Jetzt ist unsere Zeit auf Okutala auch schon wieder vorbei. Heute Morgen kam Doktor Simone noch zu einem SchwÀtzchen vorbei, denn sie hatte gesehen, dass Micha die Wildkamera abbaute.
Sie gab uns ihre Email und Handynummer damit wir ihr privat, gegebenenfalls, interessantes Bildmaterial zusenden können.
Micha fĂŒhlte Frau Doktor auch noch einmal wegen der Harnas Geschichte auf den Zahn und sie bestĂ€tigte genau das, was wir bereits bei dem Personal heraus kitzeln und uns zusammen reimen konnten ...
... als Corona kam und das Heer der krĂ€ftig zahlenden VolontĂ€re ausblieb, brach das ganze Konstrukt zusammen und die Bagage zog ab und lieĂ alles zurĂŒck, so wie es war. So viel zur angeblichen Tierliebe, Animal Sanctuary und GemeinnĂŒtzigkeit!
Ich hoffe nur, der armen Tiere wegen, dass der liebe Gott fĂŒr diese Bande einen Platz in Dantes Hölle vorgesehen hat und sie dort fĂŒr alle Ewigkeiten schmoren werden.
Doktor Simone war ganz erstaunt zu sehen, dass nur noch wir die einzig ĂŒbrig gebliebenen GĂ€ste waren. Wir hingegen drĂŒckten ihr gegenĂŒber unsere Verwunderung darĂŒber aus, dass die Lodge zur Zeit ĂŒberall als "nicht buchbar" oder "fully booked" gelistet ist.
Simones Kommentar: "Schon wieder?" fanden wir dann doch entlarvend. Irgend etwas stimmt hier nicht. Da ist etwas hinter den Kulissen im Gange. Unsere persönliche Vermutung: es wird demnÀchst einen russischen Investor geben, der Besuch dieser Gruppe war kein Zufall.
Und jetzt mal ganz ehrlich: so eine russische Peitsche wĂŒrde diesem Personal hier ganz gut tun. Die Performance, die diese Truppe hier abliefert, ist unter aller Kanone.
Beim heutigen FrĂŒhstĂŒck durfte uns wieder die "hellste aller Kerzen" bedienen: Hedwig. Ein reizendes DamaramĂ€dchen, leider hatte der liebe Gott beim Gehirn verteilen einen sehr schlechten Tag.
WĂ€hrend ich meine ĂŒbliche Position am einzig verfĂŒgbaren Toaster einnahm, gab ich ihr unsere Eierbestellung auf. SorgfĂ€ltig notierte sie sich mit Block und Stift - genau wie gestern auch schon: 2 fried eggs with bacon, only bacon, nothing else. Und zwar fĂŒr uns alle 3, damit es nicht so kompliziert wird fĂŒr sie. Gott bewahre, wenn da jetzt noch einer mit, einer ohne, und der andere Beans haben will.
Dann wunderte ich mich, warum diese dÀmlichen Toasts nicht toasten. Es stellte sich heraus: die gute Hedwig hatte den Stecker gar nicht eingestöpselt: "Oh, sorry, sorry, I forgot!"
Wir schleppten unsere Beute rĂŒber zu unserem Tisch und ich stellte fest, dass die Marmelade auf dem Buffet heute Morgen fehlte, was Hedwig zu der Frage veranlasste: "Oh, you really like jam for breakfast?" Ja, das tun wir tatsĂ€chlich!
Nachdem diese HĂŒrden nun alle gemeistert waren und wir zu dritt endlich am Tisch saĂen, kam Hedwig noch einmal mit Block und Stift und nahm nochmals die Eierbestellung auf.
Wieder notierte sich die Eierbestellung sehr genau und kommentierte jetzt: "Oh, for all three of you?" Ja, fĂŒr uns alle 3 - genau wie vorhin schon einmal bestellt und gestern ebenfalls.
Wie sagte doch damals unser chinesischer Reiseleiter in Hong Kong: Immer lÀcheln, auch wenn kein Grund!
Irgendwann, nachdem wir nahezu fertig mit dem FrĂŒhstĂŒck waren und Doktor Simone uns nochmals zur FĂŒtterungstour (ĂŒbrigens kostenlos) einlud, kamen doch tatsĂ€chlich die bestellten Eier: als Full English Breakfast!
Jetzt Hedwig dazu: "DonÂŽt worry, itÂŽs only decoration!" Ja, der liebe Gott hat schon einmal einen erschlagen, weil der gerade keine Ausrede wusste.
Die Einladung zu FĂŒtterungstour mussten wir wegen der spĂ€ten Spiegeleier ausschlagen, sonst wĂ€ren wir gar nicht mehr weggekommen, denn wir mussten ja auch noch den check-out bewĂ€ltigen.
Da wartete dann die nĂ€chste Ăberraschung auf uns: die Rechnung stimmte vorne und hinten nicht. Irgend jemand - vermutlich Intelligenzbestie Hedwig - hatte uns einen Lunch von 3 Kudusteaks aufs Zimmer berechnet.
