Schwund aus Berlin hat sich in seiner Jugend offenbar alle Platten der frühen Neuen Deutschen Welle gebraucht gekauft, in kleine Häppchen zerteilt und verspeißt, zumindest die Komplett-Diskografien von D.A.F. und Der Plan, ein paar Alben von Andreas Doraus und Die Radierer und dann noch ein paar The Wirtschaftswunder- und Pyrolator-Singles als Nachschlag. Anders jedenfalls kann ich mir nicht erklären, wie er auf seinen bisher vier Bandcamp-Releases den Synthie-Punk-Sound von 1978-1982 so auf den Punkt und krachig reproduzieren kann. Und auch die spröde Pop-Sprache und -Singart dieser Zeit hat er sich draufgepackt, mit Wörtern wie "Gedankenüberfall”, "Draht-Union” oder “Touri-Salat” und dieser hysterisch-agitatorischen Art zu singen.
Gesehen habe ich ihn vor, lass nachschauen, zwei Wochen im Salong der Akademie der Künste hier in München. Hauptact und -kommensgrund waren ja eigentlich die auch tollen Die Hartjungs, aber Schwund hat ohne einmal von seinen Synthies aufzuschauen die Party geklaut. Sein komplettes Set über sind alle im Raum ohne Pause wild umhergehüpft, es war wie in einer Hüpfburg für Adoleszente. Vielleicht gibt’s später noch ein Gif davon. Bis dahin solltet ihr euch auf jeden Fall noch den Titeltrack “Gedankenüberfall” geben, und dann ab zu Soundcloud und zwei Stunden durchlaufen lassen. Ist zumindest meine Abendgestaltung.