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MAPS, ein Rauschen ohne Signal. Nein, das ist es nicht. MAPS wirkt hartnĂ€ckig aus unerfindlichen GrĂŒnden. Ein Muster, eine Botschaft, die erkannt werden will. Es drĂ€ngt sich auf, gefolgt von einer kleinen Emphase, unheimlich mag es klingen. Es dĂ€mmert in meinem Hirn. MAPS ist nur die Verschleierung einer Wahrheit, versteckt unter vielen Falschheiten. Es liegt an mir, es zu erkennen. MAPS ist die Information, doch ohne Metawissen werde ich es nie erfahren. Delete it, genug Spassgesellschaft. Doch MAPS hĂ€lt mich gefangen und fĂŒhrt mich hin. Fasziniert erkenne ich endlich, Wahrheit und Sinn sind oft unzugĂ€nglich und bleiben verschleiert.
Die Auseinandersetzung des Stichwortes SPAM zum Jahresende fĂŒhrte mich diesmal ganz woanders hin. So entstand MAPS. Der verschleierte Sinn passt bestens.
Ignoranz ist ein Zustand der Unwissenheit. Ignoranz! Nicht Dummheit, das ist etwas anderes. Ignoranz erzeugt Angst.
Robert Taylor zitiert nach: Lutz Dammbeck: âDas Netz - Die Konstruktion des UNA-Bombersâ, S.34
Hans-Christian Dany ĂŒber die Wurzeln der sich selbst kontrollierenden Gesellschaft in der Kybernetik
Schon Deleuze sagte in einem Interview, dass die Kybernetik die zentrale Maschine der Kontrollgesellschaft ist. StĂ€ndig arbeiten wir an uns, ĂŒberprĂŒfen, ob wir gut aussehen und witzig sind. Die kybernetischen Bewertungmaschinen forcieren diese Entwicklung. Ăber Facebook und die anderen Medien kontrollieren wir uns, ob wir wirklich cool und voll auf Zack, also immer gut informiert sind. Es bedarf keiner AutoritĂ€t von auĂen mehr, das alles am laufen zu halten, das erledigt der einzelne selbst. Als die Kontrollgesellschaft sich etabliert hatte, war die Kybernetik schon lĂ€nger aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden.
(...)
ZunÀchst einmal bleibt zu attestieren, dass da etwas total schief gelaufen ist mit dem Internet. Da lagen Potentiale drin, aber es scheint mittlerweile komplett erfasst von der schnöden Logik des Kapitals, da scheint nur noch die schwarze Sonne der Langeweile. Vielleicht sollte man sich davon abwenden.
Oder alles verschlĂŒsseln?
Hans-Christian Dany: FĂŒr mich ist die Diskussion bizarr. Du hast mich vor 18 Jahren zum Thema VerschlĂŒsselung interviewt und wir wollten uns ja eigentlich weiter entwickeln und mĂŒssen nun wieder ĂŒber Pretty Good Privacy oder Ă€hnliche Programme reden, als ob sie gestern erfunden wurden. Warum haben wir plötzlich Menschen, die denken, ihre Emails seien fĂŒr irgendeinen Geheimdienst relevant? Warum haben wir einen BundesprĂ€sidenten, der einen VerrĂ€ter lobt? Es ist eine Scheindiskussion, denn was ist das fĂŒr eine PrivatsphĂ€re, wenn es keine politische Ăffentlichkeit mehr gibt. VerschlĂŒsselung kann bestimmte NebelbĂ€nke im GefĂŒge herstellen, mehr nicht. Wahrscheinlich geht es auch hier nun um die Lancierung neuer MĂ€rkte fĂŒr deutsche Technikfirmen. Von daher finde ich es nicht sehr interessant. Zudem wird dadurch suggeriert, dass es um die Ăberwachung durch einen Geheimdienst oder eben die Polizei geht. Aber es geht darum, dass du mein Polizist bist und ich deiner.
Auch Organisationen wie WikiLeaks arbeiten mit der Vorstellung, es gÀbe ein Geheimnis der Macht. Ist das falsch?
Hans-Christian Dany: Die Kategorien stimmen nicht mehr. Die Forderung nach Transparenz beinhaltet, dass wir uns alle gegenseitig transparent machen. Die avancierteste Position nimmt die Piratenpartei ein.
Die argumentieren, dass nur die staatliche Macht transparent sein soll und unsere Daten dagegen geschĂŒtzt.