DafĂŒr fehlten dann 3 pre-paid Dinner. Ob bei den GetrĂ€nken alles korrekt berechnet war, konnte von uns nicht mehr nachvollzogen werden.
Immerhin machten die beiden Ladies an der Rezeption kein weiteres Aufhebens, sondern sie freuten sich mehr darĂŒber, endlich einen 9 to 5 Job zu haben. Die Rechnung wurde in unserem Sinne korrigiert und wir gaben noch ein "ausreichendes" Tip fĂŒr die Gemeinschaftskasse, das wahrscheinlich niemals dort ankommt.
Denn, als wir unten am Haupttor vorfuhren, war dies zunĂ€chst noch geschlossen und vom Gatekeeper weit und breit keine Spur. Micha wollte gerade aussteigen und nachsehen, ob denn ĂŒberhaupt aufgeschlossen war, da schlurfte der Typ (sich die Haare raufend) aus seinem Kabuff: "You have a tip for me?"
"Sorry, what?" "You have a tip?" "Your tip is in the tipbox at the reception!" Damit bequemte er sich das Tor zu öffnen, auf ein ordnungsgemĂ€Ăes Austragen aus der Liste verzichtete er.
Ich glaub, ich spinne! Das ist doch der Gipfel der Dreistigkeit, passt aber total ins Bild: das Personal macht, was es will und alle machen mit.
Jetzt konnte es aber endlich los gehen! Auf der Route zum Etosha-Nationalpark liegt etwa 110 km sĂŒdlich der beschauliche Ort Outjo, den wir natĂŒrlich auch wieder passieren mussten.
Outjo wurde 1880 gegrĂŒndet. Durch die 1895 errichtete Kaserne der deutschen Schutztruppen kamen nicht nur Soldaten, sondern nachfolgend auch Siedler ins Land.
Im Deutschen Kolonialblatt von 1909 steht unter "Der Bezirk Outjo 1907/08" geschrieben: "Die weiĂe Bevölkerung des Bezirks Outjo belief sich am 1. Januar 1908 ohne Einrechnung des MilitĂ€rs auf 137 Seelen.â
Outjo nennt sich selbst - aber, was heiĂt das schon in einem Land von der GröĂe Namibias - "the Gateway to Etosha". Was im Zweifel einfach nur heiĂt: Vorher kommt nichts Nennenswertes mehr.
Wer sich im Etosha-Nationalpark nicht auf die staatliche Inkompetenz verlassen möchte, der ist gut beraten hier schon weitestgehend alle Erledigungen zu tÀtigen und sich einzudecken.
Mehrere Tankstellen, Banken, Souvenirshops und gut sortierte SupermĂ€rkte.Â
Auf einem HĂŒgel steht das Franke-Haus, in dem heute das Outjo -Museum eingerichtet ist. Das Franke-Haus wurde um 1899 gebaut und gehört zu den Ă€ltesten GebĂ€uden der Stadt.
Es war fĂŒr mehrere Jahrzehnte das Wohnhaus von verschiedenen Regierungsbeamten und anfĂ€nglich von Hauptmann Viktor Franke, Kommandeur der deutschen Schutztruppe, wĂ€hrend des ersten Weltkrieges.
Wir folgen der C 38 fĂŒr rund 70 Kilometer bis nach Otjiwarongo. Es geht im Wesentlichen immer gerade aus. Rechts und Links der Strecke weicht der Mopanebusch langsam anderen Vegetationsformen.
Otjiwarongo gibt es zwar schon seit 1892, wurde jedoch erst nach Fertigstellung der Schmalspureneisenbahn offiziell zur Stadt erklÀrt.
Die kaiserliche Kolonialverwaltung hatte Otjiwarongo im Jahr 1906 gegrĂŒndet, zur Schaffung einer Verbindungsstation zwischen Windhoek, Swakopmund und Tsumeb.
Am 2. April 1906 hielt der erste Zug am Haltepunkt Otjiwarongo, im gleichen Jahr wurden eine Post und eine Polizeistation eröffnet und die ersten vier Siedler lieĂen sich nieder.
1939 wurde dem schnell wachsenden Ort das Stadtrecht verliehen. Die deutsche Gemeinde hat nicht nur ihre Spuren in Form von StraĂennamen hinterlassen, sondern ist noch heute an vielen Stellen prĂ€sent.
Vielen ist der Ort nur als "das Tor zum Norden" auf dem Weg zum Etoscha-Nationalpark und dem Caprivi-Zipfel bekannt. Zugegeben, er wirkt mitunter schon ein wenig verschlafen.
Passiert man den Ortseingang des 35.000 Einwohner-StĂ€dtchens, Otjiwarongo, fĂ€llt als erstes die breite DurchgangsstraĂe auf, auf welcher sich das gesamte Leben mehr oder weniger abspielt. Der erste Eindruck ist eher zweckmĂ€Ăig: Tankstellen, Banken und diverse SupermĂ€rkte dominieren das Stadtbild.
