Eigentlich ist das Kurio Tab 2 perfekt fĂŒr den Nachwuchs geeignet: Das Kindertablet ist handlich, mit zahllosen Apps ausgestattet und bietet mit Motion Games auch noch die Möglichkeit, sich körperlich zu ertĂŒchtigen. AberâŠ? Der Praxistest.
Das mir zur VerfĂŒgung gestellte Kurio Tab 2 in der Motion Edition hinterlĂ€sst am Anfang einen positiven Eindruck. Eine angenehm farbenfrohe Verpackung, alle nötigen ErklĂ€rungen auf der RĂŒckseite, auch die technischen Details werden erwĂ€hnt. Beim Ăffnen der HĂŒlle offenbart sich das Tablet, das bereits in der Silikon-HĂŒlle steckt. Netzteil, Anleitung, einen Gutschein-Code fĂŒr das Kids-Portal Kividoo und den Hinweis, dass die Ersteinrichtung Eltern durchfĂŒhren sollten, gibtâs ebenfalls. Viel ist das nicht, aber mehr benötigt zu Beginn auch niemand.
Sieht doch alles verlockend aus. (Foto: Sven Wernicke)
Erste ErnĂŒchterung: Die Hardware
Tablet eingeschaltet undâŠgewartet. âDer erste Start dauert recht langeâ, dachte ich mir jedenfalls. Letztlich ist das der Hardware geschuldet. Denn wir reden hier ĂŒber Komponenten, die schon vor zwei, drei Jahren nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit waren. Vor allem der MediaTek MTK8127 Quadcore-Prozessor ist meiner Auffassung nach keine optimale Wahl, da einfach viel zu langsam fĂŒr anspruchsvolle Anwendungen. Ihm stehen 1GB RAM und 8GB Flash-Speicher zur VerfĂŒgung. Bluetooth 4.0, Micro-SD-Speicherkartenslot und ein integriertes Mikrofon gehören zum Standard, schwach wiederum ist das WLAN-Modul, das das lĂ€ngst nicht mehr unĂŒbliche 5GHz-Netz nicht unterstĂŒtzt. Die beiden Kameras hĂ€tten ruhig eine bessere QualitĂ€t erhalten können, 0,3 Megapixel (Vorderseite) und 2 Megapixel (RĂŒckseite) sind teils nicht einmal fĂŒr SchnappschĂŒsse geeignet. Das 7 Zoll groĂe Display verfĂŒgt ĂŒber eine Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten. In Zeiten von Full HD und mehr ist das nicht unbedingt das gröĂte VergnĂŒgen fĂŒr die Augen. Löblich dagegen ist der OTG-fĂ€hige USB 2.0-Anschluss und der micro-HDMI-Port zum Verbinden mit dem Fernseher. Der Akku mit 2820 mAh stammt vermutlich aus einem Smartphone und nicht aus einem Tablet.
Das ist drin. (Foto: Sven Wernicke)
Kurz gesagt: Das Kurio Tab 2 besteht aus Technik, die ziemlich antiquiert ist. Mittlerweile erhaltet ihr Ă€hnliche oder gar identische Tablets fĂŒr deutlich unter 100 Euro. Also muss sich das GerĂ€t in anderen Bereichen abheben, oder?
Man muss natĂŒrlich objektiv bleiben: Das Kurio Tab 2 ist fĂŒr Kinder zwischen 4 und 9 Jahren gedacht. Da braucht es nicht zwangslĂ€ufig die aktuellste Hardware. Nur wĂŒrde die Lebenserwartung eines solchen Tablets nicht höher ausfallen, wĂ€re die CPU schneller und das Display besser aufgelöst? Immerhin spendierte KD Interactive Android 5.0, eine aktuelle Version des mobilen Betriebssystems von Google. Ein Update auf Android 6.0 solltet ihr nicht erwarten, doch die 5er ist gegenĂŒber manch Ă€hnlich geartetem Tablet mit einem Android 4.x schon eine groĂe Bereicherung. Nicht nur das: Mit dem anfĂ€nglich eingerichtetem Elternprofil erhaltet ihr Vollzugriff auf die BenutzeroberflĂ€che, den Google Play Store und sĂ€mtliche Einstellungen. NatĂŒrlich ist dieser Zugang passwortgeschĂŒtzt. Hier richtet ihr weitere Profile fĂŒr eure Kinder ein und vergebt Rechte â was sie nutzen dĂŒrfen und was nicht.
