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Wir sollten aufhören so zu tun als hätten Frauen keine Haare an den Beinen. Die Intoleranz gegenüber Frauen, die sich nicht rasieren, und Männern, die sich rasieren, ist ein weiterer Beweis unseres erbärmlichen Patriarchats.
Drüber zu sprechen ist ein erster Schritt.
mein körper
manchmal seh ich in den spiegel vor mir und schau auf mein gesicht, meine haut die gerade ziemlich unrein ist, mit pickeln, meine augen die müde aussehen, meine augenbrauen, die nicht gezupft sind und wild wachsen, meinen mund, meine lippen die komisch geformt sind, der flaum der über meiner oberlippe wächst, die schwarzen härchen die ab und zu an meinem kinn auftauchen, meine haare, mit denen ich zwar gerade ziemlich zufrieden bin, aber manchmal verzweifle weil sie so unförmig von meinem kopf abstehen und fettig aussehen.
und wenn ich mich ganz ausziehe sehe ich meine körperbehaarung, meine schwarzen beinhaare, die schamhaare, die sich buschig kräuseln, die haare die wie ein steg zu meinem bauchnabel hoch wachsen, die härchen die um meine brustwarzen wachsen, die haare die unter meinem achseln wachsen und sich kräuseln...
und dann wenn ich mich so genau ansehe finde ich mich ziemlich hässlich. ich will mich gar nicht weiter ansehen. kann nicht verstehen, wie irgendjemand mich so anschauen will, wer mich nackt sehen will. kann es nicht verstehen wie menschen zuneigung zu mir fühlen können. ich habe meinen körper früher gehasst. ich habe jede einzelne stelle gehasst, bis auf meine dreads, die ich damals hatte. inzwischen habe ich gelernt, dass mein körper okay ist, so wie er ist, ihn zu akzeptieren. aber trotzdem fällt es mir schwer meinen körper zu mögen, ihn gut zu behandeln. ich frag mich ob ich mich doch rasieren sollte. und ich denke das ist nicht mein eigener wille sondern die beeinflussung von medien und gesellschaft. ich denke ich wäre schöner ohne körperbehaarung. aber da glaube ich nicht, denn so möchte ich nicht sein, ich will natürlich sein.
es ist ein kampf, ich muss meinen körper lieben lernen, so wie er ist, so wie ich ihn verändern kann.
“Wir rasieren euch komplett wie Friseure bei der Army”
Hanybal - Haramstufe Rot

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Manchmal etwas unfair 😌
Preiswert und überraschend kraftvoll – so gut ist der Reiserasierer von Metz im Test
Raizes do Brazil
1.
Als Onkel Franz 14 Jahre alt war und sich am Tisch schon ein zweites Stück Kirschkuchen nahm, während die übrigen Familienmitglieder noch mit dem ersten Stück krümmelten, sagte jemand: Wie Vati, der isst auch so schnell! Jemand anderem, hoffentlich nicht dem rivalisierenden großen Bruder, rutschte raus: Verrückt, und das, wo er nicht dein Vater ist!
So soll Franz im Alter von 14, das erzählt eine Familienlegende, das aller erste mal von den römischen Verhältnissen, also von gewissen Ausschweifungen im deutschen Erb- und Managerhaushalt erfahren haben, während seine älteren Geschwister angeblich alle schon Bescheid wussten. Aber das habe doch erzählt, habe ich doch, oder? wurde später eine Art stehende Redewendung und dämmriger running-gag in dem Zweig der Familie. Oma hatte für ein 1:1 gesorgt, Opa war auch ausschweifend.
Oben im Bild übrigens Sergio, wie Sergio de Holanda. Sergio junior war ja auch der Sohn des brasilianischen Schreibers Sergio senior. Sergio jr. , wie Chico Buarque, er war ja auch der Halbbruder von Chico Buraque. Der Mann im Bild, das ist mit vollen und legalem Namen Sergio Günther, wie Klaus Günther. Sergio war ja auch moderater Moderator wie Klaus Günther, allerdings drüben, also im Osten, in der DDR, wo er 1981 starb.
Mit der Brille wird das vorstellbar: Sergio Günther konnte der Dieter-Thomas Heck Ostdeutschlands gewesen sein. Die Geschichte ist bekannt, seitdem Chico Buarque einen Text daraus gemacht hat. Er nennt diesen Text einen Roman ("Mein deutscher Bruder"). Römisch ist der Text, also nicht aus dem unerschütterlich guten Gewissen heraus geschrieben, das erst die permanente Reformation hervorgetrieben hat.
2.
Vater Sergio (vom Sohn Chico eventuell jetzt abschweifend besungen u.a. in dem Song Cálice) hat ein Buch über dasjenige Brasiliens geschrieben, was man dort Raizes nennt. Nichts ist ohne!
Die Familie Buarque de Holanda ist nicht ohne. Brasilien ist auch nicht ohne. Man könnte Raizes, wie Martin Heidegger in dem Text über den Satz vom Grund das tut, mit Grund übersetzen, läge dann auch nahe, dass dann alles Boden unter den Füßen hat (wenn es denn Füße hat) und nichts schwebt.
