Pierre-Yves Colin-Morey, Meursault Narvaux 2010
Und wenn wir schon grade dabei sind, möchte ich noch einen Weisswein kund tun, den ich vor zwei drei Wochen genossen habe und euch ebenfalls nicht vorenthalten möchte. Aber ich möchte an dieser Stelle noch kurz auf die Person und die Philosophie hinter den Weinen eingehen.
Pierre-Yves Colin-Morey ist ein Name, den ich so bis vor zwei Jahren nicht auf dem Radar hatte. Mein lieber Freund Jürgen war es, der mich schlussendlich „drauf gelupft“ hat. Und ja, wer ein wenig recherchiert, wird bei Burgunder Weisswein unweigerlich auf die Namen der Familien Colin stossen – in diesem Sinne danke für den Hinweis Jürgen. Bei Hugh Johnson sind die Colins beschrieben als die führende Erzeugerfamilie in Chassagne-Montrachet und St.-Aubin. Aus der Familie um Marc Colin entstammt Pierre-Yves Colin-Morey, der anfänglich von 1995 bis 2005 für die Weinbereitung auf der elterlichen Domaine zuständig war. Inzwischen sind seine drei Geschwister Joseph, Caroline und Damien auf der Familiendomaine tätig. Während seiner Arbeit auf der Elterndomaine zog Pierre-Yves zusammen mit seiner Frau Caroline Morey (ebenfalls ein bekannter Familienname im Weissweinbereich in Burgund) 2001 einen Négocebetrieb hoch.
Heute Hat er aus seinem Erbteil um die 5 Hektaren Reben herausgelöst, die er selbst bewirtschaftet und via Négoce wird nochmals Frucht aus ca. 3 Hektaren Reben eingekauft. Die wichtigsten Lagen die via Auftragswinzer Eingang in Pierre-Yves Portfolio finden sind aus Puligny-Montrachet Folatières und Champs-Gains, aus Meursault der Village Lieux-dit Narvaux, die Premiers Charmes, Genevrières und Perrières. Dazu kommen Corton-Charlemagne, Bâtard-Montrachet und Chevalier-Montrachet, die die „Gamme“ der Grand Crus abrunden.
Noch kurz ein Abstecher zu Pierre-Yves Vinifikationsmethode. Remington Norman beschreibt wie folgt: Er nimmt eine sehr starke Pressung des ganzstieligen Traubengutes vor – mindesten 3 Stunden bei 2 bar Minimum oder mehr. Er glaubt, dass diese Art des Pressens Premox verhindert. Der Wein wird in Fässern mit den rebbergeigenen Hefen vergoren. Über alle Weine hinweg wird 30% neues Holz verwendet mit Ausnahme des Bâtard-Montrachet, Chevalier-Montrachet und Corton-Charlemagne, die mit ca. 50% Neuholzanteil ausgebaut werden – alles in 350- als auch 228-Liter Pièces. Der grösste Teil der Fässer sind die mit dem grösseren 350-Liter Volumen und auf Batonnage wird verzichtet, um die Weine mindestens 12 Monate auf der Hefe liegen zu lassen. Bis zur Abfüllung wird jeder Wein im zweiten Winter auf die grösseren 350 Liter Fässer umgezogen. Die Abfüllung geschieht ohne Schönung und Filterung.
Doch kommen wir jetzt zum Wein, der uns durch einen schönen Sommerabend führte. Der Meursault Narvaux ist ein Lieu-dit Villages, der in prominenter Nachbarschaft zu Genevrières und in der direkten Verlängerung gegen Norden Perrières-Dessus fortsetzt. In dieser prominenten Nachbarschaft ist es nicht verwunderlich, dass dies auch eine äusserst beliebte Villagelage ist, die zu besonderen Leistungen fähig ist. Ins Glas kommt ein besonders helles Gelb, das brillant im Glas scheint. Die Nase ist sehr leicht eichenduftig, nussig buttrig – nach etwas Zeit an der Luft. Die anfängliche Scheu ablegend folgen Apfel, Zitrus und Haselnuss. Am Gaumen stellt der Narvaux seine Nachbarschaft insbesondere zum Perrières unter Beweis, indem er seine mineralische Spannung unterstreicht und wirklich das Gefühl der in der Schule abgeleckten Schiefertafel hinterlässt. Wunderbar adstringierend im Gaumen sorgt der Wein so für Trinkfluss, Lust auf den nächsten Schluck und ein enormes Gefühl an Frische. Die Aromen am Gaumen sind vielleicht etwas weniger subtil getragen wie in der Nase und die Zitrusnoten und das Holz dominieren noch etwas. In Bezug auf das Holz glaube ich aber, dass dieses so gut eingebunden ist, dass es nicht unmöglich scheint gut eingebunden zu werden mit der notwendigen Reife. Der Abgang ist lang für einen Village und eben erfrischend, was diesem Meursault eine bedenklich kurze Lebensdauer im Glas verspricht. Was die aromatische Entwicklung angeht bin ich überzeugt wird da noch mehr kommen. Meine restlichen Flaschen sind in der untersten Ecke im Keller gebunkert! Ich denke in 5 Jahren werden wir sehen, wohin die Kunst Pierre-Yves deutet, denn ich bin überzeugt, seine Gewächse sind für eine noch längere Lebensdauer ausgelegt, wie lange, wage ich an dieser Stelle noch nicht prognostizieren.












