MAIFELD DERBY 2021 â Mannheim, MaimarktgelĂ€nde (04.09.2021)
Im Jahr 2019 verkĂŒndete ein ausgebrannter Maifeld-Derby-Veranstalter Timo Kumpf die einjĂ€hrige Festivalpause. Damals war noch nicht einmal klar, ob es mit dem finanziell angeschlagenen Festival dann 2021 weitergehen sollte. Denn die 2019-Ausgabe hatte nicht nur glĂŒckliche Besucher:innen, sondern auch 140.000 ⏠Schulden hinterlassen. Dann kam die Pandemie. Ein neues Konzept musste her, unter anderem unterstĂŒtzt von einer im zweiten Anlauf erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und Förderung durch die Stadt Mannheim, wo das Maifeld seit seiner GrĂŒndung auf dem GelĂ€nde des Maimarkts und MVV-Reitstadions stattfindet.
WĂ€hrend zahlreiche Festivals in Deutschland auch in diesem Jahr pandemie- oder politikbedingt absagen mussten (je nachdem, wie man das sieht), konnte nun ausgerechnet das Maifeld Derby sein zehnjĂ€hriges JubilĂ€um feiern. Zwar musste das beliebte Indie-Festival den ursprĂŒnglichen Termin vom Juni in den September schieben, den Umfang an Bands und KĂŒnstler:innen abspecken. Doch vom 3. bis 5. September 2021 hieĂ es endlich wieder: BĂŒhne frei fĂŒr das Maifeld Derby. Wir waren am Samstag fĂŒr euch vor Ort.
SelbstverstĂ€ndlich machte sich die Pandemie bemerkbar und das Maifeld hatte bereits lange im Vorfeld eine coronakonforme Veranstaltung angekĂŒndigt: 3G, Maskenpflicht, insgesamt weniger GĂ€ste, neues BĂŒhnenkonzept, SitzplĂ€tze â an denen man jedoch bequem stehen und sogar tanzen konnte.
Beim Lineup schlug das Festival primĂ€r ruhige KlĂ€nge an, was jedoch zum reduzierten Programm passte und die Sitz- bzw. Abstandskonzerte berĂŒcksichtigte. Maifeld-Ersties dĂŒrften sich dennoch kaum vorstellen können, dass 2018 etwa Bands wie Neurosis oder Wolves In The Throne Room die BĂŒhne rockten. Gleichzeitig untermauerte das Maifeld Derby so seinen exzellenten Ruf als Indie-Pop-Schmelztiegel, von dem sich am Samstag rund 2.000 Besucher:innen bei strahlendem Sonnenschein unterhalten lieĂen. Fast alle hielten sich an die Regeln und trugen beim Weg zwischen den zwei BĂŒhnen ihre Masken.
PalastbĂŒhne und Biergarten DâAmour
Die PalastbĂŒhne eröffnen die Indie Rocker Jon Doe aus dem benachbarten Heidelberg und es ist durchaus viel los vor der BĂŒhne â soweit das eben zwischen Stuhlreihen möglich ist. Die Sonne brennt und die TribĂŒne des in diesem Jahr umfangreicher genutzten Reitstadions empfiehlt sich direkt als gemĂŒtliche Chill-Out-Area. Vor und auf der BĂŒhne ist mehr Bewegung drin. HĂŒften kreisen, Köpfe wackeln und insgesamt freut sich einfach jeder, auf einem Festival zu sein.
Im Biergarten DâAmour wollen auf steinigem Untergrund und Biertischgarnituren nicht wirklich amouröse GefĂŒhle aufkommen, zudem flĂŒchten die ersten Besucher:innen vor der brennenden Sonne in den spĂ€rlich vorhandenen Schatten. Singer/Songwriterin Licia beschwört mit klarer Stimme emotionale Balladen an ihrem Keyboard herauf, die sich angesichts der zu diesem Zeitpunkt noch ein wenig tristen Bierbankromatik nicht ganz entfalten können.
