Berolina - Die Berliner Patronin
Kaiser Wilhelm I. ließ 1871 auf dem Belle-Alliance-Platz, der heute Mehringplatz heißt zum Einzug der im Deutsch-Französischen Krieg siegreichen Truppen eine elf Meter hohe Berolina als Schmuck aufstellen. Eine weitere Berolina wurde als kurzfristigen Festschmuck für den Potsdamer Platz anlässlich des Besuchs des Königs Umberto von Italien im Jahr 1889 aufgestellt. Die 7,50 Meter hohe Figur wurde in Gips hergestellt und zeigte eine Frau mit Eichenkranz. Vorlage soll ein Gemälde aus dem Roten Rathaus gewesen sein, das die Berliner Schustertochter Anna Sasse darstellte. Eine in Kupfer getriebene Berolina-Statue wurde am 17. Dezember 1895 aus dem Entwurf Emil Hundrieser vor dem „du Trosselschen Haus“ in der Alexanderstraße 70 enthüllt, das 1904 dem Warenhaus Tietz weichen musste. Während der Novemberrevolution 1918 wurde die Figur beschädigt und kurzzeitig in Berlin-Treptow repariert. Anfang 1927 musste sie den Bauarbeiten der U-Bahn weichen. Nachdem der Magistrat die Statue eigentlich nicht wiedererrichten wollte, da sie zu sehr an die Wilhelminische Zeit erinnerte, wurde sie auf Drängen der Berliner Bürger im Dezember 1933 vor dem Alexanderhaus auf einem schlichteren Sockel erneut aufgestellt. Am 26. August 1942 wurde die Statue schließlich endgültig abgebaut und vermutlich zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Der Sockel wurde 1958 entfernt und soll laut Zeitzeugen am Müggelturm zusammen mit anderem Schutt vergraben worden sein.
Die 7,50 Meter hohe Berolina-Figur aus Kupfer stand auf einem 6,25 Meter hohen Sockel aus rotem schwedischen Granit. Mit der rechten Hand hielt sie das Berliner Stadtwappen mit der linken wies sie – laut Heinrich Zille – auf eine nahegelegene Bedürfnisanstalt. Auf ihrem Kopf trug sie die städtische Mauerkrone.
Im Märkischen Museum befindet sich ein verkleinertes Modell der Berolina-Statue. Von den Berlinern wurde die fünf Tonnen schwere Figur liebevoll „Bärenlina“ genannt.Zur Wiedererrichtung des Berolina-Standbilds wurde im Jahr 2000 der „Förderverein zur Wiedererstellung und Pflege der Berolina e. V.“ gegründet.
An dem Standort vor dem Alexanderhaus, wo einst die Berolina stand, steht seit den 1960iger Jahren ein anderes Berliner Wahrzeichen, die unter Denkmalschutz gestellte Weltzeituhr.Auch wenn man die Statue nicht am originalen Ort wiedererstehen lassen kann, ist es für Berlin und seine Bürger eine Herzensangelegenheit die Patronin der Stadt auch an einem anderen Ort in Berlin wieder aufzubauen.