Scheint aber gerade nicht der Fall zu sein, weder bei den Familien noch in Brasilien. Vilém Flusser nennt einen seiner autobiograpischen Berichte aus Brasilien treffend: Bodenlos. Nicht nur Exilanten wie Flusser, auch die Kolonialherren, die Sklaven und ihre Nachfahren, die Indigenen, die in ihrem unbeständigen Umgang mit Zeit und Raum nicht auf das Ursprüngliche verpflichtbar und insoweit alles andere als Ureinwohner sind, sondern jene tropische Sozietät bilden, die ihre Apokalypse schon hinter sich hat: sie alle kennen die Bodenlosigkeit bestens. Als Nachbarin Bianca erschossen wurde, merkte ich an, dass diese Gesellschaft bald explodieren würde. Ana Maria, beste Kennerin, korrigierte mich: Nein, das tut diese Gesellschaft seit 500 Jahren mit Schußwaffen, vorher flog sie anders auseinander.
Mit Raizes können auch Ursachen oder Prinzipien, so etwas wie (z.B. Ermächtigungs-) Grundlagen gemeint sein. Das Buch des Vaters Sergio kann man juridisch lesen: Alles lässt sich rechtfertigen, alles auf etwas zurückführen, alles hat Gesetze, alles kommt angeregt, geregelt oder regelmäßig oder wenigstens wie der Regen vor (also nicht unbedingt aus Gründen, sondern manchmal auch aus Wolken und meteorologisch).
Man kann Raizes auch mit Norm und Norm wiederum mit Bett übersetzen: Die Betten Brasiliens. Das wäre nicht schlecht, denn in Brasilien geht einiges auf und ab, wie die Flüsse und die Gründerpärchen. Alles ist gebettet und in Phantasien allzeit bereit, dem Sohn Sergio könnte diese Übersetzung besonders gut gefallen haben.
3.
Raizes würde ich, seitdem ich für the making of sils-maria die Rasenmäher auf dem Golfplatz in Sils-Maria studiert habe, mit einem Wort übersetzen, das etwas bezeichnet, was zwischen Rasen, Rasur, Raison, Reizen, Ratio(n), Radikalität und Radieschen sich bewegt und alles das assoziiert. Anregungen für diese Übersetzungen haben neben des Rasenmähern von Sils-Maria auch Pedro Parini und Thomas Schestag gegeben. Das Abgrasen Brasiliens? Das Rasieren Brasiliens? Das von unten nach oben Ragende (oder Wütende?) Brasiliens? Die Reize Brasiliens? Das Raisonieren Brasiliens? Die Raison Brasiliens? Das Brasilianische 'rationieren'? Too much, too soon.
Die letzte Version ist schon nicht schlecht, aber leider fällt mir noch kein deutsches Wort ein, das Rasen, Rasur, Radikale, Radieschen, Rationen, Reize und Raison bezeichnet. "Unitrac 95 L" ginge eventuell als mutige Übersetzung, aber ich will keine Schleichwerbung für Traktoren machen und der Unitrac 95 L kommt auch nicht aus Brasilien. Vielleicht sollte man Raizes als Fremdwort aufgreifen und beharrlich eindeutschen. Noch einmal mutiger: Die Raisen Brasiliens, oder für Heidi (Klum): The Raising of Brazil. Das stelle ich mit auch mit deutschem Akzent gut ausgesprochen vor. Die Reise Brasiliens, das Reissen oder der Riss Brasiliens, the Rising of Brazil. Der (Auf-)Stand Brasiliens? Zu populistisch und kompliziert in einem.
4.
Die deutschen Übersetzer, die das Buch für Suhrkamp übersetzt haben, haben sich für Wurzeln entschieden, die nennen das Buch von Sergio Buraque de Hollanda "Die Wurzeln Brasiliens". Sollte halt in Deutschland ein Bestseller werden. Werden die Deutschen radikal, sprechen sie nicht so gerne über Rasen oder Wüten, sondern lieber von ihren Wurzeln, Gemüsen und Gemüten (ausnahmsweise kein Rechtschreibfehler). Das Buch von Sergio Buarque de Holanda ist ein Klassiker aus den dreißiger Jahren, ein erklärungsreiches Buch, das mir mit seiner Erklärdichte wiederum ein Indiz für die Wahrheit der Arbeitsthese ist, mit der ich 2019 nach Brasilien ging. Die lautete nämlich, dass die Brasilianer die Russen Südamerikas sind. Weil die Russen alles im Alltag immer erklären und das auch erklären können, weil sie unübertroffene Meister darin sind, für alles eine Erklärung entweder parat zu haben oder aber aus dem Stehgreif entwickeln zu können und weil Sergio Burque de Holanda wirklich meisterliche Erzählungen dafür liefert, was und warum Brasilien so geworden sein soll, wie es damals war sehe ich einen russischen Zug in dem Buch.
Die Russen fabrizieren gute Literatur, das perfekte Buch kommt aus diesem Land (Anna Karenina). Gute Literatur ist "Die Wurzeln Brasiliens" auch, wirklich gute Literatur aus dem südlichen und oberen Drittel Brasiliens, von anderen Orten wurde anders geschrieben. Sohn Sergio Günther wird in der später sowjetische besetzten Zone, dann in der DDR verwurzelt, sagen wir mal: dorthin verpflanzt. Wenn das mal kein Zufall ist!
Na gut, ich habe nicht entschieden, den Titel des Buches Raizes do Brasil mit "Die Wurzeln Brasiliens" zu übersetzen. Ich hätte den Titel: "Das Rasen Brasiliens, seine Radikalen und ein paar Radieschen" gewählt. Darum werden meine Bücher eventuell auch nie Bestseller, obschon sie doch alle wirklich sehr sehr gut sind.