Hans-Christian Dany: Aber es wird ein positives Bild der Kontrolle gezeichnet. Auch die Piraten sehen es positiv, wenn wir uns alle gegenseitig bewerten und den Strom der Information weiter aufrechterhalten. Ich soll das Café nach dem GesprÀch hier verlassen und bewerten und erzÀhlen, dass die Toiletten nicht geputzt waren.
(...)
Wenn man betrachtet, wie die AufstĂ€nde der letzten Zeit beispielsweise in Brasilien oder der TĂŒrkei von Wirtschaftsmagazinen gefeiert werden, dann ahnt man, wo die Hoffnungen des Managementtheorie liegen. Die Magazine sehen dort eine neue Generation von Kapitalisten heranwachsen, die sich gegen die engen KontrollkreislĂ€ufe wehren. Das sind Formen der Protests, die im hohen MaĂe lesbar sind und daher gut integriert werden können. Demnach kĂ€mpfen in der TĂŒrkei die Modernisierer gegen die Konservativen, die Korrupten oder den zu starken Islam und in Brasilien die Mittelschicht gegen die alten Eliten. In den Bewegungen selbst mag es sehr viel vielschichtiger sein, aber die Interpretation ist eindeutig. Andere Formen des Widerstands, die sich gegen die engen KontrollkreislĂ€ufe wehren, um sie fĂŒr ĂŒberlebensnotwendige Innovation zu öffnen, sind gefĂ€hrlicher.
Du spielst auf die AufstĂ€nde in London und den Pariser Banlieus an, die von den Medien als blindwĂŒtiger Mob interpretiert wurden.
Hans-Christian Dany: Diese Bewegungen sind viel weniger eindeutig und agieren aus einer starken NegativitĂ€t. Die Verweigerung des Sprechens und der Forderung nach sozialer MobilitĂ€t fand ich interessant. Das massenhafte AnzĂŒnden von Autos in Paris als Verweigerung des Bewegungsgedankens bringt zum Ausdruck: âWir bleiben hier.â Das bleibt natĂŒrlich irrational und ist nicht genau greifbar. âWir wollen nicht mehr arm sein, aber wir zerstören auch das klein bisschen Reichtum, das ihr uns anbietetâ, ist noch so ein irrationales Bild, das hĂ€ngen geblieben ist. In London deutet die PlĂŒnderung auf ein komplettes Ja zum Kapitalismus hin, gleichzeitig wird das Zeug verbrannt: ein Oszillieren zwischen Negation und Affirmation. Das sind Figuren, die sich zu Störungen auswachsen und Felder des Undurchsichtigen erzeugen können.
Spielt es eine Rolle, was die Akteure sich dabei denken?
Hans-Christian Dany: Im Gegenteil: Es kann eher etwas zu Störung werden, das keine Intention hat. Denn dann laufen die Sensoren ins Leere.
In Hamburg diskutiert man seit einigen Jahren unter dem Titel âRecht auf Stadtâ die stĂ€dtische Umstrukturierung und kĂ€mpft gegen steigende Mieten. Auch da haben Du und andere dem AktionsbĂŒndnis vorgeworfen, dem System nur Frischluft zuzufĂ€cheln und Reparaturdienstleister zu sein. Das fĂŒhrte verstĂ€ndlicherweise zu Widerspruch bei den Beteiligten und zu Frust bei jedem Sozialarbeiter.
Hans-Christian Dany: Es gab damals eine groĂe Aufmerksamkeit fĂŒr politische Bewegungen, die als widerstĂ€ndische Form auftraten. Die Besetzung des GĂ€ngeviertels und die Recht-auf-Stadt-Initiative waren zwei Akteure. Die Bewegung âNot in Our Nameâ, in der sich vor allem KĂŒnstler- und Kulturschaffende engagiert haben, wollte sich nicht vom Stadtmarketing vereinnahmen lassen. Ich sage nicht, dass man sein BemĂŒhen, gut miteinander umzugehen, einstellen oder gar aufhören sollte, ethisch zu handeln. Damals ging es aber um sehr symbolisches Auftreten, denn das Manifest kam rotzig daher, schmiegte sich aber gleichzeitig an den Tonfall einer postdemokratischen MedialitĂ€t. Daher wurde es begeistert aufgegriffen und es kam zu einer Debatte im Senat. Es benötigte jemanden, der diese Fragen damals so aufwarf. Das GĂ€ngeviertel hĂ€tte von der Stadt Hamburg erfunden werden mĂŒssen, wenn es denn nicht selbstorganisiert entstanden wĂ€re. Es tauchte eine neue Ăsthetik fĂŒr Hausbesetzer auf, es gab einen Plan, wie man sich durch das Viertel bewegen kann, es gab einen unheimlich intensiven Kontakt zur Springer-Presse. Heute ist das GĂ€ngeviertel ein hoch subventioniertes stĂ€dtisches Projekt. Das sind sich wiederholende Strukturen, der ewige Runde Tisch, die im Grunde nur eine Entsorgung der gesellschaftlichen Probleme auf einer symbolischen Ebene betreiben.
