März 2024 bis März 2025
Hin-und-her-und-hin-und-her-Redigat
Neidisch erfahre ich aus Kathrins Suche nach einer Google-Docs-Alternative, dass die Menschen, die ihre Texte redigieren, das in Google Docs tun. Ich muss für die meisten Dinge, die ich für andere schreibe, Word-Dokumente verschicken, die dann wieder per Mail zurückkommen. Wenn es gut läuft, schicke ich einfach einen rudimentär formatierten Fließtext und habe mit dem Endlayout gar nichts zu tun.
Gerade Fachzeitschriften liefern aber gerne Word-Dokumentvorlagen, in die man bereits annähernd im Endlayout schreiben kann und muss. (Das passt überhaupt nicht zu meinem üblichen Workflow: Ich schreibe eigentlich alles in einem Texteditor in Markdown vor, und wenn ich es formatiert brauche, mache ich aus dem Markdown einen formatierten Text, den ich ins Zielprogramm kopieren kann.) Die Endredaktion folgt dann in einem PDF-Dokument, in das Korrekturzeichen eingefügt werden.
Ein Projekt, an dem ich gerade beteiligt bin, ist ein größerer juristischer Kommentar, der drei Gesetzeswerke mit insgesamt über 200 Artikeln und Paragraphen umfasst. (Der folgende Prozess läuft also in Anzahl der Gesamtautor*innen parallel – das Ausmaß von Organisiertheit, das dazu seitens der Lektorin nötig ist, nötigt mir größten Respekt ab, zumal irgendwo im Prozess auch die beiden Herausgeber*innen des Gesamtwerks die eine oder andere Schleife über alle Texte drehen müssen.)
Ich bin für einen Artikel zuständig, zusammen mit einem Co-Autor. Im ersten Schritt schicken wir uns die Word-Datei im Verlags-Layout hin und her, bis wir den Text fertig haben. (Zum Glück sind wir uns schnell einig, und zum Glück ist das Layout nicht so komplex, dass es zu Problemen führt, dass ich LibreOffice statt Microsoft Office verwende.) Im nächsten Schritt bekommt die Lektorin des Verlags unser Word-Dokument letzter Fassung, das erhalten wir redigiert wieder zurück und schicken es uns dazu hin und her, bis wir es fertig an die Lektorin schicken, die dann ein PDF schickt mit letzten Anmerkungen. Hier lerne ich die Bezeichnung »Blockade« für einen schwarzen Kasten vor einem Wort kennen, mit denen Fragen gekennzeichnet werden, die unbedingt geklärt werden müssen. (Meist handelt es sich um Literaturverweise, bei denen überprüft werden muss, ob ein in der Vorauflage schon vorhandener Verweis auch noch auf die richtige Stelle in einer mittlerweile erschienenen neuen Auflage des zitierten Werks zeigt.) Die Korrektur erfolgt mit der Korrekturfunktion in der PDF-Reader-Software, mit der sich in einer Datei wie früher auf Papier Korrekturzeichen anbringen lassen. (In der Mail der Lektorin steht aber, dass man auch von Hand auf Papier letzte Korrekturen einreichen darf, mein Respekt vor ihrer Arbeit steigt immer weiter.) Nachdem wir alle Blockaden aufgelöst haben und das PDF mit letzten Anmerkungen an die Lektorin geschafft haben, ist unsere Abgabe erledigt. (Der ganze Prozess dauerte ein Jahr.)
(Felix Neumann)