Licia, © Florian Trykowski
Rapper Schmyt hat gute Laune und prĂ€sentiert mit seinen elektropoplastigen Tracks einen entspannt-schwofigen Auftritt. Ob es die zahlreichen Effekte auf seiner Stimme braucht, sei dahingestellt, dem Publikum ist es egal und es feiert den spannenden KĂŒnstler, der kein Geheimtipp mehr ist. âWer studiert an der Poppe?â, will Schmyt wissen und verweist auf Mannheims Popakemdie. âGeil, dass ihr so wenig seidâ ulkt er, als kaum HĂ€nde nach oben gehen.
Singer/Songwriter PlĂ si aus Schweden schlĂ€gt ruhigere Töne an. âWie jeder Liedermacher schreibe ich ĂŒber Liebe und Trennungsschmerzâ gibt er zu Protokoll. Aber auch eine persönloche Geschichte zur Syrienkrise hat er zu erzĂ€hlen. Sein tiefe, klangvolle Stimme entfaltet einen hypnotischen Sog, auf den man sich einlassen muss. Plötzlich fliegen Seifenblasen ĂŒber den Biergarten DâAmour â ein perfekter Moment.
Plà si, © Florian Trykowski
Auf der PalastbĂŒhne steht nun Anika, die mit ihrem Avant-Garde-Pop ein vielversprechender Slot im Lineup war. Die Darbietung umschmeichelt ein Anne Clark Vibe, doch leider ist der Gasang unter dem wummernden Bass kaum zu hören. Das nĂ€chste Mal bitte nachts mit viel Nebel auf der BĂŒhne.
Anika, © Florian Trykowski
Die Dortmunder Punk Band Drens spricht auf der BĂŒhne des Biergarten DâAmour eher Freunde des Gerstenssaftes an und weniger Romantiker. Und das kommt genau zur rechte Zeit, denn das Maifeld braucht ein bisschen Geschwindigkeit. Die Truppe in ihren charakteristischen roten Shorts â gute Merch-Idee â sucht den Kontakt zum Publikum, feuert es an, lĂ€dt zum Mitmachen ein. Ihre Songs zwischen The Wombats und Schmutzki gehen gut nach vorne, HĂ€nde klatschen im Takt und plötzlich gibt es einige âBiertisch-Circleâ. Not macht erfinderisch, Festivallust auch. Zum ersten Mal werden Zugabe-Rufe laut.
WĂ€hrend sich die Sonne langsam vom Tag verabschiedet, beginnen die DĂ€nen von Efterklang mit einem vertrĂ€umten Set, das sofort das Publikum in seinen Bann zieht. Kaum jemand sitzt auf den StĂŒhlen vor der BĂŒhne, Menschen tanzen mit geschlossenen Augen und einem LĂ€cheln im Gesicht. So muss Festival. Willig lĂ€sst sich das Publikum auf die Call and Response Spiele der Band ein, singt im Chor, vereinzelt sprieĂt GĂ€nsehaut. Efterklang servieren trotz repetetiver Setlist einen headline-wĂŒrdigen Auftritt. Eine Besucherin sagt: âIch hatte zum ersten Mal wieder dieses Festival-GefĂŒhl.â
Nun könnte man meinen, dass sicher alle Maifeld Derby GĂ€ste bei Efterklang getanzt haben. Nicht ganz. Indie-Rocker Shelter Boy hat den Biergarten DâAmour ohne groĂen Aufwand erobert und sorgt fĂŒr ausnahmslos gute Stimmung.
Feng Suave, © Florian Trykowski
Den NiederlĂ€ndern Feng Suave gelingt das im Anschluss nicht ganz. Warum klingen eigentlich so viele Bands wie De Staat oder Balthazar, die natĂŒrlich alle schon beim Maifeld Derby gespielt haben? Feng Suave sind eine Truppe spielfreudiger Mucker, zu deren basslastigem Rock sich der manchereiner nun gemĂŒtlich einen Joint ansteckt. Alle anderen sind beim Headliner Sophie Hunger, die ihrer Rolle absolut gerecht wird. Hier sitzt alles. Tolle Performance, stimmige Lightshow, packende AtmosphĂ€re, Dialog mit dem Publikum, vielseitige Setlist.
Das nĂ€chste Maifeld Derby ist bereits fĂŒr den 10. bis 12. Juni 2022 angekĂŒndigt. DrĂŒcken wir die Daumen, dass es stattfindet. DrĂŒcken wir die Daumen, dass alle Festivals wieder stattfinden können.
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