Jochen Gerz, The Self-Portrait, 1975 (video here) [Gerz Studio, Sneem, Killarney Co. Kerry]
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Jochen Gerz, The Self-Portrait, 1975 (video here) [Gerz Studio, Sneem, Killarney Co. Kerry]

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Jochen Gerz, The Self-Portrait, 1975 (video here) [Gerz Studio, Sneem, Killarney Co. Kerry]
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Jochen Gerz, From Pictures at an exhibition , 1978
Jochen Gerz, Um fahren zu können bis du allein bist. Darauf angewiesen sein , 1972â1972

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Jochen Gerz, Ignoranti, 2003
Demokratie und Gesellschaft im Fokus seines Werkes: Heute wird Jochen Gerz, der nimmermĂŒde Kunstkritik-KĂŒnstler im Dienste aller Denkenden, achtzig Jahre alt.
Wir sind von der Kunst angezogen, weil wir in ihr wissen, daĂ es keinen Sieg gibt. Wir sind davon angezogen wegen ihres Potentials zur Mimesis, wegen ihrer FĂ€higkeit, sich dem zu nĂ€hern, was so ist, wie es ist. Es scheint, als könnten wir in ihr teilhaben an etwas, das wir ohnehin sind, das wir aber nicht denken können: RealitĂ€t. Kunst ist daher im Grunde lakonisch, fast ĂŒberflĂŒssig und nutzlos. Sie sagt, was ohnehin so ist, wie es ist. Sie ist als eine Ăsthetik dieser Ăhnlichkeit unemphatisch.
Jochen Gerz: Drinnen vor der TĂŒr. Reden an Studenten. Stuttgart 1999, S.75
Mit dieser Rede, gehalten 1996 vor Absolventen der Hamburger Kunsthochschule, beerdigt Jochen Gerz â gewissermaĂen aus dem Stegreif und mit viel Charme â die Konzepte von Autonomie und Differenz. Stattdessen ruft er eine Ăsthetik der Bescheidenheit, der NĂ€he und Empathie aus. Kunst bewegt sich fĂŒr Gerz immer am Rand der Selbstauflösung. Das Residuum an Differenz, das auch in seiner Ăsthetik der Ăhnlichkeit angelegt ist, die eben keine Ăsthetik der IdentitĂ€t ist, siedelt er im KĂŒnstlerindividuum an. Konstitutionell ist sie fĂŒr die TĂ€tigkeit des Kunst Machens, nicht fĂŒr die Kunst selbst. Kunst ist fĂŒr Gerz angesichts einer immer gröĂer werdenden Welt notwendig klein und unbedeutend. Weltbekannte KĂŒnstler, so schreibt er, gibt es eben nur in der Provinz.
Globalisierung also. Der Begriff fĂ€llt zwar nicht, steht aber offenkundig im Hintergrund von Gerzâ Ăberlegungen. Und gerade deshalb finde ich seinen Text wirklich interessant. Ich habe nĂ€mlich das GefĂŒhl, dass der Umgang mit Autonomie und Globalisierung und ihr Zusammenhang ein absolut entscheidendes Thema der Gegenwart ist. Autonomie dabei nicht nur verstanden als Autonomie der Kunst sondern als Autonomie des Individuums. In den Culture Wars der Gegenwart passiert es ja laufend, dass KĂŒnstler und Intellektuelle, die Autonomie hochhalten, auf die Seite der ReaktionĂ€re abrutschen. Peter Handke ist nur das letzte Fall in einer langen Reihe. Mir scheint er gewissermaĂen fĂŒr eine ganze Generation zu stehen, die nach Emanzipation in der individuellen Biografie gesucht hat. Zu ihr gehört selbstverstĂ€ndlich auch Jochen Gerz, geboren 1940.
Das hat zwei Seiten und ich bin wirklich unsicher, wie ich dazu stehe. SolidaritĂ€t, KollektivitĂ€t, Empathie sind notwendig fĂŒr ein erfolgreiches politisches Projekt. Sie sind natĂŒrlich ĂŒberhaupt kein Widerspruch zu Autonomie. Ich wĂŒrde im Gegenteil sagen, dass sie sich im Grunde gegenseitig bedingen. Cancel Culture, Hysterie und blinde Political Correctness allerdings bedrohen Autonomie tatsĂ€chlich. Und was kann das Ziel jeder politischen Bewegung sein, wenn nicht die Emanzipation des Einzelnen â Autonomie? Vielleicht muss jetzt eine andere Generation â zu ihr gehören meine Freunde und ich â die KollektivĂ€t erlernen, zu der Gerzâ JahrgĂ€nge um 1968 gefunden hatten. Aber vergessen wir darĂŒber die Freiheit des Einzelnen nicht! Hier könnte Gerzâ Rede interessant sein. Denn im Grunde skizziert er mit seiner Ăsthetik der Ăhnlichkeit und NĂ€he eine Kunst, die sich öffnet zu Welt und Wirklichkeit aber doch etwas durchscheinen lĂ€sst von der Autonomie des KĂŒnstlerindividuums, dem sie ihr Dasein verdankt. Ich denke, seine eigenen Arbeiten sind wunderbare Beispiel dafĂŒr!âš