unter mir.
Wie konnte es nur so weit kommen? Sollte meine harte Arbeit umsonst gewesen sein?
Gedankenverloren streiche ich meinem schwarzen Kater Baal über das Fell.
Es war so schwer gewesen, dieses Imperium aufzubauen. Mühevoll und unter hohem Energieaufwand hatte ich dem Karolinen Kurier wieder zu Ruhm und Ehre verholfen. Ich zog ihn wie einen Phönix aus der Asche auf. Ein Projekt, welches mir alles abverlangte.
Ich wäre über Leichen gegangen. Dennoch. Ich musste gehen. Meine Zeit war gekommen.
Also übergab ich meinen Platz. An eine Frau, der ich diesen hohen Posten zugetraut hatte. Wie sehr ich mich nur in ihr getäuscht hatte.
Ich habe ihr vertraut, ihr mein Baby arglos in die ach so verräterischen Hände gelegt. Naiv und unbedacht war mir das durch ein sorgloses Lächeln versteckte Messer hinter ihrem Rücken entgangen.
Eine einzelne Träne rollt mir über mein ansonsten versteinertes Gesicht. Ich fühle nichts. Nichts außer Enttäuschung und Bitterkeit.
Hervorgerufen von Hochverrat. Hochverrat an mir, an dem Karolinen Kurier und an der gesamten Welt.
Das sollte nun aus meinem Erbe geworden sein? Wie konnte sie mir nur so etwas antun?
Mein Lebenswerk liegt in Scherben vor mir.
Blanke Wut durchströmt mich, dringt bis in die kleinsten Ecken meiner Selbst und übernimmt mich, übernimmt meine Gedanken, übernimmt mein Handeln.
Angestrahlt von meinem Lichttherapiegerät fasse ich einen Entschluss.
Ich werde mir zurückholen, was mir gehört.