12. Juni. Reise nach Virginia. Gestern haben wir Baltimore verlassen, um uns ins Tal von Shenandoah zu begeben. Die Landschaft erinnert zwingend an manche Kapitel der Bibel: Friede, Anmut der bewaldeten HĂŒgel, die gedankenvoll im Licht der sinkenden Sonne stehen. Am FuĂ der Kuppen blinkt der FluĂ gleich einem groĂen SĂ€bel, der auf der Wiese lĂ€ge. Was die Natur spricht, wird nie verstehen, wer nicht das Schweigen liebt. Wie groĂ sie auch sei, ihre Stimme wird nicht hörbar, sofern wir nicht lauschen und schon das geringste GeschwĂ€tz ĂŒbertönt ihr Wort. Die Weiten Virginias durchwaltet unnennbare innere MajestĂ€t. Es ist die Welt des Buches Ruth oder der letzten Kapitel des Pentateuch. Man möchte gleich den Trappisten fĂŒr immer verstummen, wenn man in die tiefen TĂ€ler blickt, darin die kupfergoldnen Strahlen
Green, Julien (1952): TagebĂŒcher1928-1945, Herold Wien