Das Kurio Tab 2 nutzt konzeptionell die Benutzerverwaltung von Android 5.0, fĂŒgt aber ein paar ErgĂ€nzungen hinzu. Setzt Internetfilter und entscheidet, wie lange die Kleinen das Tablet ohne Pause verwenden dĂŒrfen. Das einzustellen geht flott von der Hand und ist auch fĂŒr Einsteiger geeignet. Ăbersichtliche MenĂŒs bekommen ĂŒbrigens auch Kinder in ihrem eingerichteten Bereich, der kaum noch an Android erinnert, allerdings gesperrte Apps sowie teils viel zu viel Text darstellt. Die nicht freigegebenen Anwendungen können zwar nicht aufgerufen werden, aber wieso bekommen Kinder diese dann ĂŒberhaupt zu Gesicht?
Man sollte sich schon damit beschÀftigten
Eines sollte euch klar sein: Möchtet ihr das Kurio Tab 2 euren Kindern zur VerfĂŒgung stellen, mĂŒsst IHR euch ausgiebig mit den Optionen, Eigenheiten und den Funktionen beschĂ€ftigen. WofĂŒr gebt ihr Freigaben, was dĂŒrfen gröĂere und kleinere MĂ€dels bzw. Jungs sehen? Welche Internetseiten sind tabu? Erst dann, wenn ihr euch sicher beim Umgang fĂŒhlt, dĂŒrfte die Zeit reif sein, den Kindern das Tablet in die Hand zu drĂŒcken.
Ansprechend und stabil. (Foto: Sven Wernicke)
Die Verantwortlichen machten sich gerade bei der Software-Auswahl viele Gedanken. Ăber 50 vorinstallierte Apps â da ist fĂŒr jeden etwas dabei. Die QualitĂ€t ist extrem schwankend, auch wird nicht jeder Toggo-Programme oder die zweimonatige Gratis-Mitgliedschaft von kividoo benötigen. Im Zweifel werden die Spiele gelöscht, die nicht gewĂŒnscht sind. Das gilt ebenso fĂŒr die 18 Kurio Motion Games, bei denen Ă€hnlich wie bei der guten, alten Wii Bewegungen der Spieler relevant sind. Dahinter verbirgt sich kein Hexenwerk, sondern simple Technologie: Die ohnehin viel zu niedrig auflösende Frontkamera nimmt Nutzer in 1-2m Entfernung vor dem Tablet wahr und berĂŒcksichtigt es, wenn der Körper von links nach rechts âwandertâ. Das klappt soweit, ist aber nicht immer komfortabel oder amĂŒsant. Das hat GrĂŒnde: Zum einen sind manche Sportspiele ziemlich doof, zum anderen unbrauchbar bei schlechteren LichtverhĂ€ltnissen. ZusĂ€tzlich ist es lĂ€stig, wenn ihr Eingaben am Tablet ausfĂŒhren sollt und euch kurze Zeit spĂ€ter von diesem wieder entfernt, um zu spielen. Anstrengend wird es bei einem regelmĂ€Ăigen Wechsel, nicht alle Games sind also gut durchdacht. Doch wie gesagt: Hier könnt ihr in Ruhe selbst herausfinden (lassen), was euch zusagt.
Englische ErklÀrung, wie ihr die Motion Games verwendet. (Foto: Screenshot)
Persönlich finde ich den Ansatz zwar schön, die Umsetzung scheitert an der Hardware. Die schlechte Front-Kamera macht einige SpielansĂ€tze völlig kaputt, von Genauigkeit ganz zu schweigen. Klar, das ist ein netter SpaĂ und ganz lustig, nur lange Freude wird hier niemand haben. Seht die Motion Games also nicht als DAS Kaufargument fĂŒr das Kurio Tab 2 in der Motion Edition.