Die Hereros, welche hier einst siedelten, nannten den Ort "Platz der fetten KĂŒhe" oder "den schönen Ort". Die Böden sind fruchtbar und die Stadt wirkt grĂŒn, wohlhabend und gepflegt. Ein Hauch von europĂ€ischem Vorstadtcharakter, gewĂŒrzt mit afrikanischer Lebensfreude.
Wir verbringen unsere Mittagspause wieder einmal im Casa Forno - eine exzellente Adresse mit sehr guten Speisen und sicherem Parken durch den eigenen, uniformierten ParkwĂ€chter vor der TĂŒr.
Meine Mutter entscheidet sich fĂŒr die Chicken Liver peri-peri. Ich finde diese Idee groĂartig, insbesondere da ich weiĂ, dass dieses Gericht sehr scharf ist und sie danach viel trinken muss.
In Otjiwarongo wechseln wir auf die B 1 und nun geht es schnurstracks geradeaus. Die nachfolgenden 180 Kilometer sind wohl eine der langweiligsten Strecken die Namibia zu bieten hat.
Wir passieren die Otjibamba Lodge, in der wir ebenfalls, vor vielen Jahren, schon einmal wohnten. Laut Mareike, von der Farm Heimat, hat dort kĂŒrzlich ein neues (deutsch-namibisch) Management ĂŒbernommen.
Abwechselung bieten nur die verschiedenen, ĂŒblichen tierischen VerdĂ€chtigten, die mit am StraĂenverkehr teilnehmen oder die rĂŒcksichtslosen Ăberholmanöver der lokalen Farmer.
Wir passieren rechter Hand die markanten Kegel der Klipkop Farm, mit dessen EigentĂŒmer wir schon so manchen Schwatz auf der Jagd und Hund hatten.
Kurz darauf erkennt man schon von Weitem die berĂŒhmte Einfahrt zum Okonjima Nature Reserve, einem privaten Wildtierreservat das auch die Africat Foundation beherbergt. Insgesamt waren wir dort auch schon zwei Mal zu Gast, das erste Mal 2012 und zum zweiten Mal 2020, wĂ€hrend der "dunklen Coronazeit".
Es geht weiter und immer weiter gerade aus. Das Spannendste, das jetzt noch die Fahrt unterbricht, sind die PicknickplĂ€tze unterwegs am StraĂenrand oder die interessante Personenbeförderung ganzer lokaler Familien.
Endlich erreichen wir die Polizeikontrolle vor Okahandja. Kurz vorher sage ich noch so in die Runde: "Ich bin gespannt, was die Truppe mit dem gammeligen Toyota aus Gobabis jetzt macht."
Denn, mir war klar, dass die so da niemals durchkommen und man sie rauswinkt. Kaum ausgesprochen, biegt der Wagen tatsÀchlich links ab und fÀhrt in einen Schotterweg rein. Die umfahren die Polizeiposten genau, wie die Wilderer und alle anderen Spitzbuben auch.
Das Wort "Okahandja" leitet sich aus dem Otjiherero (einer lokalen Stammessprache) ab und bedeutet in etwa "Der Ort, an dem zwei FlĂŒsse ineinander flieĂen, um einen GroĂen zu bilden".
Wir fahren die Umgehung durch Okahandja und sehen, dass noch viel mehr im Bau ist: unter anderem eine neue BrĂŒcke, am Kreuz B1 und B2.
2 Kilometer hinter Okahandja biegen wir dann dann ab auf die D 2102. Zu unserer groĂen Ăberraschung ist diese gar keine Schotterpiste mehr, wie wir es bisher kannten, sondern eine tiptop nigelnagelneue Teerpad.
Diese StraĂe fĂŒhrt vorbei am Von-Bach-Damm und nach rund 30 Kilometern erreichen wir die Otjisazu Guest Farm.
Wie uns RĂŒdiger, Dauergast und Freund des Hauses, spĂ€ter erklĂ€rt, liegt des RĂ€tsels Lösung darin, dass einer der SWAPO-FĂŒrsten eine Farm an der D 2102 erwarb. Das resultierte nicht nur in eine Benennung einer der Rivier BrĂŒcken in "Professor Sowieso Dingenskirchen", sondern eben auch in eine standesgemĂ€Ăe Teerung der ursprĂŒnglichen Dirtroad.
Gott bewahre, wenn der arme Mann womöglich, genau wie seine niederen Komrades, ĂŒber eine Schotterpiste zu seinem Anwesen fahren mĂŒsste! Nicht auszudenken diese Schmach ...
Um 19 Uhr prĂ€sentierte uns RĂŒdiger das geplante MenĂŒ fĂŒr das heutige Abendessen.
Eigentlich hatten wir uns mit RĂŒdiger zum Sundowner Drive verabredet, doch dicke Wolken machten uns einen ebenso dicken Strich durch die Rechnung.
So blieb es bei dem gemeinsamen Abendessen der wenigen GĂ€ste um 19 Uhr.
Angie, Micha, Mama und der HasenbÀr