Gender und soziale Netzwerke
Sich selbst darstellen war noch nie so einfach wie heute. Das Internet hat sich zum wichtigsten Medium fรผr die Jugendlichen etabliert, ein Leben ohne Smartphone โ undenkbar! Im Mittelpunkt steht hierbei die soziale Interaktion zwischen Menschen auf der ganzen Welt. Einerseits ist das natรผrlich eine tolle Sache, wenn man gut bei den Leuten da drauรen ankommt. Wer bekommt nicht gerne Komplimente fรผr seine Figur, Make Up oder Style? Die Anerkennung anderer spielt im Internet eine sehr groรe Rolle. Dennoch gibt es auch viele Leute, welche auf Unverstรคndnis stoรen und deswegen im Internet vielen negativen Kommentaren ausgesetzt sind. Ich persรถnlich finde es super mutig, wenn Leute โandersโ sind, aber auch รถffentlich dazu stehen. Desto betrรผbter bin ich darรผber, wenn diese dafรผr niedergemacht werden. Vor allem soziale Netzwerke bieten hierfรผr leider einen Rahmen, da sie weitesgehend anonym sind. Damit einhergehend offerieren sie fรผr die Identitรคtsentwicklung der Jungen und Mรคdchen so einige Mรถglichkeiten und Risiken.ย
Zuerst sind hier aber einige, allgemeine Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz zu nennen:
Bestรคtigung und Anerkennung auรerhalb des Elternhauses
Freundschaften und Beziehungen zu anderen jungen Menschen aufbauen
Eigene Normen und Werte entwickeln
Geschlechterrollensuche
Umgang mit Risiken
Selbststรคndige Organisation des Sozialverhaltens und Selbstbestimmung
...
Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Betrachtet man diese genauer und stellt sie in den Vergleich mit sozialen Netzwerken, so wird ersichtlich, dass die Entwicklungsaufgaben im Rahmen von sozialen Netzwerken bewรคltigt werden kรถnnen. Diese bieten ganz neue Mรถglichkeiten, sich selbst zu finden und diese Entwicklungsaufgaben anzugehen und zu gestalten. Somit bietet das Internet eine Bewรคltigungsmรถglichkeit fรผr die Jungen und Mรคdchen im Hinblick auf ihre soziale und emotionale Weiterentwicklung. Sie dienen als Experimentierfeld, indem sie ihre eigene Identitรคt finden und ausprobieren kรถnnen. Aber wie bereits erwรคhnt, begegnet man vor allem im Netz immer mehr Hass.
Betrachtet man den Blogger Marvyn Macnificent, welcher fรผr seine Schminktutorials und sein exzentrisches Auftreten bekannt ist, wird besonders deutlich, wie viele Menschen auch heute noch homophobes Gedankengut besitzen. Tรคglich wird er mit Hasskommentaren und Morddrohungen konfrontiert, doch er macht weiter. Er ist ein gutes Vorbild fรผr junge Menschen, sich so zu zeigen, wie man ist und dazu zu stehen. Er selbst sagt dazu:ย
โDa ich selbst schon seit Kindheit auf Hass- und Mobbingerfahrungen sammeln musste, weiร ich heute, wie ich damit umzugehen habe - dass es wichtig ist darauf zu hรถren, wer man ist und wie man sein will und dass man sich nicht durch andere von seinem Weg abbringen lassen soll! Diese Message probiere ich mit Hilfe meiner Videos zu verbreiten!โ.ย
Viele Jugendliche finden sich in dem Blogger wieder und bekommen somit Mut, auch dazu zu stehen wer sie sind und zu zeigen, was sie nun mal gerne tun, auch, wenn es nicht dem Stereotyp entspricht.
Frederkings Ansatz zum identitรคtsorientierten Deutschunterricht zeigt auf, dass die SuS ย immer mehr an Freiheit gewinnen. Es wird angestrebt mit traditionellen Rollenmustern zu brechen und mehr Toleranz gegenรผber anderen Menschen aufzubauen. Ein identitรคtsorientierter Deutschunterricht ist besonders fรผr Jugendliche, die sich in der Phase der Adoleszenz befinden, von Bedeutung. Denn diese suchen sich vor allem Vorbilder. Der Ansatz soll als Rahmen dienen, in denen sich die SuS mit vorgegebenen Rollenbildern, also mรคnnlichen und weiblichen Figuren, auseinandersetzen, diese kennenlernen und identifizieren kรถnnen. Das Ziel ist es, dass sie โzu emanzipatorisch-selbstbewussten Individuen werdenโ. Ich mรถchte meinen SuS insbesondere vermitteln, dass es okay ist, wie sie sind und es mich blรถd gesagt nicht interessiert, welches Geschlecht sie prรคferieren und wie und ob sie sich schminken, egal ob mรคnnlich oder weiblich. Ich mรถchte, dass die SuS ihr Gegenรผber mit all ihren Eigenschaften akzeptieren und respektvoll miteinander umgehen.
Wie steht ihr zu diesem Thema? Wรผrdet ihr es in eurer Unterrichtseinheit thematisieren?
Freue mich auf eure Kommentare.
Eure teachingpenguii
Quellen:
Frederking, V. (2010): Identitรคtsorientierter Literaturunterricht. In: Volker Frederking / Hans-Werner Huneke / Axel Krommer / Christel Meier (Hrsg.): Taschenbuch des Deutschunterrichts. 3 Bde. Bd. 2: Literatur- und Mediendidaktik. Baltmannsweiler: Schneider, S. 414-451.
Interview mit Marvyn Magnificent zum Nachlesen: https://www.kreiszeitung.de/laeuft/schmink-experte-marvyn-magnificent-kommt-onlinestars-nach-bremen-5578199.html
Foto:ย https://twitter.com/mrvynmcnificentย