Und was gar nicht geht: Viele vorinstallierte Spiele sind nur Testversionen, im eigens vorgesehenen App-Store ist eine Anmeldung nötig und manche Apps sind auch nur in Englisch verfĂŒgbar. Oder mit Werbung zugestopft. Das sind Aspekte, die nicht hĂ€tten sein mĂŒssen.
Einen cleveren Ansatz liefert KD Interactive quasi nebenbei. FĂŒr die Motion Games muss das Tablet aufgestellt werden. Entnehmt eine kleine PlastikflĂ€che aus der RĂŒckseite des GerĂ€ts und schiebt diese in die vorgesehene Einkerbung der Silikon-HĂŒlle â fertig ist der StĂ€nder, der sogar zwei Positionen zulĂ€sst. Das ist zwar eine relativ wackelige Angelegenheit und bietet noch viel Potential fĂŒr Verbesserungen, ist aber sonst nicht ĂŒbel. Auch, wenn man sich mal ein Video angucken möchte.
Steht dank StandfuĂ. (Foto: Sven Wernicke)
Was auf jeden Fall positiv hervorgehoben werden sollte, ist die Verarbeitung. Das Kurio Tab 2 fĂŒhlt sich wertig an. Besagtes Case sorgt dafĂŒr, dass der eine oder andere Sturz auf den Boden keine SchĂ€den hinterlĂ€sst. FĂŒr meinen Geschmack ist das Tablet recht schwer und dick, was nicht gerade praktisch fĂŒr kleinere Kinder ist.
Fazit: Empfehlenswert, aberâŠ
Immer dieses böse âABERâ. Im Fall des Kurio Tab 2 bleibt mir allerdings keine andere Wahl. GegenĂŒber dem VorgĂ€nger bringt Android 5.0 Verbesserungen bei der Nutzerverwaltung mit, die spezielle Eltern-App und die angepassten MenĂŒs fĂŒr Kinderprofile sorgen fĂŒr einen schnellen, recht unkomplizierten Einstieg â sofern sich die Erwachsenen mit dem Tablet auseinandersetzen. Ganz glĂŒcklich bin ich mit dem GerĂ€t dennoch nicht: Das Gewicht ist zu hoch, die Hardware angestaubt und die App-Auswahl nicht vollends zufriedenstellend.
Die RĂŒckseite mit dem PlastikstĂ€nder. (Foto: Sven Wernicke)
Trotzdem: Wer sich etwas mit dem Android-Tablet beschĂ€ftigt, unnötige Apps entfernt und das Kurio Tab 2 ausgiebig individualisiert sowie als Mediaplayer fĂŒr die Kinder verwenden möchte, liegt nicht verkehrt. Viele Möglichkeiten, ein soweit ordentliches Preis/LeistungsverhĂ€ltnis und dank Android ein riesiges Softwareangebot sprechen ganz klar fĂŒr das âSpielzeugâ. FĂŒr einen Nachfolger wĂŒnsche ich mir zeitgemĂ€Ăe Hardware, ein höher aufgelöstes Display und vielleicht auch ein geringeres, dafĂŒr interessanteres Spieleangebot. Mit einer besseren Frontcam wĂ€ren die Motion Games gewiss eine gröĂere Bereicherung.
Weitere Details bekommt ihr auf Kurioworld.de. Kaufen könnt ihr das GerÀt unter anderem bei Amazon.
 Wir haben uns mal das Kindertablet Kurio Tab 2 Motion Edition angeschaut. Eigentlich ist das Kurio Tab 2 perfekt fĂŒr den Nachwuchs geeignet: Das Kindertablet ist handlich, mit zahllosen Apps ausgestattet und bietet mit Motion Games auch noch die Möglichkeit, sich körperlich zu ertĂŒchtigen.