Mari Menuco by Javier Vicente
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Mari Menuco by Javier Vicente

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Tag 252 - 19.3.23 Sonntag
Das Ende einer Ziege
Zurück nach Chile zu Marina. Noch in Villa Pehuenia war ich das erste Mal etwas angepisst, da es wiedermal ewig gedauert hat, bis wir endlich los konnten. Es gibt eben immer noch etwas einzukaufen, was man alles schon gestern hätte erledigen können. Dazu da noch einen Schwatz und dort noch etwas … Das hat mich genervt, zumal ich nicht wusste, ob wir nun in fünf Minuten oder fünf Stunden losfahren. Ich habe das dann auch Silvia gesagt und es war auch okay so. Es gab deswegen keinen Streit, aber sie hat es wohl doch ganz gut verstanden. An der Grenze hat es wieder recht lange gedauert und am Ende stellten wir dank Silvias Nachfrage fest, dass ich ja gar keinen Einreisestempel für Chile erhalten hatte. Wir hatten die eigentliche Immigration einfach mal übersprungen und sind gleich zur Autoanmeldung gegangen. Also mussten nochmal alle zurück und dann war ich dank des Stempels kein Illegaler mehr. In Argentinien bekommt man übrigens keine Stempel mehr in den Reisepass gedrückt. Schade eigentlich.
In Marinas Haus haben wir nur kurz Stopp gemacht und sind dann auf den Berg zu Don Vicente gefahren, der aber noch nicht da war. Also sind wir noch weiter zur „Limite“, der Grenze zu Argentinien, gefahren, wo auch ein Mast mit beiden Ländernamen steht. Unter Chile hat wahrscheinlich ein witziger Argentinier geschrieben:“sin mundial“. Das ist echt witzig. Natürlich nicht so für eingefleischte chilenische Fußballfans.
Zurück am Refugio war dann Don Vicente, der Ziegenhirte, da und eine schon abgehäutete Ziege wurde mit geballter Kraft auf einen Spieß geschoben und aufgespannt. Nichts für die Vegetarier unter uns. Das Ganze dauert natürlich ein paar Stunden, die mit allerlei Gesprächen gefüllt wurden. Es kam auch die Schwaster von Marina, Claudia, mit ihrem Mann Ignacio und deren Sohn Ismael. Mit ihm habe ich ein wenig englisch geübt. Aber tatsächlich ist das schulische Wissen doch eher überschaubar. Er ist in der siebten Klasse und hatte Probleme mit der Multiplikation einstelliger Zahlen mit 2! Die Multiplikation mit Drei war aussichtslos. Das sagt natürlich schon einiges darüber, wie schwierig es für männliche Mapuche später auf dem Arbeitsmarkt aussieht. Ich habe versucht, Ismael zu erklären, wie wichtig z.B. eine Fremdsprache sei und er hat eigentlich einen aufgeweckten Eindruck gemacht, aber Mathe …
Wir hatten vergessen, Bier einzukaufen und so gab es ein einziges Bier, welches von Don Vicente noch irgendwo gefunden wurde und welches dann tatsächlich für mich war. Dafür konnte ich ihm mit ein paar Zigaretten aushelfen, die ich noch von Vietnam übrig hatte. Seit ich in Chile bin, habe ich maximal sechs oder sieben Zigaretten geraucht. Geht auch ohne.
Ganz spät sind wir dann nach dem leckeren Ziegenfleisch im Dunklen den Berg heruntergefahren und haben alle vier in Marinas Haus geschlafen. Da Marina „nur“ zwei Schlafzimmer hat, durfte ich mir Julios Geschnarche anhören, was sonst eher Silvias Grundrecht ist. Erstaunlicherweise konnte ich doch etwas schlafen.
Vokabel des Tages: Ziege - cabra
Tag 249 - 16.3.23 Donnerstag
Icalma
Von Melipeuco sind wir mit dem Auto ohne Wohnwagen nach Icalma gefahren. Dort haben die beiden einen Dome als Unterkunft gemietet. Wunderbar, so ein Dom. Es sind zwar nur 8 m im Durchmesser, aber es erscheint von innen riesig. Unten ist der Aufenthaltsraum mit Kamin, Esstisch etc., Küche, Bad und ein Zimmer mit Doppelbett. Es gibt auch einen zweiten „Stock“ mit zwei Betten. Das war mein „Salon“. Nachdem wir alles ausgeladen hatten, sind wir zum Tourismausbüro gefahren, wo wir Marina trafen, welche die beiden schon länger kennen. Dann das übliche: einkaufen, Essen machen. Marina, Julio und ich sind dann auf den Cerro Icalma hochgefahren, von wo man vom Mirador de la Bandera eine phantastische Aussicht hat. Es stehen auch überall die typischen Araucárias-Bäume, die zu den ältesten der Erde gehören. Sie haben harte Blätter mit Dornen, so dass man sich leicht an ihnen verletzen kann. Wenn man „in den Baum“ eindringen will, wird es schmerzhaft, will man raus, ist es kein Problem. Insofern sind die herrlich anzuschauenden Araucárias nicht sehr gastfreundlich. Danach sind wir alle noch zu Marinas Haus in Marimenuco gefahren und von dort steil den Berg hinauf, wo ihr Vater, Don Vicente, einsam in einem Refugio als Ziegenhirte lebt. Dabei hat er unglaublich viel Land in seinem Besitz. Aber er mag die Einsamkeit und das schlichte Leben. Silvia und Julio kannten ihn und haben ihn dementsprechend liebevoll begrüßt. Und selbst der deutsche Amigo war herzlich willkommen. Da es schon dunkel war, und wir noch etwa eine Stunde Fahrt vor uns hatten, war der Besuch bei Don Vicente nur sehr kurz, aber wir haben uns für den Sonntag 17:00 Uhr verabredet. Nach einem Zwischenstopp bei Marinas Haus sind wir alle zu unserem Dome gefahren, haben lecker Once (man isst kein Abendbrot in Chile, sondern „tomar la once“, was nicht anderes ist, als zwischen um Fünf und um Neun etwas zu essen) gegessen und leider hat Julio am Ende noch ein paar Scheite in den Ofen geworfen, so dass es oben, wo Mariana und ich schlafen wollten, eher wie in einer Sauna war. Ich habe also alle möglichen Fenster geöffnet, und dann ging es halbwegs.
Vokabel des Tages: Einsamkeit - soledad
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