Die herrschende Ordnung lĂ€sst immer nur die Information beziehungsweise Störung zu, die fĂŒr sie noch ertrĂ€glich ist?
Hans-Christian Dany: Man dĂ€mmt die Mietpreise etwas ein, weil der Markt sonst auch völlig ĂŒberhitzt. Die politisiert-widerstĂ€ndischen Initiativen dienen als Sensoren der kybernetischen Maschine und sondieren das GelĂ€nde. Es gibt einen Slogan dieser Initiativen, der lautet: âStell dir vor, die WĂŒnsche gehen auf die StraĂe.â Das war mal eine Vorstellung, wie ein Aufstand aussieht. Wenn heute die WĂŒnsche ans Licht gehen, dann ist das nur die Meldung: Hier muss was reguliert werden. Dabei könnte es darum gehen, die Störung im Dunklen zu halten, damit sie anschwillt und zur Explosion kommt.
(...)
auch interessant: http://www.joergo.de/rohlfs/ ( Beobachtung ĂŒber die Wirkungen des Haschisch des Bremer Afrikaforschers Gerhard Rohlfs 1866 )
http://www.joergo.de/tp_int-flasspoehler/ ( Interview mit Svenja FlaĂpöhler ĂŒber Leistungsdruck und Selbstverwirklichung in der postindustriellen Arbeitsgesellschaft )
Smart Home. Back in the USSR
Written in German, published in German and English (translated by Nicholas Grindell) in the printed issue of form 270, Mar/Apr 2017
Wissenschaftliche Arbeiten wie Cyber Sovietica von Diana Kurkovsky West und How Not to Network a Nation von Benjamin Peters legen nahe, dass die Erfahrungen, die die Sowjetunion mit Kybernetik und dem Netzwerken gemacht hat, aktuelle Diskussionen um eine datenintensive Zukunft, die Gestaltung von Smart Homes und die Rolle von automatisierten Prozessen in unserer westlichen Gesellschaft bereichern können. Doch welche Rolle spielte Kybernetik in der Sowjetunion? Und was genau können wir von der sowjetischen Vergangenheit fĂŒr unsere Gegenwart und Zukunft lernen?
Academic studies like Cyber Sovietica by Diana Kurkovsky West and How Not to Network a Nation by Benjamin Peters suggest that the Soviet Unionâs experience with cybernetics and networks could enrich the current debate on a data-intensive future, the design of smart homes, and the role of automated processes in our Western society. But what part did cybernetics play in the Soviet Union? And what exactly can we learn from the Soviet past for our own present and future?

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Wer sich als funktionale Möglichkeit auslöscht, lernt immer mehr andere Idioten kennen. Manchmal rotten wir uns zusammen, meist lungern wir aber einfach nur herum. [âŠ] Teil der idiotischen AsozialitĂ€t zu weden, ist keine SelbstbeschĂ€digung, sondern eine Möglichkeit, eine kollektiv geteilte Weite auĂerhalb der Erfassung zu betreten - ein Fallen aus den Rastern. [âŠ] Dabei lohnt allein der Blick auf AusgĂ€nge, Schwachstellen und AngriffsflĂ€chen. [âŠ] Das Schweigen in ihrer Sprache ĂŒberfordert die Sensoren. In den Regelkreisen bilden sich NebelbĂ€nke, die sich langsam ins Innere der Steuerung ĂŒbertragen, wo sie zu Leerlauf fĂŒhren. Ăber den Horizont huscht ein Moment von Ungeduld. Ein Apparat antwortet kurz vorm Platzen, verstopft von dem, was er nicht mehr in Information umrechnen kann, mit einem verzerrten LĂ€cheln, so, als wollte er sich fĂŒr seine Existenz entschuldigen. Im Fenster wird eine unbekannte Galaxie erkennbar.
Hans-Christian Dany: Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft. 2013, S. 120f.
'Autonomie' besagt, daĂ wir die Welten, die wir sind, wachsen lassen.
Tiqqun: "Kybernetik und Revolte", S.118
Bei jeder tumultuösen Geburt der Liebe wird der grundlegende Wunsch wiedergeboren, sich selbst und die Welt umzuwandeln.
Tiqqun: "Kybernetik und Revolte", S.104