MAULGRUPPE â Leipzig, Conne Island (04.11.2021)
Mit Dackelblut am Arsch der Oma Hans
Punk und Diskursankurbelungspotential â erzĂ€hl mir was Neues!
Okay cool: Irgendwas mit Herbstregen, Frischluft und Fahrradtour, mit klebenden, roten BlĂ€ttern und Frauen, von Donnerstagabend und Leipzig. In den verstreuten PfĂŒtzen im Innenhoftief spiegeln sich die Lichter des Conne Island (gebaut auf einem Berg aus 50ct MĂŒnzen). Der groĂe, dunkelblau kolorierte Gorilla kĂŒndigt es mit leuchtend gelben Buchstaben an: Maulgruppe fĂŒttern die lautlose Dunkelheit, nachdem John, Paul, George, Ringo & Richard sich der Aufgabe angenommen haben, den Punk zu beschwören. Es tummelt sich ein. Francoise Cactus leuchtet zweidimensional im Scheinwerfer vor dem gleichgĂŒltig schauenden Tierabbild, das die BĂŒhne der Konzertlocation verhĂ€ngt und die Performenden des Abends auf Augenhöhe mit dem Publikum schiebt.
Die Kunst ist tot, lang lebe die Kunst!
Die fĂŒnf lustigen zwei der Vorgruppe â ĂŒbrigens namenbedingt nicht zu leicht in den gĂ€ngigen Suchmaschinen aufzufinden â starten ihr Intro. Sie bereiten uns und sich selbst auf den Abend im Nebel vor, schaffen es nicht ganz, die Kleider in den ersten Tönen zu wechseln â was solls. Die Stille verbietet es nicht, einen Schluck aus der Mini-Africola-Glasflasche zu genieĂen. WĂ€hrenddessen klappert ein (mehr oder weniger gewollt) schiefgrinsender Geist durch den freien, zaghaften Publikumshalbkreis. John, Paul, George, Ringo & Richard schleudern Technik und GefĂŒhl in und ĂŒber die Gesichter, auch in jene, die auf der aufgetĂŒrmten TribĂŒne hocken und gucken. FĂŒr âekelhafte Deutsche auf dem Polenmarktâ, oder fĂŒr âZukunft â auch so ein Thema //â zwirbelt das Diskolicht an den WĂ€nden entlang. Zur abgespielten Musik und den ausperformten Wortkombination lĂ€sst es sich gut wackeln, die meisten Personen lachen vor schallrauschender Unterhaltung â ein Traum von Pisse! ImmerwĂ€hrend rĂŒttelt und schĂŒttelt das unaufhaltsame Gespenst, das die antrainierte Pandemiedistanz angenehm verlernt hat. Der Abschluss verhallt mit einem herzlichen Dank an jenen Geist, den schnell auserzĂ€hlten Gag, die einladende Energie.
Herr Rachut, wo sind die Frauen?
Seltsam auffĂ€llig, bemerken die umherschweifenden Blicke den akuten Frauenmangel im Innenraum. Nicht, dass eine Ausgeglichenheit der Geschlechterideen irgendeine Relevanz fĂŒr den Kunstgenuss hĂ€tte, aber als eine Besonderheit des Abends, soll es nicht unerwĂ€hnt bleiben â wenigstens als eine fragende ZwischenĂŒberschrift hervorgehoben werden. (Ăbrigens: Frauen und Punk ist ein interessanter GesprĂ€chsstart, der wirklich spannende Perspektiven und Inhalte im nĂ€heren oder entfernteren Bekanntenkreis offenbart.) Völlig losgelöst von den Gedanken, zeigt sich die Maulgruppe im Zentrum des Conne Island, zwischen den strahlenden, nahen, zappeligen Musikbegeisterten. Die lebende Punklegende, das StĂŒck deutsche Popkultur, Jens Rachut, markiert anfangs den GeschichtenerzĂ€hler, treibt dann aber mit seiner markanten Klangfarbe und den beherzten Mitmusikern mit Tieren in Tschernobyl durch die Hitsignale. âMax, mach mal Nebel von der guten Nebelmaschine!â Und die weiĂ-grauen, blickdichten Schwaden und tĂŒrmen sich ĂŒber die wippenden Köpfe mit Ausgelassenheit in den Raum aus. Jemand mit besonders leuchtenden FingernĂ€geln zum schön finden und Expertise fĂŒr alles, erklĂ€rt mir etwas ĂŒber Raumaufteilung nach persönlichem EskalationsausmaĂ (die ĂŒbrigens anpassungsfĂ€hig ist) und supportet Gedanken an Unbeholfenheit von Bewegung im Punk (wenn kein Moshpit in Gang kommt). Der Abschluss findet sich in kollektiven TrĂ€ume aus Stereo Total, das Duett als Nachruf: Kakteen verblĂŒhen nie.
Weblinks
Homepage:Â /> Facebook:Â www.facebook.com/Maulgruppe-340738969896582 Bandcamp: maulgruppe.bandcamp.com Bandcamp: johnpaulgeorgeringorichard.bandcamp.com
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